Brennerei
Eine Brennerei (auch Destillerie, Destille und Branntweinbrennerei, gelegentlich auch Distillerie genannt) ist ein Betrieb, in dem durch Destillation alkoholhaltige Flüssigkeiten zu hochprozentigen Spirituosen verarbeitet werden, zum Beispiel aus Obst, Getreide oder Kartoffeln. In diesem Zusammenhang spricht man umgangssprachlich von Brennen.
Rohstoffe und Produkte
Je nach Rohstoff und Herstellungsverfahren entstehen ganz unterschiedliche Spirituosen:
- Obst (Äpfel, Birnen, Kirschen): Obstbrände wie Schnaps, Calvados oder Kirschwasser.
- Getreide (Gerste, Weizen, Roggen, Mais): Whisky, Wodka oder Korn.
- Wacholder + Getreide: Gin.
- Zuckerrohr / Melasse: Rum.
- Agaven: Tequila und Mezcal.
Neben den Trinkspirituosen stellen Industrie-Brennereien auch reinen Alkohol für medizinische Zwecke, Kosmetika oder Kraftstoffe (Bioethanol) her.
Verfahren
Meist wird in einer Brennerei nicht nur gebrannt, sondern es werden alle Schritte der Spirituosenherstellung durchgeführt. Das sind:
- Annahme der gelieferten Rohstoffe, Qualitätskontrolle, Lagerung
- Verarbeitung zur Maische
- Vergärung des Zuckers in der Maische zum Alkohol
- Brennen der Maische
- Lagerung des Destillats zur Reifung
- Verdünnen auf Trinkstärke, filtrieren
- Abfüllung und Vertrieb
Der Betrieb einer Brennerei unterliegt in Deutschland der Alkoholsteuerverordnung.
Rohstoffe und Produkte
Brennereien verarbeiten insgesamt eine Vielzahl zucker- und stärkehaltiger Rohstoffe, die Betriebe spezialisieren sich jedoch meist auf die Verarbeitung eines Rohstoffs oder einer Gruppe von Rohstoffen zu bestimmten Erzeugnissen. Unter den Betrieben, die Ware zur direkten Verwendung als Genussmittel herstellen, gibt es beispielsweise Kartoffelbrennereien und Obstbrennereien (für Obstbrände), daneben Destillerien für Whisky und Absinth.
Bei Betrieben, die Agraralkohol (Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs) produzieren, ist das Endprodukt zu mindestens 96 % reines Ethanol und dabei geruchs- und geschmacksneutral. Der Großteil des weltweit erzeugten Agraralkohols wird unter der Bezeichnung Bioethanol als Biokraftstoff eingesetzt. Neben der Weiterverarbeitung zu Spirituosen wie Liköre oder Wodka wird Agraralkohol auch bei der Herstellung von Arzneimitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Desinfektionsmitteln, Frostschutzmitteln, Farben und Lacken verwendet. In Deutschland wird ein erheblicher Teil des Agraralkohols von kleinen landwirtschaftliche Brennereien hergestellt. Die Bioethanolherstellung für die Kraftstoffherstellung erfolgt weitgehend in großindustriellen Bioethanolanlagen, auch im Biokraftstoffsektor jedoch gibt es regionale Erzeugerstrukturen mit landwirtschaftlichen Brennereien.
Nebenprodukte
Moderne Brennereien arbeiten hochgradig kreislauforientiert. Neben dem Trinkalkohol fallen wichtige Koppelprodukte an:
- Schlempe (Treber): Der feste, protein- und ballaststoffreiche Rückstand aus der Brennblase nach dem Destillieren. Er ist ein extrem hochwertiges, begehrtes Futtermittel für die Landwirtschaft
- Kohlendioxid (CO2): Entsteht in riesigen Mengen bei der alkoholischen Gärung. Große Brennereien fangen es auf, reinigen es und verkaufen es an die Lebensmittelindustrie (z. B. für Kohlensäure in Getränken).
- Vor- und Nachlauf: Alkoholanteile, die für den Genuss ungeeignet sind (z. B. giftiges Methanol oder fuselige Öle). Sie werden gesammelt und zu Industriealkohol, Reinigungsmitteln oder Biokraftstoffen (Ethanol) weiterverarbeitet.