Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Kulturlandschaft

Die vom Menschen gestaltete Landschaft, die nach bestimmten, vom jeweiligen Betrachter ausgewählten Kriterien abgegrenzt und gegliedert werden kann. Durch die Inwertsetzung der Naturlandschaft verwandelte sie der Mensch seit dem mittleren Neolithikum in die Kulturlandschaft. In Mitteleuropa waren dies wegen der dominierenden Waldbedeckung vornehmlich Eingriffe in die natürlichen Wälder.

Kulturlandschaften bestehen aus einem komplexen Mosaik von Ökosystemen, die räumlich in einer ganz bestimmten Weise angeordnet sind und in unterschiedlichem Maße vom Menschen beeinflußt werden. Der Mensch schafft Formen, Strukturen und funktionale Zusammenhänge, die es ohne ihn nicht geben würde. Jede Kulturlandschaft ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung von Menschen mit der gegebenen Landesnatur und mit historisch überlieferten anthropogenen Strukturen. Insofern sind Großstädte, Autobahnen, Industriegelände und ausgeräumte Agrarlandschaften ebenso "Kulturlandschaft" wie Gebiete mit kleinen Dörfern, Streuobstwiesen und alten Weinbergen. Wenn aber von Schutz der Kulturlandschaft gesprochen wird, sind i.d.R. letztere gemeint, reich strukturierte Landschaften mit meist extensiven landwirtschaftlichen Nutzungen, die als schön empfunden werden.

Insofern wird häufig die Industrielandschaft von der Natur- und Kulturlandschaft als eigenständiger Landschaftstyp abgehoben.
Von entscheidendem Einfluß auf die Bodennutzungsstruktur und damit auf die Landschaft war der Arbeitseinsatz und in neuerer Zeit der Einsatz fossiler Energie in der Landwirtschaft. Allgemein gilt, daß mit immer größerem Abstand der Bodennutzung von der Naturlandschaft ein immer höherer Energieaufwand erforderlich ist, um die Bodennutzung aufrecht zu erhalten.

Elemente der menschlichen Eingriffe in die Naturlandschaft sind u.a.:

Kennzeichen der Kulturlandschaft in Mitteleuropa sind u.a.:

Die Entwicklung von Kulturlandschaft vollzieht sich in Deutschland gegenwärtig ohne allgemein akzeptiertes Konzept. Es bestehen Leitbilder, deren Spannbreite von Inwertsetzung, Raubbau, Vermarktung, Sanierung, Anpassung an moderne Nutzungen auf der einen Seite zu Konservierung, Ressourcensicherung, Museumslandschaft, ökonomischer und ökologischer "Käseglocke" auf der anderen Seite reicht.
Die überlieferte Kulturlandschaft als (teilweises) Gestaltungsmuster zu verwenden, wird häufig mit dem Argument abgelehnt, Kulturlandschaft müsse immer Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse sein. Außer im Museum habe die materielle Hülle bzw. Hinterlassenschaft vergangener Lebensformen keine Existenzberechtigung. Demgegenüber stehen viele Argumente, die für eine Leitbildfunktion der überlieferten Kulturlandschaft bei der Gestaltung der Zukunft sprechen.

Gründe für eine (partielle) Leitbildfunktion der überlieferten Kulturlandschaft

Als schützens- und erhaltenswert gelten folgende national bedeutsame Kulturlandschaftstypen:
Strukturreiche / extensive Ackerbausysteme

Grünlandsysteme mit überwiegender Beweidung

Grünlandsysteme mit überwiegender Mahd

Waldökosysteme

Sonderform

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