Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Schwein

Nutztier zur Fleischerzeugung. Als Nebenprodukt wird Haut zu Leder verarbeitet. Schweine sind schnell wachsende Allesfresser. Domestizierte Wildschweine wurden im Laufe der Jahrhunderte zu den heute üblichen Hausschweinen gezüchtet. Das frühere Landschwein, dessen Mastendgewicht sich auf 150 kg und mehr belief, ist von fettärmeren und schnellwüchsigeren Schweinen abgelöst worden. Diese „modernen“ Schweine haben vier Rippen mehr und liefern daher mehr Koteletts. Muttersauen in Ferkelerzeugerbetrieben werfen nach 3 Monaten 3 Wochen und 3 Tagen 10 bis 14 Ferkel. Die nach 3 bis 6 Wochen von der Muttersau „abgesetzten“ Ferkel werden als „Läufer“ in Gruppen großgezogen und kommen dann in Mastbetriebe.

Haltungsverfahren in Deutschland

In Deutschland zielt die moderne Schweinehaltung auf eine hygienische, effiziente und kostengünstige Produktion ab. Die meisten Betriebe konzentrieren sich auf einzelne Produktionsschritte, etwa die Ferkelerzeugung oder die Mast.

Es gibt allerdings auch zunehmend Betriebe, die alle Phasen der Erzeugung selbst durchführen. Computergesteuerte Fütterungs- und Lüftungsanlagen gehören ebenso zum Standard wie spezielle Ställe für jedes Stadium der Haltung.

Eine Sau wird in der Praxis üblicherweise während der Aufenthaltszeit im Abferkelstall (ca. 33 Tage) und direkt anschließend nach dem Absetzen in den Tagen vor der Besamung, während der Besamung sowie maximal vier Wochen nach der Besamung im Deckzentrum (ca. 33-35 Tage) in einem Kastenstand gehalten. Damit stehen Sauen im Durchschnitt mehr als 5,5 Monate im Jahr in einem Kastenstand. Der Bewegungsfreiraum der Sau ist ein einem Kastenstand deutlich eingeschränkt.

Mit der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Februar 2021 wird die Kastenstandhaltung im Deckzentrum ab 2029 komplett verboten. 

Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 standen für die Schweinehaltung in Deutschland 27,8 Millionen Haltungsplätze zur Verfügung. Der Spaltenboden war dabei das dominierende Haltungsverfahren: 96 Prozent der Haltungsplätze in den landwirtschaftlichen Betrieben waren Spaltenböden. Dabei wird in Voll- und Teilspaltenböden unterschieden. In beiden Varianten werden Kot und Harn durch kleine Schlitze im Boden abgeführt. Mit 79 Prozent (das entsprach 22 Millionen Haltungsplätzen) ist der Vollspaltenboden das beliebteste Haltungsverfahren der Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland.

Anteile der Haltungsformen bei Schweinen in Deutschland 2020 in Prozent (ohne Stadtstaaten)
Anteile der Haltungsformen bei Schweinen in Deutschland 2020 in Prozent (ohne Stadtstaaten)

Quelle: Destatis 2021

Ferkelkastration mit Betäubung

Dies ist ein großer Fortschritt in Sachen Tierwohl und eine große Umstellung für Ferkelerzeugerinnen und -erzeuger. Denn in der Schweinezucht werden in der Regel alle männlichen Ferkel kastriert. Dies war bislang bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung erlaubt.

Der Grund, warum Ferkel überhaupt kastriert werden, ist: Bei einem geringen Anteil des Jungeberfleisches kann es beim Erhitzen zu einem sehr unangenehmen Geruch kommen - dem "Ebergeruch". Er sorgt dafür, dass das Fleisch nicht vermarktbar ist. Kastriert man männliche Ferkel, wachsen sie nicht zu Jungebern heran, sondern bleiben sogenannte "Börge".

Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren die Praxis der betäubungslosen Kastration seit langem. Der Bundestag hatte 2013 eine Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen, derzufolge ab 2019 die Ferkelkastration in Deutschland nur noch unter Betäubung zulässig ist. Diese Frist wurde Ende 2018 um zwei Jahre verlängert und ist jetzt endgültig ausgelaufen. (BLE 2021)

Spezialisierung

Die heutige moderne Schweinehaltung ist nicht nur durch stark gewachsene Tierzahlen, sondern auch durch eine fortschreitende Spezialisierung gekennzeichnet. Viele Betriebe spezialisieren sich auf nur eine oder zwei Produktionsrichtungen.

Bei der Schweinehaltung werden unterschieden:

Die Mast beträgt ca. 5 Monate. Mit einem Lebendgewicht von 100 bis 110 kg werden die Schweine verkauft. Die Mast erfolgt mit Getreide und Mais sowie Eiweißfutter und Mineralfutter. Die Menge und Mischung wird dem jeweiligen Entwicklungsstand der Tiere angepasst ist.

Ökologische Schweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung ist für Landwirtinnen und Landwirte sehr aufwändig und teuer und lohnt sich nur, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, entsprechend höhere Preise zu bezahlen. Auch das Management stellt, vor allem in Bezug auf die Tiergesundheit und die Fütterung, höchste Anforderungen an Öko-Schweinehalterinnen und -halter.

Die wichtigsten Unterschiede zur konventionellen Haltung sind:

Wirtschaftliche Bedeutung

Im November 2024 wurden in Deutschland 21,18 Millionen Schweine gehalten. In den vergangenen beiden Jahren blieb die Zahl der Tiere damit annähernd konstant. Im langjährigen Vergleich ist das dennoch der niedrigste Wert seit 1990 und allein gegenüber 2020 ein Rückgang um fast 19 Prozent.

Während der Rückgang bei den Schweinebeständen noch ein relativ neuer Trend ist, geht die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe bereits seit Jahrzehnten drastisch zurück. Aktuell halten 15.620 Betriebe in Deutschland Schweine. 2010 waren es noch mehr als doppelt so viele.

Im Gegenzug stieg die Zahl der Schweine pro Betrieb rasant an: auf aktuell 1.356 Tiere, womit die durchschnittliche Bestandsgröße seit 2010 um fast zwei Drittel gewachsen ist.

Die Hotspots der Schweinehaltung in Deutschland befanden sich 2020 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Beide Bundesländer zusammen wiesen mit 16,8 Mio. Plätzen 60 Prozent der insgesamt 27,8 Mio. Haltungsplätze in Deutschland auf. Bayern und Baden-Württemberg befanden sich mit rund 3,1 Mio. bzw. 1,7 Mio. Plätzen auf Platz drei und vier. Die größten Betriebe, mit den durchschnittlich meisten Haltungsplätzen pro Betrieb, wirtschafteten jedoch in Sachsen-Anhalt (2 616 Plätze), Mecklenburg-Vorpommern (2 404 Plätze) und Brandenburg (2 045 Plätze). Die geringste Anzahl an Haltungsplätzen findet man im Saarland mit im Durchschnitt 45 Haltungsplätzen je Betrieb.

Schweineställe sind, wie auch andere Bereiche der Landwirtschaft, durch einen starken technischen Wandel geprägt. Neuerungen wie z. B. digitale Lüftungs- und Fütterungsanlagen lohnen sich eher für große Einheiten, auch dadurch steigt der Trend zu größeren Betrieben.

Durchschnittliche Anzahl der Schweinehaltungsplätze pro Betrieb in Deutschland 2020
(ohne Stadtstaaten)
Durchschnittliche Anzahl der Schweinehaltungsplätze pro Betrieb in Deutschland 2020 (ohne Stadtstaaten)

Quelle: Destatis 2021

Mit 43,8 Millionen geschlachteten Tieren im Jahr 2023 ging die Zahl der geschlachteten Schweine gegenüber dem Vorjahr um 7,0 % oder 3,3 Millionen zurück. Dabei verringerte sich die Zahl der geschlachteten Schweine inländischer Herkunft um 7,7 % auf knapp 42,3 Millionen Tiere. Die Zahl importierter Schweine, die in deutschen Betrieben geschlachtet wurden, stieg dagegen um 19,5 % auf 1,5 Millionen Tiere. 

Insgesamt produzierten die Schlachtunternehmen 2023 rund 4,2 Millionen Tonnen Schweinefleisch. Das waren 6,8 % oder 306 500 Tonnen weniger als 2022. 

Im Vergleich zum Rekordjahr 2016 wurden 2023 etwa 1,4 Millionen Tonnen weniger Schweinefleisch erzeugt, was einem Rückgang von gut einem Viertel (-25,1 %) entspricht.

Trotz eines Selbstversorgungsgrads von 142 Prozent importiert Deutschland große Mengen Schweinefleisch: 2022 über eine Million Tonnen. Demgegenüber stehen Exporte von 2,5 Millionen Tonnen. Was widersinnig anmutet, ist auf einem freien Markt üblich und wird vor allem von Preis und Nachfrage bestimmt.

Weltweit lag der Pro-Kopf-Konsum von Schweinefleisch im Jahr 2023 bei rund 10,89 Kilogramm. Laut Prognosen wird sich der Pro-Kopf-Verzehr im Jahr 2033 auf 10,64 Kilogramm zurückgehen. Zudem zeigt sich nach Angaben der OECD, dass in Industrieländern pro Person deutlich mehr Schweinefleisch konsumiert wird als in Entwicklungsländern. Während der Pro-Kopf-Verbrauch in den Industrieländern im Jahr 2023 bei 19,9 Kilogramm lag, betrug dieser in den Entwicklungsländern 8,91 Kilogramm Schweinefleisch.

Schweinebestände in den EU-Ländern

In der EU hat die Schweinehaltung eine große wirtschaftliche Bedeutung. Mit einem Produktionswert von 43 Milliarden Euro war sie im Jahr 2022 nach der Milchproduktion das tierische Erzeugnis mit dem höchsten Produktionswert. 

Insgesamt 1,2 Millionen Betriebe hielten im Jahr 2020 Schweine in der EU. Mit etwa 775.600 Betrieben waren die meisten dabei in Rumänien zu finden. Die Landwirtinnen und Landwirte in Rumänien zählten mit 96 Prozent zu den kleinen Betrieben, die unter zehn Großvieheinheiten (GV) halten. Bei den großen Betrieben mit 200 bis 499,9 GV, befanden sich mit 8.100 Haltern die meisten in Deutschland. Bei der Größenklasse von 500 GV und mehr lag Deutschland mit 3.000 Haltern hinter Spanien mit 5.300 Haltern. Damit hielt Spanien 2020 die meisten Schweine in der EU (30,1 Millionen). Auf dem zweiten Platz folgte Deutschland mit 26,3 Millionen Schweinen.

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