Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Stufenrain

Stufenraine sind schmale Streifen, die quer zum Hang liegen und eine steilere Neigung aufweisen, als die Felder darüber und darunter. Sie sind eine im Gefolge des Pflügens an Hängen ungewollte Begleitform der Bodenbearbeitung. Dabei wird durch dem Pflügen folgendes Abspülen der Bodenkrume dieses Bodenmaterial am unteren Ackerrain akkumuliert.

Das Feinmaterial aus der Bodenerosion sammelt sich im Laufe der Zeit in 'Sedimentfallen' an. Das sind Hindernisse, die nicht gepflügt werden wie Grasstreifen beispielsweise an einer Grenze oder einem Zaun, Lesesteine, die am Feldrand abgelegt wurden oder Terrassenmauern. Bodenmaterial sammelt sich hier natürlich nur an, wenn die Sedimentfalle quer oder wenigstens schräg zum Hanggefälle liegt, ansonsten wird das Material bis zum Hangfuß transportiert.

In Pflugrichtung entsteht so eine gleichsinnig verlaufende Begrenzung von terrassierten Ackerparzellen. Die Dichte der Stufenraine und natürlich auch die Breite der Ackerterrassen richten sich nach der Hangneigung. Eine Besitzparzelle kann demnach durch mehrere Stufenraine gegliedert sein.

In aller Regel finden sich solche Hindernisse an Feldgrenzen. Die Position und Verteilung der Stufenraine im Gelände hängt daher stark mit den jeweiligen Flurformen zusammen, die sowohl Pflugrichtung als auch Ansatzpunkte der Materialakkumulation bestimmen. Die Häufigkeit und die Höhe der Stufenraine wird von der Kombination der wirksamen agrarökologischen Einflussfaktoren gesteuert: Erosionsanfälligkeit der Böden, Anteil von Lesesteinen, Bodennutzungssystem, Dauer und Art der Landnutzung.

Stufenraine im Kraichgau
Stufenraine im Kraichgau

Quelle: Landwirtschaftsamt KA

Stufenraine treten meist in größerer Zahl zusammen auf und können das Bild ganzer Landschaften prägen. Stufenraine sind die mit Abstand wichtigsten Heckenstandorte in den Ackerbaugebieten Süd- und Mitteldeutschlands, wo sie fast überall in mehr oder weniger stark reliefiertem Gelände vorkommen.

Die Häufigkeit ist jedoch je nach Landschaft sehr unterschiedlich. Im stark erosionsanfälligen Löß können sie bereits bei Hangneigungen von 2-3° auftreten. Am häufigsten sind sie jedoch in Kalkgebieten, wo viele Lesesteine ideale Sedimentfallen darstellen. Stufenraine in Weidegebieten sind ein sicheres Zeichen für frühere Ackernutzung.

Hecken entwickeln sich auf Stufenrainen spontan, wenn die Wiesen nicht (mehr) gemäht oder beweidet werden. Da sich Stufenraine nur quer oder schräg zur Hangneigung ausbilden können, ist dies auch die häufigste Lage der süddeutschen Hecken im Gelände. Zusammenhängende, geschlossene Netzstrukturen wie in Norddeutschland (Knicks) gibt es hier kaum, typisch sind eher Gruppen einzelner, meist relativ kurzer Hecken. (DVL 2006)

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