Lexikon des Agrarraums

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Saatbett

Bezeichnung für den zur Saat vorbereiteten Acker- oder Gartenboden. Das Saatbett soll so beschaffen sein, dass es eine gleichmäßige Tiefenlage des Saatgutes und beste Keimbedingungen bietet; es ist also unterschiedlich für die verschiedenen Pflanzenarten und Saatgutgrößen und Sämethoden herzurichten.

Einerseits soll das „Saatkorn“ auf einer genügend festen kapillarwirksamen Ackerkrume liegen, andererseits aber von einer leicht erwärmbaren und gut durchlüfteten Lockerschicht bedeckt sein. Besondere Aufmerksamkeit erfordert hierbei die Saat von Lichtkeimern – zu feine Krümelung kann zur Verwehung oder Verschlämmung des Bodens führen, zu flache Saat führt leicht zu Vogelfraß.

Üblicherweise wird durch Pflügen einer Saatfurche der Boden gewendet und gemischt sowie oberirdische Pflanzenreste der Vorkultur untergearbeitet. Diese Arbeit kann nur auf einem genügend abgetrockneten Acker durchgeführt werden, um anschließend die erwünschte rückverfestigte, aber feinkrümelige Bodenstruktur mit anderen landwirtschaftlichen Geräten wie zum Beispiel Packern, Eggen oder Saatbettkombinationen zu erzielen.

Um durch Bodenerosion gefährdete Ackerflächen (z. B. Starkregen, Hangneigung) zu schützen oder die Bodenstruktur zu erhalten, wird auch vermehrt das Direktsaatverfahren eingesetzt. Hier ist das Saatbett die ungepflügte Erntefläche der vorangegangenen Ackerfrucht.

In einem optimal vorbereiteten Saatbett sind folgende Zonen gut erkennbar:

Im Gartenbau kommt für kleine Beete vereinzelt auch der Begriff Saatbeet vor. Wegen der hier verbreiteten Handsaat und Steuerungsmöglichkeit von Feuchtigkeit und Wärme können die speziellen Anforderungen des jeweiligen Saatgutes leichter erfüllt werden. Auch bringt man im Gartenbau meist humusreiche Erden in das Saatbett ein.

Werden Pflanzen nicht gesät sondern gesetzt, spricht man von einem Pflanzbett.

Saatgut

Samen und Früchte, die als generative Organe der Vermehrung einer bestimmten Art bzw. Sorte dienen.
Da die meisten Eigenschaften, die für die Leistungsfähigkeit des Saatgutes bestimmend sind, beim Kauf nicht unmittelbar beurteilt werden können, wurden mit dem Saatgutverkehrsgesetz (SaatG) Regelungen erlassen. Das SaatG definiert Saatgut als

  1. Samen, der zur Erzeugung von Pflanzen bestimmt ist; ausgenommen sind Samen von Obst und Zierpflanzen,
  2. Pflanzgut von Kartoffel,
  3. Pflanzgut von Rebe einschließlich Ruten und Rutenteilen.

Dazu treten die als Vermehrungsmaterial bezeichneten Pflanzen und Pflanzenteile von Gemüse, Obst oder Zierpflanzen, die für die Erzeugung von Pflanzen und Pflanzenteilen oder sonst zum Anbau bestimmt sind. Das Saatgut wird nach dem SaatG nach verschiedenen Kategorien (Basissaatgut, Zertifiziertes Saatgut, Standardsaatgut u.w.) unterschieden, wobei entsprechende Begriffe für das Pflanzgut bestehen.
Pflanzenzüchtung zur Erzeugung von Saat- und Pflanzgut für Landwirtschaft und Gartenbau wird in Deutschland von etwa 130 vorwiegend mittelständisch organisierten Unternehmen betrieben. 58 Firmen mit eigenem Zuchtprogramm und 30 Vertriebsfirmen bewirtschaften zusammen ca. 3.500 ha Zuchtgärten und 225.000 m² Gewächshausfläche. Insgesamt sind 5.800 feste Mitarbeiter (darunter viele Wissenschaftler) und zusätzlich Saisonarbeitskräfte in der Branche tätig.

Pflanzenzüchtung ist heute Spitzentechnologie. Branchenweit werden im Schnitt 15,1 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Damit ist die Pflanzenzüchtung forschungsintensiver als die Pharmaindustrie. Die deutsche Züchterlandschaft zeichnet sich durch Vielfältigkeit und Heterogenität aus. Der starke Wettbewerb unter den Züchtern führt zu einem stetigen Fortschritt und gibt Anreiz, den Markt mit verbesserten Sorten zu versorgen.

Anzahl aktiver Pflanzenzüchtungsunternehmen in den verschiedenen Kulturarten in Deutschland*
Anzahl aktiver Pflanzenzüchtungsunternehmen in den verschiedenen Kulturarten in Deutschland

Quelle: BDP

Die private Pflanzenzüchtung konzentriert sich weitgehend auf die Bearbeitung der wirtschaftlich wichtigen Ackerkulturen (Getreide, Mais, Raps, Zuckerrübe, Kartoffel, Futterpflanzen). Die Züchtung seltener, meist wirtschaftlich weniger bedeutender Arten sowie von Dauer- und Sonderkulturen wird weitgehend von staatlichen und universitären Institutionen getragen. Auch die Gemüsezüchtung wird nur noch von wenigen Züchtern abgedeckt. Die weltweite Arbeitsteilung und der internationale Handel haben für die deutsche Züchtungswirtschaft zu einer starken Konkurrenz aus dem Ausland geführt. Voraussetzung für einen Sortenschutz ist, daß eine Sorte neu, unterscheidbar, homogen und beständig ist. Dies wird in mehrjährigen Verfahren durch das Bundessortenamt überprüft. Die Vermehrung von Saatgut erfolgt in ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben.

Der Ankauf von Saat- und Pflanzgut ist für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe heute die Regel. Ihnen fehlen gewöhnlich die Möglichkeiten zur eigenen Saatgutaufbereitung. Die Qualität des eigenen Ernteproduktes ist zudem zu gering und zu heterogen. Nachbau erhöht ferner die Gefahr von Krankheiten. Dennoch hat in den letzten Jahren meist aus Kostengründen das aus eigenem Erntegut gewonnene Saat- und Pflanzgut vor allem bei den Selbstbefruchtern an Bedeutung gewonnen. Im Gemüsebau ist ein Nachbau von Saatgut deutlich seltener. Zum einen werden die Arten in den meisten Fällen im vegetativen Zustand geerntet. Zum anderen sind viele Gemüsesorten Hybride, deren Nachbau deutliche Ertrags- und Homogenitätseinbußen erbringt.

(s. a. Landwirteprivileg)

Weitere Informationen:

Saatgutbehandlung

Vorbeugende Behandlung v.a. von Getreide-, Rüben- und Gemüsesamen zum Schutz gegen Schädlinge (Pilze, Tiere).

(s. a. Beizmittel)

Sachsengänger

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. aufgekommene Bezeichnung für saisonale (April - November) Kolonnen von Wanderarbeitern, die nach der Aufnahme von Hackfrüchten in die Fruchtfolge zur Deckung des zusätzlichen Arbeitskräftebedarfs vor allem in die Zuckerrübenanbaugebiete zogen. Die Sachsengänger entstammten meist kleinbäuerlichen Betrieben aus dem Netze-, Warthe- und Odergebiet, Schlesien, dem Eichsfeld u.a. Gebieten.

(s. a. Hollandgänger, Schwabenkinder)

Sackgassendorf

Geschlossenes Dorf, das gekennzeichnet ist durch die Reduzierung des Wegenetzes auf eine oder mehrere blind endende Gassen, auf die - im Gegensatz zum Rundling - das Hofreitengefüge jedoch nicht streng ausgerichtet ist.

Saftfutter

Futterstoffe, die einen hohen Gehalt an Wasser haben. Zum Saftfutter zählen Grünfutter, Gärfutter und Hackfrüchte.

Sahel-Syndrom

Bündel von Formen der Bodendegradation und deren Ursachen bei der landwirtschaftlichen Inanspruchnahme marginaler Standorte. Der Begriff ist Teil einer Klassifikation von Syndromen der Bodendegradation.

Das Sahel-Syndrom umfasst die Überweidung und Übernutzung arider und semiarider Grasländer und die Erschließung steiler, strukturschwacher, erosionsanfälliger Böden.

Ein weiterentwickeltes Konzept des Sahel-Syndroms berücksichtigt nicht nur bodenzentrierte Krankheitsbilder, sondern auch alle Elemente von Natur- und Anthroposphäre gleichzeitig.

Die Brennpunkte der Übernutzung solcher Agrarstandorte und damit die Überschreitung ökologischer Tragfähigkeit liegen neben der Sahelzone im Maghreb, in Ostafrika, Westarabien, Teilen Ost- und Zentralasiens, Indien, Mittelamerika, und Teilen Ostbrasiliens.

Unangepaßter Feldbau, Feuer und Überweidung bedingen eine verminderte Produktivität und besondere Anfälligkeit des Naturraums. Zusammen mit den oftmals stark fluktuierenden jährlichen Niederschlägen in ariden Gebieten führt dies zu einer Degradation von Steppen oder Savannen hin zu wüstenähnlichen Landschaften.

Die Symptome dieser Desertifikation sind:

Als eine Hauptursache ist die Landnutzungsänderung, von der Subsistenzwirtschaft hin zu kapitalintensivem Monokulturanbau von cash crops anzusehen. Dadurch ist die ländliche Bevölkerung verstärkt gezwungen, auf marginale Standorte auszuweichen. In Verbindung mit dem Bevölkerungswachstum führt das zu einer Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und zur Intensivierung der Nutzung. Hinzu kommt die Brennholznutzung bei immer knapper werdenden Holzvorräten.

Weitere Ursachen und ihre Folgen:

Saisonarbeitskraft

Als Saisonarbeitskraft (auch Saisonarbeiter, Saisonier, Saisonniers oder befristete Beschäftigte) bezeichnet man Personen, die nur für einen vorübergehenden Zeitraum, die Saison, eine Erwerbstätigkeit ausüben, z. B. während der Ernte in agrarischen Wirtschaftszweigen. Dort ebenso wie im Tourismus führt dies in befristeten Zeiträumen zu Arbeitsspitzen und erhöhtem Arbeitskräftebedarf.

Global betrachtet erfolgt saisonale Beschäftigung erfolgt oft unter schlechten arbeitsrechtlichen Bedingungen hinsichtlich Entlohnung (Tagelohn) oder Unterkunft, mit befristeten Aufenthaltsgenehmigungen oder auch illegal als Schwarzarbeit.

In den Ländern der Europäischen Union sind Saisoniers und Erntehelfer zum größten Teil Migranten aus Osteuropa und Afrika, teilweise auch aus Asien oder Südamerika.

In der deutschen Landwirtschaft arbeiten ca. 1.000.000 Arbeitskräfte (Quelle: Stat. Bundesamt 2014). Etwa die Hälfte sind Familienarbeitskräfte (einschließlich Betriebsleiter). Von den 515.000 familienfremden Arbeitskräften sind ca. 61 Prozent Saisonarbeitskräfte. Davon sind rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien hingegen deutlich gestiegen. Aus Rumänien dürften 2016 rund 180.000 Erntehelfer gekommen sein, aus Polen rund 100.000. Die übrigen rund 20.000 ausländischen Saisonarbeitskräfte kommen vornehmlich aus Bulgarien, Tschechien, der Slowakei sowie Kroatien.

Saisonarbeitskräfte1-Einheiten je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 2010 in einem Raster mit 5 km Weite
Saisonarbeitskräfte1-Einheiten je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 2010 in einem Raster mit 5 km Weite

1Nicht ständig beschäftigte Arbeitskräfte mit einem auf weniger als sechs Monate befristeten Arbeitsvertrag.
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Saisonsiedlung

Jahreszeitlich bewohnte oder saisonal an unterschiedlichen Wohnplätzen errichtete Einzel- oder Gruppensiedlung. Die Behausungen können bodenfest oder bodenvag sein oder sie bilden eine Kombination aus bodenfestem Sockel und transportabler Bedachung. Saisonsiedlungen treten auf beim Feldbau, der Viehhaltung, der Fischerei sowie als Fremdenverkehrssiedlung oder Freizeitsiedlung.

Sakia

Auch Sakije oder Saqiya; ein von Zugtieren angetriebenes Schöpfwerk, mit dem Wasser aus einem Teich oder Brunnenschacht, seltener aus einem Kanal oder Fluss zu einer höher gelegenen Bewässerungsrinne gehoben wird. Es wurde hauptsächlich zur Bewässerung von Feldern eingesetzt bzw. wird im Indischen Subkontinent in modernisierter Form immer noch eingesetzt.

Eine Sakia besteht aus einer senkrechten, auf einer Kreisfläche stehenden hölzernen Welle, deren Kopf in einem auf seitlichen Stützmauern befestigten Querbalken gelagert ist. Dieser muss so hoch sein, dass das Zugtier unter ihm hindurch gehen kann. Die Welle wird durch das Zugtier (Ochse, Wasserbüffel, Maultier, Kamel etc.), das an einer in der Welle steckenden langen Stange angeschirrt ist, gedreht. Das Tier läuft dabei im Kreis um die Welle. In geeigneter Höhe über dem Boden ist an der Welle ein Zahnrad angebracht, ursprünglich eine hölzerne Scheibe mit kräftigen Pflöcken an ihrem Rand, das in das Zahnrad einer waagerechten, im Boden eingebauten Welle eingreift. Am anderen Ende dieser zweiten Welle sitzt das die eigentliche Arbeit verrichtende Rad, das die Sakia in zwei Typen unterscheidet:

Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert wurde die Technik der Sakia in Mitteleuropa insbesondere im Bergbau unter dem Begriff Göpel eingesetzt.

(s. a. Noria)

Salat

Begriff, der zum Einen eine Speise bezeichnet, zum Anderen als Salatpflanze eine Kulturpflanze meint, die geerntet und verarbeitet meist als kalte, ungekochte, rohe, marinierte Beilage zu Hauptgängen gegessen wird. Dabei ist „Salatpflanze“ weder ein systematischer Begriff des Gartenbaus noch der Botanik; es ist vielmehr eine ernährungs- und küchentechnische Einordnung anhand der Zubereitung.
Salatpflanzen im klassischen Sinne sind Blattgemüse, daneben gibt es aber auch etliche Pflanzenprodukte, die ganz typisch zur Salatmischung gehören, wie die Tomate, oder die Karotte, von der sowohl Blatt- und Wurzelanteile genutzt werden, Zwiebelgemüse (bei Lauch etwa auch Blattanteile), oder Soja (Keimlinge einer Pflanze) und anderes, sowie etliche Wildpflanzen, die im Zuge der biologischen Küche „wiederentdeckt“ wurden, im weitesten Sinne sogar manche Obstarten, Getreide (etwa Mais), Pilzstände und Nüsse. (Salate: Sortiment)

Botanische Merkmale

Die meisten Salate – bis auf den Pflücksalat – bilden mehr oder weniger deutliche Blattrosetten aus. Lediglich der Blütenstand ragt aus dieser Rosette oder aus dem ursprünglichen Kopf heraus. Zu den Salaten gehören unter anderem die Gartensalate, Endiviensalat, Feldsalat, Rucola und Chinakohl.

Marktbedeutung

In Deutschland werden viele verschiedene Salatpflanzen erzeugt und verkauft. Die Inlandserzeugung reicht für den Bedarf nicht aus, große Mengen müssen importiert werden. Die meisten Importsalate stammen aus EU-Ländern, insbesondere aus Spanien.

Für die meisten Salatsorten gelten EU-Vermarktungsnormen. Sie regeln Mindesteigenschaften und Klasseneinteilungen.

Anbau

Salat ist hierzulande eine typische Freilandkultur. So wachsen Radicchio und Chicorée ausschließlich auf dem Feld, während Kopfsalat, Feldsalat und Salatrauke eher unter begehbaren Schutzabdeckungen und Gewächshäusern erzeugt werden. Bei Chicorée wachsen auf dem Feld lediglich die Wurzeln, aus denen später in abgedunkelten Räumen die Sprosse für den Verzehr getrieben werden.

Hauptsaison für die meisten Sorten ist der Sommer. Andere, zum Beispiel Kopfsalat, Lollo Rosso oder Eichblatt, erreichen dagegen schon ab April Erntereife, Feldsalat und Chicorée gelten als typische Wintersalate. Geerntet wird per Hand und noch vor Ort prüfen die Bauern die Salate auf vorgegebene Qualitätsparameter, wie die Freiheit von Schädlingen oder die optimale Reife – denn nicht alle Köpfe reifen gleichzeitig.

Die leichte Verderblichkeit von Salatpflanzen erfordern eine gute Organisation von Ernte und Vermarktung. Heimische Ware liefern die Landwirte in der Regel unverpackt und in luftdurchlässigen, abgedeckten Steigen an ihre Auftraggeber. Das spart einerseits Verpackungsmaterial, andererseits bildet sich kein Schwitzwasser, das schnell zu matschigen Blättern führen würde.

Für industrielle Weiterverarbeitung bringen spezielle Kühltransporter die Salate bei einer Solltemperatur von 4 °C binnen eines Tages ins Werk.

Weitere Informationen:

Salzstress

Salzstress ist eine außergewöhnliche Belastung, die durch eine erhöhte Salzkonzentration im Boden ausgelöst wird und bei Pflanzen zu Stressreaktionen, wie Wachstumshemmungen, führt. Einige Pflanzen haben jedoch Mechanismen zur Anpassung an hohen Bodensalzgehalt entwickelt. Gelingt die Anpassung an die ungünstigen Umweltbedingungen, spricht man von salzresistenten Pflanzen. Das Ausscheiden von Salz über die Blätter stellt beispielsweise eine Anpassungsmöglichkeit an Salzstress dar.

In der Landwirtschaft führen versalzte Böden zu Ertragseinbußen, oder machen die Felder gar unnutzbar. Die Pflanzenzüchtung ist daher daran interessiert, salzresistente Nutzpflanzen zu züchten, die trotz hohem Salzgehalt ertragreich sind.

(s. a. Resistenz, Trockenstress)

Salzwiese

Natürliches, beweidetes oder (seltener) gemähtes, tidenbeeinflusstes Grünland am Wattenrand, landwärts an das Quellerwatt angrenzend. Pflanzen und Tiere der Salzwiesen sind an die Salzgehalte von Wasser und Boden angepaßt und verfügen oft über Mechanismen zur Salzregulation.

Salzwiesen können auch auf Salzböden des Binnenlandes auftreten.

Samen

Im Inneren der Frucht befindet sich der Samen der Pflanze. In ihm ist der Pflanzenembryo eingeschlossen, nebst einem Nährgewebe, das den Embryo versorgen soll, sobald er mit der Keimung beginnt. Das Nährgewebe entsteht entweder aus dem Embryosack, der bei der Befruchtung das zweite Spermatozoid erhält (doppelte Befruchtung), es wird dann Endosperm genannt. Oder es bildet sich aus dem dem Gewebe der Samenanlagen (Nucellus) und wird Perisperm genannt. Bei manchen Pflanzenfamilien kommen beide Nährgewebe vor (Seerose, Nymphaea alba), bei vielen nur jeweils eins.

Der Samen wird von einer Samenschale (Testa) eingeschlossen, die aus den Hüllschichten (Integumenten) der Samenanlage besteht und als Schutz gegen äußere Einflüsse sowie Wasserverlust dient.

Ausbreitung

Einer der wichtigsten Faktoren für den Fortbestand von Pflanzenarten ist die Ausbreitung der Samen. Wichtig ist hierbei, dass die Samen in einen Bereich kommen, wo sie günstige Bedingungen zum Keimen und später zum Existieren vorfinden. Ein weiterer Faktor ist die ’Eroberung’ neuen Territoriums, wo die Pflanzen sich ungehindert ausbreiten können.

Bei den Ausbreitungsmechanismen unterscheidet man solche, die von der Pflanze allein ausgeführt werden (autochor) und solche, bei denen ’Hilfsmittel’ wie Wind, Wasser, Tiere benötigt werden (allochor).

Bei der autochoren Verbreitung werden die Samen entweder bis zu mehreren Metern weit weg geschleudert (Drüsiges Springkraut, Impatiens glandulifera) oder die getrocknete Frucht öffnet sich und die Samen fallen heraus (Klatschmohn, Papaver rhoeas).

Allochore Verbreitung findet beispielsweise statt, wenn ein Tier eine Frucht mitsamt dem Samen frisst und diesen dann wieder ausscheidet (Vogelbeere, Sorbus aucuparia) oder wenn die Früchte oder Samen sich an das Fell von Tieren (oder die Socken von Menschen) heften (Klettenlabkraut, Galium aparine). Diese Form der Verbreitung nennt man Zoochorie.

Verbreitung durch den Wind (Anemochorie) ist eine der gebräuchlichsten Formen der Samenverbreitung. Es werden entweder ganze Früchte verbreitet (Linde, Tilia spec.) oder nur die Samen (Löwenzahn, Taraxacum officinale). Die Früchte/Samen haben entweder eine Flugvorrichtung (Ahorn, Acer pseudoplatanus) oder sie sind sehr leicht (Birke, Betula pendula). Oft wird eine große Menge an Samen produziert, weil das die Chance, dass ein Same sein Ziel erreicht und zu keimen beginnt, deutlich erhöht. Windausbreitung findet man daher auch oft bei sogenannten ’Pionierpflanzen’ wie der Birke, die auch unwirtliches Gebiet besiedeln können und damit ihr Territorium erweitern. Keimende Birken findet man gelegentlich in Dachrinnen, stillgelegten Schornsteinen, auf Mauern.

Wasserverbreitung (Hydrochorie) findet man bei den Angiospermen eher selten. Hier werden die Samen vom Wasser transportiert, bis sie an einer geeigneten Stelle landen und keimen. Bekanntes Beispiel ist hier die Kokosnuss (Cocos nucifera).

Keimung

Um keimen zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Die wichtigsten sind Wärme, Wasser, Licht (oder Abwesenheit von Licht) und Sauerstoff. Wärme stellt sicher, dass außerhalb des Keimungsmilieus bereits die richtigen Temperaturen herrschen, die der Keimling zu seiner weiteren Entwicklung braucht. Die Samen vieler Pflanzenarten sind nach der Ausbreitung noch nicht keimungsfähig (sogenannte Keimruhe oder Dormanz), sondern ’warten’ auf bestimmte Umweltreize, die erst die Keimung ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel Kältereize (Vernalisation, die Temperatur darf über einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Höhe nicht überschreiten), die sicherstellen, dass die Keimung erst in einer günstigen Jahreszeit (nach dem Winter) einsetzt.

Manche Pflanzen lassen sich nach den benötigten Lichtbedingungen einteilen. Sogenannte Lichtkeimer haben meist kleine Samen, sie haben daher nicht genug Energie, um eine dichte Bodenschicht zu durchdringen und brauchen das Licht bzw. die Wärme, um zu keimen. Beispiele sind, z. B Basilikum (Ocimum basilicum) und Gräser wie der Roggen (Secale cereale). Dunkelkeimer keimen dagegen bei Licht nicht, sie benötigen vollkommene Dunkelheit. Beispiele sind Mais (Zea mays) und Eisenhut (Aconitum napellus).

Wasser ist eine weitere unerlässliche Voraussetzung für die Keimung: Viele Samen sind sehr wasserarm (Überdauerungszustand) und müssen zunächst eine ganze Menge an Wasser aufnehmen (quellen), um anschließend mit der Keimung zu beginnen.

Sauerstoff wird für den Pflanzenstoffwechsel benötigt. Der Abbau der Reservestoffe (und damit der Gewinn der für die Keimung benötigten Energie) geschieht über dissimilative Prozesse. Hier wird Sauerstoff als Elektronenakzeptor benötigt.

Aufbau des Keimlings

Der Pflanzenembryo oder Keimling besteht aus

Am Beginn der Keimung bricht als erstes die Wurzelanlage (Radicula) durch die Samenschale. Sie beginnt sofort mit der Wurzelbildung. Das ist wichtig für die weitere Wasserversorgung, außerdem verankert sie den Keimling im Boden. Danach beginnt die Streckung der Sprossachse. Man unterscheidet hierbei zwei Formen: Die epigäische (oberirdische) Keimung und die hypogäische (unterirdische) Keimung. Bei der epigäischen Keimung streckt sich das Hypokotyl und durchstößt in Hakenform die Erdoberfläche. Damit drückt er die Keimblätter nach oben, die sich zu entfalten beginnen. Beispiel: Buche (Fagus sylvatica).

Bei der hypogäischen Keimung bleiben die Keimblätter unterhalb der Erdoberfläche. Hier streckt sich das Epikotyl (der Bereich der Sprossachse zwischen den Keim- und den ersten Laubblättern (auch Primärblätter genannt). Das erste, was aus der Erde auftaucht, sind also die Primärblätter, die auch sofort photosynthetisch aktiv sind. Beispiel: Stieleiche (Quercus robur).

Die Keimblätter haben in erster Linie die Funktion, den Keimling zu ernähren, solange er noch keine Photosynthese betreiben kann. Dazu werden aus Speicherstoffen die benötigten Nährstoffe gebildet. Bei der epigäischen Keimung betreiben sie auch selbst Photosynthese (erkennbar an der grünen Farbe). Sie ernähren den Keimling so lange, bis die Primärblätter ihre Arbeit aufgenommen haben. Sind sie voll entwickelt, sterben die Keimblätter ab.

Nach der Entwicklung der ersten Blätter beginnt das Streckungswachstum der Internodien (der Bereiche zwischen den Knoten, an denen sich die Blattansätze befinden), die Pflanze wächst in die Länge. Gleichzeitig beginnt die Ausbildung von Blättern, während in der Erde die Wurzel sich verzweigt, um weitere Nährstoffe aus dem Boden zu gewinnen. Der Keimling hat sich zu einer vollständigen Pflanze entwickelt. Je nach Pflanzenart kann es aber noch einige Jahre dauern, bis sie zum ersten Mal Blüten ansetzt und damit ’erwachsen’ ist.

Vegetative Fortpflanzung

Im Gegensatz zur geschlechtlichen Fortpflanzung wird bei der vegetativen Vermehrung kein neues Erbmaterial zugeführt. Die Fortpflanzung beruht hier ausschließlich auf Zellteilung (Mitose). Nachteilig ist, dass die Pflanze sich hierbei nicht an veränderte Umwelteinflüsse anpassen kann, weil das Erbgut identisch bleibt. Samenpflanzen nutzen die vegetative Vermehrung oftmals, um sich an einem günstigen Standort auszubreiten. Die flexiblere geschlechtliche Fortpflanzung wird dagegen oftmals benutzt, um neue Standorte zu erschließen. Typische Formen der vegetativen Fortpflanzung sind die Bildung von Ausläufern (Stolonen), Brutknospen, Knollen oder Absenkern. (Pflanzenforschung.de)

(s. a. Befruchtung, Blüte, Bestäubung, Frucht, Samen)

Sanddeckkultur

Moorkulturform, bei der geringmächtige (<1 m) Niedermoortorfe über Talsand mit einer 15 - 30 cm mächtigen Sanddecke ohne Einmischung versehen werden. Die Sandschichten erhöhen die Tragfähigkeit der Moorböden auch bei höheren Grundwasserständen und konservieren die Torfe im Untergrund, da sie nur beschränkt mineralisiert und bei Austrocknung nicht ausgeweht werden können.

Von der eigentlichen Niedermoor-Sanddeckkultur wird die Tiefpflug-Sanddeckkultur unterschieden, bei der durch eine besondere Pflugtechnik der Niedermoortorf unter der Sanddecke in eine Schicht aus steil gestellten Sand- und Torfbalken (-schollen) verwandelt und der darüber liegende Sand nicht mit dem Torf vermischt wird.

Sandmischkultur

Kultivierungsform bei geringmächtigen Hochmooren, bei der durch Tiefpflügen bis 1,8 m Tiefe Sand- und Torflagen überkippt werden und in einer schrägen Wechselschichtung vorliegen. Die als Folge entstehenden Böden sind wegen ihrer Durchlässigkeit, Wasserhaltefähigkeit und Tiefgründigkeit für den Ackerbau geeignet.

Säterwirtschaft

Weidewirtschaft auf den Gebirgsflächen Skandinaviens, die der alpinen Almwirtschaft vergleichbar ist.

Sawahkultur

Hochentwickelte, intensive Form des Naßreisbaus verbunden mit Pflugbau und Viehhaltung. Ihre Verbreitung hat sie vornehmlich auf Java und Bali sowie auf den Hochebenen Sumatras.

Schadschwelle

Auch wirtschaftliche Schad(ens)schwelle; Schwellenwert, bei dessen Überschreitung aufgrund der Zunahme von Schadorganismen unter Berücksichtigung der Kosten von Pflanzenschutzmaßnahmen ein wirtschaftlicher Schaden auftritt. Erst bei Überschreiten dieser Schwelle sind Behandlungsmaßnahmen sinnvoll. Solche Schadschwellen sind für viele potentielle Schaderreger wissenschaftlich berechnet worden: z.B. die Anzahl von Blattläusen je Weizenähre oder Rübenpflanze oder der Grad des Mehltaubefalls im Getreide je Bezugseinheit. Die Anwendung des Schadschwellenprinzips hängt von vielen wirtschaftlichen und biologisch-technischen Variablen ab: Auf der Schadensseite spielt der Preis für die Agrarprodukte eine wesentliche Rolle: Sinkt er, so erhöht sich die wirtschaftliche Schadschwelle, steigt er, so erniedrigt sie sich. Ferner setzt das Konzept ein gutes Prognosewesen voraus: Stellt sich feuchtwarme Witterung ein, kann sich Mehltau explosiv ausbreiten, wird es trockenwarm, wird die Blattlausvermehrung exponentiell erfolgen. Risiken durch Herbizidanwendungen spielen ebenso eine Rolle wie hohe Kosten für die Reinigung als Folge von Verunkrautung, ferner Art des Unkrauts, Getreideart, Düngung, Fruchtfolge u.w.

Die Schadschwellenmethode kann zwar Bekämpfungsmaßnahmen einschränken, wirkt aber nicht selektiv. Mit den Unkräutern werden auch erwünschte seltene Arten vernichtet. Die Ausnutzung der wirtschaftlichen Schadschwelle ist ein wichtiges Merkmal des Integrierten Pflanzenschutzes.

Schadstoff

Stoff, der von einer bestimmten Konzentration an die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze gefährden oder die Nutzungs- und Leistungsfähigkeit von Boden, Wasser und Luft beeinträchtigen kann.

Viele dieser Substanzen sind lebensnotwendig für den Organismus, eine zu geringe Aufnahme führt zu Mangelerscheinungen. Treten sie aber in zu hohen Konzentrationen auf, werden sie zum Schadstoff. Andere Substanzen wirken schon in geringen Konzentrationen toxisch, ohne daß positive physiologische Effekte bekannt wären.

Schadstoffe im Boden lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  1. Säuren und Säurebildner (Verbindungen von N, S, F und Cl)
  2. Schwermetalle (Cd, Hg, Pb, Co, Cr, Cu, Mo, Ni, Zn)
  3. Radionuklide (90Sr, 137Cs)
  4. Organische Moleküle (polyzyklische Kohlenwasserstoffe, perchlorierte Kohlenwasserstoffe)
  5. weitere Schadstoffe (Verbindungen von Al, Sn, As, Se).

Das Auftreten von Schadstoffen im Boden kann verwitterungsbedingt sein, durch den Auftrag von Dünger oder Klärschlamm erfolgen sowie die Anwendung von Pestiziden oder atmosphärische Depositionen als Ursache haben.

Schaduf

Ägyptischer Schwing- oder Hebelbrunnen. Zwei nebeneinanderliegende Säulen aus Lehm oder anderem Material tragen einen am kürzeren Ende durch einen Stein beschwerten Brunnenhebel. Am längeren Hebel ist der Eimer befestigt, der mit menschlicher Kraft in das Flußwasser oder in den Brunnen gesenkt wird. Durch das Gegengewicht am kürzeren Hebelende ist die Förderung des Eimers relativ leicht. Das Prinzip ist global verbreitet und besitzt u.a. auch die Bezeichnungen Khottara (ar. hattara = hin und her schwingen) und Gounima-Brunnen.

(s. a. Bewässerung, Bewässerungswirtschaft)

Schaf

Wiederkäuender, z.T. Hörner tragender Paarhufer, in der Landwirtschaft wegen Wolle, Fleisch und Milch gehalten. Das Hausschaf stammt vom Wildschaf ab und ist schon vor über 10.000 Jahren in Kurdistan gehalten worden. In Deutschland ist heute das Fleisch der Schafe mehr gefragt als deren Wolle. Milch hat für die Käseherstellung Bedeutung. Männliche Tiere werden Bock oder Widder, wenn sie kastriert sind Hammel oder Schöps, genannt. Für Mutterschafe gibt es auch den Ausdruck Zibbe oder Zippe. Die Jungtiere bezeichnet man als Lamm. Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 75 und 200 kg. Die Tragzeit beträgt etwa 150 Tage. Meist werden ein bis zwei Lämmer geboren. Schafe können bis zu 20 Jahre alt werden und sind sehr genügsam. In Deutschland wird im Frühjahr (April bis Juni) die Schur der Schafe durchgeführt. Die geschorenen Tiere sind sehr empfindlich. Aus diesem Grunde werden Kälteeinbrüche im Juni auch „Schafskälte“ genannt. Für die Landschaftspflege spielen Schafe eine große Rolle, so die Heidschnucken in der Lüneburger Heide, weil sie das Aufwachsen von Bäumen verhindern. Auch die Grasnarbe auf den Deichen wird durch das Beweiden mit Schafen (Deichschafe, Deichlämmer) gestärkt (Festtreten des Bodens, Kurzhaltung des Bewuchses).

Weitere Informationen:

Schaftriften

Gelände, das infolge geringer landwirtschaftlich verwertbarer Produktivität ausschließlich zur extensiven Schafweide genutzt wird. Oft handelt es sich um Halbtrocken- und Trockenrasen auf Kalkböden. Sie stehen heute aufgrund ihres botanischen und zoologischen Artenreichtums meist unter Naturschutz.

(s. a. Triften)

Scheuer

Auch Scheune, Schopf, Stadel; separater Bau zum erdlastigen Stapeln der Getreide- und/oder Heuernte.

Schiffelwirtschaft

Der Haubergwirtschaft ähnliche Wirtschaftsform vor allem in der Eifel als Wechselwirtschaft zwischen Heide (hier offenes, waldfreies Allmendland) und Ackerland.

Schlag

1. Ein größeres Feld, bei der Schlagflur eine von der Größe her gleiche Abfolge des Besitzgemenges, u.U. eine Zelge oder das Außenfeld (Außenschläge) einer Flur. Bei der Fruchtwechselwirtschaft wird z.B. nach Getreideschlag oder Kartoffelschlag unterschieden.

2. Fruchtfolgeschlag, ein Ackerstück, das fruchtfolgemäßig einheitlich oder annähernd einheitlich behandelt bzw. bebaut wird. Es weicht oft von der Parzelle als Eigentumsfläche ab.

Die Schlaggröße sollte 5 ha möglichst nicht überschreiten. Bei Größen oberhalb von 10 ha ergeben sich nur noch geringe Einsparungen im Arbeits- und Maschinenzeitbedarf. Großschläge von 100 ha und mehr, wie sie in den neuen Bundesländern, bzw. bereits in der DDR geschaffen wurden, sind aus wirtschaftlichen Gründen nachteilig. Selbst große Erntemaschinen müssen über die Schlaglänge mehrfach entleert und damit die Erntegüter unnötigerweise mit schweren Fahrzeugen über die Fläche transportiert werden. Beim Ausbringen von Gülle und Stallmist wird der Boden mehrfach befahren, weil die Fahrzeuge nach einem Teil der Schlaglänge schon entleert sind. Derartige Großflächenbewirtschaftung erhöht zusätzlich die Gefahr von Bodenerosion und hat gleichzeitig zur Folge, daß der Anteil an ökologisch wichtigen Landschaftselementen, wie Hecken, Feldgehölzen, Feldrainen und Wegen, abnimmt. Mit zunehmender Schlaggröße können die ausgleichenden Wirkungen dieser Flächen hinsichtlich Erosionsschutz, Artenvielfalt und Nützlingsförderung immer weniger wirksam werden.

3. Im Kontext der EU-Agrarpolitik ist ein Schlag ist eine zusammenhängende Fläche, die grundsätzlich einheitlich mit einer Kultur bebaut und von einer antragstellenden Person bewirtschaftet wird. Ein Schlag kann jedoch auch eine zusammenhängende Fläche sein, die mit verschiedenen Kulturen bebaut ist, wenn diese Kulturen einen gemeinsamen Nutzungscode (NC) zugeordnet werden können (z.B. NC 610 Gemüse).

Schlagflur

Spezieller Typ von Gewannflur, der meist nach 1700 in Mitteldeutschland durch Rodung, Umlegung oder Separation von Gutsland entstand. Die Parzellenstreifen waren in mehrere gleiche Abfolgen des Besitzgemenges (Schlag) untergliedert. Der Parzellierungsgrad wurde dabei durch die Gehöftzahl bestimmt.

Schlagkartei

Eine auf den einzelnen Acker- oder Grünlandschlag bezogene, systematische und geordnete Aufzeichnung über produktionstechnische Maßnahmen und Ergebnisse in der Pflanzenproduktion. Sie bietet Planungs- und Entscheidungshilfen für den zukünftigen Anbau. Die Aufzeichnungen können auf Karteikarten oder mit Hilfe von EDV erfolgen.

Schlagwirtschaft

Fruchtwechselwirtschaft, die sich unter dieser Bezeichnung auf den einstigen Mecklenburgischen Großbetrieben entwickelte. Charakteristisch ist die Aussonderung der Ackerweide aus der normalen Fruchtfolgerotation. Koppeln werden dadurch überflüssig. Im Landschaftsbild stehen ausgedehnten Ackerfluren lediglich kleinere, eingefriedete Graskoppeln in den Niederungen gegenüber.

Schlempen

Nebenprodukte der Alkoholgewinnung aus Melasse, Obst etc., die z.T. als Futtermittel, in Biogasanlagen oder als Dünger verwendet werden können, sowohl getrocknet oder noch flüssig. Es sind Destillationsrückstände der unter Hefezusatz vergorenen Maischen.

Charakteristika von Schlempen:

Bedeutung als Futtermittel haben nur Schlempen von Getreide, Kartoffeln, Mais, Milo oder Maniok.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Schmalstreifenflur

Flurform, bei der sich aufgrund häufiger Teilungen die ursprüngliche Parzellenbreite nicht mehr erkennen läßt oder bei der durch bewußt schmal gehaltene Streifen eine stärkere Gemengelage des Besitzes im Streifensystem angestrebt wird. In Mittel- und Westeuropa liegt die Grenze zur Breitstreifenflur bei ca. 40 m.

Schneitelwirtschaft

Auch Schnaitelwirtschaft; in Europa überwiegend obsolete Futter- und Streugewinnung in Laubwäldern durch Abschneiden von Ästen. Durch Anbau, Hege und das regelmäßige Schneiteln der Futterbäume entsteht die für diese Wirtschaftsform typische, ökologisch wertvolle Kulturlandschaft. Die Schneitelwirtschaft wurde im Mitteleuropa erstmals von den neolithischen Bauern, den Bandkeramikern betrieben.

Bei der Schneitelung wurden dünne vollbelaubte Zweige im mehrjährigen Turnus zur Brenn- und Flechtholzgewinnung mit Messern abgeschnitten oder mit der Hand abgeknickt. Bei der Laubheugewinnung wurden die Blätter von den Zweigen abgestreift (gerupft) und für den Winterfutterbedarf getrocknet: Die lateinischen Namen der Esche (Fraxinus, lat. frangere = brechen) und der Hainbuche (Carpinus, lat. carpere = rupfen) weisen auf die Nutzungstechniken.

Schneitelung entweder dicht am Boden (Niederwald) oder als Kopfschneitelung (Kopfbäume); Kopfhöhe sollte verhindern, dass Wild und Vieh die empfindlichen Triebe erreichen

Im Alpenraum wurde vorwiegend die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) zum Schneiteln genutzt. Des Weiteren wurden auch die Linde, die Ulme, der Ahorn, die Eiche, sowie Obstbäume genutzt. In rauen Lagen wurden auch Nadelgehölze genutzt.

Durch die Entvölkerung des südlichen Alpenraums im frühen 20. Jahrhundert ist diese Form der Bewirtschaftung stark zurückgegangen. Die heute noch anzutreffenden typischen Schneitelbestände (ehemals Hecken und lichte Wälder) sind deshalb vielerorts verwaldet.

Die Schneitelwirtschaft hielt sich bis ins 18. Jahrhundert in allen Laubwaldgebieten Europas. Vereinzelt ist sie noch in Südosteuropa und in den Pyrenäen anzutreffen. Heute wird das Schneiteln in Westeuropa so gut wie nicht mehr praktiziert, in Teilen von Afrika oder Südasien (Indien, Pakistan, Nepal) und auch in Bolivien ist es noch heute eine häufige Form der Bewirtschaftung.

Schopf

Auch Schuppen; Unterstellraum für Wagen usw., oder Stapelraum für Torf usw.; kann ans Haus angebaut sein. Regional auch synonym mit Scheune gebraucht.

Schrebergarten

Bezeichnung für Kleingärten, die auf den Leipziger Arzt Daniel Schreber (1808-1861) zurückgeht, der in seinem Einsatz für die Volksgesundheit gymnastische Erziehung, die Errichtung öffentlicher Spielplätze und auch die Einrichtung von Kleingärten propagierte. Die konkrete Umsetzung erfolgte aber durch seinen Schwiegersohn E.J. Hauschild, der nach 1864 von der Stadt Leipzig Gelände pachtete, um Kinderbeete anzulegen. Daraus entwickelten sich Familiengärten. Die Entwicklung griff nach einigen Jahren auf andere Städte über. Neben dem Leipziger Ansatz gab es auch weitere Keimzellen der Kleingartenbewegung, z.B. im Ruhrgebiet, wo für Hüttenarbeiter und Bergleute Industrie- und Werksgärten geschaffen wurden.

Schrot

Bezeichnung für zerkleinerte Getreidekörner und das bei der Verarbeitung von Ölfrüchten gewonnene Eiweißfutter. Aus Ölfrüchten werden in Ölmühlen Öl und Schrote oder Ölkuchen gewonnen Ölschrote werden wegen ihres Eiweißgehaltes verfüttert. Weltweit hat Soja bei den Ölschroten die größte Bedeutung, gefolgt von Baumwolle, Raps und Sonnenblumen. Die Leistungssteigerung bei Nutztieren ist auch auf die Verfütterung der Ölschrote als Eiweißfutter zurückzuführen.

Schutzgut

Allgemein die Bezeichnung für alles, was aufgrund seines materiellen oder ideellen Wertes vor einem Schaden geschützt werden soll. Die konkrete Bestimmung von Schutzgütern hängt immer vom Kontext der Ereignisse und von den Auswirkungen ab, vor denen ein Schutz erfolgen soll. Der Zivilschutz umfasst beispielsweise den Schutz der Gesundheit, der öffentlichen Infrastruktur oder auch den Schutz von Kulturgütern.

Nach dem im Umweltrecht geltenden Vorsorgeprinzip werden Schutzgüter wie beispielsweise der Boden und seine Funktion im Naturhaushalt durch die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung erfasst und bewertet, um konkurrierende Bodennutzungen fachgerecht untereinander und gegeneinander abwägen zu können und Beeinträchtigungen zu kompensieren.

Im Rahmen der Umweltvorsorge erfolgt eine Konkretisierung von Schutzgütern in Bezug auf Auswirkungen von öffentlichen und privaten Vorhaben und Plänen im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Dieses definiert die in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Strategischen Umweltprüfung (SUP) zu betrachtenden Schutzgüter:

Eine umweltfreundliche Landwirtschaft beachtet Schutzgüter

Die Landwirtschaft ist für den Erhalt und Schutz unserer natürlichen Ressourcen von großer Bedeutung. Ziel einer umweltfreundlich gestalteten Landwirtschaft muss es sein, negative Auswirkungen auf die Schutzgüter Boden, Luft, Wasser und Biodiversität zu vermeiden, Kulturlandschaften zu erhalten und gleichzeitig die regionale Entwicklung zu fördern. Voraussetzung dafür sind ausreichende rechtliche Grundlagen und eine umweltfreundliche Ausgestaltung der Agrarpolitik.

Das Ordnungsrecht und die Ausgestaltung der europäischen und nationalen Agrarpolitik bieten Möglichkeiten, Umweltbelastungen durch die Landwirtschaft zu verhindern und eine umweltschonende Bewirtschaftung der Flächen zu gewährleisten. Dies kann einerseits über gesetzliche Vorschriften und deren Bindung an die EU-Direktzahlungen und andererseits über attraktive Anreize zur Erbringung höherer Umweltleistungen gelingen.

Landwirte, die über die obligatorischen Anforderungen hinaus zusätzliche Güter und Dienstleistungen bereitstellen und sich freiwillig zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt der Landschaften verpflichten, werden dafür bei der Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen finanziell unterstützt. Hierzu gehören beispielsweise Anbauverfahren und Techniken, die den Boden verbessern und Erosion vermindern, Produktionsweisen, die dem Schutz der Biodiversität und dem Klima dienen (z. B. extensiver Grünlanderhalt) sowie der Ökologische Landbau.

Schwabenkinder

Bezeichnung für jene Gruppen von Kindern aus Westtirol und Vorarlberg, die in vorindustrieller Zeit (belegt seit dem ersten Drittel des 17. Jh.) aus wirtschaftlicher Not von ihren Eltern nach Schwaben, vor allem ins Allgäu geschickt wurden, um sich dort saisonal als Hütekinder zu verdingen.

Die Herkunftsräume waren übervölkerte Realteilungsgebiete mit unzureichender Ackernahrung. Die übliche Dauer der jährlichen Migration währte von März bis Ende Oktober. Nach etwa einwöchiger Fußreise wurden die Kinder auf den Gesindemärkten, z.B. in Kempten, Ravensburg, Weingarten und Tettnang einzeln von Bauern in Dienst genommen. Um 1830 wird von fast 5.000 solchen Wanderarbeitern pro Jahr berichtet.

(s. a. Hollandgänger)

Schwad(e)

Das reihenförmig zusammengerechte bzw. abgelegte (geschwadete) Erntegut bei der Ernte von insbesondere Gras oder Getreide, aber auch von anderen Feldfrüchten, zum Beispiel bei Nutzung von Zuckerrübenblättern als Futtermittel.

Bei der Grünlandnutzung wird das zur Erzeugung von Heu oder Silage gemähte Gras vor der Bergung mit Ballenpresse, Feldhäcksler oder Ladewagen mit einem Schwader "auf Schwad gelegt". Hierzu wird mit einem Seitenschwader meist einmal längs und dann wieder zurück gegengeschwadet. Alternativ wird der Schwad direkt in der Mitte abgelegt. Auf diese Art wird das Mähgut reihenförmig zusammengerecht, um es danach arbeitssparender bergen zu können. Entsprechendes gilt für das bei der Getreideernte anfallende Stroh, soweit es nicht bereits vom Mähdrescher in Schwaden abgelegt wurde oder aufgrund Regens vor der Strohbergung zur besseren Trocknung gezettet werden musste. Ferner legen auch Schwadmäher das Erntegut nach dem Schnitt sogleich auf Schwad ab. Bei der Heutrocknung wird das zu trocknende Gras zudem in der Regel abends wieder auf Schwad gelegt, damit es durch Regen oder nächtlichen Tau nicht so stark wieder durchfeuchtet wird. Ein solcher Nachtschwad kann nicht nur mit der Spezialmaschine Schwader, sondern mit reduzierter Kreiseldrehzahl auch mit einem Kreiselzettwender angelegt werden.

Schwaige

Von ahd. Sweiga = Rinderherde, Weideplatz; im Alpenvorland und im gesamten Alpenraum auftretende Einzelhöfe, teils in Mischung mit Weilern. Es waren Dauersiedlungen, mit dem Zweck, die Grundherrschaft mit den Produkten der Viehwirtschaft zu beliefern.

Schwaighof

Auf reine Viehwirtschaft spezialisierte Betriebsform im Alpenvorland und im Alpenraum innerhalb einer Grundherrschaft, vor allem von Klöstern eingerichtet. Für die Schwaighöfe bestand eine Lieferverpflichtung (Käse, Lebendvieh) an den Grundherrn, der seinerseits die Versorgung mit Getreide, Stroh usw. garantierte. In den Urkunden hießen diese Höfe auch vaccariae (lat. vacca = Kuh) oder armentariae (lat. armentum = Acker- und Pflugvieh, insbesondere Ochsen). Schwaighöfe bestanden vom 12. Jahrhundert bis zum Beginn des Eisenbahnzeitalters.

Schwand(t)wirtschaft

Regionale Bezeichnung der Feldwald(wechsel)wirtschaft.

(s. a. Haubergwirtschaft, Reutbergwirtschaft)

Schwarmsiedlung

Lockeres Dorf mit flächenhafter und nicht linearer Weitständigkeit von Gebäuden und Hofreiten. Die Abstände zwischen den Hofstellen betragen ca. 100 - 300 m.

Schwarzbrache

1. Typ der Brache, bei dem das Feld mehrfach umgepflügt wird, um das Erdreich zu durchlüften, die kapillare Verdunstung (Staubmulch) zu brechen und den Unkrautwuchs zu bekämpfen. In semihumiden Räumen (seit Jahrhunderten im Mittelmeerraum) versucht man mit der Schwarzbrache auch eine Anreicherung von Niederschlagsfeuchtigkeit zu erreichen. Dies wird durch die fehlenden Transpirationsabgaben durch Feldkulturen oder einer sonstigen Pflanzendecke erreicht. Die eingesparten Wassermengen sind allerdings gering. Messungen in den nördlichen Prärien der USA zeigen, daß von den 57,7 cm Niederschlag der 21monatigen Bracheperiode zehn bis 19 cm zurückgehalten wurden. Zudem kann Wasser nur unterhalb einer Tiefe von 20 cm gespeichert werden, da es direkt unter der Bodenoberfläche größtenteils durch Verdunstung verlorengeht. Die Schwarzbrache hat ihre Verbreitung in nicht-tropischen, halbariden Gebieten, wo nicht bewässert werden kann, z.B. mediterrane Länder, kontinentale Gebiete Nordamerikas und Osteuropas. Die absolute Schwarzbrache hat sich nicht bewährt.

2. Nach der Methodologie der EU-Strukturerhebungen jene bearbeitete oder nicht bearbeitete Flächen, die in der Fruchtfolge stehen, aber während des ganzen Wirtschaftsjahres keine Ernte erbringen. Schwarzbrache kann in folgenden Formen vorkommen:

Schwarzbrache ist nicht mit Zwischenfruchtbau und nicht mit aus der landwirtschaftlichen Erzeugung ausgeschiedenen Flächen zu verwechseln. Wesentliches Merkmal der Schwarzbrache ist, daß die Flächen i.a. für eine Vegetationsperiode ruhen, um sie zu verbessern.

(s. a. dry farming)

Schwarzkultur

Älteste Moorkulturform, bei der Niedermoore nach Entwässerung direkt als Acker oder Grünland genutzt werden (syn.: Niedermoor-Schwarzkultur); sie ist weltweit verbreitet. Eine neuzeitliche Variante der Schwarzkultur ist bei Hochmooren die Deutsche Hochmoorkultur, bei der der (z.T. abgetorfte) Hochmoortorf nach Entwässerung durch Einmischung in die oberen 20 cm gedüngt wird.

Schwedenreuter

Gerüst zur Trocknung von Grasschnitt aus mehreren in einer Reihe angeordneten Pfählen, die durch 4 - 6 übereinander gespannte Drähte oder Schnüre verbunden sind.

Schwein

Nutztier zur Fleischerzeugung. Als Nebenprodukt wird Haut zu Leder verarbeitet. Schweine sind schnell wachsende Allesfresser. Domestizierte Wildschweine wurden im Laufe der Jahrhunderte zu den heute üblichen Hausschweinen gezüchtet. Das frühere Landschwein, dessen Mastendgewicht sich auf 150 kg und mehr belief, ist von fettärmeren und schnellwüchsigeren Schweinen abgelöst worden. Diese „modernen“ Schweine haben vier Rippen mehr und liefern daher mehr Koteletts. Muttersauen in Ferkelerzeugerbetrieben werfen nach 3 Monaten 3 Wochen und 3 Tagen 10 bis 14 Ferkel. Die nach 3 bis 6 Wochen von der Muttersau „abgesetzten“ Ferkel werden als „Läufer“ in Gruppen großgezogen und kommen dann in Mastbetriebe.

Die heutige moderne Schweinehaltung ist nicht nur durch stark gewachsene Tierzahlen, sondern auch durch eine fortschreitende Spezialisierung gekennzeichnet. Viele Betriebe spezialisieren sich auf nur eine oder zwei Produktionsrichtungen.

Bei der Schweinehaltung werden unterschieden:

Die Mast beträgt ca. 5 Monate. Mit einem Lebendgewicht von 100 bis 110 kg werden die Schweine verkauft. Die Mast erfolgt mit Getreide und Mais sowie Eiweißfutter und Mineralfutter. Die Menge und Mischung wird dem jeweiligen Entwicklungsstand der Tiere angepasst ist.

Ökologische Schweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung ist für Landwirtinnen und Landwirte sehr aufwändig und teuer und lohnt sich nur, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, entsprechend höhere Preise zu bezahlen. Auch das Management stellt, vor allem in Bezug auf die Tiergesundheit und die Fütterung, höchste Anforderungen an Öko-Schweinehalterinnen und -halter.

Die wichtigsten Unterschiede zur konventionellen Haltung sind:

Wirtschaftliche Bedeutung

Deutschland ist nach Spanien der zweitgrößte Schweinefleischproduzent in Europa. 2016 hielten rund 24.400 Betriebe etwa 27,4 Millionen Schweine. Das sind pro Betrieb im Durchschnitt über 1.122 Schweine. In Niedersachsen wird ein knappes Drittel aller deutschen Schweine gehalten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 1950 gab es in Deutschland noch knapp 2,4 Mio. Schweinehalter, die jedoch weniger als die Hälfte an Schweinen hielten, nämlich rund 12 Millionen. Damals kamen durchschnittlich fünf Schweine auf einen Halter.

Schweinefleisch war 2016 mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 36,2 Kilogramm das bei den Deutschen beliebteste Fleisch. In 2017 betrug der Selbstversorgungsgrad 120 %.

Welche besondere Bedeutung Schweinefleisch für die deutsche Agrarwirtschaft hat, zeigen die Exportzahlen. Deutschland ist der größte Exporteur von Schweinefleisch: 2,5 Millionen Tonnen wurden 2016 weltweit ausgeführt. Das ist gut fünf Mal so viel wie bei Rindfleisch und drei Mal so viel wie bei Geflügelfleisch. (BZfE)

Weitere Informationen:

Schweinepest

Für Schweine gewöhnlich tödliche Viruserkrankung. Eine Bekämpfung der Schweinepest geschieht durch besondere Präventionsmaßnahmen im Hygienebereich, bei der weitestgehenden Unterbrechung von Übertragungswegen und bei akuten Ausbrüchen durch die komplette Vernichtung betroffener Bestände. Ausbrüche der Pest in EU-Ländern bedingten in den letzten Jahren die Keulung von mehreren Millionen Tieren mit der Elektrozange. Eine Impfung ist seit 1990 EU-weit wegen des Druckes von Importländern verboten. Denn Tiere können durch die Impfung zwar selbst nicht krank werden, die Krankheit aber übertragen. Das Virus ist für den Menschen harmlos.

Schweinezyklus

Schwankungen zwischen größeren Schweinebeständen bei niedrigen Preisen und geringen Schweinebeständen bei relativ hohen Erzeugerpreisen. Das Grundmodell: Auf günstige Schlachtschweinepreise reagieren Landwirte mit einer verstärkten Nachfrage nach Ferkeln. So erzielen auch diese hohe Preise. Darauf reagieren die Zuchtbetriebe und Ferkelerzeugerbetriebe mit erhöhtem Angebot. Zeitliche Verzögerungen treten durch Zeiten bis zur Deckung der Sauen, Tragzeit, Ferkel- und Läuferzeit ein. Nach einem guten Jahr steigt das Angebot an schlachtreifen Schweinen, deren Preise sinken. Das hat zur Folge hat, dass die Erzeugung gedrosselt wird. Nach einiger Zeit beginnt der Schweinezyklus aufs Neue. Die Preisschwankungen bei Schweinen hängen heute außerdem von Einfuhren und plötzlich auftretenden Seuchen (Schweinepest) ab.

Schweizer Bauernverband (SBV)

Der Schweizer Bauernverband (SBV, bis 2013 Schweizerischer Bauernverband; franz. Union suisse des paysans, ital. Unione Svizzera dei Contadini) vertritt die Interessen der Landwirtschaft in der Schweiz und gilt als eine der einflussreichsten Organisationen des Landes.

Zusammengesetzt ist der Verband aus Vertretern von 25 kantonalen Berufsorganisationen und von 60 Fachverbänden (22 aus dem Bereich tierische Produktion, 17 aus dem Bereich Pflanzenbau, 5 Genossenschaftsverbände und 16 aus sonstigen Bereichen; Stand Dezember 2003). Der Hauptsitz des SBV befindet sich in Brugg. Die angeschlossenen Teilverbände vertreten rund 55.000 Bauernbetriebe.

Der SBV setzt sich folgende Ziele:

Weitere Informationen:

Schwellenpreis

Mindestpreise, zu denen Agrarprodukte bis zur Tarifierung der Abschöpfungen in die EU importiert werden durften. Bei Einfuhren wurde der niedrigere Weltmarktpreis durch Abschöpfungen und/oder Zölle so stark verteuert, daß sie den Schwellenpreis erreichten. Der Schwellenpreis sicherte die Preisstabilität der Gemeinschaft und war so ein Schutz einheimischer Landwirte vor billiger produzierenden Bauern aus Drittländern. Die Schwellenpreise bildeten vielfach die Grundlage für die Abschöpfungen.

Bei Getreide entspricht heute die Einfuhrschwelle dem früheren Schwellenpreis.

(s. a. Gemeinsame Agrarpolitik, Marktordnung)

Schwemme

Meist am Ufer eines Gewässers gelegener Platz zum Waschen oder Tränken des Viehs (Spülkuhle), z.B. für Pferde (Pferdeschwemme) oder Schafe (Schafwäsche). Die Schwemme kann durch Pflasterung befestigt sein.

Schwendbau

Syn. Schwenden; engl. swidden, im engeren Sinne eine früher primär in Europa, aber auch im subsaharischen Afrika verbreitete Form des Feldbaus. Dabei wird potenzielles Ackerland (seltener Weideland) von Bewuchs (Bäumen, Sträuchern) befreit, wobei die Ausstockung (das Entfernen des Wurzelwerks) unterbleibt.

Im weiteren Sinne und im englischsprachigen Raum (engl. slash-and-burn); sowie in Schweden (schwed. Svedjebrug) wird auch der Brandfeldbau als Schwendbau bezeichnet.

Schwendung erfolgte durch Einkerben der Rinde (Ringelung), wodurch die Bäume abstarben und austrockneten. Das Roden der Stubben unterblieb, da die gewonnene Fläche für den Grabstockfeldbau nutzbar war und das verbliebene Wurzelwerk besonders in Hanglagen die Erosion verhinderte. Prähistorisch wurde der Schwendbau vermutlich durch Übernutzung der Wälder als Waldweiden und durch Brandrodung unterstützt.

Im Alpenraum umfasste der Schwendbau bis in die Neuzeit verbreitet auch die langsame Erweiterung und die Pflege des offenen Landes am Rain, auch im Almbetrieb (Sömmerung). Hierbei nutzte man eine Abfolge von Schwendung durch Ringeln (aber auch kleinflächigen Kahlhieb oder Entnahme von Einzelbäumen), dann Übergangsphase der Stockung (Niederwald) für Raufutter und Laubheu (Schneitelung) sowie Flechtmaterial für Zaunpflege, Korbware und anderes, dann Freilandgewinnung.

Eine letzte Form des Schwendbaus erhielt sich in der Siegerländer Haubergswirtschaft, wo auf dem geschwendeten Grund einjährig Roggen oder Buchweizen angebaut wurde, bevor der Bewuchs wieder zugelassen wurde.

Schwenden

Gezieltes Entfernen (Mähen, Ausgraben) von Weideunkräutern (z.B. Gelber Enzian, Germer), aufkommenden Zwergsträuchern und Fichten als wichtiger Teil der Almpflege.

Wird eine Freifläche weder gemäht noch geschwendet, verbuscht sie an den meisten Standorten in Mitteleuropa innerhalb weniger Jahre, ehe sie zu Wald wird. Schwenden ist heute ein wichtiger Teil der Almwirtschaft, dabei werden die Almweiden von Büschen, Latschenkiefern und Alpenrosen befreit, welche die Futterpflanzen verdrängen würden.

Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts gängige Praxis, mit Latschenkiefer oder Alpenrose stark verbuschte Almwiesen und Hänge einfach anzuzünden (Brandrodung), ist in Europa heute untersagt. Der Pflanzenschutz dehnte sich dann auch auf die Alpenrose aus, bis sich zeigte, dass diese, weil vom Vieh gemieden, auf den Alpflächen als Unkraut gilt und Matten in wenigen Jahren großflächig überwuchert. Das den Almbauern und ihren Sennern zustehende Schwendrecht erlaubt in Deutschland auch die Beseitigung ansonsten streng geschützter Pflanzen wie der Almrose. Heutige Almbauern stehen vor dem Dilemma, dass Schwenden arbeitsaufwendig und teuer ist. Über mehrere Jahre nicht geschwendete Flächen mit aufkommendem Baumbewuchs werden von den zuständigen Forstämtern häufig zu Schutzwald erklärt und gehen damit als Weidefläche verloren.

Als typisches historisches Werkzeug ist die Schwendsense zu nennen, die ein kurzes, massives Sensenblatt und, ihm entgegengesetzt, eine kleine Hacke trägt. Das Schwenden erfolgt heute meist elektromechanisch mit Motorsense oder Motorsäge.

(s. a. Alm)

Schwermetalle

Als Schwermetalle bezeichnet man jene metallischen Elemente, welche eine Dichte von mehr als 5,6 g/cm³ aufweisen und die sich im Periodensystem als Übergangselemente in der 4. bis 6. Periode befinden. Ihre Verbreitung in der Erdkruste reicht von wenigen ppm (Cd, Hg, Mo) bis zu einigen Promillen (Mn, Ti, Fe). Für das pflanzliche Wachstum sind Fe, Zn, Mn, Cu, Mo, Co essentielle Spurenelemente, für den tierischen Organismus zusätzlich Cr, Sn und Ni. Von den übrigen Schwermetallen ist keine physiologische Notwendigkeit bekannt, manche wirken schon in sehr kleinen Konzentrationen toxisch, so vor allem Cd, Pb, Hg und Ti.

Jeder Boden enthält, entsprechend seinem Ausgangsgestein, von Natur aus einen bestimmten Gehalt an Schwermetallen, die bei der Verwitterung freigesetzt und teilweise pflanzenverfügbar werden. Wegen der globalen Verfrachtung von Industrie- und Verkehrsimmissionen gelangen heute nahezu überall zusätzliche Schwermetalle mit den Niederschlägen oder mit atmosphärischem Staub auf den Boden. An naturbelassenen Standorten ist der Schwermetallentzug des Bodens durch die Pflanzen nur vorübergehend, da der exportierte Anteil mit der Streu nahezu vollkommen wieder in den Boden zurückgelangt. Auf landwirtschaftlich genutzten Standorten kommt nur ein Teil in den Boden zurück, entweder direkt als Streu oder indirekt mit Wirtschaftsdüngern. Mit Klärschlamm und Kompost fließen beträchtliche Mengen zusätzlicher Schwermetalle aus verschiedensten Quellen in den Kreislauf ein. Schließlich enthalten auch Handelsdünger, vor allem verschiedene Phosphate Spuren von Schwermetallen.

In der Bodenmatrix können die Schwermetalle auf unterschiedliche Weise gebunden werden. Die Adsorptionskapazität der Sesquioxide (Eisen- und Aluminiumoxide und Hydroxide) für Kationen nimmt mit steigendem pH-Wert zu. Neben der reinen Adsorption können Sesquioxide die Schwermetalle auch in ihre Struktur einbauen. So gebundene Metalle sind nicht mehr pflanzenverfügbar. Die Bindung der Schwermetalle an Tonmineralen folgt den Gesetzen des Kationenaustausches an negativ geladenen Tauschern. Mit den Humusstoffen bilden die Schwermetalle Komplexe und Chelate. Die Stabilität der Komplexe und die Bindungskapazität sinken mit abnehmendem pH-Wert. In sauren Böden ist daher die relative Verfügbarkeit und die Mobilität der Schwermetalle größer als unter neutralen Bedingungen.
Die Aufnahme der Schadstoffe aus dem Boden und ihre Phytotoxizität hängen von Art und Konzentration des Schadstoffs, von pflanzenspezifischen Faktoren und von Bodeneigenschaften ab. In der Regel akkumulieren zweikeimblättrige Pflanzen mehr Schwermetalle und reagieren ertragsmäßig empfindlicher als einkeimblättrige. Wurzeln wirken als Filter und reichern viel mehr Schwermetalle an als Sproßorgane (z.B. Blätter) und diese mehr als reproduktive Organe (z.B. Samen, Früchte).

Hohe Konzentrationen von Schwermetallen hemmen viele wichtige Bodenlebewesen und Prozesse.

section

Im US-amerikanischen Landvermessungssystem der Land Ordinance ein Quadrat von 1 Meile Kantenlänge. 36 sections bilden eine township, 1 section ist selbst in 4 quarter sections unterteilt.

Segregation

Großräumige Funktionstrennung zwischen einer weiter intensivierten Landwirtschaft einerseits und davon durch Pufferzonen abgeschirmtem Umwelt- und Naturschutz auf 'stillgelegten' oder bislang agrarisch nicht genutzten Flächen andererseits. Im Hinblick auf den Erhalt bedrohter Arten sind solche Flächen in bestimmter Mindestgröße unerlässlich, um die für das langfristige Überleben nötigen Mindestpopulationsgrößen zu erreichen. Insgesamt können die Ziele des Naturschutzes nur mit einer Kombination aus Segregations- und Integrationskonzept erreicht werden.

(s. a. Insellandwirtschaft, Integration)

Seguia

Auch Targa; traditionelle Wasserzuführung in Oasen mit Hilfe eines kleinen Stauwehrs (Sedd, Ougoug) über einen Erdkanal, der Seguia. Souagi (pl.) werden zur Ableitung von Flußwasser eingesetzt, aber auch in Quelloasen oder Oasen mit artesisch gespanntem Wasser, das oberflächlich austritt.

(s. a. Bewässerung)

Seidenraupenzucht

Aufzucht des domestizierten Maulbeerspinners, vom Ei über die Metamorphosestadien der Raupen bis zum Kokon, dessen abspulfähiger Seidenfaden mit einer Länge von durchschnittlich 3.000 m das Rohmaterial für die Rohseidenerzeugung liefert.

Die Abhängigkeit der Seidenraupenzucht ist abhängig vom Gedeihen des Maulbeerbaumes, dessen frische Blätter das Futter der Seidenraupe bilden. Traditionell ist die Seidenraupenzucht eine gute Einnahmequelle ostasiatischer Kleinbauern.

Sekundärbodenbearbeitung

Syn. Saatbettbereitung; die Oberflächen-Nachbearbeitung nach der Primärbodenbearbeitung zur Schaffung eines Saatbettes für die Aufnahme von Saat- oder Pflanzgut in einem flachen Saathorizont.

In Gärtnereien, Landwirtschaft, Landschaftsbau und Wald ist die Vorgehensweise entsprechend der Geräteausstattung und den Anforderungen des Saatgutes sehr unterschiedlich. In jedem Fall ist das Saatbett von entscheidender Bedeutung für Keimung und Feldaufgang der Saat und des Jugendwachstums der Pflanzung, die als der empfindlichste Abschnitt der Pflanzenentwicklung (Ontogenese) angesehen wird. Eine optimale Saatbettbereitung erfordert einen standortgerechten Geräteeinsatz, der entsprechend der Kultur, Bodenart und Region sehr unterschiedlich ist.

Selbstfolge

Bezeichnung für den an mehreren aufeinander folgenden Jahren durchgeführten Anbau derselben Fruchtart. Bei zwei Jahren spricht man von einmaliger Selbstfolge. Drei- bis fünfmaliger Nacheinanderbau der gleichen Hauptfrucht ist eine mehrjährige Selbstfolge und mehr als fünfjähriger, meist langjähriger Nacheinanderbau gleicher Fruchtarten wird Monokultur genannt. Dies sollte allerdings im Ackerbau ausgeschlossen werden, weil es zu erheblichen Wachstums-, Ertrags- und Qualitätseinbußen führen kann sowie in der Regel höhere Produktionskosten verursacht. Es gibt aber auch Fruchtarten, die ohne größere Probleme in Selbstfolge angebaut werden können, z.B. Mais. Diese Erscheinung wird als Verträglichkeit bezeichnet.

Selbstversorgungsgrad

Maß, mit dem angegeben wird, wie viel Prozent der benötigten Agrarerzeugnisse im eigenen Land hergestellt werden. Es zeigt also, in welchem Umfang die Erzeugung der heimischen Landwirtschaft den Bedarf (Gesamtverbrauch) decken kann oder um welchen Prozentsatz die Produktion den inländischen Bedarf übersteigt. Der Selbstversorgungsgrad ist gleich der Inlandserzeugung in Prozent des Gesamtverbrauchs für Nahrung, Futter, industrielle Verwertung, Saatgut, Marktverluste. Bei einer Unterversorgung (unter 100 %) sind Importe notwendig.

Die landwirtschaftliche Erzeugung ist von natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen abhängig. So ist der Selbstversorgungsgrad bei den einzelnen Nahrungsmitteln in Deutschland höchst unterschiedlich.

Der Selbstversorgungsgrad betrug bei

Der Selbstversorgungsgrad erreichte 2012/2013 insgesamt 97 % - ohne Auslandsfutter 92 %. - Ein Landwirt "ernährte" 2012 155 bzw. 144 Menschen.

Um von Schwankungen auf dem Weltmarkt unabhängig zu sein und die Versorgung zu angemessenen Preisen zu sichern, wird in der Europäischen Union (EU), verbunden mit den AKP-Staaten, versucht, einen hohen Selbstversorgungsgrad zu erreichen.

Die EU hat bei fast allen landwirtschaftlichen Produkten die Selbstversorgung erreicht bzw. überschritten und leitet daraus die Notwendigkeit zu Agrarexporten ab. Ein hoher Importbedarf besteht dagegen für pflanzliche Öle und Fette, eiweißreiche Futtermittel (Soja) und bestimmte Obstarten. Seit 2010/11 ist die EU zudem auf Zuckerimporte angewiesen, wobei sich der Selbstversorgungsgrad nach einem Zwischenhoch 2011/12 von 99 % 2012/13 wieder deutlich auf 92 % verringerte. Der Selbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist in den einzelnen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft sehr unterschiedlich. Traditionelle Überschussländer sind Frankreich, die Niederlande und Dänemark.

Trotz der hohen Selbstversorgungsquoten sind viele Industriestaaten auf Importe ernährungswirtschaftlicher Güter angewiesen. Ein gewisser nationaler Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gehört aus wirtschaftlichen und politischen Gründen (u.a. Krisenvorsorge) zu den klassischen Anliegen der Agrarpolitik.

Selbstversorgungsgrad von Nahrungs- und Futtermitteln in der EU, in Deutschland
und in Baden-Württemberg
Selbstversorgungsgrad von Nahrungs- und Futtermitteln in der EU, in Deutschland und in Baden-Württemberg

Quelle: LEL nach EUROSTAT; BLE; BMEL; StaLa BW; Toepfer International; WVZ; AMI; LEL - Stand: 26.7.2017

Selbstverträglichkeit

Begriff aus der Fruchtfolge, der die Empfindlichkeit der einzelnen Arten von Kulturpflanzen gegenüber Fruchtfolgekrankheiten bezeichnet, welche aufgrund des kontinuierlichen Anbaus einer Art auf dem gleichen Schlag gehäuft auftreten können. Mögliche negative Veränderungen ergeben sich aus bodenbürtigen, auf die jeweilige Frucht spezialisierten Krankheitserregern (z.B. Nematoden), Veränderungen im Humusgehalt und in der Bodenstruktur sowie durch Wurzelausscheidungen. Weitgehend selbstverträglich sind in abnehmender Reihenfolge Roggen, Gerste, Mais und Kartoffeln; unterschiedliche aber geringere Selbstverträglichkeit weisen Weizen und Zuckerrüben auf; Hafer und Raps sind nur in geringem Umfang selbstverträglich, während Körnerleguminosen und Futterleguminose nicht selbstverträglich sind.

Seldner

In SW-Deutschland (z.B. Umkreis von Ulm) ehemals verbreitete Bezeichnung für landwirtschaftliche Kleinstellenbesitzer, die im späten Mittelalter vor allem in Gebieten mit Anerbenrecht als Nachsiedler auftraten. Seldner waren gegenüber den Bauern durch eingeschränkte Allmendrechte benachteiligt. Ihre kleinen Betriebe erlaubten nur eine teilweise Selbstversorgung. Das Haupteinkommen entstammte aus Arbeit in vollbäuerlichen Betrieben, herrschaftlichen oder adeligen Gütern, aus Dorfhandwerk oder aus gewerblicher Betätigung. Bezeichnungen mit ähnlicher Bedeutung sind Häusler, Köbler und Kötter.

Sennalpe

Alm mit vorwiegender Milchviehhaltung und eigener Sennerei.

Sennerei

1. Sommerliche Milchwirtschaft in den Alpen, Skandinavien und Island auf den Almen.

2. Bezeichnung für die Gebäude der Alm (Sennhütte), in der die Milch zu Milchprodukten verarbeitet wird, und die dem Almpersonal als Unterkunft dienen.

Sensorfütterung

Bei der Sensorfütterung (Abruf-Fütterung) steht den Tieren ein Futterautomat zur Verfügung. Die Tiere tragen ein elektronisches Erkennungsgerät, einen Transponder. Über einen zentralen Rechner, der die Tiere anhand des Transponders erkennt, wird ihnen täglich eine bestimmte Menge Kraftfutter (vor allem Eiweißfutter und Mineralfutter) zugeteilt. Die Ration kann von den Tieren in beliebig vielen Portionen über den ganzen Tag verteilt abgerufen werden. Jede verzehrte Teilmenge wird durch den Rechner registriert. Mehr als die vorgesehene Tagesration gibt der Computer nicht frei.

Separationen

An Vereinödung und Verkoppelung angelehnte Eingriffe in die Agrarstruktur in Mitteldeutschland, die schon weitgehend den heutigen Flurbereinigungen entsprachen: sie erbrachten die Aufhebung der Weidegerechtsame, die Zusammenlegung von Streubesitz, Entwässerung des Ackerlandes, Regulierung der Gewässer, Begradigung der Grenzen und Wege, Ablösung der Dreizelgenbrachwirtschaft durch freie Fruchtfolgen und eine Parzellierung in Blockgewanne.

Servitut

Siehe Dienstbarkeit

shifting cultivation

Auch wandernde Brandrodewirtschaft, oder slash-and-burn Methode; Oberbegriff für eine Vielfalt von Formen tropischen Feldbaus mit Flächenwechsel. Es bestehen auch die Begriffe Anbauflächenwechsel oder Urwechselwirtschaft, letzterer weil shifting cultivation die älteste Form der Landnutzung darstellt. Sie ist heute noch in den feuchten südamerikanischen, südostasiatischen (starker Rückgang) und vor allem afrikanischen Tropen und Subtropen verbreitet. Die Abgrenzung ist nicht eindeutig, da sie mit den anderen Betriebsformen der Tropen vermischt auftritt.

Die Nutzung beruht auf dem Wechsel zwischen mehrjährigem Anbau von Feldfrüchten und langdauernder Brache mit Sekundärvegetation, weshalb Shifting cultivation oft auch als sequentielles Agroforstsystem bezeichnet wird. Somit dehnen sich die Nutzflächen nicht geschlossen aus, sondern verstreut im Übergang zwischen Regenwald und Feuchtsavanne oder inselförmig innerhalb des Waldes. Verstärkt wird in der englischsprachigen Literatur shifting cultivation strikt im Sinne von Wanderfeldbau verwendet und damit von dem Begriff bush fallow (Landwechselwirtschaft) abgegrenzt.

Die Erschließung erfolgt durch Abbrennen der natürlichen Vegetation (Brandrodung). Der meist mit der Hacke auf kleinen Parzellen betriebene Anbau umfaßt Mischkulturen mit Mais, Hirse, Batate, Yams, Taro, Bergreis, Maniok (Cassava), Bananen usw. und dient vorwiegend der Selbstversorgung. In feuchten Gebieten dominieren Knollenfrüchte, in trockeneren Körnerfrüchte. Baumwolle, Erdnüsse, Tabak u.w. gelangen auch zum Verkauf. Zur Bodenbearbeitung werden Pflanzstock, Grabstock und Hacke eingesetzt. Fruchtwechsel und künstliche Düngung fehlen gewöhnlich. Die Nutzfläche zeigt häufig eine ringförmige Anordnung mit intensiv und dauernd bestellten, z.T. auch gedüngten Innenfeldern und extensiv im Wechsel genutzten Außenfeldern. Diese werden jährlich neu verteilt und sind von sekundärem Wald, Busch oder Grasland durchsetzt. Nach zwei bis vier Jahren lässt der Ertrag nach. Erschöpfung und häufig auch Abschwemmungen des Bodens zwingen zur Verlagerung der Anbaufläche und zur Neurodung benachbarter Gebiete.

Der Anbauflächenwechsel kann mit einer Verlegung der Siedlung verbunden sein und wird dann Wanderfeldbau genannt. Bei der Landwechselwirtschaft bleiben die Siedlungen stationär, und nur die Anbauflächen wandern in ihrem Umkreis. Shifting cultivation ist mit Streusiedlung verbunden, da für größere Dörfer der Landvorrat in einer angemessenen Entfernung nicht ausreicht.

Bei genügender Dauer der Brache erbringt die shifting cultivation relativ hohe und sichere Erträge. Sie ist gut geeignet für dünnbesiedelte, kapitalarme Länder mit niedrigem Anspruchsniveau der Bevölkerung. Mit vorwiegender Selbstversorgungswirtschaft liegt die agrare Tragfähigkeit je nach Bodenqualität bei ca. 20-40 Personen/km². Übersteigt die Bevölkerungsdichte diesen Wert oder wird versucht, verstärkt marktorientiert und mit größerer Intensität zu wirtschaften, so gerät das System aus dem Gleichgewicht, die Erträge nehmen ab. Diese Situation einer unangepassten Nutzung ist erreicht im Stadium der Landwechselwirtschaft, die man als eine deformierte Form des Wanderfeldbaus ansehen kann.

Diese Art der Bewirtschaftung ist eine Anpassung an die humus- und nährstoffarmen Böden der Tropen und ermöglicht dem Landwirt regelmäßig auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

Die unterschiedlichen Wachstumsperioden haben den Vorteil, dass die Konkurrenz zwischen Ackerkultur und Gehölzen minimal ist, was sich vor allem positiv auf das Wachstum der jeweilig angebauten Kultur auswirkt. Darüber hinaus kann die Brache durch den gezielten Anbau von besonders geeigneten, den Boden regenerierenden Baumarten verkürzt werden.

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist die traditionelle shifting cultivation eine angepasste und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaftsweise. Dies trifft zu trotz ihres hohen Flächenaufwandes und ihrer verschwenderischen Anbauweise, bei der 300 t Biomasse geopfert werden um 1 t Getreide zu erzeugen. Demgegenüber läßt die Pflanzstocktechnik den empfindlichen Oberboden weitgehend unversehrt, die im Erdboden verbleibenden Baumstümpfe reduzieren die Bodenerosion und gewährleisten durch Stockausschlag einen raschen Wiederaufwuchs eines Sekundärwaldes.

Angaben über die aktuelle Verbreitung der shifting cultivation streuen stark. Sie reichen von der Auffassung als "absolut dominierender Wirtschaftsform in den lateinamerikanischen und afrikanischen Tropen" (Weischet/Caviedes) bis zur Angabe "der Anteil der Wanderfeldbauern an der gesamten Tropenbevölkerung der Erde dürfte somit maximal fünf bis zehn Prozent betragen" (Brauns/Scholz).

Sickerwasser

Wasser, das sich durch den Vorgang der Perkolation, der Schwerkraft folgend, in Grobporen bis zum Grund- oder Stauwasser bewegt.

sidewalk farming

Auch suitcase farming oder im dt. gelegentlich Stadt-Landwirtschaft; Bezeichnung für Landwirtschaft, bei der der Landwirt in der Stadt wohnt und mit dem Auto nur zu bestimmten Zeiten, etwa zur Bestellung der Felder und zur Ernte auf das Land fährt. An die Stelle eines Wirtschaftshofes mit Viehhaltung tritt ein bloßer Maschinenpark, so z.B. in Zuckerrübenanbaugebieten.

Siedlungsart

Oberbegriff für Wohnart, Benutzungsart und Bewohnungsweise einer Siedlung. Wohnart ist die Verbindung der Behausung mit dem Untergrund, bodenfest oder nicht bodenfest (= bodenvage). Die Benutzungsart beschreibt die Funktion einer Siedlung als Hauptsiedlung oder Nebensiedlung. Die Bewohnungsweise ergibt sich aus der Benutzungsdauer und der Benutzungsfolge. Nach der Benutzungsdauer werden die Siedlungen klassifiziert als permanent, semipermanent oder temporär (entweder ephemer = kurzfristig oder längerfristig). Die Benutzungsfolge unterscheidet zwischen episodisch (ohne erkennbaren Rhythmus) und periodisch (mit erkennbarem Rhythmus).

Siedlungsform

Siehe ländliche Siedlungsform

Siedlungsgrundriss

Der Siedlungsgrundriss setzt sich zusammen aus der Verkehrsfläche und der bebauten Fläche. Er beinhaltet das Liniengefüge von Straßen, Plätzen, Häusern und Hofstellen in ihrem Verlauf und ihrer Zuordnung. Der Siedlungsgrundriß gilt als das zentrale Kriterium ländlicher Siedlungsformen.

Silage

Durch Gärung konserviertes hochwertiges Grünfutter für Nutztiere. Gräser, Mais, kleeartige Futterpflanzen, Ackerbohnen, Hafer, Rübenblätter und andere Früchte werden verdichtet und unter Luftabschluss in Silos oder Mieten eingelagert. Dadurch vermehren sich die Milchsäurebakterien, vergären den Zuckeranteil der Pflanzenmasse und bilden Milchsäure (Methode der Sauerkrautherstellung). So erhält das Gemisch einen säuerlichen Geruch und Geschmack. Dieser Prozess verändert den ph-Wert der Grünmasse und verhindert das Aufkommen von Colibakterien, Buttersäure- und Essigsäurebildnern, Fäulniserregern, Schimmelpilzen, Hefen u.a.verhindert. Nachdem die Gärung zum Stillstand gekommen ist, bleibt das silierte Futter für lange Zeit haltbar.

Bei der Entnahme von Silage ist Vorsicht geboten, damit nicht zu viel Sauerstoff eindringt, der die Konservierung unterbrechen würde. Siliert wird heute überwiegend in Flach- oder Fahrsilos. Silieren hat zum Teil die früher für das Winterfutter üblichen Mieten bzw. die Haltbarmachung von Gras und Kräutern als Heu verdrängt. Gründe hierfür sind die größere Witterungsabhängigkeit der Heuproduktion und die bei ungünstiger Witterung wesentlich höheren Nährstoffverluste und schlechteren Qualitäten.

(s. a. Gärfutter)

Silo

Behälter bzw. Fläche zur Herstellung und Lagerung von Silage. Heute überwiegen Flach- oder Fahrsilos, bei denen das Futter mit einem Traktor auf einer Betonfläche festgewalzt wird und mit einer Folie abgedeckt wird. Die Runden Hochsilos, die oft noch zu sehen sind, werden i.d.R. aus arbeitswirtschaftlichen Gründen nicht mehr benutzt.

Silomais

Der Viehmast dienender Mais, bei dem die gesamte Pflanze noch vor der Körnerreife mit einem Fahrhäcksler in etwa bohnengroße Stücke zerhackt werden, die unter Luftabschluss in säulenförmigen Hochsilos oder in flachen, mit Kunststoffolie bedeckten Fahrsilos durch Milchsäurebakterien vergoren werden. Das Silagematerial wird durch Bakterien aufgeschlossen, durch von ihnen ausgeschiedene Säuren konserviert und mit (Bakterien-)Eiweiß angereichert. Verglichen mit dem Körnermais hat der Silomais etwas geringere Wärmeansprüche.

Beim Corn-Cob-Mix wird nur der Maiskolben mit Spindel und Körnern siliert.

(s. a. Silage, Silo)

silvoarable Agroforstsysteme

Silvoarable Agroforstsysteme sind durch den meist gleichzeitigen, teils auch sequentiellen Anbau von Gehölzen und annuellen landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Kulturen gekennzeichnet. Eine Vielzahl verschiedener Typen wird unterschieden, sowohl in historischer, aktueller und räumlicher Hinsicht. Das neudeutsche Adjektiv 'silvoarable' leitet sich von lat. silva (Wald) und engl./lat. arable/arabilis (kultivierbar, Acker-) ab.

Bekannte aktuelle Varianten silvoarabler Systeme

Alley Cropping

Mit dem Begriff Alley Cropping beschreibt man die Kombination von zueinander parallel ausgerichteten Gehölz- oder Baumreihen auf Ackerland und den Anbau konventioneller Ackerkulturen auf den Feldstreifen dazwischen.

Produkte: Wertholz, Kirschen, Nüsse, Pflegerestholz, sonstige Ackerfrüchte
Verbreitung: weltweit

 

Kurzumtriebs-Alley-Cropping Systeme

Kurzumtriebs-Alley-Cropping-Systeme sind eine Variante von Alley-Cropping und wie diese gekennzeichnet durch parallel zueinander angelegte Gehölzstreifen. Im Unterschied zu typischen Alley-Cropping-Systemen, bestehen die Gehölzstreifen jedoch aus ein- oder mehreren Reihen schnellwachsender Baumarten wie Pappel, Weide oder Robinie. Zwischen den Gehölzstreifen wird, wie bei Alley-Cropping üblich, konventionelle Landwirtschaft betrieben.

 

Produkte: Hackschnitzel, sonstige Ackerfrüchte
Verbreitung: Deutschland

 

Windschutzhecken

Windschutzhecken dienen vorrangig dem Schutz von Acker- oder Hortikulturen (z.B. Obstanbau) vor zu starken, schädigenden Winden. Zu diesem Zweck werden sie zumeist als vernetzte Heckensysteme überwiegend quer zur Hauptwindrichtung angelegt. Da die Ausdehnung des windgeschützten Bereichs, der mehr als einhundert Meter betragen kann, insbesondere vom Aufbau und der Bewirtschaftung der Hecken abhängt (v.a. Höhe und Porosität der Hecken sind für Windschutz ausschlaggebend), haben sich je nach Anwendungszweck eine Vielzahl unterschiedlich strukturierter Heckentypen entwickelt. Diese reichen von einzeiligen Baumreihen bis hin zu mehrreihigen Hecken, bestehend aus hintereinander gestaffelten Gehölzen unterschiedlicher Größen und Kronenformen.

Produkte: Grünschnitt, Viehfutter, Ackerfrüchte
Verbreitung: Europa, USA, Kanada

 

Wallhecken, Knicks oder Lese(stein)hecken

Wallhecken sind Baum- und Heckenreihen, die auf einem zumeist künstlich errichteten Wall aus Erde, Steinen und/oder anderen Materialien (z.B. Torf) wachsen. Sie wurden und werden zumeist als Grenzmarkierung/-sicherung oder Einfriedung angelegt und sind als solche in manchen Regionen über Jahrhunderte gewachsene, integrale und manchmal auch namensgebende Bestandteile der Kulturlandschaft (Pott, 1989). Die regionale Bezeichnung der Wallhecken ist dabei unterschiedlich. Die in Norddeutschland verbreitete Bezeichnung „Knick“ leitet sich beispielsweise von der Tätigkeit des „Knickens“ ab, dem Umbiegen junger Triebe, mit dem Ziel die Hecken dichter und (z.B. für Vieh) undurchdringlich zu machen (Pott, 1989). Demgegenüber sind Lesehecken, Gehölzstrukturen, die sich auf Haufen oder Wällen von „Lesesteinen“ (größere Steine, die die Bodenbearbeitung von Ackerland erschweren und daher im Laufe der Jahrhunderte „aufgelesen“ und zur Seite auf Haufen gelegt wurden) entwickelt haben.

Produkte: Brennholz, Grünfutter, Streumaterial
Verbreitung: Mitteleuropa, Norddeutschland

 

Gewässerschutzstreifen (Riparian forest buffers)

Bei den vor allem in Europa und Nordamerika eingerichteten Gewässerschutzstreifen (im agroforstlichen Sinne) handelt es sich um gezielte und geplante Anpflanzungen von Bäumen, Sträuchern und Stauden an Ufern von Gewässern, wie Seen oder Flüssen, mit dem Ziel, für das Gewässer schädliche Auswirkungen von Landnutzung abzumildern.

Sachgemäß bewirtschaftete Gewässerschutzstreifen verbessern und schützen die Gewässerqualität, stabilisieren erodierende Ufer-Bereiche, bieten wertvolle Habitate für Land- und Wassertiere und bieten Landnutzern die Möglichkeit zur Ertragsdiversifizierung durch im Schutzstreifen erzeugte Agroforst-Produkte.

Produkte: Wert- und Brennholz, Beeren, Nüsse, Grünfutter, Wild (v.a. Niederwild)
Verbreitung: Europa, Nordamerika

 

Forest Farming

Forest farming bezeichnet den Anbau hochwertiger Sonderkulturen in einem hierfür gezielt bewirtschafteten Wald. Die Art-Zusammensetzung, Struktur und Wuchsdichte des natürlichen oder angepflanzten Baumbestandes wird dabei so modifiziert, dass den Ansprüchen der Unterkultur, z.B. hinsichtlich Beschattung, Nährstoffangebot, Wuchssubstrat, Feuchtigkeit oder Temperatur, so gut wie möglich entsprochen wird.

Produkte: Brennholz, Bauholz, Heilpflanzen, Pilze, Beeren
Verbreitung: USA, Kanada

 
Shifting Cultivation

Die Shifting cultivation (oder auch slash-and-burn Methode), wird vor allem in tropischen Gebieten häufig praktiziert und ist eine der ältesten agrarwirtschaftlichen Methoden der Welt. Bei diesem System wird ein direkter, periodischer Wechsel zwischen Anbau von Feldfrüchten und Bäumen vollzogen, weshalb shifting cultivation oft auch als „sequentielles Agroforstsystem“ bezeichnet wird.

Die shifting cultivation folgt dabei einem einfachen Kreislauf, bei dem zunächst die Waldvegetation verbrannt wird und im Anschluss daran auf der gleichen Fläche Feldfrüchte angebaut werden. Diese nehmen die vorhandenen Nährstoffe u.a. aus der Asche auf und nutzen sie zum Wachstum. Lassen die Erträge nach einigen Jahren nach, wird die Ackerfläche zur Erholung brach liegen gelassen (ca. 15-30 Jahre).

Produkte: Brennholz, Bauholz, Nahrungsmittel
Verbreitung: Tropen

Quelle: BTU Cottbus-Senftenberg

(s. a. Agroforstwirtschaft, Agropastoralismus, shifting cultivation, Waldbrandwirtschaft, Waldgarten, Waldweide)

Weitere Informationen:

Silvopastoralismus

In silvopastoralen Agroforstsystemen werden Gehölze mit Weide-Flächen und Tierhaltung kombiniert. Einige häufige Typen sind hier aufgeführt. Das neudeutsche Wort 'Silvopastoralismus' leitet sich von lat. silva (Wald) und lat. pastoralis (Hirten-) ab.

Häufige Varianten silvopastoraler Systeme

Halboffene Weidelandschaft

Halboffene Weidelandschaften zählen zu den ältesten Formen der Landnutzung und sind seit neolithischer Zeit (4000 v.Ch.) bekannt (Luick 2009; Nerlich et al. 2013; Zehlius-Eckert 2010). Die Gehölze sind kleinflächig einzeln oder in kleinen Gruppen auf der Weidefläche oder zwischen den landwirtschaftlichen Kulturen verteilt, wobei die landwirtschaftliche Nutzung nur zwischen den Gehölzflächen stattfindet. Durch die kontinuierlich Beweidung werden die Weideflächen offen gehalten und eine Verbuschung verhindert.

Produkte: Tierprodukte, Brennholz, Beeren, Pilze, Einstreu, Tierfutter
Verbreitung: weltweit

 

Streuobstwiese

Die Streuobstwiese ist eine traditionell bäuerliche Form des Obstanbaus. Charakteristisch für dieses Agroforstsystem ist die Kultivierung hochstämmiger Obstbäume auf Grün- bzw. Weideland („Streuobstwiese“) oder manchmal auch auf Ackerland („Streuobstacker“). Die Bäume unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich ihres Alters, der verwendeten Arten und Sorten.

Produkte: Tierprodukte, Heu/Grünfutter, Obst (v.a. Äpfel, Birnen, Kirschen)
Verbreitung: Mitteleuropa, Schweiz, Österreich

 

Waldweide

Als Waldweide bezeichnet man die in Mitteleuropa bis ins 19. Jh. hinein weit verbreitete landwirtschaftliche Praxis, Haustiere, wie Schweine, Rinder oder Ziegen, in den Wald zu treiben, damit sich die Tiere dort an Eicheln, Bucheckern, Kastanien oder Grünfutter satt fraßen.

Produkte: Wertholz, Brennholz, Tierprodukte
Verbreitung: Mitteleuropa

Quelle: BTU Cottbus-Senftenberg

(s. a. Agroforstwirtschaft, Agropastoralismus, shifting cultivation, Waldbrandwirtschaft, Waldgarten, Waldweide)

Weitere Informationen:

Smart Farming

Smart Farming steht für die Vernetzung der einzelnen Betriebsbereiche (Pflanzenbau, Tierhaltung, Betriebsführung) eines landwirtschaftlichen Betriebs, sowie für die Vernetzung der aus intelligenter Landtechnik bestehenden Komponenten mit innerhalb eines Betriebszweigs miteinander und den Landwirt bei seinen Entscheidungen unterstützen.

Angestrebt wird auch eine herstellerübergreifende Vernetzung von Maschinen z.B. im landwirtschaftlichen Pflanzenbau mithilfe einer Serviceplattform. Auch die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit kann durch Informations- und Kommunikationstechnologien optimiert und der Mensch in seinen Entscheidungen unterstützt werden.

Mit Smart Farming kann ein effizientes und optimales Verhältnis von Input und Output durch intelligentes und zielorientiertes Analysieren, Planen und Beobachten geschaffen werden. Die verfügbaren Ressourcen sollen dabei optimal und den individuellen Ansprüchen entsprechend bearbeitet werden. Um diese Ziele zu erreichen werden essentielle Daten gesammelt und miteinander verknüpft, um eine optimierte Prozesskette zu generieren.

Die benötigten Daten werden durch ausgeklügelte Sensortechniken gesammelt und analysiert, umfassende Agrarmanagementsysteme helfen gleichzeitig bei der Leitung des Gesamtbetriebs.

Diese Kopplung von Landtechnik und Datenverarbeitung wird häufig auch als Landwirtschaft 4.0 bezeichnet. Einige Quellen nennen dies auch die „Dritte Grüne Revolution“.

Nach der Pflanzenzüchtung und der Gentechnik beeinflusst diese “Dritte Grüne Revolution” die landwirtschaftliche Welt über die Kombination von ICT Lösungen, das „Internet der Dinge“ (IoT), Sensoren und Aktoren, Geo-Positionierungssysteme, Big Data, unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs), Drohnen, Robotik, etc.

Das Ziel von Smart Farming ist es, die Leistung eines landwirtschaftlichen Betriebs zu steigern, bei gleichzeitigem Einsparen von Ressourcen. Durch die Vernetzung eines Betriebs können, vereinfacht gesagt, die einzelnen Stellschrauben besser aufeinander abgestimmt und die Effizienz somit erhöht werden. Mit Smart Farming können Kapazitäten gezielt eingesetzt werden. Das trägt zu einer nachhaltigen Landwirtschaft unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten bei.

Zukünftige Familienbetriebe - klein und smart
Zukünftige Familienbetriebe - klein und smart

Quelle: Nesta

Während in den USA 20-80 % der Landwirte SFT (Smart Farming Tools) nutzen, sind es in Europa lediglich 0 – 24 %. Aus Sicht der Landwirte soll Smart Farming einen Zusatznutzen in Form von Entscheidungsunterstützung oder der Optimierung von Prozessen bieten.

Demnach ist Smart Farming eng mit drei Technologiebereichen verbunden:

Anwendungen des Smart Farming haben nicht nur konventionell wirtschaftende Großbetriebe im Blick, sondern haben auch das Potential, Familienbetriebe (kleinräumig, Spezialkulturen, Erhalt von seltenen Sorten/Arten) und den Ökologischen Landbau zu unterstützen. Weiterhin ermöglicht es eine akzeptierte und transparente Produktion im Sinne des europäischen Verbrauchers.

Soja

Die Sojabohne (Glycine max) gehören zu den Hülsenfrüchtlern (Fabacea) und wird seit etwa 1500 v. Chr. als Nutzpflanze angebaut. Ihre , Bohnen zur Gewinnung von Öl und Sojaschrot (Eiweißfutter) verwendet werden. Die Sojabohnen enthalten 19 % Öl und 35 % Eiweiß (Rohprotein). Im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturpflanzen ist die Eiweißqualität mit dem von tierischem Eiweiß vergleichbar.

Soja stammt aus Asien und Afrika und wurde zunächst in China und Japan kultiviert. Der Siegeszug von Soja begann mit dem Anbau in den USA und der Möglichkeit, Sojaschrot als Universal-Eiweißfutter in der Tierproduktion einzusetzen. In Deutschland wird etwa die Hälfte der verfütterten Ölschrote aus Soja gewonnen.

Sojabohnen werden hauptsächlich in Form von Schrot zu Tierfutter verarbeitet. Der Vorteil ist der hohe Eiweißgehalt, der mit 40 Prozent mehr als doppelt so hoch ist wie beim Raps. Zudem enthalten Sojabohnen rund 20 % Öl. Der weltgrößte Erzeuger von Sojabohnen sind die USA mit geschätzten 118,7 Mio. t in 2016/17, gefolgt von Brasilien mit 102,0 Mio. t sowie Argentinien mit 57,0 Mio. t. Hauptimporteur von Sojabohnen ist China mit 86,0 Mio. t, gefolgt von der EU mit 13,0 Mio. t. Die für das Wirtschaftsjahr 2016/17 geschätzte Welt-Sojabohnenernte liegt bei 336,1 Mio. t.

Soja ist aus zwei Gründen seit Längerem in die politische Diskussion gekommen: Zum einen werden in den USA gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut, die resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel sind. Diese Bohnen kommen undeklariert nach Europa (Gentechnik). Zum anderen wird Soja großflächig in Südamerika angebaut, oft verbunden mit der Vernichtung von tropischem Regenwald.

Anders als bei Palmöl und Zuckerrohr konzentrieren sich die großen Sojaproduzenten weitgehend auf den Anbau und nicht auch um seine Verarbeitung. Der argentinische Konzern El Tejar kontrolliert in Brasilien, Argentinien, Paraguay, Bolivien und Uruguay 700.000 Hektar, zu weiten Teilen über Pachtverträge und Vertragsanbau. Der wichtigste Konzern ist Amaggi. Er produziert auf 220.000 Hektar eigener Fläche Soja. Sein Chef Blairo Maggi ist zugleich Gouverneur des brasilianischen Staates Mato Grosso.

Um die Kontrolle der Verarbeitung von Ölsaaten zu Futter und Agrodiesel kämpfen brasilianische Konzerne - die staatliche Petrobras und die privaten Vanguarda Agro und Granol - mit westlichen Rohstoffhändlern (etwa Archer Daniels Midland und Cargill) sowie mit chinesischen Importeuren wie der staatlichen Jiusan- oder der privaten Shandong-Chenxi-Gruppe aus dem wichtigsten Importland China. (Heinrich-Böll-Stiftung u. a. 2017)

Weitere Informationen:

solidarische Landwirtschaft

Als Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi, auch: Gemeinschaftshof, Landwirtschaftsgemeinschaft, Versorgungsgemeinschaft, v. a. in der Schweiz regionale Vertragslandwirtschaft) wird eine Form der Vertragslandwirtschaft bezeichnet, bei der eine Gruppe von Verbrauchern auf lokaler Ebene mit einem Partner-Landwirt kooperiert.

Die Verbraucher geben eine Abnahmegarantie (für 6 Monate oder ein Jahr) für die Produktion des Landwirtes und erhalten im Gegenzug Einblick und Einfluss auf die Produktion. In einigen Fällen geben die Verbraucher dem Landwirt auch ein zinsgünstiges Darlehen, um zum Beispiel den Aufbau des Hofes oder die Umstellung auf ökologische Produktion zu ermöglichen. Diese Partnerschaft unterstützt eine lokale Produktion und eine lokale Ernährung.

Die Lebensmittel der Landwirtschaft werden dabei nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen ein in einen eigenen, von Teilnehmerseite mit organisierten und finanzierten, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf. Aufgrund des gemeinsamen Erfolgs und ebenfalls Risiko, erleben sowohl die ErzeugerInnen als auch die KonsumentInnen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen und marktunabhängigen Landwirtschaft.

Viele solidarische Landwirtschaften folgen ökologischen Anbaumethoden.

Weitere Informationen:

Sommerfeldbau

Bezeichnung für den Jahreszeitenfeldbau der gemäßigten Zone mit Beschränkung auf die N-Halbkugel. Ausnahmen sind kleine Gebiete in SO-Australien, Tasmanien, Neuseeland, Südafrika und Südchile. Dem Sommerfeldbau vergleichbar sind die Winterregenfeldbaugebiete der Subtropen und die Sommerregenfeldbaugebiete der äußeren Zenitalregenzone.

Sommergetreide

Getreideformen (z.B. Hafer), die ohne einen Kältereiz schossen (Beginn des Höhenwachstums) und somit im Frühjahr gesät werden. Sie sind in unseren Breiten den relativ früh einsetzenden Langtagbedingungen ausgesetzt, wodurch ihre vegetative Entwicklung, besonders die Bestockung (Fähigkeit von Gräsern und Getreidepflanzen, mehrere Seitensprosse - Halme - hervorzubringen), stark verkürzt wird. Die dadurch bedingte Ertragsminderung muß über eine erhöhte Saatmenge ausgeglichen werden. Außerdem sollte Sommergetreide möglichst früh ausgesät werden, um eine möglichst lange Vegetationsperiode zu erreichen.

Die Tendenz geht wegen der höheren Erträge dahin, Wintergetreide anzubauen.

(s. a. Getreide).

Sommerung/Sömmerung

1. Auch Almbestoßung bzw. schweizerisch Alpbestossung; der sommerliche Weidegang von Nutztieren (Schafe, Ziegen, Kühe, Rinder, Pferde) auf einer Alm/Alp bezeichnet. Diese Phase der Almwirtschaft wird zu den Formen der extensiven Viehwirtschaft gezählt.

Die Bestoßung der meist im Kollektiveigentum (Allmenden) befindlichen und als Genossenschaften organisierten Alpen ist seit Jahrhunderten in Alpordnungen geregelt und wird vom Alpvogt kontrolliert, um eine gerechte Nutzung zu gewährleisten und eine Übernutzung zu vermeiden.

Die Abwesenheit der Tiere ermöglicht dem Talbetrieb den Vorrat für den Winter zu schaffen. Der Alpaufzug und -abzug erfolgt vielfach in Etappen (Dreistufenform), im Frühling und Herbst in tieferen Lagen (Maiensäss) und im Sommer auf den höheren Lagen (Oberstaffel).

Das Sömmerungsgebiet ist ein bedeutender Teil der Kulturlandschaft und befindet sich in den Alpen, Voralpen und im Jura. Schutz und Pflege der Weiden im Sömmerungsgebiet helfen Naturkatastrophen (Lawinen, Erdrutsche, Erosion) zu verhüten und dienen dem Tourismus. In der Schweiz werden die Bauern dafür durch staatliche Direktbeiträge (Sömmerungsbeitrag) entschädigt.

2. In der Landwirtschaft gebräuchliche Bezeichnung für die im Frühjahr ausgebrachte Saat von Sommergetreide. (Gegensatz: Winterung).

3. Eine mit Sommergetreide bestellte Zelge.

(s. a. Almwirtschaft)

Sonderkultur

Gruppe von Früchten, denen gemeinsam ist, daß sie in die übrige Einteilung des Bodennutzungssystems "Hackfrüchte", "Getreide", "Futterpflanzen" nicht hineinpassen, mit besonders großer Sorgfalt und häufig mit großem Arbeitsaufwand kultiviert werden sowie zum großen Teil außerhalb der sonst üblichen Fruchtfolge stehen. Zumeist handelt es sich um Dauerkulturen wie Obst, Wein, Hopfen, Dauer-Gemüsekulturen (Rhabarber, Spargel), Tabak, Farb-, Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen. Oft wird auch der Feldgemüseanbau dazugerechnet.

Beispiele für Sonderkulturgebiete in Deutschland sind u.a.:

Kennzeichnend für Sonderkulturen ist häufig ihre hohe räumliche Dichte und ihr hoher Arbeits- und Kapitaleinsatz. Sonderkulturen können in den Kernbereichen der Sonderkulturgebiete Anteile von nahezu 90 % der LN erreichen, während sie im Bundesdurchschnitt nur wenige Prozent der LN in Anspruch nehmen. Beim Obstanbau rechnet man beispielsweise mit einem Kapitalaufwand von 250.000 bis 400.000 DM pro Arbeitskraft, einem Wert, der durchaus im industriellen Maßstab liegt. Der durchschnittliche Arbeitskräftebesatz beträgt für Gemüsebau 0,9, Obstbau 0,25, Baumschulen um 1, Zierpflanzen 1,4 AK pro ha LN. Die gesamte Agrarwirtschaft benötigt im Schnitt 0,042 AK/ha LN.
Zur Erklärung der Standorte von Sonderkultur-Agglomerationen ist wie im sekundären Sektor zu unterscheiden nach den standortbestimmenden Faktoren der Entstehungsphase und jenen der aktuellen Situation. In der Regel wird ein unterschiedlich gemischtes Faktorenbündel für konkrete Standorte verantwortlich sein. Physisch-geographische Faktoren sind dabei nur gelegentlich dominant.

Zu den Einflussgrößen auf Standorte von Sonderkulturen gehören unter anderen:

(s. a. Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft)

Weitere Informationen:

Sonnenblume

Landwirtschaftliche Nutzpflanze zur Ölgewinnung (Ölfrüchte). Sonnenblumen stammen aus Amerika und werden seit 1600 in Europa angebaut. Sie enthalten in ihren Kernen ca. 42 % Öl und rund 19 % Rohprotein (Eiweiß). Sonnenblumenschrot wird auch als Viehfutter verwendet. Die Anbaufläche betrug 2005 in Deutschland 28.000 ha (entspricht 0,2 % der Ackerfläche).

Sonderkulturbetrieb

Landwirtschaftlicher Betrieb, der auf mindestens 10 % seiner LF Sonderkulturen anbaut.

Sorption

Auch Adsorption oder Sorptionskraft; Fähigkeit des Bodens, Pflanzennährstoffe an die Oberfläche der festen Teilchen (Tonminerale und Humus) zu binden (Adsorption) und wieder abzugeben (Desorption).

Sorptionskomplex

Verbindung von Ton und Humus in stabilen Feinkrümeln, die Nährstoffe binden und wieder an die Bodenlösung und Pflanzenwurzeln abgeben.

Sorte

Gruppe von Pflanzen einer Art, die sich untereinander sehr ähnlich sind, und die man von anderen Pflanzen der gleichen Zier- oder Nutzpflanzenart unterscheiden kann. Notwendige Unterscheidungsmerkmale gegenüber anderen Sorten der gleichen Art sind: Größe, Farbe, Menge und Musterung. Das Äquivalent des Begriffs in der Tierzucht ist die Rasse.

Nach der Definition des Internationalen Codes der Nomenklatur der Kulturpflanzen (2009) ist ein Cultivar (Kulturpflanzensorte) eine Menge (assemblage) von Pflanzen, die a) wegen einer Eigenschaft oder einer Kombination mehrerer Eigenschaften selektiert wurde, b) bezüglich dieser Eigenschaften [von anderen Pflanzen] verschieden, einheitlich und stabil ist und c) diese Eigenschaften bei zweckmäßiger Vermehrung beibehält (Artikel 2.3). Dabei kommt es nicht auf eine bestimmte Entstehungs- und Vermehrungsart an (Artikel 2.4).
Viele Pflanzensorten entsprechen solchen Cultivaren. Es gibt aber auch nicht wenige Pflanzensorten, die keine Cultivare sind, insbesondere die heute ökonomisch sehr bedeutsamen Hybridsorten gehören nicht dazu.

Die Stammform unserer Kultursorten sind in der Regel andere Kultursorten, die letztlich auf ein oder (seltener) mehrere Domestizierungs-Ereignisse zurückgehen, bei der Wildpflanzen erstmals in Kultur genommen worden sind. Daraus entstehen durch - bewusste oder unbewusste - züchterische Auslese zunächst sogenannte Landsorten. Man unterscheidet in Gartenbau, Feldbau, Weinbau und Waldbau nach Kultursorte bzw. Edelsorte, Wildsorte, Wildlinge.

Kultursorten

Kultursorten sind reinerbige oder veredelte Sorten, die der Mensch in der langen Geschichte der Pflanzenzüchtung aus vorgefundenen Wildsorten kultiviert hat. In neuester Zeit aber gibt es auch gentechnisch veränderte Organismen im Sinne einer Kultursorte, die sich in der Praxis aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten noch immer eng an eine „natürliche“ Pflanze anlehnen. Praktisch gesehen sind alle Kultursorten vom Menschen in ihrer genetischen Ausprägung (Genotyp) verändert, wenn auch mit rein züchterischen Methoden.
Saatgut einer Kultursorte wird einer Prüfung der Merkmale unterzogen, erhält eine Sortenzulassung, wird in eine – nationale sowie EU-weite – Sortenliste eingetragen, um angebaut bzw. gehandelt werden zu dürfen und erhält dann auch Sortenschutz. Dieser Einschränkung unterliegen nicht Sorten von Zierpflanzen (Blumen, Ziergehölze).

Bei Obst und Gemüse spielt die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten besonders bei Apfel und Kartoffel eine große Rolle. Ebenso bei Salatsorten, weil unter dem Sammelbegriff „Salat“ verschiedene Salatpflanzen zusammengefasst werden, z. B. Gartensalat (Lactuca), Feldsalat (Valerianella) und viele andere.

Wildsorten

Wildsorten sind Sorten von in der Natur frei vorkommenden Wildpflanzen. Sie bilden die Stammform der heute kultivierten Obstsorten.
Beispiele:

Viele Probleme des modernen Obstbaus lassen sich zurückführen auf die durch die lange Zuchtgeschichte entstandene genetische Armut der modernen Zuchtsorten, etwa mangelnde Anpassungsfähigkeit an veränderte Lebensumstände oder Schädlinge. Die ursprünglichen Stammformen ausfindig zu machen, um wieder zu einer Bereicherung des Genpools zu kommen, ist Gegenstand modernster Forschung. Typische Beispiele hierfür sind die Suche nach den Wildformen von Tomate, Mais und Kartoffel in den Hochlandgebieten der Anden. Auch hier kommt erschwerend dazu, dass meist nicht bekannt ist, ob die Wildsorte nicht schon ausgestorben ist, wie auch die für viele Weltgegenden noch sehr unvollständige taxonomische Aufnahme.

Wildlinge

Wildlinge sind wieder verwilderte Formen von Kulturpflanzen, sowohl als Einzelexemplar als auch als Wildpflanze, die eine stabile Population aufbaut und dabei meist auf das robustere Erscheinungsbild der ursprünglichen Stammform zurückverfällt, aber auch eine eigene stabile Unterart ausbildet.

Beispiele:

Sorptionsträger

Tonminerale und Huminstoffe, die als Bodenpartikel in der Lage sind, Nähstoffe an ihrer Oberfläche zu binden und wieder abzugeben.

(s. a. Sorption)

Sortenschutz

Der Sortenschutz regelt die Frage des geistigen Eigentums an einer Sorte. Dem Eigentümer steht bei einer Nutzung dieser Sorte eine Lizenzgebühr zu.

In Deutschland wird mit Sortenschutz ein im Sortenschutzgesetz rechtlich gesicherter Eigentumsanspruch auf Pflanzenzüchtungen bezeichnet. Dieser kann von jedem Ursprungszüchter oder Entdecker einer Sorte beantragt werden, welcher die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt (§ 15 SortSchG). Der Antrag muss beim Bundessortenamt gestellt und bearbeitet werden. Der Antragssteller wird nach Genehmigung durch das Bundessortenamt dann als „Sortenschutzinhaber“ bezeichnet (§ 16 SortSchG); er kann sein Recht auf jeden deutschen Staatsbürger übertragen (§ 11 SortSchG).

Wirkung des Sortenschutzes

Das Vermehrungsmaterial (also das Saatgut, Edelreiser oder Steckhölzer) der geschützten Sorte darf allein vom Sortenschutzinhaber der geschützten Sorte erzeugt, aufbereitet, in Verkehr gebracht, ein- oder ausgeführt werden (§ 10 SortSchG). Dieser Grundsatz gilt auch, wenn eine Sorte sich von der geschützten Sorte nicht deutlich unterscheiden lässt, oder deren Erzeugung die fortlaufende Verwendung der geschützten Sorte erfordert (z. B. Hybridsorten), des Weiteren wenn eine Sorte von der geschützten Sorte (Ausgangssorte) im Wesentlichen abgeleitet worden ist. Die Ausfuhr von Material einer geschützten Sorte, zum Zwecke der Vermehrung der Sorte in ein Land, das Sorten der Art, zu der die geschützte Sorte gehört, nicht schützt, ist ebenfalls nicht erlaubt.

Beschränkungen der Wirkung des Sortenschutzes

Alle genannten Einschränkungen gelten nicht für private nichtgewerbliche Zwecke und auch nicht für Versuchszwecke (§ 10a SortSchG). Dadurch ist zum Beispiel die Gewinnung von Saatgut einer geschützten Sorte für die Verwendung im eigenen Garten erlaubt. Ferner gilt der Sortenschutz nicht, wenn der Sortenschutzinhaber das Material selbst in Verkehr gebracht hat, oder dem In-Verkehr-bringen durch andere zugestimmt hat. Dies berechtigt aber nicht, nach dem Kauf selbst Saatgut einer geschützten Sorte zu züchten, um es anschließend weiterzuverkaufen. Auch bei der Ausfuhr einer geschützten Sorte in ein Land, das Sorten wie die der geschützten Sorte nicht schützt, zum Zwecke des Anbaus der Sorte (also nicht zu deren Zucht oder Weiterzucht) besteht kein Sortenschutz (§ 10b SortSchG).

Der Sortenschutz dauert 25 Jahre, bei Hopfen, Kartoffel, Rebe und Baumarten 30 Jahre von der Genehmigung des Schutzes an (§ 13 SortSchG).

Der internationale Sortenschutz (UPOV-Abkommen), der auch in der EU und in Deutschland in geltendes Recht umgesetzt wurde, eröffnet den Vertragsstaaten die Möglichkeit, in angemessenem Rahmen und unter Wahrung der berechtigten Interessen des Züchters das Züchterrecht in Bezug auf jede Sorte einschränken, um es den Landwirten zu gestatten, Erntegut, das sie aus dem Anbau im eigenen Betrieb gewonnen haben, im eigenen Betrieb zum Zwecke der Vermehrung zu verwenden. Dies kommt auch und gerade mittelständischen Züchtern zugute. Damit trägt der Sortenschutz auch zum Züchtungsfortschritt und zur Ernährungssicherung in weniger entwickelten Ländern bei. Der Umfang dieses „Landwirteprivilegs“ war vor allem in Deutschland und Frankreich umstritten.

Generell wirft der Sortenschutz auch ethische Fragen auf, da hier „geistiges Eigentum“ an biologischen Organismen beansprucht wird.

Der Sortenschutz steht – wie der Patentschutz – in einem Spannungsverhältnis zu dem Interesse der unmittelbar betroffenen Nutzer wie jenen traditionellen Pflanzenzüchtern und Bauernverbänden, welche für einen freien Zugang zu den vorhandenen Ressourcen, deren Erhaltung („Landsorten“; Aufrechterhaltung der Sortenzulassung nach Schutzablauf) und zum Nachbau vor allem in der Landwirtschaft einstehen einerseits und dem Interesse der Saatgut-Industrie und der auf Grüne Gentechnik spezialisierten Forschungsinstituten andererseits.

Im Verhältnis zu Entwicklungsländern wird nicht nur in Bezug auf Patente, sondern auch auf Sortenschutzrechte der Vorwurf der Biopiraterie erhoben. Zu den Auswirkungen des gewerblichen Rechtsschutzes auf die genetische Vielfalt ist vor allem die rechtlich nicht bindende Verpflichtung der FAO zu Pflanzengenetischen Ressourcen aus dem Jahr 1983 mit dem »Common Heritage«-Grundsatz von Belang. Den Sortenschutz allenfalls am Rand berührt die Problematik der Freisetzung genetisch manipulierten Materials.

Als freie Sorten oder auch freies Saatgut, werden Pflanzensamen und die hieraus wachsenden Pflanzen bezeichnet die für jeden Menschen bedingungslos zur jedweder möglicher Nutzung frei gegeben sind. Diese Idee wird von verschiedenen Initiativen vertreten, welche das Konzept des Sortenschutzes und des Patentrechtes in Frage stellen und einen Gegenpol zu Eigentum und Exklusivrecht setzen wollen. In Anlehnung an den im Softwarebereich verbreiteten Begriff Open Source wird dieses Saatgut teilweise auch als Open Source Saatgut bezeichnet.

Weitere Informationen:

Sowchose

Von der russischen Bezeichnung für Sowjetwirtschaft - sovetskoe chozjajstvo; eine von drei landwirtschaftlichen Betriebsformen (neben den Kolchosen und den sog. individuellen Nebenwirtschaften) der früheren UdSSR, die z. T. noch heute weiterbestehen, allerdings in anderer Rechtsform. Die Sowchose ist ein juristisch selbständiges, jedoch mit allen Produktionsmitteln in Staatsbesitz befindliches Unternehmen. Die Beschäftigten der Sowchose waren Lohnarbeiter, im Gegensatz zu den Genossenschaftsbauern der Kolchose. Die Sowchosen erreichten teilweise über 100.000 ha. Ca. 60% der landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden durch Sowchosen bewirtschaftet.

(s. a. Volkseigenes Gut)

Sozialbrache

Unter Sozialbrache versteht man eine längerfristig nicht genutzte landwirtschaftliche Nutzfläche, die keiner anderen Verwendung zugeführt wurde wie etwa einer Bebauung. Die Bezeichnung Sozialbrache für solche Brache besagt, daß die Aufgabe der Flächennutzung aus gesamtwirtschaftlichen und sozialen Gründen wegen Wirtschaftswandel erfolgte, wenn z.B. Flächen ungenutzt bleiben, weil der Besitzer seine wirtschaftliche Lage durch eine außer-landwirtschaftliche Beschäftigung aufbessert. Entsprechend der Bezeichnung finden die vom früheren Bewirtschafter aufgelassenen Flächen nicht sofort einen Nachnutzer. Die Sozialbrache gilt als Übergangserscheinung, die prinzipiell nichts mit agrarökonomischer Unrentabilität einer Flächennutzung zu tun hat, wie dies bei der Aufgabe von Grenzertragsboden zutrifft. Sozialbrache ist auch keine Flächenstillegung.

Nicht selten verbirgt sich hinter einer Sozialbrache die Spekulation auf Verkaufsmöglichkeit als Bauland.
Verbreitet ist die Sozialbrache in Gebieten mit Realteilung (besonders im Stadtumland) und damit zusammenhängender Kleinbetriebsstruktur und Besitzzersplitterung.

Die Sozialbrache kennzeichnet ein landschaftlich sichtbar werdendes Stadium innerhalb einer Kausalkette sozialer Umschichtungsprozesse. Sie gibt einen sicheren Hinweis auf das Vorliegen von sozialen Entmischungsvorgängen.
Die Sozialbrache ist begleitet von einer wirklichen oder scheinbaren Hebung des Lebensstandards der früheren Bewirtschafter der betroffenen Flächen und ist keinesfalls durch eine Verminderung der Bevölkerungszahl bedingt. Insofern ist die Sozialbrache keinesfalls vergleichbar mit den spätmittelalterlichen Wüstungen von Siedlungen und Fluren.

Soziologie des ländlichen Raums

Spezialgebiet der Sozialwissenschaften, das sich mit Struktur und Veränderungen des ländlichen Raumes beschäftigt und viele Überschneidungen mit der Agrarsoziologie besitzt.

Der ländliche Raum hat sich in den letzten 200 Jahren grundlegend verändert, besonders jedoch in den letzten Jahrzehnten. Deutschland war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Agrargesellschaft. Landwirtschaft war der wichtigste Wirtschaftszweig. Bis zu 80 % der Bevölkerung lebten und arbeiteten dort. 1900 waren es nur noch etwas über 38 %. Vor 200 Jahren konnten 10 Landwirte nur etwa zwei weitere Menschen mit Nahrung versorgen, 1950 waren es 10. 2013 konnte ein Landwirt 145 Menschen - unter Berücksichtigung eingeführten Futters sogar 155 Menschen - ernähren. 2015 waren nur noch 633.000 Menschen, also um 1,5 % der Erwerbstätigen, in der Landwirtschaft tätig. Die Dörfer in Westdeutschland haben sich von Bauerndörfern zu Wohnsiedlungen entwickelt. In der DDR versuchte man für die Landbewohner städtische Verhältnisse zu erreichen, sodass heute noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu bemerken sind.
Die Zahlen der (Selbst)versorgung schwanken von Jahr zu Jahr, vor allem witterungsbedingt.

(s. a. Agrarstruktur)

Spargel

Pflanzengattung innerhalb der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Spargel ist in Eurasien und Afrika weit verbreitet. Es gibt einige Arten und Kulturformen, die als Zierpflanzen verwendet werden. Die wirtschaftlich wichtigste Art der Gattung ist der Gemüsespargel (Asparagus officinalis). Officinalis heißt übersetzt „heilkräftig“ und verweist auf die Nutzung als Heilpflanze. Bereits Hippokrates empfahl Spargel gegen Zahnweh und bei Insektenstichen. Erst die Römer nahmen ihn in Kultur.

Verbreitung

Die Gattung Asparagus besitzt ein weites Verbreitungsgebiet in Eurasien und Afrika. Spargelpflanzen gedeihen von gemäßigten bis tropischen Gebieten. Das Zentrum der Artenvielfalt liegt an der Südspitze Afrikas im Florenreich der Capensis. In China kommen etwa 31 Arten, davon 15 nur dort vor, etwa 15 Arten davon kommen in Europa vor.

Beschreibung

Asparagus-Arten wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen oder Halbsträucher. Das Speicherorgan des Spargels liegt unter der Erde und bildet bis zu 3 Meter lange Wurzeln. Die aufrechten oder oft kletternden Stängel sind verzweigt; in den Achseln der Stängel und Verzweigungen werden laubblattähnliche, grüne Sprossachsen gebildet. Die Stangen werden umso kräftiger, je mehr Kohlenhydrate die grünen oberirdischen Pflanzenteile im Sommer mithilfe der Photosynthese produzieren und einlagern können. Denn die Sprosse treiben bereits vor der Ausbildung von neuem Spargelgrün aus.
Von Natur aus blüht Spargel ab Mitte Mai sechs Wochen lang. Im Spargelanbau verzögert sich die Blüte bis die Ernte am 24. Juni abgeschlossen ist. Setzt die Pflanze Beeren zu ihrer Vermehrung an, so reifen diese bis August/September rot aus und enthalten dann jeweils ein bis zwei Samen.
Der Spargel enthält 93 bis 94 Prozent Wasser, 1,95 Prozent Stickstoffsubstanzen, 0,14 Prozent Fett, 0,37 Prozent Zucker und 2,03 Prozent sonstige verdauliche Kohlenhydrate. Neben 92 Prozent Wasser und viel Ballaststoffen enthalten die Spargelstangen Vitamin C, die Blutbildung fördernde Folsäure, Mineralstoffe und Asparaginsäure. Eine Portion Spargel (500 Gramm) deckt rund 80 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C und E. Vor allem der Eiweißbaustein Asparaginsäure verleiht dem Spargel entwässernde und die Nieren anregende Wirkung.
Außer dem Gemüsespargel als nahezu weltweit anzutreffende Nutzpflanze, wird im Mittelmeerraum seit Jahrhunderten eine weitere, dort wildwachsende Spargelart zu Speisezwecken genutzt: der Asparagus acutifolius. Seine Triebe werden ebenfalls im Frühjahr geerntet.

Grünspargel und Bleichspargel gehören zur selben Pflanzenart Asparagus officinalis. Da Bleichspargel aber unter Sonnenabschluss in Erddämmen angebaut wird, bleibt er weiß. Der Grünspargel wächst oberirdisch und bildet mit dem Austrieb Blattgrün aus.
Spargel wird nicht gentechnisch verändert. Gründe hierfür sind zum Beispiel die hohen Kosten und die Ablehnung der Verbraucher. Außerdem ist es gar nicht erforderlich: Die Züchtungsziele lassen sich durch geschickte Kreuzung erreichen.
Für den professionellen Spargelanbau werden inzwischen bevorzugt männliche Sorten verwendet. Sorten aus dem Profianbau werden zunehmend auch im Freizeitgartenbau genutzt.

Nutzung und Eigenschaften

Die frisch austreibenden Stängel des Gemüsespargels (Asparagus officinalis L.) sind ein geschätztes Gemüse. Einige Arten und Kulturformen werden in Gärten, auf Balkonen und in Räumen als Zierpflanzen verwendet.
Der Vitamin C-Gehalt von grünem Spargel ist höher als von weißem; dasselbe gilt für den Folsäuregehalt. Der geringe Fettgehalt und die gute Sättigungseigenschaft machen Spargel zu einem gesunden Gemüse. Die Ballaststoffe fördern eine gesunde Darmfunktion und der Eiweißbaustein Asparagin regt die Nierentätigkeit an. Zudem besitzt er ein kräftigeres Aroma, man braucht ihn kaum zu schälen und er wird schneller gar als die weiße Variante.

Anbau

Die Anlage einer Spargelkultur setzt eine gute Vorbereitung des Bodens voraus. Dies dauert je nach Zustand des Bodens ein bis drei Jahre. Die Vorbereitung erfolgt durch Gründüngung und bei längerer Dauer auch mit Stallmist und Gülle. Der Boden sollte insgesamt eher leicht, also sandig sein. Dadurch erwärmt er sich besser, lässt den Wurzeln ausreichend Luft, und die Spargelstangen verformen sich nicht so schnell. Grünspargel gedeiht auch auf lehmigeren Böden. Mildes Klima ist dem Spargel förderlich, Spätfrostlagen und hoher Grundwasserstand sollten vermieden werden.
Die Pflanzung der Spargeljungpflanzen erfolgt mit Spezialmaschinen. Je nach Wuchsstärke der Sorte pflanzt man circa 3-4 Stück pro Meter. Der Reihenabstand beträgt beim Bleichspargel rund 180 cm, beim Grünspargel circa 150 cm. Im Sommer wird der Spargel gewässert, von Unkraut befreit und gedüngt, im Winter wird das Spargellaub abgeschnitten und entfernt. Das Wachstum des Spargels wird durch gezielte Düngergaben unterstützt. Im April des zweiten Standjahres wird die Bleichspargelanlage mit Spezialmaschinen aufgedämmt, beim Grünspargel entfällt diese Arbeit. Zwischen Mitte und Ende Mai ist eine erste, kurze Ernte möglich. Die weitere Pflege der Anlage erfolgt wie im ersten Jahr.
Ab dem dritten Standjahr der Anlage, werden die Dämme nach dem Errichten mit schwarz-weißer Folie abgedeckt, je nach Klima und Region in Kombination mit einem Tunnel. Mithilfe der Folie kann die Temperatur des Bodens und damit das Wachstum des Spargels gesteuert werden: Unter der schwarzen Seite der Folie erwärmt sich der Boden schneller und regt so einen früheren Austrieb des Spargels an. Dieser frühe Spargel kann zu besseren Erzeugerpreisen vermarktet werden. Die weiße Seite bewirkt, dass die Bodentemperatur unter der Umgebungstemperatur bleibt und verzögert somit das Wachstum. Auf diese Weise kann der Spargelanbauer Erntespitzen abbauen und für eine kontinuierliche Ernte sorgen. Die Spargelernte endet jährlich am 24. Juni, dem Johannistag, um den Spargelpflanzen bis zum Herbst ausreichend Ruhe für Wachstum und Anlage neuer Spargeltriebe zu geben.
Die genannten Arbeitsgänge wiederholen sich alljährlich, bis eine Anlage nach rund zehn Jahren im Ertrag deutlich nachlässt. Dann gilt sie als abgetragen und wird aufgelöst. Dabei werden die Spargelwurzeln mit einem speziellen Wurzelroder weitestgehend aus dem Boden entfernt. In den folgenden 10 bis 15 Jahren ist Spargelanbau an gleicher Stelle nicht möglich. Lange Zeit wurde über diese „Wiederanbaukrankheit“ gerätselt. Heute weiß man, dass sich im Ackerboden von Anbaujahr zu Anbaujahr immer mehr Pilzsporen ansammeln, die die Spargelwurzeln angreifen. Eine wirksame Bekämpfung gibt es bisher nicht.
Zu den negativen Begleiterscheinungen des Spargelanbaus gehört die zunehmende Landschaftsverschandelung mit Folien aller Art. Da sind zum einen die durchscheinenden Antitau- oder Thermofolien. Mit ihnen kann der Erntebeginn beschleunigt werden - und jeder Tag, den der Spargel früher auf den Markt kommt, ist bares Geld wert. Die schwarzen Folien wiederum sollen verhindern, dass die Spitzen durchbrechender Stängel Sonnenlicht abbekommen und sich so sofort violett verfärben. Anders als etwa in Frankreich gilt die Violettfärbung bei uns als Qualitätsmangel. Je Hektar werden im Schnitt sieben laufende Kilometer Folie verwendet.

Ernte

Überall dort, wo Spargelköpfe durch den Boden brechen, legen die Erntehelfer die Spargelstange frei und stechen sie mit einem speziellen Spargelstecher auf eine Länge von circa 22 Zentimetern ab. Der Spargel wird in Körben gesammelt, das Erdloch geschlossen und der Damm mit einer Kelle wieder geglättet. Die Körbe werden in Kisten entleert, die dann zum Waschen der Stangen, zur Sortierung nach Größe und Qualität sowie zur Vermarktung auf den Spargelhof gefahren werden. Bei warmem "Spargelwetter" muss am Nachmittag mitunter ein weiterer Erntegang erfolgen.
Weiße Spargelstangen – auch Bleichspargel genannt – werden geerntet, sobald sie den Boden durchstoßen, Grünspargel entwickelt seine charakteristisch gefärbten Spargelstangen dagegen oberirdisch.
Aufgrund der Ernteverfrühungsmaßnahmen beginnt die Spargelernte in Deutschland witterungsabhängig etwa im April. Pro Hektar werden drei bis vier Erntehelfer benötigt. Die Erntekosten machen rund 40 % der Erzeugerkosten aus.
Am Johannistag, dem 24. Juni, endet die Spargelernte. Danach wachsen die Pflanzen bis zum Ende der Vegetationsperiode ungehindert und betreiben Photosynthese. Die hierbei gewonnene Energie benötigt die Pflanze zum Wachstum und zur Anlage kräftiger Stangen für den Austrieb im Folgejahr.

Pflanzenschutz bei Spargel

Im Erwerbsanbau kontrollieren die Erzeuger ihre Anlagen regelmäßig, um einen Befall mit Schaderregern oder tierischen Schädlingen frühzeitig zu erkennen und entsprechend eingreifen zu können. An Spargel können zum Beispiel die Grauschimmelfäule Botrytis oder Rost auftreten, beides verursacht durch Pilze. Auch ein Befall mit Schadinsekten kann zu Ertragseinbußen führen. Hierzu gehören die Spargelfliege, das Spargelhähnchen und der Spargelkäfer. Ferner schadet Unkraut, das in Konkurrenz zum Spargel wächst, den Erträgen. Das kann durch mechanische Maßnahmen wie Hacken erfolgen. Auch das Abflämmen oder der Einsatz von Herbiziden ist möglich.
Bio-Spargelanbauer verzichten auf den Einsatz von Herbiziden und befreien ihre Felder von unerwünschtem Bewuchs durch mechanische Bodenbearbeitung wie Hacken und Grubbern. Tierische Schädlinge werden durch vorbeugende Maßnahmen oder mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln reguliert. Gegen Pilzerkrankungen helfen, wenn nicht anders möglich, Kupferpräparate. Um einem Pilzbefall beim Spargellaub vorzubeugen, erweitern Bio-Landwirte den Reihenabstand in den Beständen. Sie verzichten damit zugunsten vorbeugender Pflanzengesundheit auf einen Teil ihres Flächenertrags, haben dadurch aber auch geringere Pflanzenschutzmittelkosten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Spargel ist die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland. 2013 wurde auf rund 24.100 ha Spargel angebaut, davon standen 19.600 ha im Ertrag. Das entspricht einem Anteil von über 20 % der bundesdeutschen Anbaufläche von Gemüse im Freiland. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. 2014 wurde in Deutschland mit 114.500 t Spargel eine Rekordmenge geerntet; der Flächenertrag betrug 5,6 t/ha.
Im Jahr 2016 wurden in Deutschland ca. 1.820 spargelanbauende Betriebe gezählt - davon besonders viele in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Hinsichtlich der Erntemenge von Spargel lag Niedersachsen auf dem ersten Rang - hier wurden im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Tonnen des beliebten Gemüses geerntet.
Frischer Spargel ist von April bis Juni das begehrteste Saisongemüse. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch pendelt seit Jahren um 1,5 kg (Quelle: Statista, 2016).
Das mit Abstand bedeutendste Einfuhrland für Spargel ist Griechenland mit 42 % der Spargelimporte. Weitere wichtige Einfuhrländer sind Spanien, Niederlande und Peru (Quelle: Statistisches Bundesamt, BMEL, 2014).
Der Anbau von Spargel im ökologischen Gemüsebau hat in den letzten Jahren in Deutschland stark zugenommen. Im Jahr 2013 standen in Deutschland auf rund 1.200 ha Öko-Spargel im Freiland im Ertrag – das entspricht 6,1 % der gesamten im Ertrag befindlichen Spargelfläche in Deutschland. Zum Vergleich: 2009 waren es noch circa 800 ha. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit der größten Öko-Spargelfläche mit 638 ha (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2014).
In Deutschland wird fast ausschließlich so genannter Bleichspargel produziert und konsumiert. Unsere Nachbarländer haben andere Vorlieben, da ist grüner Spargel Favorit.
Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 8,7 Millionen Tonnen Spargel geerntet. Während Deutschland mit 103.107 t der größte Erzeuger in Europa und viertgrößter der Welt ist, ist die Volksrepublik China (7.000.000 t) der mit Abstand größte Produzent der Welt, gefolgt von Peru (383.144 t) und Mexiko (126.421 t). Auf den weiteren Plätzen (5 bis 15) folgen Thailand, Spanien, USA, Japan, Italien, Iran, Frankreich, die Niederlande, Chile, Australien und Argentinien.

Weitere Informationen:

Spätfrost

Auch Frühjahrsfrost; ein Frostereignis, das nach Beginn der Vegetationsperiode auftritt. Spätfrostgefahr besteht in vielen Regionen Deutschlands bis Mitte Mai (Eisheilige).

Durch vorangegangene Perioden relativer Wärme kann die Kälteresistenz von Pflanzen bereits wieder reduziert sein, sodass es zu Kälteschäden kommt. Diese zeigen sich im Zurückfrieren jüngerer Sprossabschnitte, erhöhte Schädlingsanfälligkeit, Blühausfall, insbesondere im Obst-, Gemüse- und Weinbau. Kälteschäden können auch an bereits aus der Winterruhe entlassenen Winterknospen entstehen, die ihre Frosthärte und den Schutz vor Dehydratation durch die derben Knospenschuppen verloren haben. Spätfrostgefährdet sind vor allem Pflanzen wärmerer Wuchsgebiete, die an der Grenze oder jenseits ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wachsen.

Spätfrost kann auch zu verschiedenen Schäden an Waldbäumen führen. Am häufigsten erfrieren frische Triebe von Verjüngungspflanzen.

Spätfröste treten oft nur lagenweise auf, vorzugsweise in klaren (Strahlungs-)Nächten, in denen sich in Wind geschützten Mulden und Senken die schwere bodennahe Kaltluft sammeln kann.

Gängige Maßnahmen zur Frostbekämpfung sind Frostschutzberegnung (Obst- und Gemüsebau), Heizen mit Frostkerzen, Fackeln o.ä. (wird zusätzlich im Weinbau eingesetzt) und Abdeckung mit Vlies (Erdbeeren). Seit 2011 werden im Weinbau vermehrt auch Windmaschinen oder Hubschrauber eingesetzt, die bei einer ausgeprägten bodennahen Inversion vermeintlich wärmere Luftmassen aus 10 bis 20 m Höhe mit der bodennahen Kaltluft vermischen. Dieses Verfahren funktioniert nur bei einer ausgeprägten Inversionslage.

 

Spätsiedler

In der frühen Neuzeit in Anerbengebieten auftretende Gruppe der Agrarbevölkerung mit stark eingeschränkten Rechten und Entwicklungsmöglichkeiten. Im Unterschied zu den Nachsiedlern besaßen sie nur wenig oder kein Land, lediglich Haus und Garten. Allmendnutzung wurde ihnen weitgehend verweigert. Häufig wurde Pachtland bewirtschaftet, wobei durch Arbeitsleistung bei den Besitzern der Pachtzins erbracht werden musste.

Speicher

Oft kunstvoll gestaltetes kleines Nebengebäude für die brand- und rauch- sowie überschwemmungssichere Aufbewahrung von Saatgut und anderer wertvoller Habe.

Speisefette, -öle

In Deutschland die Bezeichnung von für die menschliche Ernährung geeigneten Fette mit neutralem bis arteigenem Geruch und Geschmack. Speisefette und Speiseöle bestehen fast ausschließlich aus den Triglyceriden von Fettsäuren und sind praktisch wasserfrei. Sie können geringe Mengen anderer Stoffe aus dem Ausgangsmaterial wie Phosphatide, Wachse, unverseifbare Bestandteile, Mono- und Diglyceride und freie Fettsäuren enthalten.

Man unterscheidet:

Speisefette und -öle werden allein oder in Mischungen mit anderen Speisefetten oder Speiseölen in Verkehr gebracht. Bei Fetten und Ölen aus einem einzigen Rohstoff werden diese nach ihm benannt z. B. Kokosfett, Erdnussöl und Rindertalg.

Butter, Milchfett-, Margarine- und Mischfetterzeugnisse sowie Olivenöl und Kakaobutter gehören nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches (DLMB) definitionsgemäß nicht zu den Speisefetten und Speiseölen.

Spezialisierung

1. Die Reduktion der Produktionsvielfalt in einem Agrarbetrieb bzw. in einer Agrarregion.

2. Die Funktionsausgliederung von Produktions- und Verwaltungsbereichen an Dritte zur Vereinfachung der Betriebsorganisation und zur Kostensenkung. Dazu gehören der Lohnunternehmereinsatz, die Ausgliederung von Verwaltungsaufgaben (Buchführung), die Beteiligung an Erzeugergemeinschaften (Ein- und Verkauf) und die Verkürzung der übernommenen Produktionsabschnitte und Aufteilung der Erzeugung auf mehrere Betriebe (im Gartenbau z.B. Jungpflanzen - Halbfertigpflanzen - Rohware - Treiberei). Häufig erfolgen 1. und 2. gemeinsam.

3. Die innerbetriebliche Spezialisierung der einzelnen Arbeitskräfte auf bestimmte Aufgaben oder Kulturen (nur in Großbetrieben konsequent durchführbar).

Gründe für eine Spezialisierung von Unternehmen:

  1. Standortvorteile für bestimmte Produktionsverfahren, die eine bessere Konkurrenzfähigkeit für das jeweilige Verfahren garantieren, z.B.
    - gute Ackerbaustandorte (Zuckerrüben, Weizen)
    - Klimaverhältnisse (Weinbau, Tabak etc.)
    - Bezugs- und Absatzmärkte - Verarbeiter (Gemüse etc.)
    - Lieferanten für Vorleistungen (Schweinemast)
    - örtliche Personalqualifikation - Neigungen, Fähigkeiten
  2. Kostendegressionseffekte, z.B.
    - stark sinkende Investitionskosten bei größeren Einheiten führen zu geringerer Festkostenbelastung und   konkurrieren mit steigenden Umweltauflagen
    - im Ein- und Verkauf helfen große Liefermengen die Dispositions- und Transportkosten senken
    - wesentliche Vereinfachung von Management und Verwaltung bei sinkenden Kosten
    - möglicher Einsatz leistungsfähiger Technik zur Senkung der Arbeitskosten
    - hohe Auslastung von Spezialmaschinen und moderner Technik
  3. Verbesserung der Marktsituation
    - größere Angebotsmengen einheitlicher Qualität
    - mehr Anbieter für Vorleistungen
    - geringere Lagerhaltungskosten bezogen auf den Umsatz
  4. Fachliche Spezialisierung und Qualifikation der Betriebsleitung
    - der Weiterbildungsaufwand für die Betriebsleitung sinkt stark und ist im nötigen Umfang realisierbar
    - besserer Überblick und Kontrolle durch mehr Nähe des Unternehmers zum Produktionsverfahren
    - die Bewältigung der Informationsflut und die Umsetzung neuer Informationen ist eher möglich
    - Entscheidungen werden sachgerechter und zeitnäher getroffen
  5. Geringerer Organisations- und Verwaltungsaufwand
    - einfachere Betriebsführung durch geringeren Dispositions- und Abstimmungsaufwand
    - weniger Reibungsverluste durch Abstimmung und Interessenausgleich zwischen unterschiedlichen Bereichen
    - Überblick des Betriebsleiters ohne großen Hilfsmitteleinsatz
    - keine konkurrierenden Ziele zwischen mehreren Betriebszweigen im Unternehmen

Mögliche Nachteile einer hohen Spezialisierung

(s. a. Agrarökosystem, Agrarstruktur, Landwirtschaft, Spezialisierungsgrad)

Spezialisierungsgrad

Das Ausmaß der Produktionsvielfalt (Diversifizierung) und der organisatorischen Verknüpfung verschiedener Produktionsrichtungen im Agrarbetrieb. Der Spezialisierungsgrad kann durch folgende Begriffe und Kriterien bestimmt werden:

SPS-Übereinkommen

Den internationalen Handel betreffendes Übereinkommen über die Anwendung von sanitären und phytosanitären Maßnahmen im Rahmen der WTO. Es setzt Fairnessregeln für eine internationale Standardsetzung bezüglich Lebensmittelsicherheit. Damit befasst es sich mit den von den Regierungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit sowie zum Schutz der Gesundheit von Pflanzen und Tieren ergriffenen Maßnahmen. Sein Ziel ist es, die Hoheitsrechte jeder Regierung zu wahren, den von ihr für angemessen erachteten Grad an Gesundheitsschutz zu bieten, aber andererseits zu gewährleisten, daß diese Hoheitsrechte nicht zu protektionistischen Zwecken missbraucht werden und zu unnötigen Hemmnissen im internationalen Handel führen. Falls eine Regierung aufgrund ihrer nationalen Anforderungen größere Handelsbeschränkungen herbeiführt, kann von ihr verlangt werden, eine wissenschaftliche Begründung vorzubringen, aus der hervorgeht, daß der betreffende internationale Standard nicht in dem Maß zu gesundheitlichem Schutz führen würde, wie er von dem Land für angemessen erachtet wird. Im Streitfall wird ein - bei Bedarf wissenschaftlich beratenes - Schlichtungspanel eingesetzt, das seine Empfehlung dem entscheidungsbefugten Streitbeilegungsgremium der WTO unterbreitet.

Im Sinne des Übereinkommens versteht man unter sanitären und phytosanitären Maßnahmen solche, die angewandt werden,

Einbezogen sind die Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Gesundheit der Fische und der Wildfauna sowie der Wälder und der Wildflora zu schützen.

Die technischen Instanzen, die dieMaßnahmen bei den Standards setzen sollen sind laut SPS-Abkommen drei existierende internationale staatliche Organisationen:

Die Beschlüsse dieser sog. Drei Schwestern sind Empfehlungen an die Mitgliedstaaten zur Übernahme in nationales Recht. Sie sollen als der internationale Standard eines Sachverhalts gelten.

Vom Konstrukt her ist der SPS-Vertrag darauf abgestellt, den internationalen Handel vor überhöhten Gesundheitsschutzinteressen von Ländern zu schützen und nicht umgekehrt den nationalen Gesundheitsschutz über den internationalen Handel zu stellen.

Die Entwicklungsländer haben große Schwierigkeiten, das System für sich zu nutzen und von ihren verankerten Sonderrechten Gebrauch zu machen. Trotz aller Kritik und Schwächen am SPS-System ist es jedoch die einzige multilaterale Plattform, die Mitbestimmung vorsieht. (Buntzel/Marí 2016)

(s. a. TBT-Übereinkommen)

Spurennährstoffe

Auch Spurenelemente oder Mikronährstoffe; Nährstoffe, die von den Pflanzen nur in geringen Mengen benötigt werden, aber für den normalen Ablauf von Lebensvorgängen unentbehrlich sind. Dazu gehören Bor, Mangan, Kupfer, Eisen, Molybdän und Zink. Bei Bormangel z.B. entsteht die Herz- und Trockenfäule der Rüben, bei Kupfermangel die Dörrfleckenkrankheit des Hafers. Spurennährstoffe besitzen einen höheren Wirkungs- und Schädigungsgrad als die Makronährstoffe Stickstoff, Phosphat, Kali, Magnesium und Kalk. Überdosierungen sind daher ebenso schädlich wie Mangel.

Squatter

Kolonist, der, ohne einen Besitztitel zu haben, staatliches oder privates Land kultiviert und dieses im Hinblick auf die geleistete Inwertsetzung als Eigentum beansprucht oder Vorkaufsrecht verlangt. Squatter treten häufig in Gruppen auf, um ihre Eigentumsansprüche leichter durchsetzen zu können. Squatter waren beispielsweise bei der Erschließung des nordamerikanischen Binnenraumes weit verbreitet. Um ihre Zahl einzuschränken, verbot ein Gesetz des Jahres 1807, sich auf nicht vermessenen Staatsländereien (public domain) niederzulassen.

Generell sind diese wilden Siedler eng an Großgrund- (Latifundien-) und Staatseigentum gebunden, im weitesten Sinne an ausgedehnte bisher ungenutzte Flächen, die von den Eigentümern nicht mehr überschaut und wirkungsvoll kontrolliert werden (können). Folgende mit Squatter synonyme Begriffe werden im besonders betroffenen lateinamerikanischen Raum häufig gebraucht: Posseiro, Intruso (Brasilien), Tolerado (Bolivien), Ocupante (Brasilien, Venezuela, Costa Rica, Guatemala, Honduras), Precario (Chile), Conuquero (Venezuela), Colono (Kolumbien).

In Afrika werden wilde Siedler am Stadtrand ebenfalls als Squatter bezeichnet.

Stadtdorf

Agrarsiedlung mit städtischem Aussehen und einer Größe zwischen 2.000 und 15.000 Einwohnern, z.T. deutlich darüber. Ihre Bewohner sind vorwiegend als ländliche Tagelöhner oder als Kleinbauern tätig. Das Auftreten von Stadtdörfern ist besonders an die Verbreitung von Latifundien gebunden. Der Begriff wird aber auch für große, ehemals befestigte Rebbausiedlungen Mittel- und Westeuropas, sowie für befestigte, große Oasensiedlungen Nordafrikas verwendet.

städtische Landwirtschaft

Innerhalb eines Stadtgebietes betriebene Landwirtschaft, gewöhnlich zur Nahrungsmittelproduktion. Derartige Produktion wird in Hinterhöfen, auf Dächern, in Gemeinschaftsgärten und auf ansonsten ungenutzten oder öffentlichen Flächen betrieben. Sie umfasst neben der häufigeren kleinstrukturierten Selbstversorgung auch marktorientierten Anbau, z.B. in Gewächshäusern.

Städtische Landwirtschaft, die eine lange Tradition vor allem in Europa und Asien aufweist, tritt heute sowohl in entwickelten wie auch in Entwicklungsländern auf. Befürworter der städtischen Landwirtschaft sehen in ihr einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Städten vor allem in Entwicklungsländern und zu einer nachhaltigen Lebensweise.

Urban agriculture pioneers taking action in their communities
Urban agriculture pioneers taking action in their communities

Quelle: Douglas Gayeton (USDA)

Weitere Informationen:

Staffelanbau

Auch relay cropping; Methode des zeitlich versetzten Anbaus von (verschiedenartigen) Feldfrüchten zur Aufrechterhaltung eines ständigen Pflanzenwuchses, z.B. im Rahmen des tropischen Ecofarming.

Stalldüngerwirtschaft

Betriebstyp, der zur Agrarproduktion den bei der Stallhaltung des Viehs anfallenden Stallmist als Dünger einsetzt.

Stallhaltung

Die zeitweise (saisonale) oder ständige Haltung von Nutztieren in überdachten Stallungen. Die Stallhaltung hängt ab von den Möglichkeiten bzw. den klimatischen Bedingungen eines Weidegangs, ferner vom vorliegenden Betriebssystem.

Stallmist

Wichtiger Wirtschaftsdünger, der durch Verrotten von Einstreu (z.B. Stroh) und Exkrementen der Haustiere entsteht. Seine Zusammensetzung ist abhängig von der Art der Tiere, die ihn liefern, ihrem Futter und dem verwendeten Einstreumaterial. Stallmist verbessert die Bodenstruktur, und bei häufiger Anwendung erhöht er den Gehalt des Bodens an organischem Material. Einseitige Stallmistdüngung erschöpft den Boden rasch, was Mangelerscheinungen, Krankheiten und Mindererträge zur Folge hat, wenn nicht mit ausgewogener Mineraldüngung abgeholfen wird.

Standardbetriebseinkommen

Das StBE ist ein kalkuliertes Betriebseinkommen, von dem das tatsächlich erzielte abweichen kann. Es gibt an, welches Betriebseinkommen bei ordnungsgemäßer und standortgerechter Bewirtschaftung erzielt werden kann, und gilt als Kennziffer für die wirtschaftliche Größe eines Betriebes. Das StBE wird aus Flächenkapazität, Nutzungsart und Umfang der Viehhaltung mittels Standarddeckungsbeiträgen und Fixkosten berechnet.

Standarddeckungsbeitrag (StDB)

Der StDB ist eine Maßzahl für wirtschaftliche Größe und bezieht sich auf eine Flächen- oder Tiereinheit. Unter Verwendung statistischer Quellen gibt er Auskunft über die geldliche Bruttoleistung der einzelnen Betriebszweige (z.B. Zuckerrübenanbau oder Milchkuhhaltung) abzüglich der entsprechenden variablen Spezialkosten (z.B. der Ausgaben für Saatgut, Agrarchemikalien). Der StDB eines Betriebes ist die Grundlage zur Berechnung des Standardbetriebseinkommens und zur Einstufung der Betriebe nach Betriebsformen.

Standarddeckungsbeiträge werden vom KTBL regionalisiert nach 38 Regionen (Regierungsbezirke) für 40 Produktionszweige der Bodennutzung und für 30 Tierhaltungsmerkmale ermittelt.

Standardoutput (SO)

Standardoutput ist die standardisierte Rechengröße, die den durchschnittlichen Geldwert (in Euro) der Bruttoagrar­erzeugung eines landwirtschaftlichen Betriebes beschreibt. Er wird in der amtlichen Statistik für die Eingruppierung der landwirtschaftlichen Betriebe nach ihrer betriebswirtschaftlichen Ausrichtung genutzt.

Der Standardoutput wird je Flächeneinheit einer Fruchtart bzw. je Tiereinheit einer Viehart aus erzeugter Menge mal zugehörigem "Ab-Hof-Preis" als geldliche Bruttoleistung ermittelt. Dabei werden durchschnittliche Erträge und Preise angesetzt, die für einen Bezugszeitraum von fünf Wirtschaftsjahren berechnet werden.

Die Summe der Standardoutputs im landwirtschaftlichen Betrieb beschreibt seine betriebswirtschaftliche Größe.

Standards in Land- und Ernährungswirtschaft

Ein Standard ist ein gefordertes Kriterium, mit dem man das Ergebnis eines Produktionsprozesses oder einer Leistung beschreiben kann, wie das technische oder physische Charakteristikum eines Produktes, oder die Bedingungen oder Methoden, unter denen es erzeugt oder übertragen wurde. (Humphrey 2005)

Ein Standard kann die unterschiedlichsten juristischen Formen annehmen: als technische Anleitung, Norm, Gesetz, Kodex, Vereinbarung, Vertrag, Abkommen, Regulierung, Siegel, Zertifikat usw. Standards sind wie ein Pass, mit dem Produkte in einen bestimmten Markt gelangen. Sie bestimmen die Identität eines Produkts.

Bei der Entwicklung der Welternährungswirtschaft in den vergangenen zwei Dekaden spielt die Debatte um Standards eine zentrale Rolle. Standards sind gewissermaßen der „Kitt“, der die Globalisierung in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich prägt und zusammenhält.
Differenzierend kann man unterscheiden:

Die Codex-Alimentarius-Kommission (CAC) - 1963 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet - sieht sich als die weltweit führende Organisation für die Vereinbarung internationaler Lebensmittel-Standards, die dem Schutz der Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Sicherstellung fairer Handelspraktiken im internationalen Handel mit Lebensmitteln dienen. Die Standards des Codex Alimentarius sind nicht rechtlich verbindlich.

Die Standards des Codex Alimentarius erfuhren aber durch die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) bzw. insbesondere durch das Inkrafttreten des Übereinkommens über die Anwendung von gesundheitspolizeilichen und pflanzenschutzrechtlichen Maßnahmen (SPS-Abkommen) eine starke Aufwertung. Das SPS-Abkommen ist eines von 13 multilateralen Übereinkommen der sogenannten Uruguay-Runde im Anhang zum Übereinkommen zur Errichtung der WTO, das am 1. Januar 1995 in Kraft getreten ist.

Das SPS-Übereinkommen setzt die Regeln, denen WTO-Mitglieder folgen müssen, wenn sie Vorschriften im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit erlassen. Dieses für die Landwirtschaft bedeutende Abkommen gibt den Mitgliedern das Recht, zum Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, Einfuhrbeschränkungen zu treffen, sofern daraus weder eine ungerechtfertigte Diskriminierung noch ein verstecktes Handelshemmnis entsteht.

Wenn das Exportland nachweist, dass seine Maßnahmen denen des Importlandes entsprechen, ist ihre Gleichwertigkeit vom einführenden Staat anzuerkennen. Jeder Staat kann das ihm geeignet erscheinende Schutzniveau für sich festlegen. Höhere Normen als die der entsprechenden internationalen Organisationen sind nur bei wissenschaftlicher Begründung und nach einer objektiven Risikoanalyse zulässig. Nicht derart begründbare Vorsichtsmaßnahmen sind nur befristet erlaubt.

Gemeinsame internationale Standards im Lebensmittelrecht zu entwickeln, ist schwierig, weil die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen den reichen und den armen Ländern gerade in diesem Bereich groß sind. Zusätzlich verfügen die reichen Staaten und ihre Wirtschaft über die Machtstrukturen und die Wissenschaftskapazitäten, um sie durchzusetzen.

Bei der Herstellung von Lebensmitteln geht es oft um sehr sensible Sachverhalte, verbunden mit einem gewissen Gefahrenpotenzial für die menschliche (tierische oder pflanzliche) Gesundheit. Dabei ergibt sich die Frage, wer mit welchen wissenschaftlichen Nachweismethoden das Gefahrenpotenzial bestimmt.

Dass selbst über vermeintlich gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zwischen Gesellschaften große Divergenzen hinsichtlich der Bewertung bestehen können, zeigen die Streitthemen zwischen den USA und der EU über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, die Anwendung von Hormonen in der Tierhaltung, Klonfleisch oder auch Behandlungsmethoden von Lebensmitteln wie Bestrahlung oder die Chlorbehandlung von Fleisch. Diese Technologien sind in der EU wegen Gesundheitsbedenken nicht zugelassen, in den USA hingegen gängige Praxis.

Auch das Gütesiegel zur regionalen Herkunftsbezeichnung ist wiederholt ein Streitanlass. Die in einem staatlich geführten Register haben eine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie dienen dazu, die Identität von traditionellen Lebensmitteln mit einer spezifischen Qualitätseigenschaft und einer klaren regionalen Herkunft (z. B. Parmaschinken) zu bewahren. Damit schafft diese Gütesiegel einen besonderen Nischenmarkt.

Alle Standards schützen gesellschaftliche Anliegen, sind jedoch zugleich auch Handelsbarrieren, denn sie gehen mit strikten Auflagen einher, die kostenintensiv sind und weltweit nicht von allen Erzeugern gleichermaßen erfüllt werden können.

Zu den staatlich gesetzten Standards kam im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit eine große Zahl privater Standardinitiativen unterschiedlichster Art hinzu. Diese verfolgen zumeist singuläre ethische Anliegen. Hier ist zum einen zu unterscheiden zwischen Standards, die auf dem Endprodukt ausgewiesen werden, damit sie bei den Verbrauchern Vertrauen erzeugen. Solche Standards werden unter dem Begriff Business to Consumers (B2C) geführt. Das ist z. B. der Fall bei der Kennzeichnung von Produkten des organischen Landbaus (div. Biosiegel) oder des Fairen Handels (z.B. Transfair in Dtld.). Auch die weniger strikten Nachhaltigkeitsstandards wie Rainforest Alliance/Sustainable Agriculture Initiative (RFA/SAI), Marine Stewardship Council (MST) oder UTZ-Kapah (für Kaffee, Tee, Kakao) werden am Produkt ausgewiesen. Weitere globale B2C-Standards sind die 4C-Association (Common Code for the Coffee Community), Fair Flowers Fair Plants (FFP), Better Cotton Initiative (CI), Bonsucro, Ethical Tea Partnership (ETP), Fair for Life. Mit ihrer deutlichen Etikettierung zielen sie darauf ab, dass die Verbraucher zu den gekennzeichneten ‚höherwertigen‘ Waren greifen und bereit sind, dafür auch mehr zu zahlen.

Hiervon zu unterscheiden sind Standards, die nur unter Firmen gelten und reine Busines-to-Business-(B2B-)Standards sind. Für den Verbraucher unsichtbar, sichern sie die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette bei Frischeprodukten und weiterverarbeiteten Lebensmittel gegenüber Qualitäts- und Sicherheitsrisiken und anderen rufschädigen Praktiken von Zulieferern ab. Die B2B-Standards bewegen sich im Bereich der konventionellen Landwirtschaft und orientieren sich an den Bedürfnissen der Verbraucher, die in den Supermarktketten der Industrieländer einkaufen. Sie konzentrieren sich auf die gute fachliche Praxis, bzw. auf die globale Nachhaltigkeit, wie das UN Forum on Sustainability Standards (UNFSS) es nennt.

Die privaten Standards sind nicht an die Verfahren der WTO-Verträge gebunden. (Buntzel/Marí 2016)

(s. a. TBT-Übereinkommen)

Weitere Informationen:

Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft

Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft sind die Kräfte, die für den konkreten Standort eines landwirtschaftlichen Betriebes oder für das Entstehen unterschiedlicher Erzeugungs- und Absatzgebiete bestimmend sind. Durch ihre ausgeprägte Flächenbindung ist die Landwirtschaft stark mit Standortfragen verbunden. Agrarbezogene Standortfaktoren lassen sich unterscheiden in physische (u.a. Klima, Boden, Exposition, Morphologie, Wasserdargebot) und in anthropogene Faktoren (u.a. Markt, Infrastruktur, Agglomerationsvorteile, Know-How, Kapital, Mentalität, politisch-rechtlicher Rahmen, Elemente der Agrarverfassung). Während die ersteren weitgehend stabil sind, unterliegen die meisten anthropogenen Faktoren der Veränderung, manche sind nicht quantifizierbar, und es ist von Bedeutung, dass die anthropogenen Faktoren von der Länge des Betrachtungszeitraumes abhängt.

Bei ökonomischer Betrachtung sind landwirtschaftliche Standortfaktoren jene Faktoren, die die Produktion an einem Ort günstiger als an einem anderen gestalten, damit eine räumliche Differenzierung der Erlöse und/oder Kosten herbeiführen, jedem Produkt also optimale Standorte realtiver Vorzüglichkeit und entsprechender Grenzertragslagen zuweisen. Aufgrund komparativer Vorteile ergibt sich eine Konzentration der Erzeugung bestimmter Produkte auf Gebiete, die bezüglich ihrer naturgeographischen und/oder anthropogenen Voraussetzungen dafür am besten geeignet sind.

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Standortregister

Ein Standortregister informiert über die Freisetzung und den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und die genaue Lage der Flächen. Ziel ist ein verbessertes Monitoring möglicher unerwünschter Auswirkungen auf die Umwelt sowie die menschliche und tierische Gesundheit. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit informiert werden, um Transparenz und Koexistenz zu gewährleisten.

Standweide

Nutzungsform traditioneller Weidegebiete hauptsächlich im wintermilden, durch lange Vegetationsperioden gekennzeichneten Klima küstennaher Niederungen oder Talauen, auf nährstoffreichen Böden hohen Nährstoffnachlieferungsvermögens und zumeist günstiger, vorwiegend aus Grundwasser gespeister Wasserversorgung. Standweiden sind typisch für ein reichliches Flächenangebot.

Die Tiere befinden sich bei diesem Weideverfahren während der gesamten Weidezeit auf einer Fläche. Die zu beweidende Fläche wird in wenige (ein bis drei) Koppeln eingeteilt. Es findet ein ständiger Verbiss der Grasnarbe statt. Der Viehbesatz ist gering, die Düngung extensiv. Trotzdem wächst soviel Gras auf, dass es von den Tieren nicht vollständig gefressen werden kann. Es wird daher überständig und alt, so dass es mehr und mehr verschmäht wird. Gleichzeitig werden die Stellen mit jungem Gras scharf verbissen. Beides führt auf Dauer zu einer Verunkrautung.

(s. a. Portionsweide, Umtriebsweide, Weide)

Stärke

Stärke (lat. Amylum) ist ein Mehrfachzucker (Polysaccharid) mit der Formel (C6H10O5)n und einer der wichtigsten Speicher- und Reservestoffe pflanzlicher Zellen. In Pflanzen fungiert Stärke als Kohlenhydratspeicher und liegt in Form von Stärkekörnern vor.

Die Stärke ist ein Assimilationsprodukt des Calvin-Zyklus, bei der die Pflanzen Kohlenstoff aus CO2 gewinnt. Stärkemoleküle bestehen aus D-Glucose-Einheiten, die über glykosidische Bindungen miteinander verknüpft sind.

Stärke wurde in Europa früher meistens aus Kartoffeln oder Getreide gewonnen, heute ist Mais der dominierende Stärkeproduzent. 1979 entfielen bei einer Weltproduktion von 13 Mio. Tonnen 76 % auf Mais, 15 % auf Kartoffeln, 4 % auf Maniok und 3 % auf Weizen.

International bedeutsam sind noch Reis (Bruchreis aus den Reisschälfabriken) und Maniok (Tapioka) als Stärke liefernde Pflanzen. In der japanischen Küche kommt zudem Kudzu (Kuzuko) und Japanischer Hundszahn (Katakuriko) zum Einsatz. Bei der industriellen Stärkegewinnung werden je nach Rohstoff verschiedene Technologien eingesetzt. Die Aufarbeitung des angelieferten Rohstoffes beginnt mit der Reinigung, setzt sich fort mit der Zerkleinerung und Auftrennung der Bestandteile (Stärke, Eiweiß und Fasern) und endet mit der Reinigung, Entwässerung und Trocknung der Stärke.

Stärkeverzuckerung

Umwandlung pflanzlicher Stärke in verschiedene Zucker.

Alle Pflanzen bestehen zu einem mehr oder weniger großen Anteil aus Stärke, die aus verschiedenen, chemisch miteinander verbundenen Zuckern (Saccharide) zusammengesetzt sind. Werden die diese Bindungen gelöst, zerfällt die in die einzelnen Zucker-Bausteine. Auf diese Weise kann Zucker nicht nur aus Zuckerrohr und Zuckerrüben, sondern auch aus pflanzlicher Stärke gewonnen werden. Dies geschieht heute großtechnisch im Prozess der Stärkeverzuckerung. Die wichtigsten pflanzlichen Stärkelieferanten dafür sind Mais, Kartoffeln und Weizen.

Wurden früher starke Säuren eingesetzt, um die Stärke in einzelne Zucker aufzutrennen, nutzt man heute fast nur noch Enzyme. Enzyme wirken hochspezifisch und können die verzweigten Stärkemoleküle an ganz bestimmten Stellen aufschließen. Dadurch lässt sich der Verzuckerungsprozess gezielt steuern.

Heute werden - bis auf wenige Ausnahmen - fast alle in der Stärkeverzuckerung eingesetzten Enzyme mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewonnen.

Stauwasser

Das die Bodenhohlräume ausfüllende, der Schwerkraft folgende Wasser, das sich über einem undurchlässigen oder wenig durchlässigen Staukörper (dichte geologische Schicht oder verdichteter Bodenhorizont) ansammelt und in diesem Stauraum nicht ganzjährig angetroffen wird. Unter mitteleuropäischen Klimabedingungen ist das dann der Fall, wenn der Stauraum 1,3 m Mächtigkeit nicht überschreitet.

Stein-Hardenbergische Reformen

Zusammenfassende Bezeichnung für die unter den preußischen Staatsmännern Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Karl August Fürst v. Hardenberg zwischen 1807 und 1812 durchgeführten bzw. begonnenen wirtschaftlichen und sozialen Reformen. Deren Ziel war es , dem preußischen Staat nach der Niederlage gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt ( 1806) eine reformierte Staats- und Wirtschaftsverfassung zu geben, die den in Aufklärung und Liberalismus wurzelnden Freiheitsansprüchen zum Durchbruch verhelfen sollte.

Wichtig sind besonders das Oktoberedikt vom 9.10.1807, das die Bauernbefreiung einleitet, das Edikt vom 2.11.1810 mit der Einführung der Gewerbefreiheit und das Regulierungsedikt vom 14.9.1811 zur Fortführung der Agrarreform. Hinzu kommen die Städteordnung vom 19.11.1808 als Grundstein der kommunalen Selbstverwaltung, das Standesunterschiede aufhebende Offiziersreglement vom 6.8.1808 und die Neuregelung der Staatsverwaltung vom 24.11.1808 mit der Errichtung von Fachministerien. Wenn auch die 1815 einsetzende Restaurationspolitik einer Weiterentwicklung dieser Reformen hinderlich war, schufen sie doch wichtige Grundlagen für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung im 19. Jahrhundert. Bis 1807 waren die Bauern durch die Erbuntertänigkeit leibeigen. Sie wurden durch Frondienste und Abgaben belastet.

Das Oktoberedikt stand zeitlich am Beginn der Reformpolitik in Preußen. Es hob alle bislang bestehenden Berufsschranken auf, beseitigte die Erbuntertänigkeit der Bauern und gab den Güterverkehr frei. Die Bauern waren seither persönlich frei. Auch ihre Freizügigkeit wurde durch die Abschaffung der Loskaufsgelder und des Gesindezwangsdienstes hergestellt. Damit eng verbunden waren das Recht auf freien Eigentumserwerb und die Freiheit der Berufswahl für alle preußischen Bürger. Damit konnten Bauern in die Stadt abwandern, Bürger konnten Landgüter erwerben, und Adeligen, die zuvor nur standesgemäßen Tätigkeiten nachgehen konnten, war es nun möglich, bürgerliche Berufe zu ergreifen. Mit der persönlichen Freiheit der Landbevölkerung entfiel auch die bisherige Pflicht, vom Gutsherren einen Ehekonsens zu erwirken. Die Freiheit der Eheschließung führte zu einer Erhöhung der Geburtenziffer und letztlich zum Wachstum besonders der ländlichen Bevölkerung.

Die Reform brachte durch die Art ihrer Umsetzung für die Landbevölkerung aber auch gravierende Nachteile. Der freie Güterverkehr beseitigte die bisherigen Einschränkungen des Bauernlegens. Nunmehr konnten die Gutsbesitzer Bauernland, wenn auch staatlich kontrolliert, einziehen. Außerdem entfiel die Pflicht der Gutsherren, für Unterkunft bei Invalidität oder Alter der ehemals gutsuntertänigen Personen aufzukommen. Die Herstellung des völligen Eigentums an den bewirtschafteten Flächen und die Abschaffung feudaler Dienstpflichten ging allerdings mit Entschädigungen einher. Anstelle einer meist unmöglichen Ablösung in Geld wurden die Bauern verpflichtet, die ehemaligen Gutsherren zu entschädigen und die Höfe abzulösen. Sie mussten zwischen der Hälfte und einem Drittel des genutzten Landes abtreten. Um von vornherein das Entstehen von Besitzungen zu verhindern, die nicht genug zum Überleben abwarfen, wurde 1816 die Ablösung im anfänglichen Umfang auf größere Höfe eingeschränkt. Die kleineren Besitzungen blieben von den Abtretungen ausgeschlossen. Andere mit der Gutsuntertänigkeit verbundene Lasten wie der Zwangsgesindedienst, Heiratserlaubnisgebühren und Ähnliches wurden ohne Gegenleistung abgeschafft. Anders verhielt es sich mit den Fron- und Naturaldiensten. Deren Wert wurde ermittelt, und die Bauern hatten das Fünfundzwanzigfache in Raten an den Gutsherrn zu zahlen, um auch diese Pflichten abzulösen.

Im Jahr 1821 folgte dann eine weitere Regelung für die Ablösung des grundherrschaftlichen Eigentums, das in den neupreußischen Gebieten verbreitet war. Allein die 12.000 Rittergüter in Preußen vergrößerten durch die Abtretungen ihren Besitz zusammen um anderthalb Millionen Morgen. Hinzu kam ein Großteil der Allmende, also das bislang von allen nutzbare Land eines Dorfes. Von diesem fiel nur 14 % an die Bauern, der Rest ging ebenfalls in den Besitz der Gutsbesitzer über. In der Folge verloren viele Kleinbauern ihre Existenzgrundlage und mussten ihr überschuldetes Land an die Grundherren verkaufen. Diese vergrößerten so weiter ihren Besitz, während die ehemaligen Bauern meist Landarbeiter wurden. Die Zahl der je nach Region und Rechten unterschiedlich bezeichneten Landarbeiter (Instleute, Gesinde, Tagelöhner) stieg um das Zweieinhalbfache. Die Zahl der Kleinbesitzer, regional Kätner genannt, nahm um das Drei- bis Vierfache zu. Viele waren auf einen handwerklichen oder sonstigen Nebenerwerb angewiesen.

Einen gewissen Ausgleich für die Bauern bot die Nutzbarmachung brachliegender Flächen, allerdings bedeutete dies die Abdrängung auf schlechtere Böden. Für die fiskalischen Interessen des Staates, die letztlich hinter der Bauernpolitik standen, waren die Maßnahmen äußerst erfolgreich. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche wurde bis 1848 von 7,3 Millionen auf 12,46 Millionen Hektar vergrößert, und die Produktion erhöhte sich um vierzig Prozent. Obwohl die Reformer mit diesem Edikt hauptsächlich für mehr Freiheit sorgen wollten, vergrößerte sich in der Folgezeit die besitzlose ländliche Unterschicht. Letztlich profitierten außer einem begrenzten bäuerlichen Mittelstand die Großgrundbesitzer und adligen Junker von der Reform, die auf diese Weise ihren Landbesitz mehren konnten.

Steppe

Als Steppe (von russisch степь step) wird eine semiaride (bis semihumide), baumlose Gras- und Krautlandschaft der gemäßigten Breiten beiderseits des Äquators bezeichnet.

Typische Merkmale sind kontinentales Klima mit Winterkälte und sommerlicher Trockenheit, geringe Jahresniederschläge (400–600 mm), feinerdige Böden (oft Löss) und einförmiger Bewuchs. Steppen sind demnach von den andersartig funktionierenden Ökosystemen der tropischen Savannen zu trennen.

Steppen entstehen dort, wo die Vegetationszeit aufgrund von sommerlicher Trockenheit und winterlicher Kälte kürzer als 120 Tage ist und sich deshalb kein Wald entwickeln kann. In Steppen ist die intensive Bodendurchmischung (Bioturbation) durch Wühler (z.B. Ziesel) charakteristisch, die im Winter und Hochsommer die tiefen, im Frühjahr und Herbst die oberen Bodenlagen durchmischen (Tschernosem). Im Frühsommer und im Frühherbst kommt es aufgrund des hohen Nährstoffumsatzes zu einer sehr hohen Primärproduktion im Steppen-Ökosystem.

Die Bezeichnung ist ursprünglich für die großen eurasiatischen Steppen geprägt worden, als Prototyp gelten die frostreichen baumfreien Grasfluren des südlichen Russlands. Ansonsten wird die Bezeichnung auch auf entsprechende Vegetationsformen in Nord- und Süd-Afrika oder in Australien angewandt. Die entsprechende Formation wird in Nordamerika als Prärie, in Argentinien als Pampa bezeichnet. Die subtropischen Steppen in Kleinasien gelten als Herkunftsgebiet der Getreidearten (Getreide) und daraus resultierend als einer der ältesten Kulturräume (Fruchtbarer Halbmond). Weltweit wird in Steppengebieten Getreideanbau und Großviehhaltung betrieben. Wegen der kurzen Vegetationszeit werden überwiegend Mais und Weizen angebaut. Große Teile der Weltweizenproduktion stammen aus den Steppen Nordamerikas und Eurasiens. Je arider das Klima der Steppe wird, desto unsicherer werden die Erträge.

Die teilweise sehr intensive Nutzung führte vielerorts zu massiven Umweltproblemen (z.B. erhöhte Bodenerosion, Verarmung der ursprünglich reichen Großtierfauna). Wo die Wasserverhältnisse nur eine extensive Landwirtschaft zulassen, dominiert die mobile Tierhaltung. Nutztiere sind z. B. Büffel, Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Kamel und Yak. Zudem findet sich in einigen Bereichen der eurasischen Steppe noch traditionell nomadische Viehhaltung.

Eine allmähliche "Verwaldung" wurde durch die Naturweide von Mega-Herbivoren (Pferd, Wisent bzw. Bison) und durch Flächenbrände stetig behindert und kommt in der Alten Welt seit Einwirken des Nomadismus bzw. in der Neuen Welt durch dry farming gänzlich zum Erliegen. Dennoch bilden Steppen anders als die meisten tropischen Savannen natürliche Grasfluren, die auf die Trockenheit in den Zentren der Kontinente der Nordhalbkugel bzw. in Leelagen meridionaler Gebirgszüge zurückgehen (Südinsel von Neuseeland, Patagonien). Im Übergang zu den temperierten Halbwüsten und Vollwüsten werden sie von Strauchsteppen abgelöst, die in Eurasien und Nordamerika von Wermutsträuchern und dann verstärkt von Meldengewächsen geprägt werden. Eine Abfolge verdeutlicht eine klimaökologische Unterteilung, in der die zugewiesene Anzahl der ariden Monate (in Klammern) von edaphischen Faktoren überlagert wird: Waldsteppe (4-7), Langgrassteppe (5-8), Mischgrassteppe (6-9), Kurzgrassteppe (7-10), Strauchsteppe (8-11), temperierte Halbwüste (9-12). Bei den Waldsteppen handelt es sich um staudenreiche Fluren mit Waldinseln aus vorrangig Eichen und Kiefern.

Umgangssprachlich wird der Begriff Steppe auch für andere Landschaftstypen mit offenem, baumfreiem Charakter verwendet (z.B. Kältesteppe, Gebirgssteppe). Intensiv ackerbaulich genutzte, ausgeräumte Landschaften in Mitteleuropa werden als Kultursteppe bezeichnet.

Steppenheide

Ein strauch- und baumarmer Trockenrasen an niederschlagsarmen, oft kalkreichen Standorten Mitteleuropas, z.B. auf der Schwäbischen Alb.

Stickstoffdünger

Stickstoff ist ein unverzichtbarer Pflanzennährstoff, weil ohne Stickstoff die Pflanze kein Eiweiß bilden kann. Stickstoff kann den Pflanzen als Handelsdünger oder Wirtschaftsdünger zugeführt werden. Stickstoffverbindungen sind gut wasserlöslich. So kann Stickstoff von Feldern ins Grundwasser oder in Oberflächengewässer gespült werden und so in das Trinkwasser gelangen. Eine dem Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung beugt Verunreinigungen der Gewässer vor.

Stickstoffbelastung der Böden in der EU (2010)

Stickstoffbelastung der Böden in der EU (2010)

Der in Düngemitteln enthaltene Stickstoff dringt tief in den Boden ein, wenn zu viel gedüngt wird, und gelangt unter ungünstigen Standortbedingungen als Nitrat ins Grundwasser.

Das optimale Düngen hängt stark vom Zeitpunkt und vom gewählten Verfahren ab. So verringern sich die gasförmigen Verluste von Stickstoff – die Ammoniakemissionen in die Luft –, wenn Mistlager im Freien abgedeckt sind oder die Gülle nach ihrer Ausbringung sofort in den Boden eingearbeitet wird. In stehenden Pflanzenbeständen soll dies möglichst per Bodeninjektion geschehen, anstatt sie breit oberflächlich zu verteilen. Mit der richtigen Technik können die Betriebe ihre Verluste deutlich verringern.

Die EU-Nitratrichtlinie gibt derzeit einen Trinkwassergrenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter vor. Doch trotz der EU-rechtlichen Obergrenze für Wirtschaftsdünger von 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr wird in Deutschland an vielen Messstellen der 50-Milligramm-Grenzwert bereits seit Jahren überschritten.

Quelle: Fleischatlas 2018

Weitere Informationen:

Stickstoffdynamik

Umsetzungsvorgänge zwischen den gebundenen und pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen im Stoffkreislauf des Bodens.

Stickstoffkreislauf

Stickstoff ist in Biomolekülen wie DNA, RNA sowie in Proteinen enthalten, die bei allen Organismen lebenswichtige Funktionen übernehmen. Wichtigste Stickstoffquelle ist die Atmosphäre (78 Vol% in trockener Luft). Von dort ist er nicht direkt für die Pflanzen verwertbar. Dazu ist der Umweg über den Boden als "Stickstofflabor" vonnöten.

Der atmosphärische Stickstoff wird im Boden auf zweierlei Weise gebunden: durch freilebende Cyano-Bakterien und durch Knöllchenbakterien, die mit Schmetterlingsblütlern in Symbiose zusammenarbeiten. Auch die Chemieindustrie verwendet Luftstickstoff zur Düngerproduktion, erreicht aber nur rund 25 % der weltweiten N-Bindung.

Im Stickstoffkreislauf werden die Überreste der Ernährung von Tier und Mensch zusammen mit Ernterückständen und den Resten der Nicht-Nutzpflanzen von den Bodenlebewesen wieder für die Pflanzen aufbereitet. Auch der Stickstoffeintrag aus der Luft darf nicht unberücksichtigt bleiben; er stammt vor allem aus den Abgasen der Industrie, des Hausbrandes und des Verkehrs. Je Hektar und Jahr erreicht er durchschnittlich 25 kg N. Zusätzliche Fixierung von pflanzenverfügbarem Stickstoff ergibt sich aus Blitzschlag und Vulkaneruption.

Veränderungen der Bilanzelemente 1990 – 2010
(Gesamtbilanz Deutschland)
Veränderungen der Bilanzelemente 1990 – 2010 (Gesamtbilanz Deutschland)

Quelle: Inst. für Pflanzen und Bodenkunde, Julius Kühn Institut
und Inst. für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement (ILR), Universität Gießen (2014)

Der Stickstoffkreislauf besteht eigentlich aus zahlreichen Einzelkreisläufen. Einige davon spielen sich im Boden ab: Bakterien zerlegen Eiweiß und andere organische Abfälle zu Ammoniak, das andere Bakterien zu Nitrit und Nitrat umbauen. Wieder andere Mikroorganismen machen durch die Denitrifikation einen Teil der Arbeit zunichte: Sie bauen die Produkte ihrer Nachbarn zu gasförmigem Stickstoff ab oder zu Stickoxiden (darunter weltweit viele Millionen Tonnen des treibhauswirksamen N2O, dem Lachgas) um, die in die Atmosphäre emittiert werden. Ein Teil des Stickstoffdüngers - und auch der bakteriell erzeugten Pflanzennährstoffe - wird ausgewaschen und gelangt in Gewässer. Hier setzen denitrifizierende Bakterien Stickstoff frei, und der Kreislauf beginnt von neuem.

Die bevorzugten Formen der Stickstoffaufnahme bei Pflanzen und Mikroorganismen stellen das Nitrat und das Ammoniak dar. Die meisten Mikroorganismen - in geringerem Umfang auch die höheren Pflanzen - können neben N-Salzen auch organische Stickstoffverbindungen wie Eiweiße und Aminosäuren aufnehmen. Für die meisten der im Boden lebenden Pilze und Bakterien ist die Aufnahme bestimmter N-Verbindungen wie Aminosäuren und Vitamine lebenswichtig für das Wachstum, da sie diese Verbindungen nicht selbst synthetisieren können.

Stickstoffbilanz im Bodenbereich
Stickstoffbilanz im Bodenbereich

Quelle: Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" 1994

Die Differenz zwischen der Stickstoffzuführung durch Düngung und dem Stickstoffentzug durch das Erntegut ergibt die Stickstoffbilanz landwirtschaftlicher Flächen. Für Deutschland ergaben sich Anfang der neunziger Jahre durchschnittliche Bilanzüberschüsse von gut 100 kg N/ha bewirtschafteter Fläche. Hohe Bilanzüberschüsse treten vor allem in den alten Bundesländern in Gebieten mit konzentrierter Veredlungswirtschaft (z.B. im Weser-Ems-Gebiet und in Westfalen), bei Sonderkulturen wie Hopfen, Gemüse, Obst, Wein (z.B. am Kaiserstuhl, im Alten Land und in der Goldenen Aue) sowie in den neuen Bundesländern in Regionen mit intensivem Ackerbau (z.B. in der Leipziger Tieflandsbucht) auf.
Daraus ergeben sich drei ökologische Teilprobleme:

(s. a. Umweltwirkungen, Überdüngung, Treibhauseffekt)

Weitere Informationen:

Stockwerkkultur

Intensive landwirtschaftliche Bodennutzung, bei der verschiedene Kulturpflanzen unterschiedlicher Wuchshöhe in unmittelbarer räumlicher Nähe angebaut werden.

(s. a. coltura mista, Mischkultur)

Straßendorf

Lineare Ortsform aus zwei relativ dichten Zeilen, bei der sich der überwiegende Teil der Hofreiten auf eine breite Gasse orientiert. Mit dem Begriff "Straße" ist bei Straßendörfern zumindest historisch kein überörtlicher Verkehrsweg gemeint. Die "Straße" geht oder ging an den Ortsausgängen oft in Feldwege über.

Streichblechpflug

Die heute überwiegend verwendete Pflugbauform. Der Pflugkörper schneidet einen rechteckigen Erdbalken aus dem Boden. Das Verhältnis von Breite : Arbeitstiefe beträgt etwa 1,2 : 1. Durch die Vorwärtsbewegung wird der Erdbalken über das Streichblech geschoben und dabei zur Seite transportiert (Furchenräumung), gewendet (normal ca. 135°), in sich verschoben und gebröckelt.

(s. a. Pflug)

Streifenanbau

Kulturtechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der sich im Abstand von 15 bis 100 m Streifen von unterschiedlich hoch wachsenden Kulturpflanzen abwechseln. Die Streifen sind quer zur vorherrschenden Windrichtung bzw. hangparallel angeordnet. Streifenanbau läßt keine großen ungeschützten Flächen entstehen, und er unterbricht den Oberflächenabfluß bzw. den Luftstrom.

(s. a. Bodenerosion, Konturpflügen)

Streifenflur

Flurform, die von einem oder mehreren parallelen Liniensystemen der Parzellenlängsgrenzen geprägt wird. Das Breiten-Längen-Verhältnis der Parzellen geht über 1 : 2,5 hinaus, liegt meist über 1 : 10 und erreicht oft sogar über 1 : 50 oder mehr. Die Länge der einzelnen Streifen beträgt zwischen 50 und 2.000 m. Extremfälle erreichen über 10 km Länge. Charakteristisch ist das gruppenweise parallele Nebeneinander der Streifen. Bei der Typisierung von Streifenfluren in Lang-, Kurz-, Breit- und Schmalstreifen sollten relative Einstufungen vorgenommen werden. Den Verlauf der Streifen im Gelände erläutern Zusätze wie "hangsenkrecht" oder "hangparallel".

(s. a. Breitstreifenflur, Gewannflur, Kurzstreifenflur, Langstreifenflur, Schmalstreifenflur)

Streifengemengeflur

Streifenflur mit Gemengelage der Besitzparzellen. Einem breiten Spektrum der Streifengemengefluren (auch außereuropäischer) steht ein ebenso breites von Erklärungsansätzen gegenüber: genossenschaftliche Organisation, Messverfahren (Umverteilung, Prinzip der einfachen Breitenmessung), Landwirtschaftstechnik (Bewässerung), Mittel der Bodenbearbeitung (schollenwendender Scharpflug), Gleichverteilung der Parzellen auf die unterschiedlichen Bodenqualitäten (Gerechtigkeitsprinzip) bzw. auf verschiedene Abschnitte der Flur (Zelgenwirtschaft) und Erbrecht (Realteilung).

Streifengewannflur

Aus Schmalstreifen-Parzellenverbänden bestehender Flurformentyp, dessen Parzellen in der Längsrichtung parallel zueinander verlaufen.

Streu

Abgestorbene Pflanzenreste, auch Reste tierischer Bodenlebewesen auf der Bodenoberfläche, die nicht oder nur schwach zersetzt sind und deren Gewebestruktur großenteils noch morphologisch sichtbar sind. Besonders deutlich kommt Streu auf Waldböden vor. Im Bodenprofil bildet Streu eine L-Lage, von engl. litter (Streu). In biologisch aktiven Böden wird die Streu sehr rasch abgebaut. Je nach Herkunft werden verschiedene Streuarten unterschieden (Halm-, Blatt-, Nadel-, Laub-Streu usw.). Die Streuart ist wegen ihrer unterschiedlichen Abbaubarkeit für die Ausbildung der Humusformen mitbestimmend.

Streunutzung

Obsolete bäuerliche Bewirtschaftungsmaßnahme zu Lasten der Waldökosysteme Mitteleuropas. Sie bestand in der jährlichen oder periodischen Entnahme der Bodenvegetation, der Humusauflage und von Teilen des Mineralbodens für Einstreuzwecke; sie entstand beim Übergang zur Stallhaltung des Viehs um etwa 1750 und dauerte z.T. bis nach dem 2. WK an. Streunutzung bedeutete einen gravierenden Nährstoff- und Humusexport aus dem Walde.

Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind in Mitteleuropa, Schweiz und Österreich traditionelle Formen des Obstanbaus mit starkwüchsigen und großkronigen Bäumen (überwiegend Hochstämme) unterschiedlicher Obstarten auf Grünland, die wie zufällig über die Wiese oder Weide "verstreut" wirken. Gelegentlich sind sie auch auf Ackerland zu finden (Streuobstacker). Dabei kann es durchaus auch zu Block- oder Reihenpflanzungen kommen. Die Bäume unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich ihres Alters, der verwendeten Arten und Sorten. Die Bestände werden extensiv bewirtschaftet, d.h. nicht regelmäßig nach Spritz- Dünge- und Schnittplänen behandelt. Als Stockwerkbau spart diese Bewirtschaftungsweise Platz, lässt aber keine intensive Nutzung zu. Häufig finden sich die Bestände an Steillagen, wo kein Ackerbau betrieben werden kann. Von den geschlossenen Blöcken moderner Niederstamm-Dichtpflanzungen unterscheiden sich die Streuobstwiesen alleine schon physiognomisch. Streuobstwiesen liefern Tierprodukte, Heu/Grünfutter und Obst (v.a. Äpfel, Birnen, Kirschen).

Die Bezeichnung hat nichts mit den für Obstbäume meist viel zu feuchten Streuwiesen zu tun, bei denen der Name mit dem von ihnen gewonnenen Mähgut zusammenhängt, das wegen seiner schlechten Futterqualität nur zur Einstreu verwendet werden konnte.

Streuobstanbau geht bis in die Römische Zeit zurück (Herzog 1998). Früher ergänzte die Obstproduktion die magere Nahrungsmittelversorgung, stellte aber auch die Basis für die kommerzielle Obstproduktion dar, weshalb ökonomische Gründe für die Entwicklung des Systems entscheidend waren (Nerlich et al. 2013).

Im 18. und 19. Jh. wurde die Ausdehnung der Obstbaumbestände durch Landesherren gefördert, so beispielsweise in Württemberg (Weller 1996). Diese erließen Vorschriften über die Zahl der von ansässigen Bürgern auf Allmenden und an Straßenrändern zu pflanzenden und zu pflegenden Obstbäume. Für diese Entwicklung waren natürlich nicht landschaftsästhetische, sondern vorrangig wirtschaftliche Überlegungen ausschlaggebend ("Auf jeden Raum pflanz' einen Baum, und pflege sein, er trägt's Dir ein").

Die Baumpflanzungen wurden allmählich in größerem Umfang auch auf die landbaulich wertvolleren Grundstücke ausgedehnt. Eine besondere Massierung erfolgte im Bereich ehemaliger Weinberge. In der Regel erfolgte die Umstellung nicht direkt zu den Streuobstwiesen, sondern es entstanden Baumäcker mit wechselnden Unterkulturen. Später wurden sie aufgrund ihrer meist beschwerlichen Nutzung durch Hanglage oder schwere Böden in Baumwiesen umgewandelt.

Die Ablösung der Hochstammkulturen begann in den überwiegend kleinbäuerlichen Betrieben Südwestdeutschlands ansatzweise erst in den 30er Jahren. Demgegenüber leiteten einige Spezialbetriebe die Ablösung des Hochstammes durch niedrige Baumformen im Rheinland schon ab 1900, im Magdeburger, Berliner und Dresdner Raum nach dem 1. WK ein. Viele Quellen weisen aber darauf hin, daß noch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ein Höhepunkt in der Ausdehnung von Streuobst erreicht wurde, andere Quellen sprechen sogar von einem Maximum kurz nach dem 2. WK.

Als sich diese alten Strukturen als unwirtschaftlich zu erweisen begannen (u.a. aufgrund moderner Obstproduktionsverfahren), kam es ab Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jh. zu Rodungen dort, wo moderne Niederstamm-Dichtpflanzungen oder andere Intensivnutzungen möglich waren. Gefördert wurden die Rodungen durch EG-Prämien auf der Grundlage des Generalobstbauplans von 1957. Im Alten Land bei Hamburg waren noch 1965 über die Hälfte der Apfel- und Birnbäume hoch- oder halbstämmige Bäume. Heute sind es nur noch etwa 5 %.
Neben den aus Landesmitteln und EG-Zuschüssen finanzierten Rodungen wurden Flurbereinigungsverfahren zum Anlass genommen, die Beseitigung hochstämmiger Obstwiesen voranzutreiben. Mit gleicher Wirkung folgenreich war auch die rege Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte.

Merkmale von Streuobstwiesen:

Der stetige Rückgang der Streuobstwiesen führt zu einer Verknappung von aromatischem, säurereichem Mostobst, für das die Fruchtsaftindustrie neuerdings wieder steigendes Interesse zeigt. Für die Verwertungsindustrie insgesamt bildet der Streuobstbau mit Abstand die wichtigste Produktionsgrundlage.

Für den Erhalt der Streuobstwiesen sind aufwendige Pflegemaßnahmen durch die Grundeigentümer unerläßlich. Vereinzelt helfen Naturschutzverbände durch den Verkauf von Obstsäften aus ungespritzten Streuobstanlagen, dieses kulturlandschaftliche Element zu erhalten und leisten damit gleichzeitig eine on farm-Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen.

Weitere Informationen:

Streurecht

Altüberkommenes Recht zur Entnahme von Streu aus grundherrschaftlichen bzw. staatlichen Wäldern.

Streusiedlung

Von einer Streusiedlung wird gesprochen, wenn Einzelsiedlungen und kleine Gruppensiedlungen vermischt auftreten (Born, 1977). Die Einzelhöfe einer Streusiedlung unterscheiden sich kaum hinsichtlich der Wohnplatzanordnung, dagegen aber als Wirtschafts- und Rechtsverband von der eigentlichen Einzelsiedlung. Streusiedlung mit gemeinsamer Flurnutzung finden sich besonders bei nordwestdeutschen Eschsiedlungen. Hierher gehören die Drubbel, nach Müller-Wille (1944), Gruppen von 3-15 Hofstellen am Rande von Eschen.

Streuwiesen

Streuwiesen sind eine besondere Nutzungsform des Grünlandes. Im Gegensatz zu Futterwiesen werden sie nicht für die Futtergewinnung gemäht, sondern wegen ihrer schlechten Futterqualität für die Gewinnung von Stalleinstreu. Die Mahd erfolgt im Spätjahr, wenn die oberirdischen Teile der Pflanzen abgestorben und dadurch saugfähiger geworden sind. Deshalb wurden sie in manchen Gegenden auch "Herbstwiesen" genannt.

Da die Pflanzen der Streuwiesen stehend absterben und bis in den Winter hinein aufrecht stehen bleiben, erfordert die Ernte trockener Streu auch im Spätherbst nur wenige Stunden Sonnenschein. Die Ernte erfolgte früher durch Rupfen mit der Hand, durch Abhacken mit der Sensenhacke, bei Ernte im Frühjahr durch Abbrechen der dann liegenden Streu. Heute werden die wenigen verbliebenen Streuwiesen meist mit dem Kreiselmäher oder einem Doppelmesserbalkenmäher gemäht.

Der Höhepunkt der Streukultur war in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erreicht. Heute hat die Landwirtschaft aber seit langem auf Ställe mit Spaltenböden und Güllebereitung umgestellt. Durch die modernen strohlosen Aufstallungsformen ist das Mähen der Einstreu nicht mehr nötig. Allenfalls für den Jungviehstall besteht gelegentlich noch Bedarf an Einstreu, der aber leicht mit Stroh gedeckt werden kann.

Meliorationen, unter anderem im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes, Mechanisierung und Arbeitskräftemangel taten ein übriges, daß die Streuwiesen aus dem Betriebsablauf ausgegliedert wurden.

Als Streuwiesen wurden und werden vor allem wechselfeuchte bis staunasse Standorte bewirtschaftet, da deren Pflanzenaufwuchs wegen seiner Zusammensetzung nicht als Futter geeignet ist. Zu den Standorten gehören sowohl mineralische Feucht- und Naßböden (z.B. Aueböden, Grundwasserböden, Stauwasserböden) wie auch die organischen Nieder- und Hochmoorböden. Die heute noch verbliebenen Streuwiesen haben nährstoffarme Standorte. Sie wurden nie gedüngt, da für solche Flächen kein Dünger übrig war. Nährstoffzufuhr bekamen sie nur durch gelegentliche Überschwemmungen, wenn die Wiese in Bachnähe lag. Auch sonst wurden und werden Streuwiesen nur sehr extensiv gepflegt, wenn überhaupt. Auf sehr nassen Standorten wurden gelegentlich spatentiefe Entwässerungsgräben auf der Parzellengrenze zur Verbesserung der Befahrbarkeit gezogen.

Streuwiesen sind für den Naturschutz sehr bedeutungsvoll, da sie ausgesprochen artenreich sind (Orchideen, Schwertlilien, Mehlprimeln, Enzianarten, Falterarten wie Heufalter, Dukatenfalter, Vogelarten wie Sumpfohreule, Wiesenweihe). Bleibt die jährliche Mahd aus, verbuschen die Streuwiesen. Durch den damit verbundenen Lichtmangel werden die niedrig wachsenden Pflanzenarten verdrängt und eine Artenverarmung ist die Folge.

Die Verwertung oder Verwendung des anfallenden Mähguts bereitet heute große Probleme, da der ursprüngliche Verwendungszweck i.d.R. nicht mehr gegeben ist. Alle bisherigen Lösungen (Einstreu in der Pferdehaltung, Abdeckmaterial im Gemüsebau, Mieten- und Flächenkompostierung mit Ausbringen des Kompostes auf Ackerland) sind allenfalls lokal umsetzbar. Eine neue Lösung scheint die staubfeine Zermahlung der Streu mit Hilfe von Strohmühlen zu sein. Das dabei gewonnene Streu-Mehl kann als Einstreu auch in Ställen mit Spaltenböden und Güllebereitung verwendet werden, da die Gülle trotz der Beimengung des Streumehls noch pumpfähig ist. Eine widersinnige Alternative stellt die Deponierung dar.

strip farming

Auch Streifenanbau, Streifenkultur; der streifenförmiger Anbau von Kulturpflanzen unterschiedlichen Nährstoffbedarfs, unterschiedlicher Wuchshöhe und Erntezeit. Um Winderosion zu vermeiden, werden die Streifen quer zur Hauptwindrichtung angelegt. In hängigem Gelände soll hangparalleles Strip Farming Bodenerosion verhindern. Es stellt ferner eine Gegenmaßnahme zur Monokultur dar.

Stroh

Ausgedroschene und getrocknete Getreidehalme, die nach der Ernte übrig bleiben. Stroh wird u.a. als Einstreu in der Viehhaltung und als Bau- und Energierohstoff verwertet, früher häufig für Strohhalme zum Trinken. Betriebe, die keine Viehhaltung betreiben, häckseln das Stroh bei der Getreideernte und lassen es auf dem Acker zurück, um die Humusbildung im Boden anzuregen.

Strukturfonds

Die Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI-Fonds) sind die wichtigsten Förderinstrumente der EU, sie machen heute (2017) den zweitgrößten Haushaltsposten im EU-Haushalt aus. Beim wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der EU-Länder, der Kohäsion, sollen sie das Ziel verwirklichen helfen „..., die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete einschließlich ländlicher Gebiete, zu verringern“ (Art. 130 a EWG-Vertrag).

Die ESI-Fonds tragen zur Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts der Union bei und fördern Wachstum und Beschäftigung. Für die laufende Förderperiode von 2014 – 2020 stehen dafür aus diesen Fonds europaweit rund 454 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen Deutschland knapp 30 Milliarden Euro erhält. Oder anders ausgedrückt: Jeden Tag fließen zwölf Millionen Euro Fördermittel aus den Fonds nach Deutschland.
Durch dieses Geld sollen die Regionen und Städte wettbewerbs fähiger werden, neue Arbeitsplätze entstehen, eine nach haltige Entwicklung unterstützt und die Verbesserung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger gefördert werden.

Dazu tragen die fünf ESI-Fonds bei:

Der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) zählte bis Ende 2006 bzw. bis zur Reform der Europäischen Agrarpolitik auch dazu.

Weitere Informationen:

Strukturwandel

Im Kontext der Landwirtschaft die Bezeichnung für Änderungen der Agrarstruktur eines landschaftlichen (z.B. Schwarzwald), politischen oder wirtschaftlichen (z.B. EU) Bezugsraumes aufgrund sich ändernder ökonomischer, historischer, politischer, technologischer oder ökologischer Einflußgrößen. Agrarstrukturentwicklungen und -anpassungen innerhalb der EU vollziehen sich - z. T. sogar durch agrarpolitische Maßnahmen gedämpft - vergleichsweise langsam. In den sogenannten Transformationsländern des ehemaligen Ostblocks erfolgen diese Änderungen abrupt.

Der Strukturwandel betrifft u.a. folgende Größen:

Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft

Erhöhte Leistungsfähigkeit

Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor gut 100 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute (Durchschnitt 2007 bis 2012) liegt der Hektarertrag mit 74,1 Dezitonnen viermal so hoch.

Hektarerträge im Jahrhundertvergleich
Hektarerträge im Jahrhundertvergleich

Quelle: DBV

Auch die aus den heute 13,3 Millionen Großvieheinheiten resultierende Gesamterzeugung liegt gegenüber dem weitaus flächengrößeren Deutschland in den Grenzen von 1900 um ein mehrfaches höher.

Tierische Leistungen im Jahrhundertvergleich
Tierische Leistungen im Jahrhundertvergleich

Quelle: DBV

Um das Jahr 1900 erzeugte ein Landwirt Nahrungsmittel in einer Menge, um etwa vier Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt zehn und 2014 sogar 155 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad unter 100 Prozent, bei starken jährlichen Schwankungen. Angesichts der Arbeitsteilung in einer globalisierten Wirtschaft und der vom Verbraucher gewünschten Vielfalt ist der Selbstversorgungsgrad allerdings kaum noch von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Die Rolle der Landwirtschaft

In Geld gemessen, ist die Landwirtschaft in Deutschland nur noch wenig bedeutend. Gemeinsam mit Fischerei und Forstwirtschaft macht sie weniger als ein Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus und beschäftigt gerade einmal 1,5 Prozent der Erwerbstätigen. Die Tierhaltung ist ihr wichtigster Produktionszweig. Von den über 50 Milliarden Euro, die die deutschen Landwirte und Landwirtinnen erwirtschaften, entfallen etwa 11 Milliarden Euro auf die Milcherzeugung, 7,5 Milliarden Euro auf Schweinefleisch, 4 Milliarden Euro auf Rind- und Kalbfleisch und etwa 2,3 Milliarden Euro auf Geflügelfleisch. Die Erzeugung von Geflügel- und Schweinefleisch ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen.

Versorgungsleistung der Landwirtschaft - So viele Menschen ernährt ein Landwirt
Versorgungsleistung der Landwirtschaft - So viele Menschen ernährt ein Landwirt

Quelle: BZL

Die Position der Landwirtschaft innerhalb der Wirtschaftssektoren

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich und betrug Anfang der 1950er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nur noch knapp 2 Prozent.

Ursachen des Strukturwandels

In den letzten Jahren haben der Wettbewerb auf den nationalen und internationalen Agrarmärkten, die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands, verschiedene Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie der Ablauf und Abschluss der Verhandlungen im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und im Rahmen der WTO den Strukturwandel geprägt und werden die künftige Entwicklung auch weiterhin beeinflussen.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft. Sie ermöglichen es, punktgenau zu säen, zu düngen und zu ernten. Damit einher gehen qualitative Verbesserungen bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Minderungen von negativen Umweltauswirkungen.

Ferner konnte man in den vergangenen 50 Jahren einen beachtlichen Produktionszuwachs in der Landwirtschaft beobachten, der nicht allein auf die Mechanisierung und Spezialisierung zurückzuführen ist. Neue Saatgutsorten, Dünge- oder Pflanzenschutzmittel führten zu steigenden Erträgen der Nutzpflanzen. In der Tierproduktion wurden deutliche Leistungssteigerungen durch Zuchtfortschritte, erhöhten Kraftfuttereinsatz, optimierte Fütterung und Haltung sowie intensive veterinärmedizinische Betreuung erzielt. Die Tiere wurden in kürzerer Zeit auf ihr Schlachtgewicht gemästet, legten mehr Eier oder gaben mehr Milch im vergleichbaren Zeitraum. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Betriebe, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften und beispielsweise auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichten.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft. Sie ermöglichen es, punktgenau zu säen, zu düngen und zu ernten. Damit einher gehen qualitative Verbesserungen bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Minderungen von negativen Umweltauswirkungen.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Abwanderung vieler bäuerlicher Arbeitskräfte zur Folge. Der Produktionsfaktor „Arbeit“ wurde gegenüber den Produktionsfaktoren „Boden“ und „Kapital“ immer teurer. Als Folge wurden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt, körperlich anstrengende Tätigkeiten durch technische Hilfsmittel erleichtert, es kam zu einer intensiven Mechanisierung in der Landwirtschaft. Umgekehrt stiegen die Anforderungen an die Managementfähigkeiten der Unternehmer. Ein einzelner Landwirt konnte im Laufe der Zeit immer mehr Boden bewirtschaften und Tiere halten. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb stieg stetig an, dabei sank die Anzahl der Beschäftigten und der Betriebe.

Der Anpassungsdruck an die technische Entwicklung führte auch zur verstärkten Auslagerung vor allem hoch technisierter Arbeiten (kapitalintensive Arbeitsmaschinen). Solche Tätigkeiten werden von Lohnunternehmen übernommen. Das führt zum Einsatz hochproduktiver Maschinen und besonders in der Feldwirtschaft zur Verringerung von Verlusten, aber wiederum auch zur Notwendigkeit, die zu bewirtschaftenden Flächen auszuweiten.

In den Betrieben wurden jedoch nicht nur immer mehr und modernere Maschinen eingesetzt, sondern die Betriebe spezialisierten sich auch. Die Ursachen dafür sind das leichtere betriebliche Wachstum bei begrenzter Fläche und begrenzten Arbeitskapazitäten, Kostenvorteile in Produktion und Vermarktung und Vorteile im Management und in der Arbeitserledigung. Nachteile durch höhere Erzeugungs- und Marktrisiken, schmalere Fruchtfolgen oder hoher Viehdichten wurden dagegen geringer gewertet oder mit entsprechenden Gegenmaßnahmen verringert. Vor allem in der Hühnerhaltung, der Rinder- und Schweinemast (den sogenannten Veredelungsbetrieben) haben sich hoch technisierte Betriebe mit einer inzwischen regional relativ großen Zahl von Tieren pro Flächeneinheit entwickelt.

Beitrag der Landwirtschaft zur Energieversorgung

Mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, kurz EEG, im Jahr 2000 wurden in Deutschland die Rahmenbedingungen für eine betriebswirtschaftlich rentable Produktion von erneuerbaren Energien geschaffen. Landwirten eröffneten sich seitdem viele Wege, als sogenannte Energiewirte tätig zu werden. Sie stellen Flächen zur Errichtung von Windrädern oder Solaranlagen zur Verfügung, vor allem aber produzieren sie Biomasse: Dazu gehören Energiepflanzen wie Raps oder Mais, Reststoffe und Nebenprodukte wie Gülle oder Stroh – und natürlich auch Holz. In Biogas- bzw. Biokraftstoffanlagen oder Blockheizkraftwerken werden daraus Wärme, Strom und Kraftstoffe. Biomasse ist zurzeit der wichtigste erneuerbare Energieträger in Deutschland mit einem Anteil am gesamten Primär energieverbrauch von 7,1 Prozent im Jahr 2015. Damit trägt die Bioenergie ganz maßgeblich zur Einsparung von Treibhausgasen und so zum Klimaschutz bei. Immer wichtiger wird die sogenannte Kaskadennutzung. Dabei wird Biomasse mehrfach genutzt: Zum Beispiel wird Holz zunächst als Baustoff verwendet. Hat es in dieser Funktion ausgedient, kann das Holz zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden.

Weitere Entwicklungen

Durch die anhaltende Verschärfung der Wettbewerbssituation, sinkende Produktpreise und steigende Produktionsmittelpreise wird verstärkt bei den Produktionsmitteln gespart. Zum einen wird die Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln reduziert und optimiert (Extensivierung, Integrierter und Ökologischer Landbau). Zum anderen nehmen die Maschinengemeinschaften und gemeinschaftlichen Lagerkapazitäten zu. Die Verwendung von zertifiziertem Saat- und Pflanzgut nimmt seit längerer Zeit ab. Marginale Standorte (Trockenrasen, Feuchtgrünland, Steil- und Hochlagen) werden aus der Bewirtschaftung genommen. Diesem Trend wirken aber die zahlreichen Landschaftspflegeprogramme der Länder (z.B. MEKAT) entgegen.

Lieferverträge mit Firmen des verarbeitenden Sektors sollen dazu beitragen, qualitätsbezogene Preise für die landwirtschaftlichen Produkte zu erzielen (Vertragslandwirtschaft). Dies betrifft Lebensmittel ebenso wie nachwachsende Rohstoffe. Die zunehmende Gründung von Erzeugergemeinschaften dient dem Risikoausgleich der Vertragspartner.

Betriebe mit Direktvermarktung schalten den Zwischenhandel aus und können so höhere Gewinne für ihre Produkte erzielen oder zusätzliche Mengen absetzen. In vielen Fällen wirtschaften die Betriebe mit Direktvermarktung nach den Richtlinien eines der ökologischen Anbauverbände.

Im Gegensatz zu den meisten Agrarprodukten steht einer zunehmenden Nachfrage nach Gartenbauerzeugnissen eine abnehmende inländische Produktion gegenüber. Ein Trend zu umweltfreundlicheren Anbau- und Erzeugungsverfahren ist zu verzeichnen.

Betriebsstrukturen

Im früheren Bundesgebiet sank infolge des strukturellen Anpassungsprozesses die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Die Anzahl der Auszubildenden ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Viele Betriebe haben keinen Hofnachfolger. Dadurch erfährt das für eine effiziente Gesellschaft wichtige Element der Selbständigkeit eine deutliche Schwächung. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sank zwischen 1992 und 1997 um 3,2 % im jährlichen Durchschnitt. Gleichzeitig ist der Rückgang der Hofstellen in den alten Ländern verbunden mit einer Zunahme der durchschnittlichen Flächenausstattung sowie mit einem weiteren Anstieg des Anteils der Nebenerwerbsbetriebe. Für die Mitte des kommenden Jahrhunderts wird mit 200.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland gerechnet, davon sind mehr als die Hälfte Nebenerwerbsbetriebe.

Landwirtschaft Gestern und Heute

Quelle: AID

Der in den alten Bundesländern abgelaufene Strukturwandel vollzog sich im wesentlichen nur in den unteren Betriebsgrößenklassen. Die Zahl der Betriebe mit 20 ha LF ist seit 1949 um 56.000 Betriebe angestiegen, während die Zahl der Betriebe von 1 bis 20 ha LF um 1,221 Mio zurückging.

Zwischen Flächenausstattung und Entwicklung der Zahl der Betriebe im Zeitablauf besteht ein enger Zusammenhang. Wirtschaftlich stärkere Betriebe wechseln meist in eine höhere Größenklasse. Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt im früheren Bundesgebiet kontinuierlich. Lag sie 1970 noch bei 20 ha, 1980 bei 30 ha und 1990 bei 40 ha, so nahm 1996 nur noch die Zahl der Betriebe mit mehr als 50 ha zu. 2013 lag die Wachstumsschwelle bereits bei 100 ha.

Die Zahl der Agrarbetriebe mit mehr als 100 ha erhöhte sich im Zeitraum von 2007 bis 2014 bundesweit um 3.600 auf 35.400 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 57 % der LF in Deutschland. Aktuellen Erhebungen zufolge gab es 2012 im Bundesgebiet insgesamt nur noch 287.500 Höfe, nachdem innerhalb von fünf Jahren mehr als 34.000 Unternehmen oder 10,6 % ihre landwirtschaftliche Tätigkeit aufgegeben hatten.

Viele Familienbetriebe erreichen Produktionsvolumina vergleichbar mit mittelständigen Industrieunternehmen bis hin zu Konzernstrukturen. Auf diese Weise werden aus bäuerlichen Familienbetrieben lohnverfasste Familienunternehmen. Besonders ausgeprägt findet diese Entwicklung in der spezialisierten Tierhaltung statt.

Als eine Folge der erwarteten Fortsetzung der Markt- und Strukturentwicklung wird der typische Eigentümerbetrieb der Vergangenheit angehören. Dies ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Familienbetriebes, aber es wird zu einem Vorherrschen des Pächterbetriebes kommen. Bereits heute bewirtschaftet der durchschnittliche Vollerwerbsbetrieb rd. 62 % seiner Flächen in Pacht.

Rückkehr vom Umweg der neuen Bundesländer

In den neuen Bundesländern waren die Umstrukturierungen am gravierendsten.

Die Ablösung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigenen Güter (VEG) erfolgte durch die nach 1991 generell verbindlichen Rechtsformen. Beide Betriebsformen verfügten 1989 zusammen über 99,2 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR. Bei der (Re-)Privatisierung standen diese Flächen zur Verfügung. Grundprinzipien waren die Auflösung der übergroßen Betriebseinheiten und die Wiederherstellung der bäuerlichen Mischwirtschaft.
Aus der verfügbaren Masse erhielten vier Interessengruppen Land:

Rund 90 % der ostdeutschen Agrarbetriebe gelten als "natürliche Personen", worunter vor allem bäuerliche und gärtnerische Familienbetriebe ("Einzelunternehmen") und sogenannte "Personengesellschaften" zu verstehen sind. Die andere große, oft pauschal als "LPG-Nachfolgeunternehmen" bezeichnete Gruppe sind die sogenannten privat- und öffentlich-rechtlichen "juristischen Personen" (z.B. eingetragene Genossenschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, seltener Aktiengesellschaften u.ä.).

Weniger als erwartet entstanden Einzelunternehmen (sogenannte Wiedereinrichter), mehr als die Hälfte der alten Betriebe wandelte sich in eingetragene Genossenschaften, 20 - 30 % in Kapitalgesellschaften um, in denen mehrere Landwirte kooperativ den größten Teil der Flächen und Viehbestände in den neuen Ländern bewirtschaften. Diese Betriebe erreichen bisher im früheren Bundesgebiet nicht gekannte Betriebsgrößen. Die durchschnittlichen Betriebsgrößen von rd. 48 ha in den landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, von rd. 470 ha in den Personengesellschaften und von über 1.000 ha in den juristischen Personen läßt die Betriebsstruktur in den neuen Bundesländern auch im europäischen Vergleich als konkurrenzfähig erscheinen. Die tatsächliche Flächengröße der Unternehmen ist allerdings aus der amtlichen Agrarstatistik nicht zu entnehmen, da eine große Zahl von GmbH Tochterunternehmen anderer GmbH oder von e.G. oder AG sind!

Mit rund 90 % ist der größte Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen in den neuen Ländern Pachtland. Damit ist der Pachtlandanteil fast doppelt so hoch wie im früheren Bundesgebiet.

Die Zahl der Unternehmen hat durch Neugründungen und Unternehmensteilungen bislang stark zugenommen, von rd. 5.000 im Jahr 1990 auf rd. 31.000 im Jahr 1997.

In den ersten Jahren nach der Wende beeinflusste die Bewirtschaftung durch eine größere Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben im Haupt- und Nebenerwerb und die dadurch bedingte Teilung der LPG-Schläge weder die von der Großflächenwirtschaft geprägte Physiognomie der Agrarlandschaft noch das Nutzflächenmosaik merklich. Dazu trug die Beschränkung auf wenige Fruchtarten wie auch das fortbestehende Fehlen eines angemessen dichten Wegenetzes und von ökologischen Strukturelementen des Agrarraums bei.

Im Zuge des Übergangs von einer auf Selbstversorgung ausgerichteten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft erfolgte ein enormer Produktionsrückgang insbesondere im tierischen Bereich und damit verbunden ein nachhaltiger Abbau des überhöhten Arbeitskräftebesatzes in der Pflanzen- und Tierproduktion sowie bei den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen. Gleichzeitig änderten sich die Anbau- und Produktionsstrukturen. Flächen fielen aus der Produktion, Tierbestände wurden in erheblichem Umfang abgebaut, Futterflächen wurden frei für den Marktfruchtanbau, und die Nutzung spezifischer Standortfaktoren gewann an Bedeutung. In den neuen Ländern waren 1997 noch 150.000 Personen - gegenüber 850.000 Beschäftigten 1989 - in der Landwirtschaft tätig.

Die Abnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen setzte sich auch im Osten fort. Die Umwidmung solcher Flächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen kam durch den erhöhten Nachholbedarf in einem stärkeren Umfang in den neuen Ländern zur Wirkung.
Die im Umstrukturierungs- und Anpassungsprozess in den neuen Ländern notwendige Konzentration der landwirtschaftlichen Betriebe auf ihre eigentlichen Funktionen stellte zugleich die Dörfer vor erhebliche raumordnerische Probleme. Durch die ehemaligen LPG wurden wichtige Investitionen und Tätigkeiten in infrastrukturellen, sozialen und kulturellen Bereichen der ländlichen Gemeinden wahrgenommen. Mit dem Wegfall dieser finanziellen und personellen Ressourcen erfolgten Störungen dörflicher Strukturen. Sie sind mit erheblichen wirtschaftlichen, demographischen, infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen auf die peripher gelegenen ländlichen Räume verbunden.
Dabei gibt es einige Betriebe, die sich Flächengrößen von 5.000 oder 10.000 ha LF erhalten haben, wie auch solche, die ihr früheres Produktions- und Infrastrukturspektrum weiter betreiben.

Bei einer Umbildung der Betriebe erfolgte eine Entflechtung einerseits und eine Wiederzusammenführung der hochspezialisierten Pflanzen- und Tierproduktion andererseits. Die nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland entstandenen flächenstarken Agrarbetriebe sind zumeist vielzweigige Unternehmen, die bestehende Skaleneffekte in allen Betriebszweigen auszuschöpfen vermögen. Sie können Diversität, Konzentration und Spezialisierung gleichermaßen realisieren. Die Führung liegt hier zumeist in der Hand hochqualifizierter Landwirte bzw. Betriebswirte.

Die Ausgliederung häufig unwirtschaftlicher Betriebsteile wie Bauabteilungen, Werkstätten, aber auch Gärtnereien, Baumschulen usw. und der Kultur- und Sozialbereiche verringerte die Kosten in der Agrarwirtschaft erheblich, und die daraus entstandenen Betriebsneugründungen beleben gleichzeitig Handwerk und den Dienstleistungssektor im ländlichen Raum.

Spezifische Probleme beim Strukturwandel in den neuen Bundesländern:

Ein Strukturwandel in Deutschland vollzieht sich in Ansätzen auch hinsichtlich der Funktionen von Land- und auch Forstwirtschaft. Die einseitige Ausrichtung auf die Produktionsfunktion scheint überholt. Vielfach wird angestrebt, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen und Aufgaben der Landbewirtschaftung im Kontext eines nachhaltigen Wirtschaftens als gleichberechtigt anzuerkennen und zu vergüten.

(s. a. Agrarpolitik, Agrarstruktur, Agrarstruktur in Deutschland)

Weitere Informationen:

Stufenrain

1. Im Gefolge des Pflügens an Hängen ungewollte Begleitform der Bodenbearbeitung. Dabei wird durch dem Pflügen folgendes Abspülen der Bodenkrume dieses Bodenmaterial am unteren Ackerrain akkumuliert.

2. In Pflugrichtung verlaufende Begrenzung von terrassierten Ackerparzellen. Die Dichte der Stufenraine und natürlich auch die Breite der Ackerterrassen richten sich nach der Hangneigung. Eine Besitzparzelle kann demnach durch mehrere Stufenraine gegliedert sein.

Sturz(wasser)bewässerung

In ariden und semiariden Regionen auftretende Form der Bewässerung, bei der oft flutartig abströmendes Regenwasser von einem größeren Einzugsgebiet oberflächlich aufgefangen und unmittelbar auf eine wesentlich kleinere Bewässerungsfläche geleitet wird. Das Flächenverhältnis liegt bei 25 : 1. Der schichtflutartige Abfluss hat seine Ursache vor allem in der dünnen Kruste tropischer Oberböden, welche die Wasserinfiltration reduzieren.

Es können mit diesem Verfahren auch in vollariden Gebieten hohe Erträge (bis zu 60 dt/ha Weizen) erzielt werden. Im Vergleich zur Bewässerung mit Fluss- oder Grundwasser ist die Sturzbewässerung wenig versalzungsanfällig, und für die Wasserbringung ist keine Energie notwendig.

Subökumene

Extensiv bewirtschafteter, sehr dünn und z.T. temporär bewohnte Randsaum der Ökumene. Er umfasst große Teile der Trockengebiete und der äußerst dünn von Jägern und Sammlern bewohnten tropischen und subpolaren Wälder. Als Grenze zwischen Vollökumene und Subökumene kann die agrare Siedlungsgrenze gelten, wobei "agrar" die planmäßige Bewirtschaftung des Bodens meint.

(s. a. Anökumene, Höhengrenze, Kältegrenze, Polargrenze, Trockengrenze)

Subsistenzwirtschaft

Wirtschaftsweise vorwiegend im Bereich der Landwirtschaft, deren Produktionsziel ganz oder nahezu ausschließlich die Selbstversorgung der Besitzer und deren Familien ist. Subsistenzwirtschaft umfasst auch die Erträge aus Jagen und Sammeln. Sie stellt ein geschlossenes, autarkes System dar, in dem ohne Marktorientierung und Gewinn produziert wird. Subsistenzwirtschaft ist nicht arbeitsteilig organisiert im Vergleich zum absatzorientierten, kommerzialisierten Betrieb. Reine Subsistenzwirtschaft findet sich heute höchstens noch in entlegenen Rückzugsgebieten der Gebirge, Regenwälder oder Trockenräume. Zu ihrem Rückgang trug zunächst das Aufkommen der Eisenbahnen bei, im Rahmen der Globalisierung verlor sie noch weiter an Bedeutung.

In einem weiteren Sinne wird auch bei einem Marktanteil bis zu 25 % des Rohertrages noch von Subsistenzwirtschaft gesprochen. So definiert ist sie in vielen Entwicklungsländern bis heute weit verbreitet und umfasst schätzungsweise in Lateinamerika noch 30 - 40 %, in Afrika über 50 %, in Äthiopien sogar 82 % der Agrarproduktion. Dort hat sie beim gleichzeitigen Fehlen sozialer Sicherungsnetze weiterhin eine große Bedeutung und auch Berechtigung. In Industrieländern ist der von den Produzenten selbst verbrauchte Anteil der Agrarproduktion sehr gering (Bundesrepublik 11 %, USA 3 %, UK 1 %).

Subsistenzwirtschaft kommt größtenteils in einer der drei folgenden Formen vor: shifting cultivation, intensive Subsistenzlandwirtschaft (s. u.), Weidewirtschaft. Da immer mehr Kleinbauern von der Subsistenz- und Tauschwirtschaft in die Schattenwirtschaft des informellen Sektors überwechseln, werden diese Bodennutzungs- und Viehhaltungssysteme allmählich aufgegeben oder modifiziert.

Mögliche weitere Kennzeichen der Subsistenzwirtschaft:

Intensive Subsistenzwirtschaft

Intensive Subsistenzwirtschaft ist charakterisiert durch hohen Arbeitseinsatz und die Verwendung von Düngemitteln auf relativ kleinen Landflächen. Die Kultivierung von Reisfeldern, die beständig Arbeit zum Aufbau und Unterhalt sowie präzises Bewässern zu ganz bestimmten Zeiten erfordert, gilt als das typischste Beispiel. Gut über eine Milliarde Menschen in Süd- und Südostasien sind in diese Wirtschaftweise eingebunden. Anders als das extensive System der shifting cultivation kann der Intensivanbau mit dem Ziel der Selbstversorgung die Existenz der Bevölkerung auch in diesen dichter besiedelten Räumen gewährleisten.

Substrat

Im Gegensatz zu (gärtnerischen) Erden bestehen Substrate überwiegend aus betriebsfremden Stoffen wie Ton, Torf, Schaumstoff (Flocken aus Harnstoff-Formaldehyd-Schaum) oder Perliten (durch Erhitzen aufgeschlossener und sterilisierter Magnesiumglimmer) aber auch Rinde, Holzfasern oder Komposten. Zu den Spezialsubstraten, die entweder rein oder in Mischung mit anderen Stoffen Verwendung finden, gehören u.a. Bimskies, Blähton, Steinwolle und Strohkomposte. Substrate finden vorwiegend im Gartenbau und in Bereichen der Intensivlandwirtschaft ihren Einsatz.

Wie die Erden erfüllen Substrate folgende Aufgaben in der Kultur:

Substratkultur

Pflanzenkulturen auf einem Bodenersatzstoff, häufig ein Geflecht aus hochporöser Basaltsteinwolle. Substratkulturen treten vornehmlich in der Intensivlandwirtschaft bzw. im Gartenbau in Kombination mit Glashausflächen auf. Das Substrat wird von Warmluft umströmt und ständig von Wasser und Nährlösung durchströmt. Treibhausgemüse aus Holland wuchs bereits Mitte der 80er Jahre zu rund zwei Dritteln auf Substratkulturflächen. Substratwolle erspart die Bodenbearbeitung, Unkraut und Ungeziefer können sich in ihr nicht festsetzen und die Wachstumsfaktoren lassen sich in ihr leichter beeinflussen. Die Zufuhr von Warmluft und der flüssigen Betriebsmittel, auch deren Mischungsverhältnis, lassen sich über EDV steuern. Die Wolle muß alle drei bis vier Jahre ausgewechselt werden, entsprechende Entsorgungsprobleme bestehen.

Neuere Entwicklungen gehen in Richtung einer Art Kanülenkultur, die ganz ohne stützendes Medium auskommt. Die Frucht bezieht das Wasser und die Nährstoffe direkt aus einer Kanüle - intravenös sozusagen.

Weitere Informationen:

Subvention

Finanzhilfe oder Steuervergünstigung, die vorrangig auf die Unterstützung wirtschaftlicher Tätigkeiten ausgerichtet ist, und die eine lenkende, korrigierende und strukturumschichtende Wirkung hat. Sowohl Unternehmen auf der Produktions- als auch Haushalte auf der Konsumseite berücksichtigen die Subventionszahlungen bei ihren Produktions- und Konsumentscheidungen wie Änderungen der Marktpreise, so dass die Produktions-, Faktoreinsatz- oder Konsumstruktur beeinflusst wird. Subventionsleistungen können von Seiten des Bundes, der Länder, Gemeinden und der EU erfolgen. Der Subventionsbegriff wird von unterschiedlichen Gremien verschieden definiert.

Häufig wird vom Subventionsbegriff der die sozialen Leistungen umfassende Begriff der Transferzahlungen unterschieden.

Subventionen im Agrarsektor umfassen eine große Bandbreite von Politikinstrumenten im Landwirtschafts- und Ernährungssektor. Agrarsubventionen werden teilweise mit Marktversagen gerechtfertigt, zum anderen sollen sie gezielt den Interessen von bestimmten Landwirten, Unternehmen oder Verbrauchern dienen. Agrarsubventionen können verstanden werden als staatliche Eingriffe, welche landwirtschaftliche Preise, Unternehmensgewinne oder Haushaltseinkommen zugunsten bestimmter Gruppen verändern. Beispiele sind Handelsbarrieren, die Subventionierung landwirtschaftlicher Inputs, Einkommenstransfers an landwirtschaftliche Haushalte, monetäre Kompensation in Katastrophenfällen, oder die Verbilligung von Nahrungsmitteln für arme Verbraucher.

Empfänger der Subventionen sind nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Exporteure von Agrarprodukten. Direkt und indirekt profitiert aber ebenso die vor- und nachgelagerte Industrie (zum Beispiel Agrarchemie, Futtermittelerzeuger, Lebensmittelverarbeitung).

Subventionen der Industriestaaten für ihre eigene Landwirtschaft machen es den Menschen in den Entwicklungsländern schwer, ihre Erzeugnisse wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt abzusetzen. Die Preise der Industrieländer liegen durch die Subventionen häufig weit unter den Produktionskosten. Faire Chancen für Entwicklungsländer sind auf dem Weltmarkt nur erreichbar, wenn die Industrieländer ihre Agrarexportsubventionen abbauen und Handelshemmnisse für den Import von Waren aus Entwicklungsländern beseitigen.

Die Regierungen der OECD-Länder haben ihre Landwirtschaft allein im Jahr 2011 mit etwa 250 Milliarden US-Dollar subventioniert. Zum Vergleich: Die öffentlichen Leistungen für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der Mitglieder des OECD-Entwicklungsausschusses (DAC) betrugen im gleichen Jahr rund 130 Milliarden US-Dollar.

(s. a. Agrarhaushalt)

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Subventionsbetrug

Erschleichung von öffentlichen Fördermitteln. Auf EU-Ebene wird die Verfolgung, Fahndung und Verfolgung von Betrug gemäß dem Subsidiaritätsprinzip von den einzelnen Mitgliedsstaaten vorgenommen. Allerdings gibt es den Straftatbestand des Subventionsbetrugs nur in Deutschland Italien und Portugal.

Die frühere Spezialeinheit der EU zur Betrugsbekämpfung (UCLAF) besaß nur beschränkte Kompetenzen. Insbesondere durfte sie in den Mitgliedstaaten nicht unangemeldet vor Ort kontrollieren.

Als Nachfolgerin wurde 1999 das Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF, Office Européen de Lutte Anti-Fraude) etabliert, das Ermittlungen über Korruption und Betrug in allen Organen der Europäischen Union durchführt. Das Amt arbeitet innerhalb der Europäischen Kommission operativ unabhängig.

Im Bereich der Landwirtschaft rechnet man mit Schäden durch Subventionsbetrug von knapp 1 % der EU-Agrarausgaben. Mafiose Strukturen sollen dabei keine wesentliche Rolle spielen.

Verschiedene neue und sicherere Technologien werden künftig die Kontrolleure unterstützen. Dazu gehört ein in den Rindermagen einzuführender Transponder, der die wesentlichen Daten über das Tier speichert und mit einem Lesegerät von außen abfragbar ist. Fernerkundungsmethoden mit EU-eigenen Satelliten werden z.B. die Kontrolle von Flächenstillegungen oder die Erfassung aller Olivenbäume erlauben.

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Südfrüchte

Handelsübliche Bezeichnung für Obstsorten, die vorwiegend in den Tropen oder Subtropen gedeihen. Die Gruppe der Südfrüchte wird häufig weiter unterteilt in die Zitrusfrüchte und die exotischen Früchte (z. B. Ananas, Banane, Dattel, Mango). Die Südfrüchte dienen – wie auch das einheimische Obst – als wertvolle Nährstofflieferanten, wobei der Nährstoffgehalt große sortenabhängige Unterschiede aufweist.

Der Verbrauch an Südfrüchten war in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, inzwischen stagniert er, bei Bananen und Zitrusfrüchten nimmt er sogar leicht ab. Der tägliche Verzehr von Südfrüchten lag 1998 bei ca. 60 g pro Kopf und Tag. Die Deckung der Nachfrage muss naturgemäß über Import erfolgen. 1998 wurden 1,18 Mio. t Bananen und 1,12 Mio. t Zitrusfüchte (davon 0,55 Mio. t Orangen) importiert. Die Gesamteinfuhr sonstiger Südfrüchte lag bei 174.000 t.

Suone

Suonen (Sg. Suon oder Suone), Suenen (Sg. Suen oder Suene), auch Bissen (Bisse) (von franz. le bisse), Wasserfuhren (Wasserfuhre) und Wasserleiten (Wasserleite) bzw. walliserdeutsch Wasserleite (Wasserleita) sind historische Wasserleitungen im Schweizer Kanton Wallis.

Im Innerwallis (insbesondere im innermontanen Trockental der Rhône und seinen Nebentälern) herrscht ein sehr trockenes Klima, weil die umliegenden Berge der Walliser und Berner Alpen die meisten Niederschläge vom Haupttal abhalten. Sie sind gleichzeitig mit ihrer Schneeschmelze im Frühjahr und der später einsetzenden Gletscherschmelze die Wasserlieferanten, wenn in den Tälern die trockenste Zeit und die Hauptzeit des Pflanzenwachstums beginnt. Die Gegend um Sion ist die trockenste Region des Rhônetales mit mittleren Jahresniederschlägen um 600 mm. An den südexponierten Hängen über Sion findet sich alpine Steppenvergetation, die ohne Bewässerung nur als Schaf- und Ziegenweide und zur Wildheugewinnung genutzt werden kann. In diesem Bereich liegt konsequenterweise auch die höchste Dichte an Suonen.

Die Suonen überwinden teilweise grössere Hindernisse wie Felswände oder Geröllhalden, wofür über die Jahrhunderte spezielle Techniken entwickelt wurden. In den Felswänden verlaufen die Suonen in Holzkanälen, die zusammen mit einem Laufsteg an Balken aufgehängt sind. Die Balken sind in Löchern verkeilt, die in den Fels geschlagen sind. Zur Überwachung des Wasserflusses werden teilweise kleine Wasserräder verwendet, die einen auf ein Holz schlagenden Hammer antreiben. Die Hammerschläge können über grosse Entfernungen wahrgenommen werden und bestätigen den Wasserfluss.

Die Suonen sind als Freispiegelkanäle ausgeführt und dienen hauptsächlich der Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. An den trockenen Südhängen sind deshalb mehr Suonen angelegt worden als an den Nordhängen. Die meisten Suonen sind 500 m bis 2 km lang, die längste Suone ist die 32 km lange Bisse de Saxon. Die Rieselbewässerung kam auch der Bodenverbeserung auf den bewässerten Flächen zugute: Die vorwiegend geringmächtigen und kargen Böden wurden durch den reichlichen Eintrag von mineralreichem Schwebstoff (Gletschermilch) permanent versorgt.

Neben der Bewässerung wurden die Suonen auch als Trink- und Tränkewasserversorgung, zum Waschen und teilweise zum Ausbringen von Mist genutzt.

Man nimmt an, dass künstliche Bewässerungssysteme in den niederschlagsarmen Zonen im Wallis mindestens bis in die römische Zeit zurückreichen.Die ältesten nachweislichen Datierungen von Bewässerungssystemen im Wallis stammen von Urkunden aus dem 12. Jahrhundert. Datierungen der alten Holzkonstruktionen (Chännel) mittels Dendrochronologie reichen von 1270 bis in die Neuzeit.

Heute gelten die Suonen und Bisses als 'multifunktionale Objekte', die an einer Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Kulturerbe, Tourismus und Umwelt stehen. Viele Suonen und Bisses von einst sind heute in Rohre gelegt oder verschwunden. Es werden immer noch ca. 1750 km genutzt. Die Länge der offenen Suonen beträgt je nach Definition 760 km bis 2.000 km. Neben ihrer Leistung für die Bewässerung stehen sie heute auch im Mittelpunkt von Restaurationen. Sie sind zu Attraktionen des Wandertourismus und von Themenwegen geworden. (Leibundgut/Vonderstrass 2016)

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sustainable development

Siehe nachhaltige Entwicklung