Naturharz
Naturharz ist eine Sammelbezeichnung für von Pflanzen oder Tieren abgesonderte zähe Flüssigkeit. Es basiert meist auf Ausscheidungen bestimmter Pflanzen, in der Regel Bäume, das nach Verletzung als meist klebrige Masse austritt, um die Wunde zu verschliessen. Naturharze sind eine Mischung verschiedener chemischer Substanzen. Die mengenmäßig vorherrschenden Verbindungen sind Harzsäuren, die zu den Carbonsäuren zählen. Als tierischer Lieferant gilt vor allem die in Süd- und Südostasien beheimatete Lackschildlaus (Kerria laccifera), welche den Schellack liefert.
Historisch wurden Harze vielseitig verwendet, unter anderem in der Medizin, im Schiffbau und in der Malerei als Bindemittel und Firnis. Heute werden Naturharze, vor allem in der Industrie, weitestgehend durch Kunstharze ersetzt.
Das in den meisten Nutzungen vorherrschende Nadelbaumharz, vor allem von Kiefern wie der Waldkiefer, ist eine zähe, klebrige und stark riechende Flüssigkeit. Es ist in Öl leicht, in Alkohol gut und in Benzin teilweise löslich, Edelterpentine auch in Salmiakgeist.
Das Weichharz (Gummi) von Laubbäumen hingegen klebt und riecht kaum, lässt sich nicht schmelzen, sondern verkohlt beim Erhitzen. Getrocknet und zermahlen ist es wasserlöslich. Je nach Wassergehalt ist die Konsistenz gallertartig bis zähflüssig wie Honig. Seine physikalischen Eigenschaften lassen sich am besten mit Gelatine vergleichen. Es gibt heute außer dem Konsumieren von Ahornsirup und Birkensirup praktisch keine Anwendungsmöglichkeiten für Harz von Laubbäumen. Zwar wäre es denkbar, es als wasserlösliches Bindemittel zu verwenden, jedoch gibt es viele andere Stoffe mit ähnlichen Eigenschaften, die wesentlich billiger zu gewinnen sind.
In der europäischen Ölmalerei spielten Harze sowohl von Nadelbäumen (Terpentine) als auch die von Laubbäumen (Dammar, Gummi arabicum, Mastix) eine große Rolle. Sie dienten seit dem 15. Jahrhundert in Kombination mit anderen Substanzen als Bindemittel der Farbpigmente. Die Qualität der Öl-Harz-Farben hatte mehrere Vorteile gegenüber den davor üblichen Malfarben, vor allem ermöglichte sie aufgrund besserer Mischbarkeit einen größeren Nuancenreichtum durch weichere Farbübergänge. Die Temperamalerei, deren Bindemittel Emulsionen sind, und die noch frühere Wachsmalerei wurden somit verdrängt.
Das wohl bekannteste natürliche Harz ist Balsamharz (Kolophonium), das vorwiegend aus Kiefern und Fichten gewonnen wird und in vielen Produkten des täglichen Lebens Verwendung findet, z.B. als Klebstoff für Heftpflaster oder in Kaugummi und zur Behandlung der Bogenhaare bei Streichinstrumenten.
Gewinnung
Die systematische Gewinnung von Baumharz (auch „Pech“ genannt) geschieht durch das Harzen (Pecherei). Dabei werden künstliche Verletzungen durch Anritzen der Rinde herbeigeführt und das austretende Harz in einem Behälter gesammelt. Verwendete Bäume sind unter anderem Kiefer, Lärche und der Sandarakbaum.
Naturharz und Landwirtschaft
In der Landwirtschaft spielen sie vor allem indirekt eine Rolle, etwa über Baumharze, Wundschutz, Pflanzengesundheit und traditionelle Nutzungen wie Baumharzgewinnung oder Harzprodukte aus dem Forstbereich.
- Im engeren Ackerbau sind Naturharze kein Thema.
- Im weiteren land- und forstwirtschaftlichen Kontext sind sie relevant bei Waldbewirtschaftung, Baumgesundheit und bei Kulturpflanzen, die Harze oder balsamartige Stoffe bilden.
- Harzfluss (Harzaustritt) ist oft ein Zeichen für Stress, Schädlingsbefall oder Verletzungen von Bäumen. Landwirte/Forstwirte nutzen solche Hinweise, um Baumpflanzen frühzeitig zu überwachen.
- Einige Harze sind auch für die Veredelung oder den Schutz von Schnittstellen an Gehölzen interessant, etwa im Obstbau oder in Baumschulen, weil sie Wunden abdichten können.
- In der Land- und Forstwirtschaft wird Harz als natürliches Dichtmittel für Baumschnittwunden (als sogenanntes Baumwachs) verwendet. Es schützt Bäume vor Pilzinfektionen, Schädlingen (wie dem Borkenkäfer) und Feuchtigkeit.
- In Griechenland wird das Harz der Aleppo-Kiefer zum Wein gegeben, was ihm ein besonderes Aroma verleiht. Dieser Wein wird Retsina genannt.