Lexikon des Agrarraums

K

Kaffee

Von arab. qahwa = Kaffee als Getränk; schwarzes, psychotropes, koffeinhaltiges Heißgetränk, das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, den Samen aus den Früchten der Kaffeepflanze, und heißem Wasser hergestellt wird. Röst- und Mahlgrad variieren je nach Zubereitungsart. Kaffee enthält das Vitamin Niacin. Je nach Sorte und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Kaffee wird heute in über 50 Ländern weltweit angebaut. Kaffee ist ein Genussmittel.

Die Bezeichnung Bohnenkaffee dient der Unterscheidung von sogenanntem Ersatzkaffee (aus Zichorien, Gerstenmalz usw.).

Pflanze

Die Kaffeebohnen werden aus den dunkelroten, kirschenähnlichen Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten (Kaffeestrauch, Kaffeebaum, Kaffeepflanze, Coffea) aus der Familie der Rubiaceae (Krappgewächse) gewonnen. Es gibt ca. 40 im tropischen Afrika und Asien heimische Arten. Die wirtschaftlich wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) aus Äthiopien und Coffea canephora (Robusta-Kaffee) aus dem tropischen Afrika mit vielen Sorten/Varietäten, sowie - in weit geringerem Maße - der Liberia-Kaffee (Coffea liberica) aus dem tropischen Westafrika. Erste Erträge liefern 3 bis 4 Jahre alte Sträucher, ab einem Alter von etwa 20 Jahren geht der Ertrag je Strauch zurück.

In kälteren Regionen läßt sich der dekorative, im Freiland bis zu 5 m hohe Kaffeestrauch auch als etwa 1 m hohe Zimmerpflanze kultivieren. Eine Zwergform blüht und fruchtet bereits mit rund 50 cm Höhe.

Geschichte

Die Kultivierung des aus dem zentralafrikanischen Hochland stammenden tetraploiden Arabischen Kaffees begann bereits 1000 n.Chr. an der Küste des Roten Meeres durch die Araber. Die Sitte des Kaffeetrinkens wurde dann von den Türken übernommen (im 16. Jh.) und gelangte schließlich im 17. Jh. nach Europa. Infolge rasch wachsender Beliebtheit entstanden schon im 18. Jh., insbesondere durch die Holländer, ausgedehnte Kaffeeplantagen sowohl in Südostasien, in Indien und auf Ceylon (heute Sri Lanka). Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert, zum Beispiel in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeestrauch auf europäischem Boden gezogen wurde.

1718 brachten die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720/1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe, und durch die Portugiesen gelangten 1727 die ersten Kaffeepflanzen nach Brasilien, wo wie überall in der lateinamerikanischen Plantagenwirtschaft afrikanische Sklaven arbeiten mussten. Erst später begann der Kaffeeanbau auch im tropischen Afrika.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Kaffee zu den am weitesten verbreiteten Kulturpflanzen in den Tropen. Dies ist auch auf die Ausbreitung der europäischen Kolonien zurückzuführen, ohne die die heutige weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist.

Schließlich exportierten die Europäer den aus den Überseekolonien bezogenen Kaffee sogar in das Osmanische Reich, von wo aus er ursprünglich seinen Siegeszug um die Welt angetreten hatte; dementsprechend ging dort der Anteil jemenitischen Kaffees zurück.

Anbau

Kaffee-Sträucher (oder -Bäume) benötigen ein ausgeglichenes Klima ohne Temperaturextreme, ohne zu viel Sonnenschein und Hitze. Die Durchschnittstemperaturen sollen zwischen 18 und 25 °C liegen, die Temperatur soll 30 °C nicht überschreiten und darf 13 °C nicht häufig unterschreiten, die Pflanzen vertragen keine Temperatur unter 0 °C. Der Wasserbedarf beträgt 250 bis 300 mm/Monat, weshalb die jährliche Niederschlagsmenge 1500 bis 2000 mm betragen muss, bei unter 1000 mm/a wird bewässert, bei unter 800 mm/a wird Kaffee nicht angebaut. Robusta-Kaffee benötigt höhere Niederschlagsmengen als Arabica-Kaffee. Viel Wind und Sonnenschein schaden, Hecken und Schattenbäume schaffen diesbezüglich bessere Bedingungen. Der Boden muss tiefgründig, locker und durchlässig (gut „durchlüftet“), oben humos sowie neutral bis leicht sauer sein.

Die Anbaugebiete liegen entsprechend den Ansprüchen zwischen den Wendekreisen, bei Arabica-Kaffee in Höhen von etwa 600 bis 1200 m NN, bei Robusta-Kaffee zwischen 300 und 800 m NN. Hochlandkaffees (Arabica) haben eine besonders hohe Qualität.

Kaffee wird vorwiegend durch Samen vermehrt, aber auch durch Stecklinge oder durch Pfropfen. Die Samen (Kaffeebohnen) haben 8 Wochen nach der Fruchtreife die höchste Keimfähigkeit, sie nimmt danach ab. Sie werden vom Pergamenthäutchen befreit und in Keimbetten ausgesät. Die zwei ersten Blätter des Keimlings erscheinen nach 5 bis 6 Wochen. Dann werden die Jungpflänzchen in Behälter umgepflanzt und in Pflanzschulbeeten weiter kultiviert. Im Alter von 8 Monaten werden sie in die Plantage gepflanzt, je nach Sorte in Abständen von ein bis vier Metern. Sie werden beim weiteren Wachstum in der Höhe beschnitten, je nach Bedarf auf 1,5 bis 3 m. Im Alter von 3 bis 5 Jahren ist der Ertrag optimal und bleibt 10 bis 20 Jahre maximal, danach sinkt er.

Einmal im Jahr wird geerntet, in einigen Anbaugebieten auch zweimal. Nördlich des Äquators liegt die Ernte in der Zeit von Juli bis Dezember, südlich des Äquators in der Zeit von April bis August. In der Nähe des Äquators kann die Ernte in allen Jahreszeiten erfolgen. Die Ernte dauert bis zu 10 oder sogar 12 Wochen, weil die Früchte auch am selben Strauch unterschiedlich lange für die Reifung benötigen. Wird mit der Hand so gepflückt, so dass nur die jeweils reifen Früchte geerntet werden, erzielt man bessere Qualität. Besonders Arabica-Kaffee wird selektiv handgepflückt ("Picking-Methode"). Geringere Qualität muss in Kauf genommen werden, wenn jeweils alle Früchte unabhängig von ihrem Reifegrad mit der Hand oder mit Maschinen abgestreift werden ("Stripping-Methode"), um Arbeit zu sparen. Nachsortieren verbessert jedoch dabei die Qualität. Strip-Ernte wird bei Robusta-Kaffee angewendet und bei Arabica-Kaffee in Brasilien und Äthiopien, der danach trocken aufbereitet wird. Auf großen Plantagen in Brasilien werden Erntemaschinen angewendet.

Der Rohkaffee-Ertrag beträgt im Weltdurchschnitt etwa 680 kg/ha, in Angola 33 kg/ha, in Costa Rica 1620 kg/ha, neue Plantagen in Brasilien ergeben 4200 kg/ha. Um einen Sack mit 60 kg Rohkaffee zu erhalten, ist die Ernte von 100 gut tragenden Arabica-Bäumen erforderlich.

Von der Art Arabica-Kaffee (Coffea arabica) existierten 2005 weltweit zirka zehn Milliarden, von der Art Robusta (Coffea canephora) zirka vier Milliarden Pflanzen. Zusammen liefern diese beiden Arten 98 % des weltweit erzeugten Rohkaffees. Robusta-Kaffee stammt meist aus Westafrika, Uganda, Indonesien und Vietnam, aber auch aus Brasilien und Indien. Arabica-Kaffee wird vor allem in den Ländern Lateinamerikas, in Ostafrika, Indien und Papua-Neuguinea angebaut. 70 % des Kaffees stammt aus kleinbäuerlichen Betrieben.

Aufbereitung

Die Gewinnung des Rohkaffees (Endosperm) erfolgt durch trockene oder nasse Aufbereitung. Beim erstgenannten Verfahren werden die reifen Früchte zunächst in der Sonne getrocknet, bevor Fruchtfleisch, Hornschale und Silberhaut maschinell abgeschält werden. Beim zweiten Verfahren wird ein Teil des Fruchtfleisches gleich nach der Ernte, der Rest durch 1–3 Tage lange Gärung in wassergefüllten Fermentationsbecken und anschließendes Waschen entfernt. Der so erhaltene „Hornschalen-Kaffee“ wird vor dem Schälen zunächst getrocknet und nach Größe, Form und Qualität sortiert. Früchte mit nur einem rundlichen Samen liefern hierbei den sog. „Perlkaffee“. Der in den Handel kommende graugrüne Rohkaffee erhält sein charakteristisches Aroma und seine braune Farbe erst durch das Rösten (bei ca. 220° C), bei dem er an Volumen zunimmt und den größten Teil seines Wassers verliert.

Handel

Rohkaffee ist heute eines der wichtigsten Welthandelsprodukte. Dabei entfallen rund 75% der Produktion auf Coffea arabica und ca. 25% auf Coffea canephora. Die Hauptanbaugebiete liegen in Süd- und Mittelamerika sowie in Westafrika und Indonesien. Insgesamt wurden 2016 weltweit 9,22 Mio. t Rohkaffee geerntet mit Brasilien, Vietnam und Kolumbien als wichtigsten Produzenten. Neben nachträglich entcoffeiniertem Kaffee könnten bald auch coffeinfreie Kaffeesorten in den Handel kommen. Kaffee wird zumeist als Getränk genossen, dient aber auch zum Aromatisieren von Konfekt, Spirituosen, Eis oder Konditoreiprodukten.

Die bedeutendsten Abnehmerländer sind die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.

Die Internationale Kaffeeorganisation (International Coffee Organization, ICO) ist die wichtigste Internationale Organisation im Bereich des Handels mit Kaffee. Die ICO wurde 1962 unter Federführung der Vereinten Nationen gegründet. Sie hat ihren Sitz in London. Ihr gehören 77 Staaten an, darunter 45 Kaffee-Exporteure und 32 Importländer. In ihrem Rahmen wurden bislang sechs so genannte internationale Kaffeeabkommen (International Coffee Agreements, ICA) getroffen. Auch Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören der ICO als Importländer an.

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Kahlfrost

Auch Barfrost, Blachfrost; Frost in Erdbodennähe bei Fehlen einer dämmenden Schneedecke. Er wirkt direkt auf die oberste Bodenschicht und Pflanzen ein und kann hier bei strengen Frösten wegen des Auffrierens des Bodens und damit verbundenem Zerreissen der Wurzeln zu Schäden an Winterkulturen und Gehölzen unter anderem in Landwirtschaft und Gartenbau führen.

Kakao

Im Allg. die Trockenmasse, die nach Fermentieren und Rösten der Samen des Kakaobaumes neben der Kakaobutter anfällt. Der Kakaobaum trägt Spaltkapsel-Früchte mit Samen, umgangssprachlich wird die Kapsel und der Samen als Kakaobohne bezeichnet. Ebenfalls als Kakao bezeichnet wird das aus Kakaopulver zubereitete Getränk, das oft unter Zugabe von Milch- und Zucker-Produkten hergestellt wird. Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt zahlreicher Entwicklungsländer und der Grundstoff bei der Herstellung von Schokolade.

Das Wort Kakao stammt aus dem Mixe-Zoque und ist über die Mayasprachen ins Aztekische und von dort ins Spanische gelangt, von wo es wiederum seinen Weg in die anderen europäischen Sprachen genommen hat.

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Kakaobaum

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) gehört zur Gattung Theobroma in der Familie der Malvengewächse. Diese Gattung umfasst rund 20 Arten: immergrüne Büsche und kleine Bäume, die im Unterholz der Regenwälder Lateinamerikas wachsen. Der Kakaobaum verdankt seinen botanischen Namen dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné, der ihm den Namen Theobroma cacao gab (aus griech. θεός theos ‚Gott‘ und βρῶμα broma ‚Speise‘).

Ein Baum kann tausende von Blüten hervorbringen, aber nur bei 0,5 bis 5 % der Blüten ist die Bestäubung erfolgreich. Bestäubt werden die Blüten nicht wie bei Kaffee und anderen Nutzpflanzen von Bienen, sondern von kleinen Mücken. Von den sich entwickelnden Früchten verkümmern darüber hinaus bis zu 75 %. Weitere Früchte können in einem frühen Stadium durch Insekten, Pilze und Stramenopile verloren gehen. Nur wenige Früchte erreichen die Reife.

Die länglich, ellipsoiden und längsrilligen Steinfrüchte haben eine dicke, ledrige, harte Schale, sind gelb bis rot, 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegen bis zu 500 Gramm. Unter der Schale (Exo-, Meso- und Endocarp) befinden sich in fünf Reihen angeordnet 30 bis 60 bräunliche, abgeflachte Samen, die von einem weißen, süßen und schleimigen, sehr schmackhaften Fruchtfleisch (Pulpa) umgeben sind. Die Samen sind etwa 2,5 × 1,5 Zentimeter groß.

Der Kakaobaum lässt sich nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen kultivieren. Er trägt außerhalb 20° nördlicher und 20° südlicher Breite keine Früchte, braucht guten Boden und ausreichend Wasser; zudem verträgt er keine Temperaturen unter 16 °C und ist anfällig für Krankheiten und Pilze. Da er zur Bestäubung auf Mücken und kleine Fliegen angewiesen ist, liebt er Schatten und verrottendes Laub. Der für den optimalen Wuchs benötigte Schatten wird durch den Einsatz sogenannter Kakaomütter gewährleistet. Diese noch aus dem amazonischen Regenwald stammende Eigenheit wird beim plantagenmäßigen Anbau durch eine Mischbepflanzung mit beispielsweise Kokospalmen, Bananenstauden, Kautschuk, Avocado oder Mango berücksichtigt. Zum Teil eignen sich aber auch einheimische Waldbäume für den Zwischenstand. Damit wird ferner ein gewisser Windschutz erreicht, der Wuchs durch die Schattenlage und Schnitt auf etwa vier bis sechs Meter Höhe begrenzt und die Ernte durch die geringere Höhe erleichtert. Ohne diese Maßnahme kann ein Kakaobaum bis zu 15 Meter hoch werden.

In Plantagen wird Kakao zweimal im Jahr geerntet: das erste Mal zum Ende der Regenzeit bis zum Beginn der Trockenzeit, das zweite Mal zu Beginn der nächsten Regenzeit; dabei gilt die erste Ernte als hochwertiger.

Die Hauptanbaugebiete haben sich inzwischen von Mittelamerika nach Afrika verlagert, das Land mit der größten Kakaoproduktion der Welt ist die westafrikanische Elfenbeinküste, die 33 % der weltweiten Ernte des Jahres 2016 produzierte. Die zehn größten Produktionsländer ernteten zusammen etwa 93,0 % der Welternte. Die Gesamtproduktion betrug in jenem Jahr 4,5 Millionen Tonnen.

Aus dem Fruchtfleisch (Pulpa) wird in Brasilien frischer Saft (suco de cacao) gewonnen, der in Restaurants bestellt werden kann, er schmeckt süß und fruchtig. Aus den Samen, den Kakaobohnen, wird nach einem mehrstufigen Umwandlungsprozess Kakaomasse, Kakaopulver und Kakaobutter zur Herstellung von Schokolade gewonnen.

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Kalb

Bezeichnung für Jungtiere vieler Herdentiere, zum Beispiel bei Rindern, Hirschen, aber auch Elefanten, Giraffen. Beim Rind wird das Junge bis zur Geschlechtsreife Kalb genannt, in der Regel also ein junges Rind beiderlei Geschlechts bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres. Ein nur mit Milch aufgezogenes Jungtier des Rindes wird bis zum Gewicht von 150 kg als Milchkalb bezeichnet und ein Tier über 300 kg, das aber noch nicht geschlechtsreif ist, als Jungrind. Weibliche Jungtiere sind ab dann bis zur ersten Kalbung Färsen.

Milchkühe müssen regelmäßig kalben, weil sie nur danach Milch geben können. Die Besamung erfolgt meist künstlich. Dabei spielen züchterische Gesichtspunkte – z.B. hohe Milchleistung – eine Rolle. 9 Monate und 9 Tage nach der Besamung kommen die Kälber zur Welt. Im Regelfall sind es Einzelgeburten. Kälber ernähren sich zunächst von der Milch der Mutter, ehe sie auf eine Tränke aus Milchpulver mit warmem Wasser umgestellt und von der Mutterkuh getrennt werden. Nach einigen Wochen erhalten sie Magermilch, danach auch Kraftfutter und Heu. Weibliche Kälber werden in der Regel zu Milchkühen großgezogen, Bullenkälber bis zu einem Gewicht von etwa 160 bis 180 Kilogramm gemästet. Nach der Schlachtung liefern sie Kalbfleisch. Bullenkälber werden auch zu Mastbullen mit einem Gewicht von 500 bis 600 Kilogramm weitergemästet. Die Kälber von Fleischrindern (Rind) werden sowohl zur Weiterzucht als zur Mast gehalten.

Die überwiegend praktizierte Trennung von Mutterkuh und Kalb erfolgt, da die Milch wird vom Landwirt gemolken und in der Molkerei zu Trinkmilch, Butter, Käse oder anderen Milchprodukten verarbeitet wird. Die tiergerechtere Haltung kann dagegen die gemeinsame Haltung von Kühen mit ihren Kälbern (Mutterkuhhaltung) sein. Sie wird meist nur praktiziert, wenn die Fleischproduktion im Vordergrund steht.

Kalidünger

Der Pflanzennährstoff Kalium ist bei Kalidünger in wasserlöslichen Salzen enthalten. Kalidünger wird überwiegend im Herbst, z.T. auch im Frühjahr ausgebracht. Die Kalisalze stammen aus Meeresablagerungen, werden durch Bergbau gewonnen und oft mit Chlor oder Schwefel – je nach Einsatz – vermischt.

Kalkdünger

Eigentlich Calciumdünger. Chemische Formel: CaCO3. Kalkdünger wird aus Naturkalken oder Kalkrückständen, die z.B. bei der Zuckergewinnung oder Eisenerzeugung entstehen, gewonnen. Mit der Kalkversorgung des Bodens wird sein Säuregrad (pH-Wert) reguliert, zugleich die Bodenstruktur verbessert und damit die Fruchtbarkeit erhöht. In den letzten Jahren ist die Kalkdüngung immer wichtiger geworden, um Niederschläge mit Säureanteilen (Saurer Regen) zu neutralisieren.

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Kältegrenze

Grenzsaum, in dem infolge Wärmemangels bestimmte Nutzungen und Lebensbedingungen polwärts und höhenwärts ihre Verbreitungsgrenze finden. Wichtig sind: Waldgrenze (Vorkommen geschlossener Waldgebiete), Baumgrenze (Vorkommen einzelner Bäume bzw. Baumgruppen) und Schneegrenze (Unterscheidung nach klimatischer, orographischer, temporärer Schneegrenze). Kältegrenzen sind für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung.

(s. a. Landnutzung, Grenzen der)

Kamp

Durch einen Zaun, eine Mauer oder einen (evtl. bepflanzten) Erdwall eingehegte blockförmige Parzelle. Der Begriff ist vor allem in N- und NW-Deutschland gebräuchlich.

Kampflur

Kleinblockflur aus eingehegten Blockparzellen in Einöd- oder Gemengelage.

Kanat

Siehe Qanat

Kapitularien

Der Begriff Kapitularien (Einzahl: das Kapitular(e) oder Kapitularium), lateinisch Capitularia, bezeichnet in der Rechtsgeschichte hoheitliche Anordnungen im Sinne von Gesetzen vor allem in der Zeit der Karolinger, insbesondere unter Karl dem Großen. Ihre Einteilung in verschiedene Kapitel (lat. capitula) gab ihnen den Namen.

Sie hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der (west-)europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte und regelten u. a. auch die Anbautechnik von Nutzpflanzen. Zu den bekanntesten Kapitularien gehören die Admonitio generalis von 789, die das Reformprogramm Karls des Großen zusammenfasst, und das so genannte Capitulare de villis aus dem Jahre 795, das die Reform der Krongüter in Aquitanien, evtl. sogar im gesamten Frankenreich regelte und sich mit deren Verwaltung und Bewirtschaftung befasst.

Die Kapitularien sind oft nach dem Ort ihrer Verkündung benannt, so zum Beispiel das Kapitular von Herstal (779) oder das Diedenhofener Kapitular (805).

Karez

Unterirdischer Brunnen- und Bewässerungskanalsystem in ariden Regionen Asiens.

(s. a. Foggara, Qanat)

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Kartoffel

Nutzpflanze, die ihren Ursprung in Peru und Ecuador hat. Nach der Entdeckung Amerikas kam die Kartoffelpflanze zunächst als Zierpflanze nach Europa. Erst Mitte des 18. Jh. wurde sie, u.a. in Preußen von Friedrich dem Großen, unter Zwang als Kulturpflanze eingeführt. Sie entwickelte sich sehr schnell zu einer der wichtigsten Nutzpflanzen.

Das Wort Kartoffel ist aus dem italienischen Wort „tartuffo“ = Trüffel abgeleitet. In Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wird die Kartoffel auch als Erdapfel (Herdöpfel), Erdbirne oder Grundbirne (Grumbeer) bezeichnet, im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt.

Meistens wird von den Kartoffeln (Plural von Kartoffel) gesprochen. Hierunter werden zumeist die im Boden heranwachsenden Knollen verstanden, mit denen die Pflanze sich vegetativ vermehrt.

Botanisch gehört die Kartoffe (Solanum tuberosum) zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Das oberirdische Kraut trägt weiße oder lilafarbene Blüten, die Kartoffelknollen wachsen unter der Erde. Aus einer Mutterknolle wachsen Ausläufer, die botanisch gesehen Sprosse sind. Die unterirdischen Sprosse schwellen an und es entstehen neue Kartoffeln. Zum Schutz bildet die Pflanze eine Art Korkgewebe, das wir als Schale kennen. Die Knolle ist das Speicherorgan der Pflanze. Aus den sogenannten Augen der Knollen wachsen nach einer Ruhephase wieder Keime, die sich von der Stärke in den Knollen ernähren.

Die Kartoffel gehört zu den Hackfrüchten, weil sie unkrautanfällig ist und daher früher gehackt werden musste. Die heutigen Sorten sind so gezüchtet worden, dass sie gegen einige Krankheiten resistent sind. Dennoch bedrohen auch heute noch bestimmte Pilzkrankheiten wie Kraut- und Knollenfäule die Bestände. Oft hilft nur eine Behandlung mit Fungiziden.

Nach dem Verwendungszweck können Kartoffeln in zwei Kategorien eingeteilt werden: Speisekartoffeln und Kartoffeln für die Industrie (Wirtschaftssorten). Für die industrielle Verarbeitung sind die Inhaltsstoffe, aber auch die Form der Kartoffel wichtig: Industriekartoffeln haben meist einen höheren Stärkegehalt als Speisekartoffeln. Für lange Pommes frites, braucht man große Knollen, beim industriellen Schälen ist eine glatte Oberfläche wichtig.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist eher die Unterscheidung in festkochende, vorwiegend festkochende und mehligkochende Sorten wichtig – je nach Verwendungszweck von Kartoffelsalat bis Kartoffelpüree. Zudem unterscheidet man die Kartoffelsorten nach der Reifezeit.

Kartoffelanbau und Ernte

Kartoffeln kommen mit einer Kartoffel-Legemaschine im April oder Mai in die Erde, wenn der Boden nicht mehr zu nass ist. Bei Bodentemperaturen von 8 bis 10 °C keimen sie am besten. Um eine lange Vegetationsperiode bis zur Ernte zu erreichen, müssen die Kartoffeln möglichst früh im Jahr in die Erde. Damit ist aber auch die Gefahr für Frostschäden am größten.

Auf einem Hektar wachsen rund 40.000 Pflanzen für Speisekartoffeln, bei Industriekartoffeln sind es 37.000. Hier pflanzt man weniger, damit die Kartoffeln mehr Platz haben und dicker werden können.
Für Kartoffeln hat sich der Anbau in Dämmen durchgesetzt. So erwärmt sich die Erde leicht, was den wärmeliebenden Kartoffeln guttut, und die meiste Arbeit können Maschinen erledigen. Geerntet wird, wenn die Knollen ausgereift und schalenfest sind. Eine Ausnahme bilden Frühkartoffeln: Sie können grundsätzlich auch mit grünem Laub geerntet werden. Da die Schale dann noch nicht fest ist, sind sie nur kurz lagerfähig.

Geerntet werden Kartoffeln heute mit Rodern, die bis zu vier Kartoffeldämme auf einmal ernten. Dazu wird der gesamte Damm mit Erde, Knollen und Kraut von der Maschine aufgenommen. Die Knollen werden herausgesiebt, Erdkluten, Steine und Kraut aussortiert. Das geschieht meist maschinell, zum Teil aber auch per Hand.

Um mit einer frühen Ernte höhere Preise am Markt zu erzielen, schützen manche Landwirtinnen und Landwirte ihre Kartoffeläcker mit Folie. Das bedeutet viel Handarbeit. Auch das Vorkeimen ist eine Methode, mit der der Erntetermin vorverlegt werden kann. Hierbei versucht man, die Knollen schon im Januar oder Februar durch gezielte Veränderungen von Temperatur und Lichtverhältnissen zum Keimen zu bringen. In der Regel bilden sich pro Knolle vier bis sechs kräftige Keime. Diese Keime geben den Kartoffeln einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen bis zur Ernte.

Nach der Ernte gelangen Kartoffeln direkt in den Handel, werden gelagert oder weiterverarbeitet. Dafür werden sie zunächst in einer Sortieranlage der Größe nach sortiert. Meist erfolgt dies mittels einer Rüttelmaschine.

Die Einkellerung von Kartoffeln ist zu einer Seltenheit geworden, weil den meisten Haushalten ein entsprechender durchgehend kühler Lagerraum fehlt.

Wirtschaftliche Aspekte

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland auf rund 243.000 Hektar Kartoffeln angebaut. Der Anbauschwerpunkt liegt in Niedersachsen, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Erntemenge schwankt von Jahr zu Jahr; zum einen wegen der abnehmenden Anbaufläche, zum anderen, weil das Wetter während der Vegetationsperiode einen wesentlichen Einfluss auf das Ernteergebnis hat. Im mehrjährigen Durchschnitt (2010 bis 2015) wurden 435,7 Dezitonnen Kartoffeln je Hektar geerntet. Der allergrößte Teil entfällt auf Speisekartoffeln und ein geringer Teil auf Industriekartoffeln (Stärke- und Alkoholherstellung).

In Deutschland isst heute jeder Bundesbürger im Durchschnitt rund 57 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch rund 70 Kilogramm, 1950 sogar 202 Kilogramm.

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland stark gewandelt, die Anbaufläche ist drastisch zurückgegangen, was nur zum Teil durch steigende Erträge aufgefangen wird. Der Rückgang der Anbaufläche hat viele Ursachen. Seit den 1970er Jahren füttert man Schweine aus Kostengründen mit Getreide und nicht mehr mit Kartoffeln. Auch in der Ernährung nimmt die Bedeutung der Kartoffel ab und Importe tragen ebenfalls zum Sinken der Anbaufläche bei. (BLE)

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO betrug im Jahr 2016 die Weltproduktion 376,8 Millionen Tonnen Kartoffeln. Die gesamte Anbaufläche betrug 19,2 Millionen Hektar. Die bedeutendsten Produzenten sind die VR China mit 99.065.724 t/a, dann folgen Indien (43.770.000 t) und Russland (31.107.797 t), Deutschland folgt an 6. Stelle mit 10.772.100 t, Österreich auf Platz 49 mit 767.261 t und die Schweiz auf Platz 75 mit 374.300 t/a.

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Kartoffelkäfer

Schadinsekt für Kartoffelkulturen. Der Kartoffelkäfer stammt ursprünglich aus dem westlichen Nordamerika und wird deshalb auch Colorado-Käfer genannt. In Deutschland wurde der Kartoffelkäfer in der Mitte des 20. Jh. zu einer Plage, im Extremfall kam es zum „Kahlfraß“ ganzer Kartoffelanbaugebiete. Der Käfer ist etwa 15 Millimeter lang und durch gelb-schwarze Streifen auf seinem Rücken gut zu identifizieren. Heute ist er durch Insektizide gut zu bekämpfen.

Käse

Nahrungsmittel, das aus Milch von Kühen, Ziegen, Schafen, Büffeln u.a. hergestellt wird. Es gibt eine große Vielfalt an Käsesorten (bis zu 5.000), die nach sehr unterschiedlichen Methoden produziert werden und sich daher auch im Geschmack erheblich unterscheiden. Prinzipiell muss zur Käseherstellung die Milch zunächst zum Gerinnen gebracht werden, was häufig durch Zusatz von Milchsäurebakterien oder Lab (aus Kälbermägen gewonnene Substanz, inzwischen auch gentechnisch hergestellt) erreicht wird. Aus der so gewonnenen dicken Milch lässt man die Molke abtropfen. Der so erhaltene Käsebruch wird anschließend häufig geimpft, d.h. mit Kleinpilzen versehen. Danach muss er „reifen“, was an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Temperaturen bei unterschiedlicher Feuchtigkeit geschieht, sodass sich jeweils typische Geschmacksstoffe entwickeln. Die Gase, die sich dabei zum Teil bilden, erzeugen Blasen in der Masse, die „Löcher im Käse“. Je nach Festigkeit und Fettgehalt unterscheidet man Hart- und Weichkäse, Rahm-, Fett-, Halbfett- oder Magerkäse. Zu Frischkäse gehören Quark und Schichtkäse. Zu den bekanntesten Käsesorten gehören Gouda, Tilsiter, Emmentaler und Edamer.

Die deutsche Molkereiwirtschaft produziert jährlich beinahe 2 Mio. t Käse, was etwa dem Verbrauch entspricht. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt in Deutschland bei 22 kg. Deutscher Käse wird zum Teil exportiert, selbst in großen Mengen in das „Käseland“ Frankreich. Umgekehrt werden auch im deutschen Lebensmittelhandel viele ausländische Käsespezialitäten angeboten. Anders wäre das umfangreiche Angebot an den Käsetheken nicht möglich.

Kaskadennutzung

Kaskadennutzung, auch Mehrfachnutzung, beschreibt die Strategie, Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte über mehrere Stufen im Wirtschaftssystem zu nutzen. Dabei werden Nutzungskaskaden durchlaufen, die vom hohen Wertschöpfungsniveau schrittweise in tiefere Niveaus münden.

Auf diese Weise soll eine besonders nachhaltige und effektive Nutzung sowie eine Einsparung beim Rohstoffeinsatz von Rohstoffen erreicht werden, Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte werden so lange wie möglich im Wirtschaftssystem genutzt und die Wertschöpfung insgesamt erhöht, sowie die Umweltwirkung weiter verbessert.

Im Regelfall umfasst eine Nutzungskaskade dabei eine einfache bis mehrfache stoffliche Nutzung mit abnehmender Wertschöpfung sowie eine abschließende energetische Nutzung oder eine Kompostierung des Rohstoffs. Durch eine Kaskadennutzung können sowohl ökologische wie ökonomische Vorteile wie eine geringere Belastung der Umwelt, Einsparung von Treibhausgasen, geringere Kosten und höhere Wertschöpfungen erreicht werden.

Die Kaskadennutzung wird sowohl bei etablierter Rohstoffbasis in der Petrochemie wie auch bei der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen diskutiert. Beispiele für Kaskadennutzung sind etablierte und neuartige Recyclingketten oder die Nutzung von Ersatzbrennstoffen zur Energiegewinnung. Im Bereich der nachwachsenden Rohstoffen ist z.B. zunächst eine stoffliche Nutzung von Holz oder Biokunststoffen als Industrierohstoff und anschließend in der Energieerzeugung möglich.

Die Kaskadennutzung wird unterschieden von der Koppelnutzung, die neben der Nutzung eines Hauptrohstoffs bzw. -produkts auch die Nutzung von Nebenprodukten vorsieht.

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Kate

1. Grundstück, dessen Besitzer nicht ausschließlich von der Landwirtschaft leben konnte, sondern auf andere Erwerbszweige, auf Seefahrt und Fischerei, auf Handwerke und Tagelöhnerarbeiten angewiesen war.

2. Kleines niedriges Haus (im Gegensatz zum Bauernhaus).

Kationenaustauschkapazität (KAK)

Ein Maß für die Menge der Kationen (positiv geladene Ionen), die ein Stoff Austauschern (bspw. Tonminerale, Humus) adsorbieren und gegen in Lösung befindliche Kationen wieder austauschen kann.
Die KAK ist eine wichtige Bodenkenngröße und steigt mit steigendem pH-Wert der Austauschlösung an. Sie wird in meq/100 g Boden bzw. Austauscher angegeben. Oft wird allerdings auch noch die ältere Einheit [mval/100 g] (entspricht [meq/100 g]) verwendet.
Die wichtigsten "natürlichen" austauschbaren Kationen sind Ca2+, Mg2+, K+, Na+ sowie Al3+ und H+. Potentielle Schadstoffe wie z.B. Pb, Cd, Hg, Cr, Sr, u.a. können, soweit sie als Kationen im Sickerwasser vorliegen, adsorbiert und ausgetauscht werden. Man unterscheidet die effektive Kationenaustauschkapazität und potentielle Kationenaustauschkapazität. Die effektive KAK ist die KAK des Bodens bei dessen jeweiligem pH-Wert; die potentielle KAK gibt die austauschbaren Kationen bei einem pH-Wert zwischen 7 und 7,5 an.
Der prozentuale Anteil der austauschbaren Kationen an der KAK wird als Basensättigung bezeichnet.

Kautschukbaum

Der Kautschukbaum oder Parakautschukbaum (Hevea brasiliensis) ist eine aus Südamerika stammende Pflanzenart aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).
Der Baum hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, da sein als Naturkautschuk (Kautschuk) oder Naturlatex (Latex) bezeichneter Milchsaft die wichtigste natürliche Quelle dieses nachwachsenden Rohstoffs für die Gummiherstellung ist. Durch diese intensive Nutzung wurde der Kautschukbaum weit verbreitet und wird vor allem in Plantagen in Asien und anderen Bereichen des sogenannten Kautschukgürtels angebaut. Gleichzeitig wird ein großer Teil des Bedarfs durch petrochemisch erzeugten Synthesekautschuk gedeckt.

Der Kautschukbaum erreicht Wuchshöhen von etwa 20 bis 40 m und in Plantagen Stammdurchmesser von ungefähr 35 cm. Das Kern- und das Splintholz ist gelblich und riecht in frischem Zustand unangenehm. Die Borke ist hellgrau. Im weichen Bast des Stammes verlaufen Milchröhren (Milchsaftgefäße), durch die der Milchsaft fließt. Dieser besteht zu 55–70 % aus Wasser und 30–40 % aus Kautschuk. Die restlichen Stoffe sind Zucker, Eiweiße, Harze und Wachse, die jeweils nur 0,5–2 % ausmachen.

Der Kautschukbaum gedeiht bestens auf gut drainierten Böden, d. h. bevorzugt auf Hügeln und an Berghängen. Feuchte oder sumpfige Böden sind für ihn ungeeignet. An Flachküsten, Flüssen und Seen ist er daher selten verbreitet.

Ursprünglich war das Vorkommen auf das tropische Amazonasbecken beschränkt. Die Indianer nannten die Pflanze auch „ca-hu-chu“, was so viel wie „weinendes Holz“ bedeutet. Im 15. Jahrhundert berichteten die Portugiesen als erste von Latex und erkannten die positiven Eigenschaften, wie zum Beispiel die Möglichkeit, wasserdichte Kleidung durch Beschichtung mit dem dickflüssigen Saft herzustellen, ähnlich dem Tapa-Rindenbaststoff aus Polynesien.

Nach der Entdeckung des Herstellungsverfahrens von Gummi (durch Vulkanisation des Kautschuks) im Jahr 1839 erhöhte sich die Nachfrage enorm und führte in der Amazonasregion um Manaus und Belém zu einem Kautschukboom. Brasilien hielt das Weltmonopol über Jahrzehnte, auch nachdem in den afrikanischen Tropen Naturkautschuk gewonnen wurde. Nach mehreren missglückten Versuchen anderer gelang es 1876 dem Abenteurer Henry Wickham im Auftrag des britischen India Office und der Königlich Botanischen Gärten von Kew (Royal Botanic Gardens, Kew) bei London, Kautschukbaumsamen außer Landes zu bringen. In den ostasiatischen Gebieten der Straits Settlements (malayische Halbinsel) entstanden nach verschiedenen Rückschlägen in den 1890er Jahren die ersten Plantagen, die ihre Produkte ab 1905 auf den Weltmarkt brachten. Bald verdrängte britischer Kautschuk aus Malaya den brasilianischen vom Weltmarkt, und Großbritannien übte eine Monopolstellung über den weltweiten Kautschukhandel aus.

Aktuell wird der Baum vor allem im sogenannten Kautschukgürtel (ungefähr 30° nördlicher Breite bis 30° südlicher Breite) angepflanzt. Die drei größten Produktionsländer sind Thailand, Indonesien und Malaysia. Die brasilianischen Bestände sind dagegen aktuell stark von der Südamerikanischen Blattfallkrankheit bedroht, deren Auslöser der parasitären Pilz Microcyclus ulei ist.

Im feuchten Äquatorialklima entwickeln sich ganzjährig neue Blätter, so dass der Baum sehr anfällig für Infektionen ist. In durch Jahreszeiten geprägten Regionen hat der Pilz dagegen weniger Möglichkeiten für einen Befall. Dies ist z. B. in dem durch kühlere und trockenere Winter geprägten Bundesstaat São Paulo der Fall, so dass heute etwa 60 % des brasilianischen Kautschuks dort produziert wird.

Kautschuk und Ölpalmen sind heute die bei Weitem wichtigsten Plantagenkulturen, die auch von Kleinbauern in großem Umfang angebaut werden.

Ein großer Teil des weltweiten Kautschukbedarfs wird heute durch Synthesekautschuk gedeckt. Dennoch wird zukünftig mit einer Zunahme des Bedarfs nach Naturkautschuk gerechnet. Daher ist mit einer deutlichen Ausweitung der Anbauflächen zu rechnen.

Nach etwa fünf bis sechs Jahren ist die Nutzpflanze alt genug für die Gewinnung des Milchsafts, beim Kautschukbaum auch als Naturkautschuk oder Latex bezeichnet. Die Milchröhren laufen entgegen dem Uhrzeigersinn in einem Winkel von 3,5° zur vertikalen Richtung. Daher erfolgt der Zapfschnitt spiralig mit einem speziellen Messer von links oben nach rechts unten in einem Winkel von 30° zur horizontalen Richtung. Beim Schnitt darf das unter den Milchröhren gelegene Kambium auf keinen Fall zerstört werden, da sonst keine Regeneration der Rinde und damit der Milchröhren möglich ist. Der Milchsaft tritt aus und wird in kleinen Eimern aufgefangen. Der Schnitt erfolgt nur über die Hälfte des Baumumfanges, damit ein Lebendstreifen die Wasser- und Nährstoffversorgung sichert.

Rund 70 Prozent des Naturkautschuks gehen an die Automobilindustrie zur Produktion von Autoreifen. Bindemittel sind ein weiteres wichtiges Produktfeld. Weitere Produkte sind:  Dichtungsringe, Schwämme, Matratzen, Porengummi, Kühlschläuche, Scheibenwischer, Dachisolierung, Latexkleidung, Handschuhe, Kondome und Luftballons.

Im Alter von etwa 25 Jahren stellt der Baum die Produktion von Latex ein, so dass er in der Plantagenwirtschaft gefällt und durch neue Pflanzen ersetzt wird. Das dabei anfallende Holz, sogenanntes Rubberwood, ca. 50 Mio. m³ pro Jahr, liegt mit seinem hellen, warmen Farbton im Trend und wird dank seiner hohen Härte, ca. 6,2 nach der Brinell-Härteprüfung, und damit deutlich härter als zum Beispiel Buche, ca. 4,1; Ahorn ca. 4,7 oder Eiche ca. 4,3; und seiner Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeitsschwankungen mehr und mehr auch für den Möbelbau eingesetzt. Die in Monokultur angebauten Pflanzen machen in manchen Ländern, wie zum Beispiel Malaysia, schon einen Großteil des Möbelholzes aus. Auch in Europa wird es vermehrt für den Innenausbau eingesetzt. Das Holz wird auch zu Spielzeug verarbeitet und findet außerdem im Musikinstrumentenbau Verwendung.

Weitere Informationen:

Kazike

Unter einem Kaziken (span.: cacique) versteht man in Spanien einen Patron des Caciquismo genannten oligarchisch organisierten Klientelsystems (Klientelismus). Dieses Patronatssystem wurde systematisch insbesondere während des alfonsinischen Zeitalters (Herrschaft von Alfons XII. und Alfons XIII. 1874–1931) und vor allem im ländlichen Raum angewandt.

Der Kazike ist bzw. war eine sozial höhergestellte Persönlichkeit – zumeist ein Großgrundbesitzer, es konnte sich aber auch z. B. um den örtlichen Pfarrer oder einen Rechtsanwalt handeln. Das Wort stammt ursprünglich aus der in der Karibik verbreiteten Sprache der Taíno.

Die spanischen „Entdecker“, Konquistadoren und Chronisten übernahmen den Begriff auch in einem geographisch weiter gefassten Kontext. Beispielsweise ließ auf den Philippinen während der spanischen Kolonialzeit die Umwandlung von Gemeinschaftsland in Privatbesitz und die Einführung der Hazienda-Wirtschaft eine Oberschicht von einheimischen Großgrundbesitzern (Kaziken) entstehen, deren Nachfahren zum Teil auch heute noch die lokalen Machtstrukturen dominieren.

In Südamerika bezeichnet der Begriff häufig einen Dorfvorsteher, besonders bei indigenen Gemeinden.

Kehrpflug

Scharpflug, der den Erdbalken links oder rechts wenden kann. Die gebräuchlichste Form des Kehrpflugs ist der Volldrehpflug, der beim Wechseln der Wenderichtung 180° um seine Längsachse gedreht wird.

(s. a. Beetpflug, Pflug)

Khammessat

Traditionelle Agrarverfassung mit lokalen Varianten im gesamten nordafrikanischen und vorderasiatischen Raum. Grundüberlegung ist, daß die landwirtschaftliche Produktion von fünf Faktoren (ar. Khamsa = fünf) getragen wird, nämlich Boden, Wasser, Saatgut, Arbeitsgerät/Zugtiere und der menschlichen Arbeitskraft. Üblicherweise ergibt sich eine Symbiose aus dem Grundeigentümer, der die vier ersten Faktoren einbringt und dem niedrigen sozialen Schichten entstammenden Khammes, der seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Entsprechend dem Fünftel, das er beisteuert, wird er mit einem Fünftel der Ernte entlohnt. Je höher der Arbeitseinsatz der Khammes ist, umso höher ist auch sein Ernteanteil. So ergibt sich ein recht stabiles System, da die Interessen des Grundeigentümers durch den Einsatz des Khammes automatisch mit gewahrt werden. Andererseits kommt es bei den bescheidenen Löhnen häufig zu Verschuldungen der Khammes. An einer Modernisierung des traditionellen Agrarsektors hat der Grundeigentümer kaum Interesse. Auch die Khammes wenden sich häufig gegen eine Mechanisierung, da sie eine Verringerung ihrer Ernteanteile befürchten. Dieser Hemmeffekt führte in manchen Staaten zu einem Verbot dieser Pachtform.

Kibbuz

(Mz. Kibbuzim), von hebr. Siedlung; Form landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetriebe in Israel mit unterschiedlich starkem Vergesellschaftungsgrad, die aus der Verbindung des jüdischen Geschichtsbewußtseins (Errichtung einer Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina) und der sozialistischen Zukunftsvision von Gleichheit entstand. Alles Eigentum, mit Ausnahme des persönlichen Besitzes, ist Gemeingut. Das Kollektiv tritt als Gesellschaft des öffentlichen Rechts auf und nimmt alle Pflichten und Rechte einer Kommune wahr (Schul- und Gesundheitswesen etc.), wobei die Mitglieder systemkonform keine Kommunalsteuern zahlen. Die Arbeit wird auf kollektiver Basis organisiert. Jedes Mitglied ist verpflichtet, im Rahmen seiner Fähigkeiten und nach Anordnungen der gewählten Gremien für die Kommune zu arbeiten. Umgekehrt ist die Kommune verpflichtet, für sämtliche Bedürfnisse ihrer Mitglieder (Wohnung, Möbel, Kleidung, Essen, Erholung) gemäß ihrer finanziellen Möglichkeiten aufzukommen. Entsprechend ist auch die Verwaltung unmittelbar-demokratisch. Es existiert keine sozial privilegierte Funktionärskaste. Die Ideale des auf freiwilliger Basis beruhenden Gemeinschaftslebens werden konsequent gepflegt (gemeinsame Essenseinnahme, Sozialisation der Kinder vornehmlich in ihrer Altersgruppe). Jedes Mitglied hat jederzeit das Recht, das Kollektiv zu verlassen. Die Unterschiede zu realsozialistischen Kommunetypen, etwa der Kolchose, werden damit überdeutlich.

Die mittlere Größe eines Kibbuz schwankt zwischen 400 und 1200 Einwohnern. Als Wohnort stellt er eine ausgezeichnete Kombination von städtischer Lebensform und ländlicher Umgebung dar. Von der gesamten jüdischen Bevölkerung leben lediglich ca. 3 % in Kibbuzim, was sich wohl aus dem starken Bedarf an ideologischer Motivierung erklärt, die nötig ist, um auf einen großen Teil seiner individuellen Freiheiten zu verzichten.

Wirtschaftlich stellt jeder Kibbuz einen landwirtschaftlichen Großbetrieb dar mit zahlreichen Zweigen, deren Leitung in den Händen von Agronomen mit Hochschulausbildung oder langjähriger Erfahrung liegt. Konsequenterweise sind die Kibbuzim Träger landwirtschaftlichen Fortschritts sowohl hinsichtlich der Produkte, als auch der Produktionsverfahren und -techniken.

Neben der Landwirtschaft werden in jüngerer Zeit verstärkt industrielle Betriebe aufgebaut, z.T. auch Tourismusangebote gemacht, um der nachfolgenden Generation, den im Gefolge der Mechanisierung freiwerdenden Fachkräften bzw. den Frauen Arbeitsplätze zu sichern und eine Krisenanfälligkeit zu vermeiden.

Kibbuzim wurden häufig als Neusiedlungen von Einwanderern gegründet, oft als Grenzsiedlungen mit Wehrfunktion. Im Kibbuz, dessen erste Realisierung 1909 in Deganya am Kinneretsee erfolgte, drückt sich die Haltung der Neueinwanderer und Siedler aus: Offenheit gegenüber technologischen wie organisatorischen Neuerungen, Freiheit von Traditionszwängen, starke nationale und soziale Motivierung, sozialistische Tendenzen.

Es gab 2014 noch 272 dieser Siedlungen mit einer Größe von bis zu 2000 Einwohnern. Zu Neugründungen kommt es seit 1999 kaum mehr. Zur Zeit der Gründung des Staates Israel lebten etwa 8 % der Israelis in einem Kibbuz, heute (2014) sind es etwa 1,8 %. Es gab bereits seit den 1990er Jahren Abwanderungen, besonders der Jugend, die nur teilweise durch Zuwanderung aus dem Ausland, beispielsweise aus den USA, Kanada und Europa, aufgefangen werden konnten. Der allgemeine Abwärtstrend setzt sich daher auch seit 2010 fort, da die meisten Jugendlichen spätestens nach Absolvierung ihres Militärdienstes den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen außerhalb der Kibbuzim wahrnehmen und nicht mehr zurückkehren.

Eine Abspaltung der Kibbuzbewegung hatte 1920 zur Einführung einer neuen Siedlungsform, dem Moshav (Mz. Moshavim) geführt. Er besitzt heute eine größere zahlenmäßige Bedeutung.

(s. a. agrarsoziale Systeme)

Kinderarbeit

Von Kindern zu Erwerbszwecken verrichtete Arbeit, für die sie zu jung sind oder die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die ihre körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die sie vom Schulbesuch abhalten. Kinderarbeit ist meist verbunden mit überlangen Arbeitszeiten und Niedrigstlöhnen. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Zu unterscheiden ist zwischen normalen Aufgaben zum Beispiel im Haushalt, zwischen legaler Beschäftigung von Jugendlichen und zwischen Ausbeutung von Kindern. Für legale Beschäftigung haben die meisten Staaten per Gesetz ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. In Deutschland ist das Mindestalter 15 Jahre mit einigen Ausnahmen für leichte Tätigkeiten.

Zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählen die Vereinten Nationen (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999): Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben sich auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit, angefangen mit der gerade beschriebenen schlimmsten Form, bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) definiert Kinderarbeit als Tätigkeiten von unter 18-jährigen, die ihnen schaden oder sie am Schulbesuch hindern (KRK, Artikel 32).

Die Antwort auf die Frage, was als ausbeuterische und was als unproblematische Kinderarbeit gilt, hat sich im Laufe der Geschichte stark gewandelt; sie wird heute noch regional unterschiedlich beantwortet. Insbesondere die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürwortet ein generelles weltweites Verbot von Kinderarbeit, von dem es nur in engen Grenzen Ausnahmen geben solle. Gegen diese Haltung wird seit einiger Zeit eingewandt, dass sie die konkreten Interessen betroffener Kinder und ihrer Eltern nicht ernst genug nehme.

Die meisten Kinder müssen arbeiten, weil sie für ihre eigene bzw. die Existenzsicherung ihrer Familie sorgen müssen. Als Folge einer hoffnungslosen sozioökonomischen Situation werden viele Kinder von ihren Familien an einen Arbeitgeber verkauft.

Child Labour in Agriculture
Child Labour in Agriculture

Nearly 70% of all child labourers work in agriculture nearly 100 million boys & girls! In this infographic two very different stories are told: The typical story of a child labourer in agriculture, increasingly involved in work and obliged to leave school too early. The typical story of a child living and learning in a rural area, whose rights are respected thanks to what FAO promotes
Quelle: FAO

Kinderarbeit in der Landwirtschaft

Nach Angaben von UNICEF arbeiten heute 190,7 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, zwei Drittel davon in der Landwirtschaft. Sie arbeiten als Baumwollpflücker in Ägypten, Indien, Pakistan oder Usbekistan, auf den Plantagen in Ecuador und Argentinien und bei der Teeernte in Nepal, China, Indien, Sri Lanka und Kenia oder als Schuldknecht bei der Kakaoernte an der Elfenbeinküste, Nigeria und Gabun.

Manche Kinder helfen ihren Eltern bei unterschiedlichen Arbeiten. Sie hüten Tiere, holen Wasser, helfen bei der Aussaat und Ernte.
Andere arbeiten mit ihren Eltern zusammen oder allein auf Plantagen für Exportwaren, zum Teil als Saisonarbeiter. Dabei sind die Arbeitszeiten extrem lang, sodass es für Kinder unmöglich ist zur Schule zu gehen.
Die Kinder erhalten in der Regel ein Drittel bis zur Hälfte des Lohnes der Erwachsenen. Auf Plantagen werden die Kinder wie die Erwachsenen nach Leistung bezahlt.

In den letzten Jahren hat die Zahl arbeitender Kinder in der Landwirtschaft zugenommen. Nach einer zuvor rückläufigen Entwicklung hat sich die Zahl arbeitender Kinder in der Landwirtschaft seit 2012 global wieder erhöht: Um 10 Millionen auf insgesamt 108 Millionen im Jahr 2016. Dies erklärte die FAO vergangene Woche in Rom anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit.

Aktuell seien fast 71 % aller Kinderarbeiter in der Agrarbranche tätig, meist als unbezahlte Familienarbeiter. Bei den Kindern in der Altersklasse von fünf bis 14 Jahren seien es sogar 78 %, in der Altersklasse von 15 bis 17 Jahren rund 49 %. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es laut FAO nicht. Allerdings seien deutliche regionale Unterschiede festzustellen.

Besonders in Afrika und Zentralasien sind die Probleme groß. Kinderarbeit in der Landwirtschaft werde vielfach auch dadurch gefördert, dass es infolge politischer Konflikte und klimabedingter Katastrophen zu Fluchtbewegungen komme. Kinder müssten dann oft zum wirtschaftlichen Überleben der Flüchtlingsfamilien beitragen.

Die FAO verweist auf aktuelle Risiken durch die Kinderarbeit. Es bestehen Gefahren für die körperliche und psychische Gesundheit der Jungen und Mädchen. Dabei ist dieser Sektor einer der gefährlichsten bezüglich der Anzahl der arbeitsbedingten Todesfälle, Unfälle sowie Berufskrankheiten und Verletzungen.

Zudem bestehen langfristige Probleme, da die Kinder anstatt in die Schule zu gehen, arbeiten. Dadurch hätten die Kinder später keine Chance auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz.

Historisch kann als Beispiel für die seit langem bestehende Erscheinung der Kinderarbeit auf Süddeutschland, Österreich und die Schweiz hingewiesen werden. In der Schweiz konnten zwischen 1800 und 1950 Bauern von den Behörden Verdingkinder, d. h. Waisen- und Scheidungskinder, auf einem Verdingmarkt ersteigern. Solche Kinder wurden meistens zu Zwangsarbeit eingesetzt.

Vor allem im 19. Jahrhundert bis hinein in die 1920er Jahre zogen jährlich Kinder aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und der Schweiz zu Fuß über die Alpen nach Oberschwaben, um dort den Sommer über vor allem in der Landwirtschaft zu arbeiten (Schwabenkinder).

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Klärschlamm

Schlammiges Konzentrat aus Feststoffen die beim Klärprozess im Klärwerk aus dem Abwasser ausgeschieden werden. Je nach Herkunft des Abwassers (Industriebetriebe, Haushalte) ist auch die Zusammensetzung des Klärschlamms unterschiedlich. Im Regelfalle enthält er zum Teil sehr wertvolle Bestandteile, aber auch zum Teil sehr schädliche oder gefährliche Stoffe.

Bezeichnung für den ausgefaulten bzw. auf sonstige Weise stabilisierten Schlamm aus Kläranlagen. Klärschlamm aus häuslichen Abwässern enthält viele Nähr- und Humusstoffe und kann unter bestimmten Voraussetzungen als Düngemittel verwendet werden. Einzelheiten regelt die Klärschlamm-Verordnung vom 1.7.1992. Pro Tonne Trockensubstanz enthält Klärschlamm durchschnittlich 70 kg Ca, 40 kg N, 35 kg P, 5 kg Mg, nur sehr wenig K (2 kg); zusätzlich etwa 2 kg Zn, 400 g Cu, 300 g Mn, 40 g B und 10 g Mo. Klärschlamm kann je nach Abwasserart und Behandlungsverfahren umwelt-, bzw. gesundheitsgefährdende Stoffe wie Krankheitskeime und Schwermetalle (z.B. Cadmium, Blei, Quecksilber) enthalten.

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Klärschlammkompostierung

Biologische Methode zur Behandlung von Klärschlämmen, die in Deutschland zur Zeit in etwa 30 Anlagen praktiziert wird. Die Verrottung (aerobe Zersetzung fester organischer Stoffe) kann in Mieten oder in Behältern (sogenannte Bioreaktoren) bei Temperaturen von etwa 65 °C ablaufen. Neben einer Belüftung ist eine Beimengung organischer Kohlenstoffe erforderlich. Der entstehende Kompost ist hygienisch einwandfrei.

Klärschlammverordnung

Die Verordnung (AbfKlärV) vom 1.7.1992 regelt das Aufbringen von Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Flächen. Es dürfen nur solche Schlämme verwertet werden, die die Anforderungen der AbfKlärV erfüllen. Die Verordnung bestimmt, daß der Klärschlamm vorher entkeimt sein muß und setzt für sieben Schwermetalle (Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink) Höchstmengen fest. Die Verordnung regelt weiterhin die Zeitabstände, in denen der Klärschlamm aufgebracht werden kann und begrenzt die jährliche Menge. Das Aufbringen von Klärschlamm auf Gemüse- und Obstanbauflächen sowie auf Dauergrünland und forstwirtschaftlich genutzte Böden ist verboten.

Die EU-weite bodenbezogene Klärschlammverwertung erfolgt auf der Grundlage der Richtlinie des Rates vom 12. Juni 1986 über den Schutz der Umwelt und insbesondere der Böden bei der Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft (86/278/EWG).

Eine Neufassung der Klärschlammverordnung wurde im Januar 2017 vom Bundeskabinett beschlossen.

Klärschlammverwertung

Derzeit wird noch rund ein Drittel der insgesamt circa 1,8 Millionen Tonnen kommunalen Klärschlämme (Trockenmasse) in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau zu Düngezwecken eingesetzt. Die verbleibende Restmenge wird unter anderem als Sekundärbrennstoff in Kraftwerken und Zementwerken eingesetzt oder auf Deponien gelagert, wobei die wertgebenden Inhaltsstoffe des Klärschlamms, insbesondere Phosphor, in der Regel verloren gehen. Die Deponierung von Klärschlämmen ist seit dem 1. Juni 2005 nur nach der Vorbehandlung in einer Verbrennungsanlage oder nach einer mechanisch-biologischen Behandlung zulässig. Die Verwertung der Klärschlämme in der Landwirtschaft erfolgt auf der Grundlage der Klärschlammverordnung, die ergänzend zu den Vorgaben des Düngerechts insbesondere Grenzwerte für die Belastung des Klärschlamms und des für eine Klärschlammaufbringung vorgesehenen Bodens mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen enthält.

Diese Regelungen und strenge Vorgaben auf der Grundlage des Wasserrechts und des Chemikalienrechts haben dazu geführt, dass der Schadstoffgehalt in kommunalen Klärschlämmen in den letzten Jahren zum Teil um über 90 Prozent zurückgegangen ist. Neueste Zahlen aus dem Jahr 2015 belegen die Fortsetzung dieses Trends für die Mehrzahl der untersuchten Schwermetalle. Dies gilt auch für eine Reihe von organischen Schadstoffen. Bei einzelnen organischen Schadstoffen dagegen ist zwischenzeitlich eine Belastungsstagnation eingetreten.

(s. a. Klärschlammverordnung)

kleeartige Futterpflanzen

Leguminosen, vor allem Kleearten und Luzerne. Kleeartige Futterpflanzen können zu Silage verarbeitet, zu Heu getrocknet oder auf entsprechenden Flächen als Weide genutzt werden. Inder Fruchtfolge dienen sie als Gründüngung und begünstigen durch die Stickstoff-Anreicherung die Bodenfruchtbarkeit.

Kleegraswirtschaft

Intensivform der Feldgraswirtschaft mit nur zwei- bis dreijähriger Nutzungsdauer des Feldfutterbaus.

Kleinbauer

Landwirt mit einer geringen Ausstattung an Produktionsfaktoren, insbesondere mit geringem Landbesitz, teilweise als Folge von Realteilung. Sein Einkommen liegt in der Nähe des Existenzminimums. Ein Kleinbauer ist häufig auf Zupacht und hoffremde Arbeit angewiesen. Der Begriff ist oft nicht genau definiert und variiert mit der Bezugsregion.

Weltweit sehen sich ca. 500 Mio Kleinbauern mit landwirtschaftlichen Flächen von jeweils unter 2 ha einer großen Konzentration von Marktmacht und Fähigkeit zu politischer Einflussnahme gegenüber, die von internationalen Konzernen des Agribusiness repräsentiert wird. Im Gegensatz zum Wachstumstrend global aktiver Großunternehmen nimmt die Durchschnittsgröße landwirtschaftlicher Betriebe in vielen Ländern des Globalen Südens seit Jahrzehnten ab.

Nach Angaben der UN (2004) lebten etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit in kleinbäuerlichen Haushalten (WDR 2008). Ein Teil der Kleinbauern verkauft Überschüsse auf Märkten. Ein Großteil der Kleinbauern betreibt aufgrund unzureichender Produktionsfaktoren (insbes. Boden, Landtechnik, Saatgut, Agrarchemikalien), sowie anderer Nachteile lediglich Subsistenzwirtschaft.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist wegen der meist niedrigen Produktivität eng verknüpft mit Armut. So sind 50 % aller weltweit hungernden Menschen Kleinbauern. Aus Mangel an Alternativen ist sie in vielen Entwicklungsländern für einen Großteil der Bevölkerung die wichtigste Erwerbsquelle, insbesondere in Subsahara-Afrika und in Teilen Asiens.

Family Farmers: Feeding the world, caring for the earth
Family Farmers: Feeding the world, caring for the earth

Quelle: FAO

Weitere Informationen:

Klein(eigentums)landwirt

Agrarsoziale Gruppe, die sich in zwei Gruppen unterteilen läßt, nämlich in die Kleinlandwirte mit mittelgroßem Bodeneigentum und mehr oder weniger angemessener Ackernahrung (Vollerwerbslandwirte, Farmer) sowie in die Kleinlandwirte mit geringem Bodeneigentum und einer unter der Ackernahrung liegenden Bodenverfügbarkeit.

(s. a. Großeigentumslandwirt, Kleinbauer)

Kleinerzeuger

Kategorie von landwirtschaftlichen Betrieben, die von der Pflicht zur Flächenstilllegung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik befreit sind. Auf ihrer Anbaufläche dürfen höchstens 92 t Getreide geerntet werden. Kleinerzeuger erhalten für den Anbau von Getreide, Ölsaaten, Eiweißpflanzen oder Öllein nur eine einheitliche (geringere) von Getreide abgeleitete Ausgleichszahlung.

Kleingarten

Gewöhnlich zusammenhängend, aber getrennt vom städtischen Wohnumfeld auftretende Gärten, die von Pächtern aus Liebhaberei oder nebenerwerbsmäßig genutzt werden. Sie dienen hauptsächlich zur Gewinnung von Obst und Gemüse und zur Erholung. Ihre Fläche soll 400 m² nicht überschreiten. Ihre häufige Bezeichnung als Schrebergarten geht auf den Arzt D. Schreber zurück. Nicht zu den Kleingärten werden gerechnet Eigentümer-, Wohnungs- und Arbeitnehmergärten.

(s. a. Kleingartenanlage)

Kleingartenanlage

Auch Kleingarten- oder Laubenkolonie; Konzentration mehrerer kleiner Gärten, die häufig von den Kommunen verpachtet werden, und die in zur Bebauung ungeeigneten städtischen Randlagen auftreten. Die Nutzung als Ziergarten ergänzt heute die traditionelle Wirtschafts- und Erholungsfunktion. Kleingartenanlagen sind häufig durch Vereine organisiert, die sich auch um den Erhalt bzw. Ausbau der Infrastruktur bzw. um die Bereitstellung billigen Saat- und Pflanzgutes oder Gartenchemikalien kümmern. Die Anlagen weisen häufig Gemeinschaftseinrichtungen wie Wege, Spielflächen und Vereinsgebäude auf. Dauer-Kleingärten sind im Bebauungsplan ausgewiesen.

(s. a. Kleingarten, Schrebergarten)

Klima

Alle Wettererscheinungen einschließlich Jahreszeiten in einer bestimmten Region. Deutschland liegt im Übergangsbereich von Kontinentalklima mit heißen Sommern und strengen Wintern und Seeklima mit mäßig warmen Sommern und milden Wintern in der gemäßigten Zone. Innerhalb Deutschlands gibt es verschiedene Klimazonen, außerdem ein unterschiedliches Kleinklima, das an jedem Ort u.a. von Bodenerhebungen und Wasserflächen abhängig ist. Das Klima entscheidet über die Vegetation und damit über die Bodenproduktion. Von Züchtern werden Sorten entwickelt, die den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen Rechnung tragen. Das Klima unterliegt langfristigen natürlichen Veränderungen. Der von den Menschen herbeigeführte erhöhte CO2-Ausstoß dürfte weltweit zu einer Klimaänderung mit Temperaturanstieg und z. B. durch Abschmelzen von Eis zu einem Ansteigen des Meeresspiegels führen.

Klimaszenario (Westeuropa) und Landwirtschaft

Die folgenden Aussagen des Bundesumweltministeriums über die Entwicklung des europäischen Klimas aufgrund der anthropogenen Einflüsse beruhen im wesentlichen auf den Ergebnissen der am Hamburger Max-Planck-Institut und am Hadley Centre in Bracknell, England, erstellten Klimaprognosen mit gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Zirkulationsmodellen. Beide Szenarienrechnungen gehen von einer jährlichen Zunahme der CO2-Äquivalenz-Konzentrationen von 1 Prozent aus.

Temperatur:

Für Westeuropa wird eine Temperaturzunahme von ca. 0,2 °C pro Dekade prognostiziert. Gegenüber der heutigen Mitteltemperatur werden damit im Jahre 2030 die Temperaturmittelwerte um etwa 0,75 °C gestiegen sein. Es wird damit gerechnet, daß die Temperaturerhöhung in östlicher und nördlicher Richtung zunimmt und für Osteuropa +0,35 °C pro Dekade betragen wird. Die winterlichen Perioden extremer Kälte werden zurückgehen und die heißen Sommer häufiger werden. Die natürliche Variabilität der jährlichen Oberflächenmitteltemperatur von etwa 1 °C kann die anthropogene Erwärmung für Westeuropa etwa für 1 - 2 Dekaden verdecken.

Niederschläge:

In Nord- und Mitteleuropa werden die winterlichen Niederschläge um etwa 20 Prozent (max. 40 Prozent) zunehmen. Auf der Iberischen Halbinsel wird mit einem Niederschlagsrückgang gerechnet. Die Sommerniederschläge werden nach den gerechneten Modellen für die Gesamtregion zwischen Mittelmeer und Schottland abnehmen.
Insgesamt ist mit einer Zunahme konvektiver Niederschläge (Schauer) zu rechnen, deren stärkere Intensität zu einer Vergrößerung der Niederschlagsmenge bei gleichzeitiger Abnahme der "Tage mit Niederschlag" führen kann. Die natürliche Variabilität der Niederschläge beträgt für Westeuropa etwa 30 - 40 Prozent (max. 60 Prozent), so daß erst nach einigen Dekaden klimaänderungsbedingte Trendverschiebungen signifikant nachweisbar sind.

Bodenfeuchte:

Für das Winterhalbjahr wird für Westeuropa keine wesentliche Veränderung der Bodenfeuchte vorhergesagt. Nur auf der Iberischen Halbinsel muß wahrscheinlich mit zunehmender Bodenaustrocknung gerechnet werden. Im Sommer wird besonders in Südeuropa eine fortschreitende Austrocknung der Böden eintreten, wobei die nördliche Begrenzung dieser Austrocknungszone noch umstritten ist.

Landwirtschaft:

Steigende Temperaturen verlängern die Vegetationsperiode, so z.B. in Europa um schätzungsweise zehn Tage bei einem Temperaturanstieg um 1 °C. Soweit Licht, Wasser und Nährstoffe in entsprechender Menge vorhanden sind, kann sich dadurch die Produktivität eines Standortes erhöhen. Zugleich erweitern sich die Anbaumöglichkeiten besonders wärmeliebender Arten und Sorten. Pflanzenspezifische Minimaltemperaturen für die Keimung, die Blütenbildung oder andere Stadien innerhalb der Pflanzenentwicklung werden auch in höheren Breiten eher erreicht bzw. überschritten. Pro Grad Celsius Temperaturerhöhung verlagern sich die Anbaugebiete um 200 bis 300 km polwärts bzw. im Bergland um 200 Meter höher. Weiter im Norden liegen jedoch häufig schlechter entwickelte und weniger fruchtbare Böden. Zudem schränkt die prognostizierte Zunahme extremer Wetterereignisse den erweiterten Spielraum möglicherweise ein, da häufiger Früh- und Spätfröste und andere Wetterextreme auftreten werden.
Durch einen Temperaturanstieg werden außerdem die Anbaumöglichkeiten in niederen Breiten zunehmend eingeschränkt oder zumindest die Erträge deutlich reduziert, da hier vielfach das pflanzenspezifische Temperaturoptimum bereits erreicht oder überschritten ist.
Die Situation höheren Winter- und geringeren Sommerniederschlags trifft auf die nur sehr mangelhafte Fähigkeit von Böden, fehlende Sommerniederschläge durch Speicherung der erhöhten Winterniederschläge auszugleichen. Selbst dort, wo die Niederschläge auch im Sommer ansteigen, wird durch die gleichzeitige Temperaturerhöhung die Verdunstung soweit zunehmen, daß die Niederschlagszunahme meist überkompensiert wird und die Bodenfeuchte abnimmt. Die Nährstoffaufnahme würde dadurch eingeschränkt. Möglicherweise müssen Standorte mit leichten Böden, die heute schon unter Wassermangel leiden, ganz aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden. Der Bewässerungsfeldbau wird als Folge bis in die gemäßigten Breiten hinein massiv zunehmen.
Für die Auswirkungen der zu erwartenden Klimaänderungen auf die Vegetation spielen neben direkten Wirkungen veränderter physikalischer Klimaparameter auch die indirekten Wirkungen einer veränderten stofflichen Zusammensetzung der Atmosphäre mit den daraus resultierenden Änderungen im Stoffaustausch zwischen Atmosphäre und Biosphäre eine mitentscheidende Rolle.
Klimaänderungen führen zu einem Selektionsdruck, dessen Resultat im Rahmen von Anpassungsprozessen wegen der vielfältigen Wechselwirkungen nicht vorhersagbar ist. Sicher ist aber, daß bei diesem Anpassungsprozeß die Stabilität des Ökosystemgefüges durch das Auftreten neuer konkurrierender Arten, neuer oder vermehrt auftretender Schädlinge, neuer oder aggressiverer Krankheitserreger, erhöhter Feuergefahr und Bodenerosion, beeinträchtigt werden kann. Mit zunehmendem Temperaturanstieg wird sich auch das Verbreitungsgebiet tropischer Krankheitserreger polwärts ausdehnen und die Zahl der bekannten Schädlinge in vielen Regionen zunehmen.
Von den direkten Wirkungen der stofflich veränderten Atmosphäre stehen die durch den veränderten CO2-Gehalt hervorgerufenen im Vordergrund.
Aufgrund seines hohen Anteils in der Atmosphäre und wegen seiner Schlüsselrolle in der pflanzlichen Photosynthese kommt dem CO2 eine besondere Bedeutung zu. In den vergangenen ca. 130 - 150 Jahren hat der CO2-Gehalt stetig von 280 auf 355 ppm zugenommen und steigt weiter an.
Da nahezu die gesamte Trockenmasse von Pflanzen aus der Reduktion des atmosphärischen CO2 zu Kohlehydraten während der Photosynthese stammt und die heutige, mittlere CO2-Konzentration der Troposphäre bei sonst optimalen Bedingungen limitierend auf die Photosynthese - zumindest von C3-Pflanzen wirkt - wird sich ein unmittelbarer Einfluß dieses CO2-Konzentrationsanstiegs auf das Pflanzenwachstum bzw. auf terrestrische Ökosysteme insgesamt bemerkbar machen.
Der oftmals vermutete "Düngungseffekt" einer erhöhten CO2-Konzentration ist umstritten. Gegenwärtig werden lediglich 10 Prozent der Erhöhung landwirtschaftlicher Pflanzenerträge auf diesen, nur C3-Pflanzen betreffenden Effekt zurückgeführt. Eine deutliche Steigerung wird teilweise erwartet.
Nahezu unbekannt ist die Reaktion mehrjähriger Kulturen (z.B. Dauergrünlandarten, Winterannuelle) auf hohe CO2-Gehalte der Atmosphäre. Die mehrfach nachgewiesene Stärke- bzw. Zuckerakkumulation im Pflanzengewebe könnte sich z. B. auf die Reservestoffgehalte in den Speicherorganen (Wurzeln, Stoppeln etc. auswirken und die Widerstandsfähigkeit gegen Stressperioden im Winter bzw. den Wiederaustrieb im Frühjahr verändern.
Erste Hinweise deuten zudem auf erhebliche Änderungen in der chemischen Zusammensetzung von Pflanzen (z. B. veränderte C/N-Verhältnisse) durch das hohe CO2-Angebot hin. Inwieweit dies neben einer Minderung der Qualität des Ernteguts bei Kulturpflanzen Konsequenzen hat für die Aktivität bzw. den Befall mit Fraßinsekten, für die Bodenlebewesen (aufgrund geänderter Zusammensetzung von Laubstreu und anderen Pflanzenresten) sowie für die Nährstoffumsätze im allgemeinen, ist noch wenig bekannt.
Auch der mit steigenden CO2-Konzentrationen einhergehende Anstieg der mittleren globalen Temperaturen wird zu Wechselwirkungen dieser beiden Wachtumsfaktoren führen.
Die Auswirkungen einer globalen Klimaveränderung auf die Trockenmassebildung von landwirtschaftlich genutzten Pflanzen sowie auf Wildpflanzen und damit auf die Dynamik der natürlichen Vegetation und auf die Rückkopplungseffekte zwischen der Kohlenstoffbilanz von Ökosystemen und der CO2-Konzentration der Atmosphäre können jedoch mit dem heutigen Kenntnisstand noch nicht quantitativ bewertet werden. Auch sind die Kombinationswirkungen veränderter Anteile von Luft- oder Strahlungskomponenten sowie qualitativ veränderten Klimaelementen noch unzureichend bekannt.
Es muß aber davon ausgegangen werden, daß die Geschwindigkeit der Klimaveränderung die Anpassungsfähigkeit landwirtschaftlicher und natürlicher Ökosysteme überfordert. Andererseits hält es das Bundeslandwirtschaftsministerium für möglich, die mitteleuropäische Landwirtschaft rein technisch an veränderte Klimabedingungen anzupassen, unklar ist jedoch, wie die damit verbundenen Anpassungsprobleme ökologisch, ökonomisch, strukturell, sozial und handelspolitisch zu bewältigen sind.

Lokale und regionale Ausweich- bzw. Anpassungsmöglichkeiten auf Klimaänderungen (nach Sauerbeck 1991):

Global gesehen wird bei allen Vorbehalten hinsichtlich aktueller Ertragsmodelle mit sinkenden Erträgen in den niederen Breiten gerechnet, mit regionalen Ertragszuwächsen in den mittleren und höheren Breiten. Insgesamt muß aber mit klimabedingten Ertragsverlusten in der Landwirtschaft gerechnet werden.

(s. a. Kohlendioxid, Treibhauseffekt)

Weitere Informationen:

Klimawandel und Landwirtschaft (Deutschland)

Wie kaum ein anderer Wirtschaftsbereich hängt die Landwirtschaft von Witterung und Klima ab. Die Änderungen wichtiger Klimakenngrößen wie Temperatur und Niederschlag sowie der Konzentration von Spurengasen in der Atmosphäre beeinflussen unmittelbar physiologische Prozesse in Kulturpflanzen und damit den Ertrag und die Qualität der Ernteprodukte. Zudem wirken sich Klimaänderungen auf die Pflanzenproduktion indirekt aus, indem sie strukturelle und funktionelle Eigenschaften von Agrarökosystemen verändern. Hierzu zählen z. B. Elemente der genutzten und assoziierten Biodiversität, physikalische, chemische und biologische Kenngrößen des Bodens oder das Auftreten von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Auch die Leistungsfähigkeit von Nutztieren hängt von Klima und Witterung ab.

Nach den für Deutschland mittelfristig projizierten klimatischen Änderungen sind bei differenzierter Betrachtung sowohl negative als auch positive Konsequenzen für die deutsche Landwirtschaft zu erwarten.
Auf der einen Seite werden extrem trockene und heiße Witterungsperioden, Starkregenereignisse oder auch Hagelschläge nachteilige Folgen für die Produktion haben. Auf der anderen Seite steigern ein moderater Temperaturanstieg und eine verlängerte Vegetationsperiode bei ausreichender Wasserversorgung das Ertragspotenzial. Außerdem können sich Bedingungen einstellen, die auch den Anbau von bisher nicht in unseren Breiten kultivierbaren Fruchtarten ermöglichen. Die Auswirkungen stellen sich in Abhängigkeit der jeweiligen Anbauschwerpunkte, der naturräumlichen Voraussetzungen und der sich tatsächlich vor Ort vollziehenden Klimaveränderungen allerdings regional sehr unterschiedlich dar. Daher sind bundesweite Durchschnittswerte stets mit Sorgfalt zu interpretieren. Neben der Pflanzenproduktion ist auch die Tierproduktion vom Klimawandel betroffen. Diskutiert werden Einbußen in der Fleisch-, Eier- und Milchproduktion infolge von Hitzewellen, erhöhte Risiken bei Tiertransporten und Beeinträchtigungen der Tiergesundheit. Wenn Tiere unter Hitzestress geraten, kann es zu einer Abnahme der Fruchtbarkeit oder zu Beeinträchtigungen der Eutergesundheit kommen, und wie der Mensch können auch Tiere von Infektionskrankheiten betroffen sein, die von wärmeliebenden Krankheitserregern übertragen werden. Bundesweit lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tierproduktion allerdings derzeit nicht darstellen, da die hierfür erforderlichen Daten nicht bundesweit verfügbar sind.

Entscheidend dafür, wie die Effekte des Klimawandels ausfallen, sind zum einen die Art und Intensität der Klimaveränderungen selbst, zum anderen die Empfindlichkeit der jeweils betrachteten Produktionssysteme und die Implementierung von Anpassungsmaßnahmen, mit deren Hilfe sich die Folgen des Klimawandels nutzen, vermeiden oder mildern lassen. Während z. B. eine moderate durchschnittliche Erwärmung oder die kontinuierliche Zunahme der atmosphärischen CO2-Konzentration durchaus positive Wirkungen auf die deutsche Pflanzenproduktion haben können, wirken sich besonders extreme Wetterlagen – regional unterschiedlich – meist deutlich negativ auf einzelne Landnutzungs- oder Produktionssysteme aus.
Anpassungen an den Klimawandel sind im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebs-, Landnutzungs- und Produktionsstrukturen zu betrachten und zu bewerten – Triebkräfte sind dabei in erster Linie der technische Fortschritt, die steigende Produktivität sowie ökonomische und politische Rahmenbedingungen, die sich vor allem in den vergangenen 10 Jahren stark geändert haben. Insbesondere die Entwicklungen auf den Agrarmärkten, die ihrerseits durch weltweite Klimaveränderungen beeinflusst werden, wirken sich auf die deutsche Landwirtschaft aus. Dieses Kapitel fasst den derzeitigen Stand der Erkenntnisse zu den möglichen Wirkungen des Klimawandels auf die deutsche Landwirtschaft sowie Anpassungsoptionen zusammen, mit einem Schwerpunkt auf der Pflanzenproduktion.

Die Auswirkungen der erwarteten Klimaveränderungen erscheinen für die deutsche Landwirtschaft in den nächsten 20–30 Jahren im Wesentlichen beherrschbar. Ihre Möglichkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen, sind vergleichsweise breit gefächert. Vor allem bei einjährigen Kulturen lassen sich Anpassungsentscheidungen auch kurzfristig treffen. Anspruchsvoller ist es dagegen in Betrieben, die Dauerkulturen bewirtschaften oder in der Tierproduktion tätig sind, denn hier sind längerfristig wirksame Investitionsentscheidungen erforderlich.

Für die längerfristigen klimatischen Veränderungen sind die Anforderungen zur Anpassung der Landwirtschaft in Deutschland neu zu analysieren. Zunehmende extreme Wetterlagen wie Früh-, Spät- und Kahlfröste, extreme Hitze, Dürre, Hagel und Sturm könnten die Landwirtschaft herausfordern. Bislang gibt es nur wenige belastbare Erkenntnisse, wie sich künftige agrarrelevante Extremereignisse auswirken, sowie über die Möglichkeiten des Risikomanagements. Einerseits bestehen erhebliche Unsicherheiten bezüglich der Entwicklungen auf den Agrarmärkten, der zukünftigen politischen Rahmenbedingungen sowie der Klimaveränderungen in den nächsten 20–30 Jahren. Andererseits ist die Landwirtschaft sehr anpassungsfähig, weil landwirtschaftliche Produktionszyklen deutlich kürzer sind als die Zeithorizonte des Klimawandels und weil die Landwirtschaft sich rasch technologisch wie strukturell verändert. Zudem passen sich landwirtschaftliche Betriebe traditionell an neue Witterungs- und Klimaverhältnisse an.
Daher unterliegt die Landwirtschaft zwar einem latenten, jedoch keinem dringenden Anpassungsdruck an den Klimawandel. Dies spiegeln zurzeit auch die Strategien vieler Bundesländer zur Anpassung an den Klimawandel wider. Die meisten Maßnahmen der Länder liegen in den Bereichen Monitoring, Forschung und Beratung. (Brasseur et al. 2017)

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Klimawandel und Landwirtschaft (global)

Der Fünfte Sachstandsbericht (AR5) des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (engl.: Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) kommt zu dem Schluss: Der Klimawandel ist eine eindeutige Tatsache. Menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Kohlendioxid, sind mit mindestens 90-prozentiger Sicherheit die Hauptursache dafür. Klimaveränderungen machen sich bereits überall auf dem Planeten bemerkbar.

Zusammenfassung

Bereits heute wirkt sich der Klimawandel in verschiedenen Weltregionen auf Ernteerträge und Lebensmittelproduktion aus – negative Folgen sind dabei häufiger zu beobachten als positive. Wenn sich die Landwirtschaft nicht anpasst, werden bis 2050 bei lokalen Temperaturanstiegen um 2 °C oder mehr (gegenüber dem Stand am Ende des 20. Jahrhunderts) Produktionsrückgänge erwartet. Einzelne Standorte könnten aber auch profitieren. Nach 2050 nimmt das Risiko stärkerer Ernteeinbußen zu, ihr Ausmaß richtet sich nach der eintretenden Erwärmung. In Afrika und Asien wird der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktion am stärksten treffen. Ein weltweiter Temperaturanstieg um 4 °C oder mehr) würde in Kombination mit der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln die Ernährungssicherheit weltweit und regional stark gefährden.

Im Jahr 2010 trug die Landwirtschaft mit 10 bis 12 % zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Der Agrarsektor ist die größte Quelle von Treibhausgasen jenseits des Kohlendioxids (z.B. Methan), 2005 verursachte er 56 % dieser Emissionen.

Sowohl über angebots-, als auch über nachfrageseitige Maßnahmen lässt sich der agrarbedingte Treibhausgasausstoß senken. Zu den Möglichkeiten auf der Angebotsseite (also bei der Landwirtschaft selbst) gehört die Senkung der Emissionen aus Landnutzungsänderungen, Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung. Außerdem ließe sich die Menge an CO2 erhöhen, die von Böden und Biomasse aufgenommen und gebunden wird. Die Emissionen der Gesamtwirtschaft können sinken, wenn fossile Brennstoffe durch solche aus Biomasse ersetzt (und wenn bei deren Produktion bestimmte Bedingungen eingehalten) werden. Auch die Nachfrageseite kann an der Minderung agrarbedingter Emissionen mitwirken, etwa wenn weniger Lebensmittel weggeworfen und verschwendet oder wenn andere (mit niedrigerem Treibhausgasausstoß verbundene) Lebensmittel konsumiert werden, also etwa weniger Fleisch.

Es liegt im eigenen Interesse des Landwirtschaftssektors, ehrgeizige Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen und mitzuhelfen, dass wichtige Schwellenwerte bei der Erderwärmung nicht überschritten werden. Ebenso wichtig ist es, sich auf den unvermeidlichen Temperaturanstieg und die damit verbundenen Klimaereignisse einzustellen. Zwar ist eine Anpassung an klimatische Auswirkungen grundsätzlich möglich (vor allem durch die Verbreitung bereits verfügbarer Techniken), doch es gibt Grenzen. Ein Anstieg der Erdmitteltemperatur um 3 °C oder mehr, wird Projektionen zufolge die Anpassungsfähigkeit insbesondere in äquatornahen Regionen überfordern.

Ernährungssicherheit

Die Kombination aus klimatischen Extremereignissen (etwa Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Waldbränden) und langfristigen Entwicklungen (steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster usw.) hat breite und tiefgreifende Folgen für den Agrarsektor und die weltweite Ernährungssicherheit. Der Klimawandel wird Ökosysteme beeinträchtigen oder gar zerstören, die vielfältige, für die landwirtschaftliche Produktion unerlässliche Dienstleistungen erbringen (beispielsweise Verbreitung von Samen, Abbau von Abfallstoffen, Bereitstellung von Nährstoffen). Nach dem Verlust von Lebensräumen ist der Klimawandel die weltweit größte Bedrohung für Bestäuberinsekten wie Bienen oder Hummeln.

Ernteerträge

Die während der vergangenen Jahrzehnte freigesetzten Treibhausgase beeinträchtigen bereits heute den Anbau von Reis, Weizen und Mais. Bei lokalen Temperatursteigerungen um 2 °C (die bei ungebremsten Emissionen an vielen Orten durchaus zu erwarten sind) ist mit weiter sinkenden Erträgen zu rechnen, wenn keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden. Die Folgen der Emissionen für die Ernten sind sehr komplex: Einerseits hat Kohlendioxid in den meisten Fällen eine stimulierende Wirkung auf das Pflanzenwachstum, andererseits werden Pflanzen durch bodennahes Ozon geschädigt, das im Zusammenhang mit menschlichen Emissionen entsteht. Erhöhte Ozonwerte haben die weltweiten Ernteerträge sehr wahrscheinlich bereits verringert, Schätzungen zufolge um zehn Prozent bei Weizen und Sojabohnen. Die grundsätzlich förderliche Wirkung eines höheren CO2-Niveaus auf die Photosynthese von Pflanzen dürfte zudem relativiert werden durch Veränderungen im Stickstoffkreislauf,
Temperaturextreme oder Wassermangel, die im Zuge des Klimawandels ebenfalls zu erwarten sind. Infolge der Erwärmung und anderer Faktoren werden wahrscheinlich jene Gebiete stark schrumpfen, die für den Anbau von Kaffee, Tee und Kakao geeignet sind – die Existenzgrundlage von Millionen Kleinbauern in mehr als 60 Ländern. Solchen Projektionen steht eine erwartete Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten um rund 14 % pro Jahrzehnt bis 2050 gegenüber.

Entwicklungsländer

In Entwicklungsländern sind die klimabedingten Risiken für die Landwirtschaft am größten. Den dortigen Bauern und Viehhaltern fehlt es an Ressourcen, die unverzichtbar sind zur Anpassung an die Erderwärmung (etwa Kapital, Technik und Wissen). Zudem treffen die Klimarisiken dort auf andere, bereits vorhandene Probleme ökologischer (zum Beispiel Bodenerosion, Wasserverschmutzung, schwindende Artenvielfalt), gesellschaftlicher (wie Ungleichheit, Armut, Geschlechterdiskriminierung) oder staatlicher Art (beispielsweise schwache Institutionen). Verschiedene Wechselwirkungen verschärfen die Risiken.

Wassersicherheit

Veränderte Niederschlagsmengen und -muster sowie der Rückgang von Schnee, Eis und Gletschern wirken sich in vielen Regionen auf die Wasserkreisläufe und damit auf Menge und Qualität des verfügbaren Wassers aus. Mit jedem weiteren Grad Celsius Erwärmung ist damit zu rechnen, dass für weitere sieben Prozent der Weltbevölkerung die erneuerbaren Wasserressourcen um mindestens 20 % abnehmen.

Preisschwankungen

Ein wichtiger Faktor bei den jüngsten Anstiegen der Lebensmittelpreise war, dass mehr Ackerland für den Anbau von Energiepflanzen genutzt wird. Doch dürften auch wetterbedingte Ertragsschwankungen eine Rolle gespielt haben, denn die Preisspitzen folgten oft auf klimatische Extreme in wichtigen Anbauländern. Wegen zunehmender Folgen der Erderwärmung werden bis 2050 Preissteigerungen für Mais um 55 %, für Reis um 37 % und für Weizen um 11 % erwartet. Eine größere Schwankungsbreite (”Volatilität“) der Preise hat negative wirtschaftliche Folgen, denn sie erhöht die Unsicherheit und möglicherweise auch die Produktionskosten und erschwert dadurch den Zugang zu lebenswichtigen Grunderzeugnissen. Arme Bevölkerungsgruppen werden durch klimabedingte Preissteigerungen überdurchschnittlich hart getroffen. Die Preisspitzen von 2010/2011 drückten schätzungsweise 44 Millionen Menschen in 28 Ländern unter die Armutsgrenze.

Lebensmittelqualität

Der Klimawandel wird wahrscheinlich die Qualität mancher Lebensmittel beeinträchtigen. Herrschen beim Anbau von Weizen, Reis, Gerste und Kartoffeln hohe CO2-Konzentrationen, verringert sich der Proteingehalt dieser Produkte um 10 - 14 %. Bei einigen Lebensmittelpflanzen könnte auch der Gehalt an Mineralien und Spurenelementen sinken.

Schädlinge und Krankheiten

In manchen Fällen lässt sich das Auftreten von Schädlingen auf den Klimawandel zurückführen. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster sowie häufigere und stärkere Hitzeextreme stören die natürliche Regulierung von Schädlingen und Krankheiten. Zugleich dehnen sich die Verbreitungsgebiete verschiedener Schädlinge aus. Hierdurch sind weitere Ernteeinbußen und Preisanstiege zu erwarten.

Viehhaltung

Zunehmender Hitzestress und häufigere Wetterextreme werden sich negativ auf die Viehbestände auswirken. Hochleistungsrassen sind besonders gefährdet. Die in Entwicklungsländern gehaltenen Züchtungen sind tendenziell widerstandsfähiger gegenüber Hitze und saisonaler Mangelernährung. Für Nutztiere gefährliche Krankheitserreger werden sich im Zuge des Klimawandels voraussichtlich ausbreiten.

Arbeit

Durch Hitzestress und Krankheiten, die beispielsweise von Insekten übertragen werden, wird eine Abnahme der Arbeitsproduktivität erwartet, vor allem für körperliche Arbeit in feuchtem Klima. Es liegt nahe, dass dies auch die Landwirtschaft treffen wird.

Lieferketten

Die Landwirtschaft ist nur ein Glied in den Lieferketten der Lebensmittelindustrie. Die Branche ist ebenso darauf angewiesen, dass Kühlung, Beförderung, Verarbeitung und Vertrieb funktionieren – und alle Glieder der Lieferketten sind klimatischen Risiken ausgesetzt, etwa Betriebsunterbrechungen. (nach klimafakten.de)

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Klimawirkung der Landwirtschaft (Deutschland)

Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).

Die wichtigsten Treibhausgase insgesamt, auch in landwirtschaftlich genutzten Ökosystemen, sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Wie die folgende Abbildung zeigt, treten diese bei der Landwirtschaft insbesondere in Zusammenhang mit der Wiederkäuerhaltung (Fermentation), Düngung und Nutzung organischer Böden auf. Die längerfristige Festlegung von Kohlenstoff findet sowohl im Boden als auch in der oberirdischen Biomasse (insbesondere Holz) sowie Holzprodukten statt. In Deutschland stellen die Wälder aufgrund dieser Festlegungsprozesse gegenwärtig eine Kohlenstoffsenke dar, obwohl es auf globaler Ebene aufgrund der Rodung von Wäldern Netto-THG-Emissionen aus dem Forstsektor gibt.

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Klon

Ein Klon ist ein durch ungeschlechtliche Vermehrung entstandenes neues Individuum, das genetisch mit dem Mutterindividuum identisch ist.

Klonen

Die Erzeugung eines oder mehrerer genetisch identischer Individuen von Lebewesen. Die Gesamtheit der genetisch identischen Nachkommenschaft wird bei ganzen Organismen wie auch bei Zellen als Klon bezeichnet.

Das Erzeugen von identischen Kopien einer DNA wird hingegen als Klonieren bezeichnet.

In der Landwirtschaft hat die ungeschlechtliche, d. h. vegetative Vermehrung, das Klonen von Kulturpflanzen, eine sehr lange Tradition. Damit soll erreicht werden, dass das Genom von Kulturpflanzen, die in der Regel durch Züchtung gewonnen wurden und bestimmte genetisch determinierte Eigenschaften besitzen, durch die Vermehrung nicht verändert wird. Zum Beispiel sind aus Knollen entstehende neue Kartoffelpflanzen Klone, genauso alle Zwiebelpflanzen. Auch der gesamte Weinanbau beruht auf Stecklingsvermehrung und Rebsorten sind im biologischen Sinne Klone. Das Gleiche gilt für alle Apfelsorten und die meisten anderen Obstsorten, die vegetativ durch Pflanzenveredelung vermehrt werden.

Bei ausdauernden Kulturpflanzen, etwa bei Reben, wird meist klonenreines Pflanzgut in Verkehr gebracht, d. h. alle Reben eines bestimmten Klones stammen von einer einzigen Mutterpflanze ab. Somit ist gewährleistet, dass der gesamte Bestand innerhalb einer Kultur, etwa eines Weinberges, größtmöglich homogen ist. Der klonenreine Anbau wird teilweise mit uniformen Weinen in Verbindung gebracht, daher pflanzen einige Winzer mittlerweile Klonengemische, also verschiedene Klonherkünfte etwa der Sorte Riesling, an.

Bei Säugetieren ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung auf natürlichem Wege allerdings nicht möglich. Um ein Säugetier zu erzeugen, das mit einem anderen bereits geborenen Individuum genetisch identisch ist, braucht es ein aufwendiges biotechnologisches Verfahren.
Bei Säugetieren ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung auf natürlichem Wege allerdings nicht möglich. Um ein Säugetier zu erzeugen, das mit einem anderen bereits geborenen Individuum genetisch identisch ist, braucht es ein aufwendiges biotechnologisches Verfahren.

Beispiele für erfolgreiches Klonen bei Tieren:

Heute werden vor allem Zuchtpferde mit hohen sportlichen Erfolgen bereits im größeren Umfang geklont. Im Jahr 2008 kamen in Südkorea sieben geklonte Drogenspürhunde zur Welt, die, so die Hoffnung der südkoreanischen Zollbehörde, ähnlich erfolgreich sein würden wie das Original, ein Golden Retriever namens „Chase“.

Die Ausbeute, also die Anzahl der tatsächlich entwickelten Organismen im Vergleich zu der Gesamtzahl an Zellen, die dem Nukleustransfer unterzogen worden sind, war zunächst sehr gering. Nur wenige Promille bis Prozent der so erzeugten Eizellen entwickelten sich zu Embryonen und Föten und wurden gesund geboren.

Die seit den 1990er-Jahren vom Menschen angewandte Technik des Klonens ermöglicht insbesondere die gleichförmige Vervielfachung von als nützlich erachteten kultivierten Pflanzen und Tieren, ohne die bei allen bisherigen Verfahren der Züchtung folgende Variation hinzunehmen.

Seit 2014 werden transgene Schweine als Versuchstiere für die Pharmaindustrie geklont. Bei diesen Tieren wurde die DNA so verändert, dass die Tiere besonders anfällig für bestimmte Krankheiten wie Alzheimer sind und für den Test von Medikamenten geeignet sind. Die Erfolgsrate beim Klonen beträgt 70–80 %.

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Klostergarten

Der mittelalterliche Klostergarten war ursprünglich ein Nutzgarten zum Zweck monastischer Autarkie. Die Gestaltung war von christlicher Symbolik und Weltdeutung beeinflusst. Der Klostergarten spielte in der Entwicklung von Pflanzen- und Heilmittelkunde zu wissenschaftlichen Disziplinen eine wichtige Rolle. Die Klöster nahmen mit ihren Gärten maßgeblichen Einfluss auf den Anbau von Pflanzen, deren Verbreitung in der Natur- und Kulturlandschaft und deren Verwendung in Ernährung, Medizin, Kultus und Alltag.

In von einem Kreuzgang umschlossenen Raum gab es auch Ansätze eines zweckfreien Gartens. Dem religiös determinierten Typus des Hortus conclusus folgend entstanden ähnlich konzipierte reale Gärten, deren Verbreitung jedoch aufgrund des Lebensniveaus und der räumlichen Enge der Städte, Burgen und Klöster beschränkt war.

Heutige „mittelalterliche“ Klostergärten sind Rekonstruktionen anhand weniger schriftlicher und bildlicher Quellen und vereinzelter archäologischer Befunde.

Knick

Heckentyp, vor allem in Schleswig-Holstein. Knicks bilden ein Netz dichter Heckenreihen, die auf Erdwällen angepflanzt wurden. Die Höhe der Wälle betrug ca. 1,50 m, ihre Sohlenbreite ca. 2,50 m. Die Böschung wurde durch den Einbau von einzelnen Steinen gesichert. Anschließend deckte man sie mit Soden ab. Der Boden für den Wall wurde seitlich entnommen, wodurch Gräben entstanden. Die Oberfläche des Walls erhielt eine leichte Mulde. Im Abstand von ca. 50 cm wurde der Wall bepflanzt.
Der Name leitet sich vom Umknicken einzelner Zweige der Heckengehölze ab, die dann in die stehenden Gehölze eingeflochten wurden, daß eine Art lebender und dichter Zaun entstand. Die Gehölze wurden auch kurz über dem Boden geknickt, um das Wachstum in die Breite zu fördern. Auf besseren Böden dominieren Hainbuche, Hasel und Weißdorn, auf ärmeren Eiche, Birke und Espe. Seit dem 18. Jahrhundert wurden sie im Rahmen umfangreicher Agrarreformen (Aufhebung der Feldgemeinschaften) als Windschutz und zur Brennholzversorgung angelegt. Außerdem grenzen sie einzelne Besitzparzellen gegeneinander ab und hindern das Vieh am Übertreten der Flurstücksgrenzen. Zusätzlich bieten die Wallhecken eine Ablagemöglichkeit für Lesesteine. Verschiedentlich wird die Funktion der Grenzmarkierung als dominierende Funktion herausgestellt.
Jeder Bauer erhielt dabei seinen eigenen Grund und Boden zugewiesen, den er mit "lebendem Pathwerk" einzukoppeln hatte. Die vor der Agrarreform regellos verstreuten Waldelemente und Buschgruppen wurden nach der Verkoppelung durch das lineare Knicksystem landschaftsökologisch voll ersetzt. Einer reichhaltigen Pflanzenwelt in den Knicks entspricht eine ebenso reiche Tierwelt 1.600 - 1.800 Tierarten in einer einzelnen Wallhecke möglich. Ihre weitere Bedeutung besteht u.a. in den Punkten:

Auf der Negativseite stehen den positiven Wirkungen gegenüber:

Eine jahrzehntelange Rodung der Knicks ist in jüngerer Zeit gebremst, ihren positiven Funktionen wird stärker Beachtung geschenkt.
Entsprechungen zur Knick-Landschaft sind das enclosed country in England und die bocage-Landschaft in Frankreich.

(s. a. Hecken)

Knöllchenbakterien

Knöllchenbakterien gehören zu den stickstoffbindenden Bakterien, d.h. sie können den Luftstickstoff in organische Bindungen überführen und somit für die Pflanzenernährung nutzbar machen. Dabei ist die Leistung der in einer Lebensgemeinschaft mit Leguminosen vorkommenden Knöllchenbakterien von beachtlicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Knollenfrüchte

Feldfrüchte mit genießbaren, gewöhnlich sehr stärkereichen Speicherorganen, den Knollen. In Mitteleuropa zählen nur Kartoffel und Topinambur dazu, in tropischen Gebieten Maniok, Batate (Süßkartoffel), Yams, Taro und Pfeilwurz.

Köbler

Regionalbezeichnung für einen landwirtschaftlichen Kleinstellenbesitzer in Ostfranken.

(s. a. Kötter, Seldner)

Kohlendioxid

CO2 gilt als das wichtigste anthropogene Treibhausgas, das schätzungsweise zu 50 % zum anthropogenen Treibhauseffekt beiträgt. Die bedeutendsten anthropogenen Quellen für CO2 sind die Verbrennung fossiler Brennstoffe (seit Mitte dieses Jahrhunderts dominierend) sowie die großflächige Vernichtung von Wäldern. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist seit Beginn der Industrialisierung (ca. 1800) von 280 auf 360 ppm, d.h. um rund ein Viertel angestiegen. Ein Anstieg auf 550 ppm bis zum Jahr 2050 und auf ca. 700 ppm bis 2100 gilt bei unverminderter CO2-Freisetzung als gewiss.

Der auf den Landmassen, in Meeren und Atmosphäre vorkommende Kohlenstoff wird ständig ausgetauscht, wobei sich deren Reservoire hinsichtlich Größe, Komplexität und Verfügbarkeit sowie ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden. Der Austausch der einzelnen Komponenten verläuft allerdings auf sehr unterschiedlichen Zeitskalen (Sekunden bis Jahrmillionen).

Der Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration wurde vor 1850 nahezu ausschließlich durch die Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftliche oder anderweitig genutzte Flächen hervorgerufen. Die gegenwärtig wichtigsten Quellen sind Landnutzungsänderungen (Abholzung von Primärwäldern und Umwidmung der Flächen für Landwirtschaft, Industrie und Besiedlung) und die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen erfolgte zunächst vor allem in Europa, den USA und Teilen Ostasiens. Innerhalb der letzten 100 Jahre sind vor allem die Tropen betroffen, wohingegen während der vergangenen Jahrzehnte die Waldflächen in den meisten Industrieländern wieder zunahmen.

Hinsichtlich der Senken bestehen noch Unsicherheiten, insbesondere gibt es Hinweise auf noch nicht identifizierte Senken. Gesichert scheint aber die Rolle der Ozeane als wichtigster Senke. In der Biosphäre werden durch die Photosynthese große Kohlenstoffmengen im Bereich von 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff jährlich aus der Atmosphäre aufgenommen, in Glukose und andere organische Verbindungen umgewandelt und von Pflanzen, Tieren und Zersetzern wieder zu CO2 in die Atmosphäre veratmet. Im Gleichgewicht (bei gleichbleibender Vegetation) sind beide Mengen gleich groß, so daß im Mittel keine Veränderung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre eintritt.

Die jährlich emittierte CO2-Menge von ca. 6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus fossilen Quellen mag gegenüber den biologisch umgesetzten Mengen klein erscheinen, sie ist es jedoch, die zusammen mit der großflächigen Zerstörung der Wälder, eine Veränderung des atmosphärischen CO2-Gehaltes bewirkt, gewissermaßen den Überlauf des Reservoirs darstellt.

Während etwa 80 % der oberirdischen Vegetation in Wäldern festgelegt ist, entfallen auf die agrarisch genutzten Flächen nur 0,8 % des Gesamtbiomassevorrates der Erde. Der an 100 % fehlende Rest besteht aus der nicht verholzten natürlichen Vegetation (z.B. Savannen).
Die in der Landwirtschaft durch Pflanzen aufgenommenen und über Tiere bzw. Produktverwertung abgegebenen CO2-Mengen kompensieren einander weitgehend. So kann die Landwirtschaft wegen der kurzen Speicherungszeiträume für CO2 nur indirekt zur Minderung der Emission von CO2 aus fossilen Quellen beitragen.

Als landwirtschaftliche Quellen für CO2-Emissionen, die zum zusätzlichen Treibhauseffekt beitragen, können nur auf fossilen Energieträgern beruhende Energieanwendungen und Vorleistungen sowie Freisetzungen aus Kohlenstoffdepots (Humus, Torf) bei Boden- und Landnutzungsänderungen (Waldrodung) betrachtet werden.

So hat die Landwirtschaft in Deutschland im Vergleich zu anderen Verursachergruppen eine untergeordnete Bedeutung bei den CO2-Emissionen, die sich auf 2 - 4 % der deutschen CO2-Emissionen belaufen. Im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe werden 1,4 t CO2/ha freigesetzt, Betriebe des ökologischen Landbaus emittieren im Schnitt nur 0,54 t CO2.

Gesamtemissionen an CO2 aus der holländischen Landwirtschaft und deren anteilige Herkunft aus den verschiedenen Produktionsbereichen
Gesamtemissionen an CO2 aus der holländischen Landwirtschaft und deren anteilige Herkunft aus den verschiedenen Produktionsbereichen

1 Energie für externe Vorleistungen
2 Energieeinsatz im Betrieb selbst
3 vorwiegend bei kultivierten Moorböden
Quelle: Sauerbeck 1994

Einige landwirtschaftliche Optionen für die Minderung von CO2-Emissionen (vgl. Treibhauseffekt):

Forstwirtschaft kann direkt und indirekt zur Entschärfung des CO2-Problems eingesetzt werden. Durch die Produktion von langlebiger Biomasse wird Kohlenstoff sowohl in den Bäumen wie auch nach deren Fällung im gewonnenen Nutzholz teilweise über längere Zeit festgelegt. Durch die Verbrennung von Schwachholz kann fossile Energie substituiert werden.

Durch ein Mehrangebot an CO2 in der Umgebungsluft wird für die meisten C3-Pflanzenarten (die Mehrheit aller Wild- und Kulturpflanzenarten) eine Stimulation der Photosyntheseleistung und daraus resultierend eine Förderung der Biomasseproduktion angenommen. Allerdings geht man davon aus, dass der Ertragszuwachs oberhalb von ca. 700 ppm CO2-Konzentration deutlich abflacht.
Modellrechnungen führen zu dem Schluß, daß bei einer CO2-Konzentration von 550 ppm und Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen, die dem pliozänen Klimaoptimum entsprechen, die Produktivität von C3-Pflanzen (u.a. Weizen, Gerste, Hafer und Reis) um 30 - 65 % steigen kann. C4-Pflanzen wie Mais profitieren vom CO2-Anstieg indirekt vor allem unter wachstumslimitierender Trockenheit.

Nach einem paläoanalogen Szenarium werden die mittleren Breiten Eurasiens und Nordamerikas und die Weizengürtel von Australien und Argentinien die produktivsten Regionen werden bzw. bleiben. Die Übertragbarkeit von Versuchen unter Gewächshausbedingungen auf Freilandstandorte und auch die Langzeitwirkung einer erhöhten CO2-Konzentration sind noch sehr unsicher. Zudem belegen manche Studien, daß in erster Linie die vegetative Pflanzenmasse und nicht unbedingt auch der - ökonomisch viel wichtigere - Frucht- bzw. Samenertrag. Auch kann die Ertragsbildung erheblich gestört werden, wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit der Pflanze steigt und die Abreife früher einsetzt. Nachgewiesen ist ferner eine nicht unbeträchtliche Veränderung der Gewebestruktur und der stofflichen Zusammensetzung der Pflanzen, vor allem durch die Zunahme der Kohlenhydrate zu Lasten der stickstoffhaltigen Eiweißverbindungen.

Der CO2-Effekt darf grundsätzlich nicht isoliert, sondern nur im Zusammenspiel mit der Gunst oder Ungunst aller übrigen Wachstumsfaktoren betrachtet werden.
Die Konsequenzen für die landwirtschaftliche Produktion beinhalten demnach viele offene Fragen, z.B. zu folgenden Aspekten:

(s. a. Klimaszenario (Westeuropa) und Landwirtschaft)

Kohlenhydrate

Große Gruppe von biologisch und chemisch bedeutsamen organischen Verbindungen, die durch die Photosynthese in Pflanzen gebildet wird (andere Bezeichnung: Saccharide). Sie machen den größten Teil der Biomasse aus. Kohlenhydrate dienen Zellen und Organismen als Energiequelle, Reservestoff und Gerüstsubstanz. Sie kommen in allen Pflanzen vor und sind ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Unverdauliche Kohlenhydrate werden als Ballaststoffe bezeichnet.

Kohlenhydrate ist der Oberbegriff für verschiedene Stoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Funktionen. Ihre Vielfalt ergibt sich aus einer großen Variationsbreite, sowohl bei den Zuckern als Grundbausteinen als auch aus der Art ihrer Verknüpfung zu komplexen Molekülen.

Die Monosaccharide (Einfachzucker, z. B. Traubenzucker, Fruchtzucker), Disaccharide (Zweifachzucker, z. B. Kristallzucker, Milchzucker, Malzzucker) und Oligosaccharide (Mehrfachzucker, z. B. Stachyose, Raffinose) sind wasserlöslich, haben einen süßen Geschmack und werden im engeren Sinne als Zucker bezeichnet. Die Polysaccharide (Vielfachzucker, z. B. Stärke, Cellulose, Chitin) sind hingegen oftmals schlecht oder gar nicht in Wasser löslich und geschmacksneutral.

Mono-, Di- und Polysaccharide (u. a. Stärke und Cellulose) stellen zusammen mit den Fetten und Proteinen den quantitativ größten verwertbaren und nicht-verwertbaren (Ballaststoffe) Anteil an der Nahrung. Neben ihrer zentralen Rolle als physiologischer Energieträger spielen sie als Stützsubstanz vor allem im Pflanzenreich und in biologischen Signal- und Erkennungsprozessen (z. B. Zell-Zell-Erkennung, Blutgruppen) eine wichtige Rolle.

Kohlenhydrate sind neben Fett und Eiweiß ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Nahrung. Wichtige Grundnahrungsmittel, die einen hohen Anteil an Kohlenhydraten aufweisen, sind die verschiedenen Getreidesorten, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden (Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer) bzw. als Viehfutter genutzt werden (vor allem Gerste, Hafer, Mais, Triticale). Die stärkehaltigen Getreideprodukte sind u. a. Brot, Nudeln, Kuchen u. v. a. m. Die Wurzelknollen der Kartoffel, eines Nachtschattengewächses, und die zu den Hülsenfrüchten gehörenden Erbsen, Bohnen und Linsen weisen einen hohen Kohlenhydratanteil auf.

Pflanzenarten, die vor allem zur Kohlenhydrataufnahme in der Ernährung beitragen, sind in der Liste der Nutzpflanzen zusammengestellt.

Die in der Pflanzenwelt als Stützsubstanz in großen Mengen vorkommende Cellulose ist für den Menschen unverdaulich. Sie ist aber von den Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen verwertbar, da diese sich in ihren Vormägen (Pansen) den mikrobiellen Aufschluss zu Nutze machen.

Kohlgemüse

Zur Familie der Kreuzblütler (Cruciferae / Brassicaceae) gehörende Gemüsepflanzen der Gattung Brassica mit einer Vielzahl von wirtschaftlich bedeutsamen Sorten von unterschiedlichem Aussehen und Geschmack.
Zur Gattung Brassica gehören 39 Arten, darunter bekannte Vertreter wie Raps und Senf sowie Brassica oleracea, der Gemüsekohl. Zu dieser Art gehören beispielsweise Kohlrabi, Broccoli, Wirsing, Rosen-, Grün- und Blumenkohl und als wirtschaftlich am bedeutendsten Rot- und Weißkohl. Von den Kohlsorten werden verschiedene Pflanzenteile genutzt. Beispielsweise sind dies bei Broccoli und Blumenkohl die Blütenstände, bei Kohlrabi die verdickte Sprossachse, bei Weißkohl, Rotkohl bzw. Blaukraut, Grünkohl, Chinakohl die Blätter oder die Achselknospen bei Rosenkohl.
Einige Sorten dienen auch als Futterpflanzen (Kohlrübe).

Herkunft

Die verschiedenen Kohlvarietäten stammen vermutlich aus einer im Mittelmeerraum heimischen Wildform ab. Bereits in der Antike wurde der Kohl von Römern und Griechen angebaut. Schon Karl der Große ließ im Mittelalter auf seinen kaiserlichen Gütern Kohl per Verordnung anpflanzen. Vor allem im Norden Deutschlands fanden sich für den Kohl hervorragende Anbaubedingungen.

Anbau und Ernte

Das größte geschlossene Kohlanbaugebiet Europas findet sich in Schleswig-Holstein in der Dithmarschener Region, der Kohlkammer Deutschlands. Auf einer Fläche von etwa 3.000 Hektar wird hier seit über hundert Jahren Kohl angepflanzt und etwa ein Drittel der deutschen Gesamtproduktion erzeugt. Im Jahr 2017 betrug die Gesamtanbaufläche in Deutschland ca. 20.000 Hektar. Das entspricht etwa einem Sechstel der gesamten Anbaufläche für Freilandgemüse in Deutschland. Der Großteil der Kohlernte Deutschlands entfiel dabei mit 620.000 Tonnen auf Rot- und Weißkohl (2017). (Destatis)

Der meiste Weißkohl wurde 2016 mit knapp 174.000 Tonnen in Schleswig-Holstein geerntet, gefolgt von 75.000 Tonnen in Bayern und 67.000 Tonnen in Nordrhein-Westfalen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Rot- und Weißkohl betrug 2014/2015 5,0 kg. Zusammen mit den anderen Kohlsorten ergab sich ein Gesamtverbrauch von knapp 10 kg.
Globale Haupterzeugerländer für Kohlgemüse sind Russland, China, Südkorea, Japan und Polen.

Kokosnuss

Die Kokosnuss ist die Frucht der Kokospalme; sie ist keine echte Nuss, sondern eine einsamige Steinfrucht und gehört zu den größten Früchten im Pflanzenreich. Die 20 bis 30 cm lange Frucht wiegt reif zwischen 900 und 2500 Gramm. Eine grüne Hülle umgibt die eiförmige, einsamige Frucht. Darunter liegt eine erst fleischige, dann faserige, mehrere Zentimeter dicke Schicht. Der Kern hat eine sehr harte, holzige Schale. Er ist hohl und im unreifen Zustand mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt, dem Kokoswasser. Während der Reifung wird die Flüssigkeit weniger und eine ein bis zwei Zentimeter dicke fleischige Schicht wächst im Steinkern. Es ist das feste und fasrige Fruchtfleisch der Kokosnuss, das roh verzehrt werden kann.

Das frische Fruchtfleisch enthält ungefähr 45 % Wasser, maximal etwa 50 %. Durch Trocknen wird der Wassergehalt des Fruchtfleisches auf 5 % reduziert. Man spricht dann von Kopra. Der Fettgehalt beträgt jetzt 63 bis 70 %. Eine einzelne Palme liefert zwischen 5 und 20 kg Kopra pro Jahr.

An den Küsten Indiens, Burmas, Indonesiens und den pazifischen Inseln stellt das Fruchtfleisch der Kokosnuss das zentrale Nahrungsmittel dar. In Süd- und Südostasien ist die Kokosmilch, ein aus frischem Endosperm hergestellter Presssaft, eine wichtige Zutat heimischer Gerichte. Auch zu Paste verarbeitet ist Kopra eine Kochzutat. Dort, wo Kokospalmen wachsen, werden auch die Endknospen junger Palmen als Gemüse (Palmkohl) genossen. Aus dem süßen Blutungssaft der Blütenstände („Toddy" mit 15% Zuckergehalt) lässt sich Palmzucker gewinnen oder Sirup, Palmwein bzw. Palmschnaps (Arrak) herstellen.

Das Auspressen von Kopra liefert das Kokosöl oder Kokosfett (Kokosbutter), das aus den Glycerinestern der sog. Kokosfettsäuren besteht. Durch Reinigung des wasserhaltigen, leicht verderblichen, rohen Kokosfetts erhält man weißes, bei Zimmertemperatur festes Kokosfett, das sich als Speisefett oder als Grundstoff für die Herstellung von Margarine, Kerzen, Salben, Seifen oder Shampoo eignet. Kopraraspel oder -flocken werden in der Süßwarenindustrie verwendet.

Der Pressrest voller Zucker, Eiweiß und Mineralien ist ein wertvolles Viehfutter.

Als Kokosfasern, auch bekannt als Coir, werden die Fasern bezeichnet, die aus der äußeren Umhüllung der noch unreifen Kokosnuss, dem Mesokarp, gewonnen werden. Aus diesen dauerhaften und elastischen Fasern werden nach einer Wasser-Röste u.a. Seile, Teppiche und Fußmatten hergestellt. Die Blattfiedern der vielseitig nutzbaren Kokospalme können zu Flechtwerk verarbeitet werden; der Stamm ist als Bau- und Möbelholz geeignet. Die Schalen der Steinfrucht schließlich dienen vor allem für die Kleinbauern als Heizmaterial oder zur Herstellung von Haushaltsgeräten (Trink- und Schöpfgeräte).

Kokosnüsse können wochenlang im Meer schwimmen ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. So haben sie sich vermutlich auch von Insel zu Insel verbreitet. Da sie sehr gut zu lagern sind und außerdem reich an Vitamin C, Mineralstoffen, Fett und Eiweiß sind, wurden sie auf Seereisen mitgeführt und auf diese Weise durch den Menschen verbreitet.

Kokospalme

Die Kokospalme (Cocos nucifera) ist ein, vermutlich von den Südseeinseln stammendes tropisches Palmengewächs, an dem die Kokosnuss wächst. Es gibt verschiedene Sorten. Kokospalmen werden seit mindestens 3000 Jahren angebaut. Heute liefert die Kokospalme 8 Prozent des weltweiten Bedarfs an Pflanzenöl und bietet daneben noch weitere Nutzungsmöglichkeiten.

Das Wort Kokos geht über spanisch und portugiesisch coco zurück auf spätlateinisch coccus und letztlich auf altgriechisch κόκκος kókkos, was „Kern“ oder „Beere“ bedeutet.

Da die schwimmfähigen, gegen Salzwasser unempfindlichen Früchte der Kokospalme durch Meeresströmungen weit verbreitet werden, ohne dabei ihre Keimfähigkeit einzubüßen, findet man die Pflanze nicht nur an allen tropischen Küsten, sondern auch entlang der Flussläufe bis zu 150 km landeinwärts. Die weite Verbreitung ist aber auch anthropogen bedingt.

Die Kokospalme stellt hohe Wärmeansprüche und ist frostempfindlich. Sie ist eine Palme der feuchtwarmen Tropen und fruchtet nur zwischen dem 26. Grad südlicher beziehungsweise nördlicher Breite.

Das Hauptverbreitungsgebiet und die Hauptanbaugebiete liegen zwischen 15 Grad südlicher und 15 Grad nördlicher Breite und weisen eine mittlere Jahrestemperatur von 27 °C auf. Außerdem darf die Mitteltemperatur des kühlsten Monats nicht unter 20 Grad Celsius liegen. Die Palme ist sehr wasserbedürftig und gedeiht in Gebieten mit Niederschlagswerten von 1000 bis 5000 mm/a. Das Optimum, ablesbar an der Fruchtbildung, beträgt 1200 bis 2300 mm. Günstig ist eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge, wobei kürzere Trockenperioden ertragen werden. Erreichen diese aber 5–6 Monate, geht der Fruchtansatz auf Jahre zurück. Kokospalmen leiden unter sehr trockenen, warmen Winden. Kokospalmen sind lichtbedürftige Pflanzen, lediglich Jungpalmen vertragen Halbschatten. Bei der Aufzucht von Jungpalmen wird bewusst schattiert und bei Trockenheit gewässert.

Die Palme gedeiht besonders gut auf sandigen Lehmen an Küsten und Flussmündungen, überhaupt auf allen frischen, lockeren, nährstoffreichen und tiefgründigen Böden. Der pH-Wert ist nicht maßgebend (beispielsweise in Puerto Rico gedeiht sie auf Böden mit pH-Werten von 5 bis 8,0). Die Palme verträgt Salzwasser bis 0,638 % (in Indien gemessener Wert).

Ungeeignet sind zeitweise überflutete oder verfestigte Böden. Wenig geeignet sind trockene, leichte Sande. Diesen fehlt es an Nährstoffen und Wasser, derer die Kokospalme bedarf. Kalk ist vorteilhaft, die Kaliversorgung wichtig. Heute sind Palmenplantagen durch Düngung auch auf nährstoffarmen Böden möglich.

Beispielsweise ist die Kokospalme in den gesamten inneren Tropen Südostasiens, in denen der Anbau agrarökologisch möglich ist (d. h. bis zu einer Höhe von ca. 800 m), ein Charakterbaum aller bäuerlichen Hausgärten. Wie kein anderer Baum ist die Kokospalme hier in die Wirtschafts- und Lebenswelt der Bevölkerung integriert. Mit der seit dem 19. Jahrhundert möglichen Margarineproduktion wurden Kokospalmprodukte zu einem wichtigen Welthandelsgut, das zunehmend auch auf Plantagen erzeugt wurde. Auf vielen Inseln der Philippinen, wie insbesondere im südlichen Luzon und in Indonesien auf Sulawesi, Sumatra, den Molukken sowie in der besser erschlossenen nördlichen Küstenzone Papuas ist die Kokospalme heute eine bedeutende Plantagenkultur, obwohl sie ihre vormals dominante Rolle für die Margarineindustrie an die Ölpalme abgeben musste (Vorlaufer 2009).

Kokospalmen besitzen einen unverzweigten, schlanken und grauen Stamm. Es gibt hochwüchsige Kokospalmen, die 25 bis 30 Meter erreichen und bis zu hundert Jahre alt werden. An ihrer Spitze bilden bis zu 35 ca. 6 -7 m lange, gefiederte Blätter einen Schopf aus. Zwergwüchsige Varietäten werden nur etwa sechs Metern hoch und meist nicht älter als fünfzig Jahre.

Die verzweigten, aus den Blattachseln hervorgehenden Blütenstände bestehen aus einer Unzahl staminater und zahlreichen karpellaten Blüten, die durch Insekten oder Vögel bestäubt werden. Die Reifezeit der aus 10–15 kopfgroßen Steinfrüchten bestehenden Fruchtstände beträgt fast 1 Jahr.

Kokospalmen liefern ab der zwölften Ernte vollen Ertrag. Je älter und höher die Palmen, umso schwieriger und unrentabler wird die Ernte. Die Kokosnuss wird als grüne, relativ unreife, dreieckige, etwas mehr als kopfgroße Frucht geerntet. Die Ernte erfolgt hauptsächlich vom Boden durch Messer an mehrere Meter langen Stielen oder durch Hochklettern. In Thailand, Malaysia und Indonesien werden teilweise dressierte Makaken eingesetzt, die auf die Bäume klettern und über Zurufe dazu gebracht werden, die Nuss so lange um ihre eigene Achse zu drehen, bis sie von der Palme fällt.

Die außen weiß- oder grünlich, gelb oder orange gefärbte Frucht der Kokospalme (Kokosnuss) ist keine echte Nuss, sondern eine einsamige Steinfrucht. Der eigentliche Samen ist umhüllt von einer dicken Faserschicht aus einer ledrigen Außenschicht (Exokarp), einem zunächst fleischigen, dann faserreichen, lufthaltigen Mesokarp und einer sehr harten, 5 mm dicken inneren Schale (Endokarp). Der Hohlraum im Inneren wird zum Teil eingenommen von einem flüssigen, zunächst wässrig hellen, dann trüben Nährmedium, dem Kokoswasser, das oft fälschlich als „Kokosmilch" bezeichnet wird.

Das fasrige Mesokarp wird bei Exportfrüchten schon im Erzeugerland entfernt. Aus den dauerhaften, elastischen Kokosfasern, dem sog. Coir, werden nach einer Wasser-Röste u.a. Seile, Teppiche und Fußmatten hergestellt. Der Palmenstamm liefert Bau- und Nutzholz, Palmblätter werden für Dachbedeckungen genutzt.

Das Endosperm der etwa 1 kg schweren Kokosnuss wird durch Zerkleinern und Trocknen zu Kopra verarbeitet. Das Auspressen von Kopra liefert das Kokosöl oder Kokosfett (Kokosbutter), das aus den Glycerinestern der sogenannten Kokosfettsäuren besteht.

Weitere Informationen:

Kolchose

Von der russischen Bezeichnung für Kollektivwirtschaft kollektivnoe chozjajstvo; landwirtschaftliche Betriebsform in der früheren UdSSR und z.T. noch in heutigen GUS-Staaten, die formal eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft darstellt. Die Kolchosbevölkerung selbst tritt dabei als Unternehmer auf. Ihre Produktionsmittel sind, mit Ausnahme des nationalisierten Bodens, Eigentum der Gesamtheit ihrer Mitglieder.
Wie die Mitglieder von Sowchosen besaß die Kolchosbevölkerung eine persönliche Nebenerwerbslandwirtschaft, die eine erhebliche Bedeutung für die gesamtstaatliche Marktleistung aufweist.
Die russische Volkswirtschaft und damit auch der Agrarsektor befand sich in den letzten Dekaden in einem Transformationsprozess von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die Entwicklung der Betriebsstruktur wird von der Privatisierungs- und Bodenpolitik beeinflusst sowie durch neue Preisstrukturen bestimmt. Die Privatisierung hat die Vielfalt der Betriebsformen erhöht und den Anteil des privaten Sektors anwachsen lassen. Der Kollektivsektor ist dagegen geschrumpft.

Trotz der Privatisierung war die Entwicklung eines freien Bodenmarktes Mitte der neunziger Jahre nicht abgeschlossen. Formal gilt die Umformung der früheren Kolchosen und Sowchosen in Unternehmens- und Rechtsformen westlichen Typs als weitgehend abgeschlossen. Seit Einführung der 1988 eingeleiteten Agrarreform sind aus 28.000 Kolchosen und Sowchosen mit einer Durchschnittsgröße von 7.500 ha LF etwa 300.000 privatbäuerliche Betriebe mit einer Durchschnittsgröße von ca. 36 ha und einem durchschnittlichen Besatz von 3 Arbeitskräften entstanden. Etwa 18.000 ehemalige Kolchosen und Sowchosen, die 1994 durchschnittlich noch 6.000 ha LF bewirtschafteten, existieren überwiegend als GmbHs und AGs geschlossenen Typs weiter. Einen bedeutenden und noch zunehmenden Anteil an der Agrarproduktion besitzen die ca. 39 Mio. persönlichen Selbstversorgungswirtschaften und kollektiven Gärten, die etwa 40 % der gesamten Tierproduktion abdecken und ca. 90 % der Kartoffeln und 67 % des Gemüses erzeugen, im Durchschnitt aber nur über 0,34 ha LF verfügen. Die privaten Erzeuger bedienen sich dabei in beträchtlichem Maße der Faktorausstattung der Großbetriebe.
Mittelfristig werden die ehemaligen Kolchosen und die Sowchosen die der Anzahl und dem Volumen nach dominierenden Produktionseinheiten bleiben. Der Formalvorgang der Privatisierung macht die Kollektivbetriebe zu de jure selbständig entscheidenden Produktionseinheiten, die unabhängig vom Staat geführt werden, de facto bleiben allerdings die Abhängigkeiten der Betriebe, insbesondere auf marginalen Standorten, erhalten. Gleichzeitig hat sich vor allem an der internen Entscheidungsstruktur in diesen Kollektivbetrieben in der Realität nur wenig geändert. Führungskräfte der neuen Rechtsform sind in der Regel ehemalige Direktoren und Vorsitzende.

(s. a. Kollektivierung)

Entwicklung der Betriebsstruktur im russischen Transformationsprozess
Entwicklung der Betriebsstruktur im russischen Transformationsprozess

1"LPH" ist die russische Abkürzung für kleine, privat bewirtschaftete Einheiten ("household plots") von Angestellten der Genossenschaftsbetriebe
2"Datscha" ist der russische Name für die von meist städtischen Haushalten bewirtschafteten Gärten
Quelle: tho Seeth und Wehrheim 1996, leicht verändert

Kollektivierung

Überführung von Privat- in Gemeinschaftseigentum, insbesondere bezüglich landwirtschaftlicher und gewerblicher bzw. industrieller Produktionsmittel in den meisten ehemals kommunistisch-sozialistischen Staaten.

Beispielsweise wurden in der früheren DDR die Agrarbetriebe in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überführt oder in vergleichbare Strukturen in anderen (ehemals) sozialistischen Staaten. Die Kollektivierung in der DDR bedeutete das weitgehende Ende der Besitzgemengefluren, die mit Ausnahme der kleinflächigen Areale der überwiegend in Ortsnähe gruppierten Persönlichen Hauswirtschaften zum kollektiven Großblock mit großparzellierten Wirtschaftsparzellen umgestaltet wurden. Da die Althöfe in den Dörfern hauptsächlich Wohnzwecken dienten und die Arbeit auf den Ländereien und in den LPG-Zentralen ausgeübt wurde, fehlt die für Verkoppelungen charakteristische Erscheinung der Aussiedlung.

Auch in Südostasien erfolgte ein massiver Umbruch der Agrarverfassung mit der kommunistischen Machtübernahme in Vietnam und Laos, eingeschränkter in Kambodscha. Recht radikal erfolgte mit dem Sieg der Kommunisten in Nordvietnam 1994 und in Südvietnam 1975 eine vollständige Beseitigung agrarischen Privatlandes. Die relativ großen und zahlreichen, auf den Nassreisanbau ausgerichteten Betriebe der (oft stadtsässigen und häufig chinesischen) Großgrundbesitzer im Mekong- und Rote-Fluss-Delta wurden zu Genossenschafts- oder Staatsbetrieb. Die in Südvietnam große Flächen einnehmenden (v.a. Kautschuk-)Plantagen mit überwiegend ausländischen, v.a. französischen Eignern wurden verstaatlicht.

In Laos wurde nach sowjetischem und vietnamesischem Vorbild eine Kollektivierung der Landwirtschaft durchgeführt, die v.a. Nassreisbauern in der Nähe der Städte betraf. In den Kollektiven, in die alle Bauern ihr Land einbringen und auch Landlose Mitglieder werden mussten, blieb die vormalige Subsistenzproduktion erhalten. Jedoch veränderte sich die soziale Organisation der Dörfer, die nun vom Staat gesteuert wurden und nach Planvorgaben für den Binnen- und Auslandsmarkt produzieren sollten, was aber scheiterte.

1986 wurden wie in Vietnam marktwirtschaftliche Reformen eingeleitet, die Kollektivierung wurde rückgängig gemacht. Viele Agrarflächen wurden wieder privatisiert oder den Bauern als Pachtflächen überlassen bzw. wurden ihnen langjährige Nutzungsrechte garantiert. Die marktwirtschaftliche Orientierung machte Vietnam in wenigen Jahren von einem Reisimportland zu einem bedeutenden Reisexporteur, allerdings bei gleichzeitig massiven Eingriffen in die Umwelt. (Vorlaufer 2009)

Kollektivwirtschaft

Gesamtheit der in überwiegend in sozialistischen Ländern (früher) üblichen Kooperationsformen. Es sind bzw. waren meist mehr aus staatsideologischen als aus wirtschaftlichen Gründen zusammengeschlossene, große Betriebseinheiten, deren Mitglieder sich zu Facharbeitern spezialisierten. Es lassen sich zwei (historische) Arten von Kollektivwirtschaften unterscheiden:

Daneben existier(t)en in nicht-sozialistischen Staaten unterschiedlichen Formen von Kollektivwirtschaften, z.B. indianische Kollektivwirtschaften oder religiöse Agrarkommunen. Zu letzteren zählen die Brüdergemeinden der Hutterer in Nordamerika, die der Idee der urchristlichen Gütergemeinschaft folgen. Die Kibbuz-Idee in Israel geht auf zionistisches wie auch sozialistisches Gedankengut zurück. Die Agrarproduktion in den Kibbuzim verliert inzwischen an Bedeutung.

(s. a. agrarsoziale Systeme)

Kolluvisol

Anthropogene Bodeneinheit, die in der Kulturlandschaft weit verbreitet auftritt. Eigentlich sind Kolluvisole vom Wasser oder Wind umgelagerte, humose Bodensedimente von über 40 cm Mächtigkeit und können die verschiedensten Böden überlagern. Als umgelagerte Ackerböden sind sie oft mit Nährstoffen angereichert.

Kolmatierung

Auch Kolmation; ursprünglich wurde mit Kolmation, entsprechend der Herkunft vom italienischen colmata (dt.: Auflandung, Aufspülung), vor allem die Aufhöhung von tiefliegenden, durch Hochwasser bedrohten Landflächen durch natürliche oder künstliche Aufschwemmung mit Kies, Sand und Schlamm bezeichnet. Durch eine Zuführung von schlammreichem Wasser über künstliche Kanäle wurde versucht, Sumpfflächen oder Talauen so aufzuhöhen, dass sie für eine Besiedlung oder landwirtschaftliche Nutzung geeignet waren.

Das bekannteste Beispiel sind die jährlichen Nilüberschwemmungen und Bewässerungen mit schlickhaltigem Wasser im alten Ägypten. Aber auch aus Italien, Frankreich, der Schweiz (z.B. bei Martigny), Deutschland und England sind viele Kolmatierungswerke ausgeführt worden (Leibundgut/Vonderstrass 2016). Meist waren es Mehrzweckprojekte, die verschiedenen Zielen dienten, z.B. Hochwasserschutz, Landgewinnung, Entwässerung, Malariabekämpfung, Bewässerung.

Kolonisation

Die Ausweitung des Siedlungs- und Kulturlandes, je nach historischem Kontext auch verbunden mit der Gründung und Entwicklung von Kolonien (lat. colonia: Ansiedlung).

Kolonisation und die verwandten Begriffe haben in Bezug auf menschliche Gesellschaften ein weites Bedeutungsspektrum. Sie beziehen sich auf die Landnahme und die Besiedelung von Gebieten, sowie auf die Expansion einer Gesellschaft über ihren angestammten Lebensraum hinaus. Die Begriffe werden in Politik- und Geschichtswissenschaft sowohl für frühe Kulturen verwendet, als auch für neuzeitliche Entwicklungen. Die Kolonisation in der Neuzeit kann die Urbarmachung, Besiedelung und Entwicklung bisher ungenutzter Gebiete eines Staates bedeuten. In diesen Fällen wird auch von Binnenkolonisation (-kolonisierung) oder innerer Kolonisation gesprochen. Kolonisation kann aber auch expansive und aggressive Usurpation und anschließende Fremdherrschaft durch ein Volk aus einer anderen Kultur, durch eine fremde Staatsmacht, also Kolonialismus bedeuten.

Landnahme gab es bereits in der Steinzeit. Kolonisationen gibt es seit der Entstehung von Hochkulturen. Kolonisatoren konnten außer Staaten auch Gebietskörperschaften (Teilstaaten) oder Institutionen (Kaufleute, Orden, Freibeuter, Piraten) sein. Diese frühe Kolonisation ist nicht an den neuzeitlichen Begriff der Schaffung eines überseeischen Gebietes eines zentralistischen Staates gebunden, sondern war mit sehr unterschiedlichen Begleiterscheinungen verbunden. Kolonisation ist grundsätzlich von Kolonialismus als Herrschaftsprinzip zu unterscheiden. Die Kolonisation aus Expansionsstreben bezeichnet man als Imperialismus. Kolonisation hat, auch wenn offiziell andere Gründe genannt werden oder in der Diskussion sind, primär wirtschaftliche Gründe. Man sicherte sich z. B. den Zugriff auf Ressourcen (Menschen, Waren) in einem fremden Gebiet oder Staat.

Mit dem Begriff Innere Kolonisation wurde zeitgenössisch die Parzellierung und Aufsiedlung von Gütern in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den östlichen Provinzen Preußens, bezeichnet.

Sie war eine direkte politische Reaktion auf die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in diesen Gebieten zu beobachtende Landflucht. Die Befürworter der Siedlungsbewegung gaben der ihrer Meinung nach ungesunden Verteilung des Grundbesitzes, bei der sich ein Großteil – meist mehr als die Hälfte – des Grund und Bodens im Besitz von Großgrundbesitzern befand, die Schuld. Sie propagierten deshalb eine Verringerung des Anteils des Großgrundbesitzes und die gezielte Schaffung von bäuerlichen Familienbetrieben.

(s. a. Agrarkolonisation)

Kolumbus-Effekt

Auch Columbian Exchange (engl. für Kolumbianischer Austausch); der Begriff bezeichnet den umfangreichen und gegenseitigen Transfer von Pflanzen, Tieren, Kulturelementen, Menschen, Technologien und von Wissen zwischen der Neuen Welt (Nord- und Südamerika) und der Alten Welt, der sich im 15. und 16. Jahrhundert im Gefolge der Entdeckungsfahrt von Christoph Kolumbus (1492) und der europäischen Kolonisierung vollzog. Invasive Arten und ansteckende Krankheiten waren Nebenprodukte dieses Austausches.

Auswirkungen

Der Begriff "Columbian exchange" wurde 1972 von dem amerikanischen Historiker Alfred W. Crosby in seinem umwelthistorischen Werk The Columbian Exchange eingeführt und wurde inzwischen von anderen Historikern und Journalisten übernommen und zum Teil modifiziert.

Die hierdurch ins Bewusstsein gerückten Vorgänge bilden eine wichtige Grundlage für vielfältige, teils revolutionäre historische Entwicklungen der Neuzeit, die sich auch im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontext der Weltgeschichte seit Anfang des 16. Jahrhunderts niederschlugen.

Der beschriebene Kontakt zwischen den beiden Gebieten bewirkte eine Bevölkerungszunahme in beiden Hemisphären, auch wenn Krankheiten anfänglich zu einem jähen Bevölkerungsrückgang der amerikanischen Ureinwohner führten.

Der Austausch von Pflanzen und Tieren wandelte die europäischen, amerikanischen, aber auch die afrikanischen und asiatischen Lebensarten um. Nahrungsmittel, die einige Völker nie zuvor gesehen hatten, wurden unverzichtbar. Praktisch keine Gesellschaft auf der Erde konnte sich den Auswirkungen entziehen. Dies umfasst auch den Kulturbau der Neobiota. Das Jahr 1492 wird hier als allgemeines Stichdatum gewählt, das jeweilige Einsetzen der Wirkungen ist nach Landstrich durchaus unterschiedlich: So waren beispielsweise Kartoffeln vor 1492 außerhalb Südamerikas unbekannt, jedoch im 18. Jahrhundert in Irland unverzichtbar. Der erste europäische Import, das Pferd, änderte die Lebensgewohnheiten vieler amerikanischer Ureinwohner auf den Prärien in einen nomadischen Lebensstil mit der Jagd auf Bisons zu Pferde. Die Tomatensauce, hergestellt aus Tomaten aus der Neuen Welt, wurde ein italienisches Warenzeichen, aber Kaffee und Zuckerrohr aus Asien bildeten die wichtigsten Anbaupflanzen Lateinamerikas. Vorher gab es keine Orangen in Florida, keine Bananen in Ecuador, keine Rinder und Milchprodukte in Argentinien, keine Kautschukbäume in Afrika, keine Viehwirtschaft in Texas und keine Schokolade in der Schweiz.

Ursprüngliche Heimat ausgewählter, dem Menschen nahestehender Lebewesen und Organismen
Lebewesen / Organismus Alte Welt Neue Welt
Tiere
  • Altweltkamele
  • Pferde
  • Esel
  • Schweine
  • Rinder
  • Ziegen
  • Schafe
  • Westliche Honigbiene
  • Truthuhn
  • Lamas
  • Alpakas
  • Meerschweinchen
Pflanzen
  • Reis
  • Weizen
  • Gerste
  • Hafer
  • Roggen
  • Rüben
  • Zwiebeln
  • Kohl
  • Kopfsalat
  • Pfirsiche
  • Birnen
  • Zuckerrohr
  • Weintraube
  • Speiserübe
  • Mais
  • Kartoffeln
  • Erdnüsse
  • Tomaten
  • Kürbisse
  • Ananas
  • Papayas
  • Avocados
  • Phaseolus
  • Kakao
  • Paprika
  • Süßkartoffel
  • Tabak
  • Vanille
  • Chinarinde
  • Maniok
Krankheiten

Bakteriell:

  • Tuberkulose
  • Cholera
  • Beulenpest

Viral:

  • Pocken
  • Gelbfieber
  • Masern

Parasitär:

  • Malaria

Bakteriell:

  • Syphilis

Parasitär:

  • Chagas-Krankheit

Quelle: Wikipedia

Kommerzialisierungsgrad

Der Anteil der Vermarktung am Rohertrag.

Die Unterscheidung von Betrieben nach ihrem Kommerzialisierungsgrad
Die Unterscheidung von Betrieben nach ihrem Kommerzialisierungsgrad

Eigenbedarfswirtschaft nur für die Familie oder die Kleingruppe gibt es nur noch in kleinerem Umfang. Der Wunsch nach Konsumgütern oder finanzielle Verpflichtungen führen auch in den meisten Entwicklungsländern dazu, dass mehr als 50 % der Agrarproduktion vermarktet werden.

Weitere Informationen:

Kompost

Kompost ist eine Mischung aus organischen, verrottenden Abfällen. Sie werden durch Kompostierung (aerobe Verrottung) im Laufe von 1 - 2 Jahren bei mehrmaligem Umsetzen und Beimengen von erdigen Bestandteilen sowie evtl. Jauche und Handelsdünger zu einem Humusdünger umgewandelt. Die an Kleinlebewesen besonders reiche Substanz dient der Belebung des Kulturbodens.

Es sind zu unterscheiden:

Eine der Klärschlammverordnung vergleichbare rechtliche Regelung für Komposte gibt es derzeit in Deutschland nicht.

Weitere Informationen:

konservierende Bodenbearbeitung

Bearbeitungs- und Bestellverfahren ohne wendende Pflugarbeit. Varianten sind z.B. die tieflockernde Bearbeitung mit dem Schwergrubber, die flachlockernde und mischende Bearbeitung mit Scheibenegge, Spatenrollegge, Fräse oder zapfwellengetriebenen Eggen oder die ausschließliche Bearbeitung schmaler Saatstreifen. Die extremste Form beschränkt sich auf das Ziehen einer Saatrille (Direktsaatverfahren).
Nichtwendende, schonende Lockerung hat ein stabiles tragfähiges Bodengefüge zum Ziel als vorbeugenden Schutz gegen Bodenverdichtung durch nachfolgendes Befahren sowie eine Reduzierung des Energieeinsatzes. Das Belassen von Pflanzenreststoffen der Vor- und/oder Zwischenfrucht nahe oder auf der Bodenoberfläche bewirkt eine (fast) ganzjährige Bodenbedeckung über einem intakten, "konservierten" Bodengefüge. Dadurch wird der Bodenerosion und Verschlämmung vorgebeugt.

(s. a. konventionelle Bodenbearbeitung)

Weitere Informationen:

Konservierungsstoffe

Im weiteren Sinne Stoffe, die natürlichen oder synthetischen Produkten zugesetzt werden, um die Haltbarkeit zu verlängern. Bei Lebensmitteln und Futtermitteln steht besonders ein Schutz vor Befall durch Mikroorganismen (und evtl. auch höheren Organismen) im Vordergrund.

Kontrollierter Anbau

Das Warenattribut "Aus kontrolliertem (Vertrags-)Anbau" bedeutet, daß eine Lebensmittel verarbeitende Firma ihre Rohstoffe von Landwirten bezieht, mit denen sie Verträge abschließt über garantierte Abnahmemengen, anzubauende Sorten, bestimmte Fruchtfolgen oder auch den Einsatz von Pestiziden und Düngern. Es besteht kein Bezug zu dem Attribut "kontrolliert biologischer Anbau", welches ökologischen Anbau garantiert.

Konturpflügen

Agrartechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der hangparallel gepflügt wird. Dadurch soll der Wasserabfluss unterbrochen und die Einsickerungszeit verlängert werden.

(s. a. Bodenerosion, Kontursaat)

Kontursaat

Bestellung des Ackers entsprechend dem Verlauf der Höhenlinien zur Verminderung der Bodenerosion. Die Wirkung der Kontursaat kann verstärkt werden durch die Anlage kleiner isohypsenparalleler Dämme.

(s. a. Furchensaat, Dammkultur, Konturpflügen)

konventionelle Bodenbearbeitung

Typisch für die konventionelle Bodenbearbeitung, auch wendende Bodenbearbeitung oder Umbruch genannt, ist der regelmäßige Einsatz des Pfluges. Das Pflügen bewirkt auf Krumentiefe eine Wendung, Lockerung, Krümelung und Durchlüftung des Oberbodens. Durch die Bearbeitung wird eine saubere, von Reststoffen freie Ackeroberfläche erreicht, da zugleich Dünger, Ernterückstände und Bewuchs (z. B. Unkraut) durch den Wendevorgang untergearbeitet werden. Der Umbruch des Ackers stellt somit auch einen wichtigen Beitrag zur Unkrautregulierung, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung dar.

Dieser so genannte Grundbodenbearbeitung folgt die Saatbettbereitung, bei der das Bodenmaterial mit unterschiedlichen Geräten zerkleinert und eingeebnet wird. Auf der so vorbereiteten Fläche erfolgt die Aussaat.

Der starke Eingriff in den Boden durch das Pflügen hat aber auch nachteilige Auswirkungen, etwa durch Schädigung der Regenwürmer-Population. Ferner kann der Umbruch der Ackerfläche eine wesentliche Ursache für Bodenerosion sein und für Humusverluste. Im intensiven Ackerbau ist es das überwiegend angewandte Verfahren zur Vorbereitung der Saat der Hauptfrucht. Die Pflugtiefe betrug beim Einsatz von Zugtieren vor dem ein- oder zweispännigen Gespannpflug zu Anfang des 20. Jahrhunderts oft nur etwa 10-15 cm. Größere Arbeitstiefen, wie sie beispielsweise beim Anbau von Zuckerrüben erforderlich sind, erforderten den Einsatz von drei oder fünf kräftigen Zugtieren. Mit Aufkommen der Mähdrescher und dem Verbleib des Strohs auf dem Acker musste die Furchentiefe gesteigert werden, um eine ordentliche Sekundärbodenbearbeitung zu gewährleisten. Allerdings wird heutzutage die optimale Tiefe von meist ca. 25 cm vielfach überschritten. Die durch das Pflügen entstehenden Pflugsohlenverdichtungen sind nur schwierig durch Tiefenlockerung oder den Anbau tiefwurzelnder Pflanzen (vgl. Gründüngung) zu beseitigen.

(s. a. konservierende Bodenbearbeitung)

konventionelle Landwirtschaft

Bezeichnung für die heute vorherrschende, rationelle und durch den Einsatz wissenschaftlich-technischer Entwicklungen geprägte Form der Landbewirtschaftung. Oft werden die Begriffe konventioneller Landbau und konventionelle Landbewirtschaftung weitgehend synonym verwendet. In Deutschland wirtschaften  92 % (2012/13) aller Landwirte auf herkömmliche (konventionelle) Weise. Sie umfasst eine Vielfalt verschiedener Produktionsrichtungen und -intensitäten. Lediglich der ökologische Landbau ist hiervon aufgrund seiner exakten Definition und Bewirtschaftungsauflagen eindeutig abgrenzbar. Der konventionelle Landbau beinhaltet die gesamte Bandbreite von einer extensiven Bewirtschaftung in Grenzertragslagen bis hin zur intensivsten flächenunabhängigen Massentierhaltung, von einem integrierten Pflanzenbau bis hin zum intensiven Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz in artenarmen Fruchtfolgen oder großflächigen Monokulturen.
Der konventionelle Landbau wird in Gesetzen und Verordnungen zumeist durch die Begriffe "gute fachliche Praxis" und "ordnungsgemäße Landbewirtschaftung/Landwirtschaft" näher gekennzeichnet, ohne jedoch in der Definition und Regelung der Produktionsweise wesentlich über Formulierungen wie "nach Stand des Wissens und der Technik" hinauszugehen. Da viele nach heutigem Stand des Wissens und der Technik vermeidbare Umweltbelastungen unter der Bezeichnung "ordnungsgemäß" dennoch stetig zugenommen haben, kann die Festschreibung dieser Bewirtschaftungsform in Gesetzestexten mit der Bezeichnung "ordnungsgemäß" als gesetzgeberische Fehlleistung angesehen werden.

Merkmale des konventionellen Landbaus sind:

Der konventionelle Landbau erfährt eine zunehmende Akzeptanzkrise. Für die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung wird immer weniger verständlich, daß die hohen Subventionen zu wachsenden ökologischen und sozialen Problemen führen (Arbeitskräftefreisetzung als Folge des Konzentrations- und Industrialisierungsprozesses).

(s. a. integrierter Landbau, ökologischer Landbau)

konventioneller Landbau

Siehe konventionelle Landwirtschaft

Konversionsfläche

Der Begriff Konversion beschreibt in der Stadtplanung die Wiedereingliederung von Brachflächen in den Wirtschafts- und Naturkreislauf. Der Begriff entstand im Zuge der Umnutzung ehemaliger militärischer Anlagen (Konversionsflächen) und wurde speziell für diese verwendet. Im Laufe der Jahre fand der Begriff auch bei anderen Entwicklungsflächen Anwendung. Häufig werden Konversionsflächen zum Bau von Photovoltaik-Freilandanlagen genutzt.

Koog

Ein Koog (Plural: Köge) ist an der Nordseeküste Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande und Belgiens durch Deichbau und Entwässerung aus dem Meer gewonnenes flaches Marschland. Diese Form der Landgewinnung gibt es auch an Flussläufen. In der Regel wird ein Koog durch Eindeichung geschützt.

In den Niederlanden und in angrenzenden Teilen Ostfrieslands wird für das eingedeichte Land meist das Synonym Polder (plattdeutsch: Poller) gebraucht. Im östlichen Teil Ostfrieslands und im Oldenburger Land gibt es noch die Bezeichnung Groden.

Da ein Koog oft niedriger als der Wasserspiegel der angrenzenden Gewässer liegt, muss das Binnenland ständig entwässert werden. Die Aufgabe der Entwässerung übernehmen Vorfluter, Siele, Schöpfwerke und Wasserpumpen.

In heutiger Zeit arbeiten die Pumpen mit Motorkraft, in vorindustrieller Zeit bis teilweise zur Hochindustrialisierung wurden sie mit Windkraft betrieben (Windpumpe). Die Gruppen von Windmühlen auf den Deichen des Rheindeltas − ein Wahrzeichen der Niederlande − sind alte Wasserpumpen.

Neben der Gewinnung von Land aus dem Meer spricht man auch an Flüssen von Kögen oder Poldern. Meist handelt es sich um ehemalige Feuchtgebiete, die nun landwirtschaftlich genutzt werden. Dabei wird aus einer Flussaue oder einem Bruch ein ganz anderes Ökosystem, an dessen Ursprung nur noch der Name erinnert, wie an dem Beispiel des Oderbruchs zu sehen.

An Rhein, Elbe und Oder werden diese Flächen auch zum Hochwasserschutz mittels Fluten genutzt. Ist das Hochwasser ausreichend abgeflossen, pumpt man das Wasser wieder aus den Poldern und kann diese bis zum nächsten Hochwasser wieder landwirtschaftlich nutzen. Bis in die 1950er Jahre wurden Köge aus wirtschaftlichen Gründen zur Landgewinnung angelegt, seitdem steht der Küstenschutz im Vordergrund.

Kopfbaum

Weiden, Hainbuchen, Eschen und Linden, die regelmäßig auf 2-3 m Höhe geschnitten (geschneitelt) wurden, um Viehfutter, Stalleinstreu oder Flechtmaterial zu gewinnen, auch zur Landschaftsverschönerung.

Kennzeichen:

Weitere Informationen:

Koppel

Ein von Zäunen, Hecken oder Mauern eingehegtes Stück Weideland. Daneben wird das eingezäunte, im Rahmen der Koppelwirtschaft bzw. Feldgraswirtschaft genutzte Land als Koppel bezeichnet.

Koppelnutzung

Im Bereich nachwachsender Rohstoffe versteht man unter einer Koppelnutzung die parallele Erzeugung von Produkten und/oder Energie aus Biomasse. Hierzu gehören die gleichzeitige Verwertung von bei der Verarbeitung von Biomasse anfallenden Nebenprodukten sowie die Erzeugung von Prozessenergie aus den Prozessabfällen bei der Konversion von Biomasse zu Produkten. Auch das umfassendere und weiterentwickelte Konzept der Bioraffinerie, das ein integratives Gesamtkonzept zur möglichst vollständigen Ausnutzung der Biomasse ist, fällt darunter. Prinzipiell sind hier zwei Nutzungsstränge möglich, die ggf. auch gekoppelt realisiert werden können:

Das Ziel der Koppelnutzung besteht darin, eine Wertschöpfungssteigerung über einen gesamten Produktionsprozess durch eine multiple Nutzung aller Komponenten des Rohstoffs einschließlich anfallender Neben- und Koppelprodukte zu erreichen. Mittel- und langfristig sollen lineare Produktionsketten mit geringer Wechselwirkung durch systemisch vernetzte Produktionscluster ersetzt werden.

Koppelprodukt

Produkt, das bei der Erzeugung eines bestimmten Gutes zwangsläufig mitproduziert wird.

Beispiele für Haupt- und Koppelprodukte
Beispiele für Haupt- und Koppelprodukte

In der Kostenrechnung werden Haupt- und Koppelprodukte rechnerisch zu einer Produktionseinheit zusammengefasst und ökonomisch wie andere Einzelprodukte beurteilt.

Koppelprodukte fallen z. B. auch während der Produktion von Biokraftstoffen als Nebenprodukte an. Rund 40 Prozent der Bioenergie-Flächen dienen daher gleichzeitig auch der Produktion von Futtermitteln, da bei der Herstellung von Rapsöl und Bioethanol immer auch Futtermittel wie Rapsschrot und Trockenschlempe anfallen. Das ebenfalls im Produktionsprozess anfallende Glyzerin wird in der chemischen Industrie als Rohstoff eingesetzt.

Koppelweide

Weidenutzungsform, bei der die Gesamtweidefläche in vier bis sechs Teilflächen (Koppeln) mit Hilfe massiver Weidezäune unterteilt wird. Es erfolgt eine mehr oder weniger regelmäßig aufeinanderfolgende Beweidung der Teilflächen. Die Bewegungsfreiheit der Weidetiere ist gegenüber Stand-, Hutungs- oder Almweide deutlich begrenzt. Die Beweidungsintervalle sind in Abhängigkeit von Koppelzahl, Koppelgröße und Besatzstärke auf 1½ bis 2 Wochen herabgesetzt. Soweit keine Weidepflege erfolgt, kommt es häufig zu sehr starker Verunkrautung und Ausbreitung von vom Weidevieh gemiedener Grasarten.

Koppelwirtschaft

In Norddeutschland gebräuchliche Bezeichnung für die Feldgraswirtschaft. Bei der Koppelwirtschaft ist die LN eines Betriebes in Schläge eingeteilt, die im jeweils regelmäßigen Wechsel als Acker und als Weide genutzt werden. In Schleswig-Holstein ist die Einhegung der Schläge mit Wallhecken landschaftsprägend. Wesentliches Merkmal der Koppelwirtschaft ist die dauerhafte Parzellierung der Nutzfläche in Betriebsparzellen, die ausschließlich individuell bewirtschaftet werden.

Die Koppelwirtschaft ist wahrscheinlich in Holstein entstanden, und zwar als eine Neuerung, die sich im 16. Jahrhundert auf den holsteinischen Gutshöfen ausbreitete. Obwohl der Wechsel von Weidenutzung und Getreidebau zum Wesen der Koppelwirtschaft gehörte, stand die Viehhaltung im Mittelpunkt. Das feuchte Klima der Küstenzonen, das den Graswuchs begünstigt, hatte seit langem die nördlichen Küstengebiete, aber auch die Flussniederungen zur Viehhaltung prädestiniert. Im 16. Jahrhundert bildeten Ochsenmast und Pferdezucht die Haupteinnahmequelle vieler Gutswirtschaften. Im 17. und 18. Jahrhundert traten dann Rinderhaltung und Milchwirtschaft in den Vordergrund.

In Mecklenburg hat sich die Koppelwirtschaft vor allem im 18 Jahrhundert rasch ausgebreitet, zuerst auf den ritterschaftlichen Gütern und gegen Ende des Jahrhunderts auch auf den bäuerlichen Betrieben. Es bildeten sich verschiedene Modifikationen der mecklenburgischen Koppelwirtschaft heraus, die mit einer unterschiedlichen Anzahl von Korn- und Weidejahren kombiniert waren.
Diese Wirtschaftsweise wurde im ganzen Ostseeraum verbreitet.

(s. a. Verkoppelung)

Kopra

Die Kopra ist das getrocknete Kernfleisch von Kokosnüssen, aus dem Kokosöl gewonnen wird. Der Name stammt von dem Wort koppara aus Malayalam, was in dieser Sprache „getrocknete Kokosnuss“ heißt. Eine einzelne Palme liefert zwischen 5 und 20 kg Kopra pro Jahr.

Die Kopra-Gewinnung in den Kokosplantagen läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst werden die Kokosnüsse geschält und gespalten. Die dabei anfallenden Kokosfasern werden unter anderem als Füllstoff für Matratzen verwendet. Das frische Fruchtfleisch enthält ungefähr 45 % Wasser, maximal etwa 50 %.

Die gespaltenen Kokosnusshälften werden nun für ca. 24 Stunden in einem Ofen oder beheizbaren Raum erhitzt, um dem Fruchtfleisch Feuchtigkeit zu entziehen. Dabei wird der Wassergehalt des Fruchtfleisches auf 5 % reduziert. Der Fettgehalt beträgt dann 63 bis 70 %. Auch eine Sonnentrocknung ist möglich.

Nach dem Erkalten löst sich das Fruchtfleisch, nun Kopra genannt, leicht von der Schale. Die Schalen werden beispielsweise zu Aktivkohle weiterverarbeitet oder zu Gebrauchsgegenständen, wie Gefäße, Knöpfe, Ringe oder Souvenirs. Die gewonnene Kopra wird zu Kokosraspeln verarbeitet oder angesichts ihres Ölgehalts von 70 % in einer Ölmühle ausgepresst. Das gewonnene Öl ist Ausgangsmaterial für die Margarineerzeugung. Kokosraspel wird weltweit für Gebäck, Kokosmilch für Speisen verwendet. Auch gewinnt man eine Paste, die zum Kochen verwendet wird.

Die Erzeugerländer exportieren zunehmend nicht mehr Kopra, sondern nehmen die Ölpressung im eigenen Lande vor. Kopra wird auch zur Herstellung u. a. von Seifen und Kosmetika verwendet, sowie der sog. Presskuchen (Rückstand aus der Ölpressung) als wertvolles Viehfutter mit hohem Gehalt an Zucker, Eiweiß und Mineralien.

Die Philippinen waren im Jahr 2010 mit einer Jahresmenge von 15,54 Mio. t weltweit größter Kokosöl-Lieferant (Exportanteil 85 %) und standen in einem harten Wettbewerb mit den Palmöl-Lieferanten Malaysia und Indonesien. Während zum Beispiel im Dezember 1998 Kokosöl mit 770 US-$/t FOB gehandelt wurde, lag der Preis für Palmöl bei 625 US-$/t FOB. Ende 2015 betrug der Preis für Palmöl etwa 500 US-$/t.

Körnerleguminosen

Hülsenfrüchte, die als Viehfutter und als Gemüse angebaut werden. Ackerbohnen, Erbsen, Wicken und Lupine gelten als eiweißreiches Futter, das direkt oder siliert verfüttert wird. Körnerleguminosen werden auch zur Gründüngung verwendet.

(s. a. Leguminosen)

Körnermais

Mais, bei dem ausschließlich die reifen Körner mit umgerüsteten Mähdreschern geerntet werden. Zur Lagerung müssen die Körner nach der Ernte getrocknet werden. Neben seiner Verwendung als frisches Futtermittel wird Körnermais auch zu Stärke für die menschliche Ernährung verarbeitet.

Körnung

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Mineralböden. Sie ist Ausdruck für die Zusammensetzung der festen anorganischen Bodensubstanz aus meist mehreren Kornfraktionen. Die Körnung des Ausgangsgesteins und der Verwitterungsgrad bestimmen ihre Ausprägung.
In Deutschland werden folgende Kornfraktionen nach ihrem kugelförmig gedachten Durchmesser unterschieden:
Blöcke und Geschiebe (>200 mm), Kies (gerundet) und Steine (eckig) (200 - 2 mm), Sand (S, 2 - 0,063 mm), Schluff (U, 0,063 - 0,002 mm) und Ton (T, <0,002 mm). Kies und Steine werden in 4, Sand, Schluff und Ton in jeweils noch 3 Unterfraktionen gegliedert. Sand, Schluff und Ton bilden zusammen den Feinboden.

Der Begriff Bodenart wird mit der Körnung oft synonym verwendet, ist aber ein Ausdruck für die Korngrößenklasse, die vom Prozent-Anteil der Fraktionen S, U und T am Feinboden bestimmt wird. Die Benennung der Bodenart erfolgt nach der dominierenden Fraktion; hinzu kommt die Bodenart Lehm (L), die eine Mittelstellung zwischen S, U und T einnimmt.

Kötter

Auch Kotter oder Köter; Regionalbezeichnung für einen landwirtschaftlichen Kleinstellenbesitzer, abgeleitet vom Begriff "Kotten". Die Bezeichnung ist in NW-Deutschland seit dem 15. Jh. üblich, nach manchen Angaben auch früher. Der entsprechende oberdeutsche Begriff ist Kleinhäusler. Die Kötter weisen eine geringe Landausstattung auf, so daß ein großer Teil von ihnen als Nebenerwerbslandwirte einzustufen sind. Weitere Bezeichnungen gleichen Inhalts sind Kätner und Gärtner. Als Nachsiedler (nichterbende Nachkommen von Altbauern, Landlose) standen alle im Gegensatz zu den Hufner, Erben, Anspänner u.ä. genannten Altbauern. Sie hatten i.d.R. verminderte Gemeinderechte (Nutzung der Allmende).

(s. a. Köbler, Seldner)

Kraftfutter(mittel)

Kraftfutter sind Futtermittel mit einem höheren Energiewert und höherer Nährstoffkonzentration als Grundfutter. Grundlagen für Kraftfutter sind vor allem Sojaschrot aus den Ölmühlen, Schrote und Ölkuchen aus Kokosnüssen, Palmkernen und Erdnüssen sowie Maniok-Schnitzel (Tapioka), Maiskleber (ein Abfallprodukt aus der Stärkeherstellung), Citruspellets als Rückstand aus der Orangensaftproduktion, Obsttrester, Nebenprodukte aus Brauereien und Brennereien, Getreide, Körnermais, Kleie, Futterreis, Kartoffelflocken, Melasse, Ackerbohnen, pflanzliche und tierische Fette, Tier- und Fleischknochenmehl, Fischmehl und fertige Industriemischungen. Kraftfutter sind gut lagerfähig und dadurch für den Handel geeignet. Sie sind zwar teuer, gleichen dies aber durch ihre hohe Nährstoffkonzentration wieder aus.

Kraftfutter und die dafür nötigen Futtermittelimporte sind zusammen mit der Hochleistungszucht und der rationalisierten Viehhaltung Bedingung für die Produktionsergebnisse der europäischen Viehhalter.

Kral

Auch Kraal; afrikanischer Rundplatzweiler, bei dem sich häufig aus Reisig gefertigte Kegeldachhütten um einen Innenraum gruppieren. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtanlage, wie auch für den in seinem Innenraum liegenden Pferch gebraucht. Er stammt aus dem Portugiesischen (corral = eingepferchter Platz) und gelangte dann ins Niederländische.

Kreislaufwirtschaft

In der Kreislaufwirtschaft werden die Stoffströme durch alle am Produktzyklus Beteiligten weitgehend so geführt, daß eine möglichst häufige und möglichst emissionsarme und ressourcenschonende Nutzung von Stoffen auf hohem Wertschöpfungsniveau stattfindet. Der Begriff ist insofern mißverständlich, als es aufgrund von thermodynamischen Gesetzmäßigkeiten und des Unterschiedes zwischen idealen und realen Prozessen "Kreisläufe" nur unter Energiezufuhr und Ein- und Ausschleußung von Stoffen geben kann, Kreisläufe also nicht geschlossen sind. Werden Produkte aus einer landwirtschaftlichen Betriebseinheit vermarktet, so ist damit die Kreislaufführung der Stoffe bereits teilweise unterbrochen.

Die polare Gegenüberstellung von Kreislaufwirtschaft und linearer Wirtschaftsform stellt die beiden Endpunkte der Beurteilung für das Ausmaß an Stoffkreislaufführung in einem landwirtschaftlichen Betrieb dar. In der landwirtschaftlichen Praxis sind hauptsächlich Übergangsformen zwischen diesen beiden Extremen vorzufinden. Beispiel für maximale Annäherung an die lineare Wirtschaftsform sind Betriebe mit bodenunabhängiger Viehhaltung, wo alle Bewirtschaftungsmittel zugekauft und alle Produkte verkauft werden, die tierischen Ausscheidungen hingegen als Abfall resultieren. Ein Beispiel für die maximale Annäherung an die Kreislaufwirtschaft ist ein gemischt wirtschaftender Selbstversorgerbetrieb, in dem keine Bewirtschaftungsmittel zugekauft und keine Produkte verkauft werden.

In der modernen Landwirtschaft wird das Prinzip einer Kreislaufwirtschaft am ausdrücklichsten vom ökologischen Landbau verfolgt.

Kreuzung

Verfahren zur Erzeugung von Nachkommen mit neuen Merkmalskombinationen durch Paarung zweier Elternorganismen oder durch künstliche Befruchtung.

Kreuzweg

Bezeichnung für einen der Via Dolorosa (‚schmerzensreiche Straße‘) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeter Wallfahrtsweg, wie auch für eine Andachtsübung der römisch-katholischen Kirche, bei welcher die Betenden zur Osterzeit den einzelnen Stationen dieses Weges folgen.

Die Darstellung der einzelnen Kreuzwegstationen, zuweilen auch Fußfallstationen genannt, weil die Betenden an jeder Station niederknien, erfolgt meist als Bilderzyklus, seltener als Skulpturengruppe oder – in Form von Bildstöcken mit Bildern, Skulpturen oder Kapellen – im Großen als Kalvarienberg. Kreuzwege können als Freilandkreuzweg, meist an einem Hang, ausgebildet sein und entsprechen hinsichtlich Lage und Entfernung ihrer Stationen im Idealfall den Verhältnissen in Jerusalem. So bildet den Abschluss des Kreuzweges häufig eine Anhöhe (Kalvarienberg; lat. calvariae locus = Schädelstätte), auf dem eine Kirche als Abbild der Grabeskirche von Jerusalem oder die Kreuzigungsdarstellung aufgebaut war.

Krümelstruktur

Lockerer Bodenzustand. Die Krümelstruktur entsteht durch Ausflockung von Bodenkolloiden, die Tätigkeit der Mikroflora und die Aktivität der Bodentiere (Beimpfung; Verkittung und Vermischung von Huminstoffen, Bestandesabfall und Mineralbodenanteilen).

Kuh

Weibliches Rind nach dem ersten Kalben. In Deutschland werden Kühe als Zweinutzungsrinder gehalten, zur Fleisch- und Milchproduktion. Für die Milchproduktion ist es notwendig, dass Kühe kalben. Als „dritte“ Nutzung gilt der Einsatz des Kalbes zur Aufstockung des Kuhbestandes (Neuaufzucht). Früher wurden Kühe auch als Zugtiere verwendet.

kultiviertes Fleisch

Siehe In-vitro-Fleisch

Kultosol

Anthropogener Auftragsboden mit mineralischem E-Horizont, entstanden bei Kultivierungs- und Bodenverbesserungsmaßnahmen, entweder durch Aufspülen (Überschlickung von Sandböden, Aufspülen von Abraumlöß bei der Tagebau-Rekultivierung), Aufschütten (Übersandung von Mooren, Sanddeckkultur und bei Tiefbauarbeiten), Überschieben und Planieren (Flurbereinigung mit Neuterrassierung, z.B. in Lößlandschaften).

(s. a. Melioration)

Kulturart

Die Form der landwirtschaftlichen Bodennutzung in Abhängigkeit von naturgeographischen und sozioökonomischen Gegebenheiten. Dazu zählen z.B. Ackerland, Gärten, Wiesen, Weiden, Obstanlagen, Rebflächen.

Kulturartenverhältnis

Es gibt an, welche Prozentanteile Ackerland, Grünland und Dauerkulturen eines Betriebes, eines Dorfes oder eines sonstwie begrenzten Raumes haben.

(s. a. Kulturart)

Kulturbau

Gesamtheit der Maßnahmen, die der Herbeiführung und Erhaltung der Kulturlandschaft dienen und den Bodenertrag bei gleichzeitiger Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit zu optimieren versuchen.

Zum Kulturbau gehören:

Kulturland

Der von bestellten Feldflächen eingenommene Teil eines landwirtschaftlichen Betriebes oder einer Gruppensiedlung. Beim Kulturland wird nach Kulturarten unterschieden.

Kulturlandschaft

Die vom Menschen gestaltete Landschaft, die nach bestimmten, vom jeweiligen Betrachter ausgewählten Kriterien abgegrenzt und gegliedert werden kann. Durch die Inwertsetzung der Naturlandschaft verwandelte sie der Mensch seit dem mittleren Neolithikum in die Kulturlandschaft. In Mitteleuropa waren dies wegen der dominierenden Waldbedeckung vornehmlich Eingriffe in die natürlichen Wälder.

Kulturlandschaften bestehen aus einem komplexen Mosaik von Ökosystemen, die räumlich in einer ganz bestimmten Weise angeordnet sind und in unterschiedlichem Maße vom Menschen beeinflußt werden. Der Mensch schafft Formen, Strukturen und funktionale Zusammenhänge, die es ohne ihn nicht geben würde. Jede Kulturlandschaft ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung von Menschen mit der gegebenen Landesnatur und mit historisch überlieferten anthropogenen Strukturen. Insofern sind Großstädte, Autobahnen, Industriegelände und ausgeräumte Agrarlandschaften ebenso "Kulturlandschaft" wie Gebiete mit kleinen Dörfern, Streuobstwiesen und alten Weinbergen. Wenn aber von Schutz der Kulturlandschaft gesprochen wird, sind i.d.R. letztere gemeint, reich strukturierte Landschaften mit meist extensiven landwirtschaftlichen Nutzungen, die als schön empfunden werden.

Insofern wird häufig die Industrielandschaft von der Natur- und Kulturlandschaft als eigenständiger Landschaftstyp abgehoben.
Von entscheidendem Einfluß auf die Bodennutzungsstruktur und damit auf die Landschaft war der Arbeitseinsatz und in neuerer Zeit der Einsatz fossiler Energie in der Landwirtschaft. Allgemein gilt, daß mit immer größerem Abstand der Bodennutzung von der Naturlandschaft ein immer höherer Energieaufwand erforderlich ist, um die Bodennutzung aufrecht zu erhalten.

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Kulturpflanze

Eine Kulturpflanze ist eine Pflanze im systematischen Anbau. Sie wird demnach planmäßig gesät bzw. gepflanzt, gepflegt, geerntet und liefert Rohstoffe oder Nahrung. Ihre Leistungsfähigkeit ist gegenüber der Wildform durch Auslese und züchterische Bearbeitung oder genetische Eingriffe ständig gewachsen. Der Begriff sollte strikt unterschieden werden von dem der Nutzpflanze, die keinen systematischen Anbau aufweist (z.B. Beeren und Pilze als Sammelgüter). Meist erfolgt ein Massenanbau einer einzigen Kulturart, lediglich das Grünland besteht als Pflanzengesellschaft, allerdings mit einem gezielt zusammengesetzten Bestand.

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Kulturpflanzen, Ursprungsgebiete der

Die in der Pflanzenproduktion bedeutenden Kulturpflanzenarten sind - teilweise unabhängig voneinander an verschiedenen Stellen auf der Erde) meist mehrere tausend Jahre v. Chr. in Kultur genommen worden. Die folgende Übersicht zeigt die ursprünglichen Zuchtgebiete der wichtigsten Kulturpflanzen, deren heutige Verbreitung meistens weit darüber hinausgeht. Im wesentlichen waren diese Kulturpflanzenarten bereits ca. 1.000 bis 2.000 v. Chr. bekannt.

Herkunfts- und erste Domestikationsgebiete von Kulturpflanzen
Herkunfts- und erste Domestikationsgebiete von Kulturpflanzen

Quelle: Geisler, 1988; Nevers, 1991; Sick, 1993

Die Ausfuhr von Kulturpflanzen aus den Ursprungsländern ihrer Domestizierung brachte sie in eine neue Umwelt, an die sie sich anpassen mußten. So entstand eine Vielfalt von Landrassen, die an die örtlichen Bedingungen angepaßt waren und unterschiedlich auf Schädlinge, Krankheiten und Umweltveränderungen reagierten. Während dieses Prozesses wurden auch bestimmte Unkräuter zusammen mit den Kulturpflanzen verbreitet. Einige erwiesen sich als besonders geeignet für ein Wachstum in der neuen Umgebung und wurden deshalb weiter kultiviert. So wurden Roggen und Hafer als begleitende Unkräuter des Weizens eingeführt und erfuhren eine Aufwertung, als der Anbau von Weizen am rauhen Klima von Nordeuropa scheiterte.

(s. a. Vavilov-Zentren)

Kultursteppe

1. Eine Steppenlandschaft (z.B. Pampa, Prärie), die durch intensive Landnutzung in eine Kulturlandschaft, hier eine Kultursteppe umgewandelt wurde.

2. Im übertragenen Sinn eine offene, baumlose und auch ansonsten strukturarme, in Monokultur genutzte Agrarlandschaft. Diese muß nicht wie eine natürliche Steppe semihumiden Charakter besitzen, andererseits auch nicht Waldgebiet gewesen sein. Sie weist jedoch mit ihrer durch menschliche Einwirkung bedingten Armut an Landschaftselementen (Ausgeräumte Landschaft) Steppencharakter auf. Beeinträchtigungen des ökologischen Gleichgewichts sind häufige Folgen.
Die Analogie zur natürlichen Steppe ist insofern irreführend, als der Begriff "Steppe" mit dem Begriff der extensiven Weidenutzung verbunden ist, während es sich bei der Kultursteppe um intensiv genutztes Ackerland handelt.

Kultursubstrate

Nach dem Düngemittelgesetz sind Kultursubstrate "Pflanzenerden, Mischungen auf der Grundlage von Torf und andere Substrate, die den Pflanzen als Wurzelraum dienen, auch in flüssiger Form".

Unter anderen gehören folgende Substrate in diese Gruppe:

Alle heute bekannten Boden-Ersatzsubstrate eignen sich vorwiegend zur Anzucht kleiner Mengen von Pflanzen in geschlossenen Kulturgefäßen, denen Pflanzennährstoffe als Nährlösung zugeführt wird. Daneben werden durchaus erfolgreich Kulturpflanzen, wie Tomaten, Gurken u.a. in künstlichen Erdsubstraten angebaut. Diese Kulturen sind aber nur für Früchte lohnend, die einen hohen Marktpreis erzielen, da Nährlösungen teuerer sind als Düngemittel im Feldbau.

Kulturtechnik

Technische und ingenieurbiologische Maßnahmen zur Verbesserung landwirtschaftlich nutzbarer Böden mit Wirkung auf das Bodenprofil, die Bodenzusammensetzung, den Wasserhaushalt und die Vegetation. Die Kulturtechnik ist als Teil der Landeskultur zu sehen.

Kulturwechselstufe

Auch Kulturgrenzstufe; besonders auf Lößböden markant ausgebildete Geländestufe, die an den Grenzen zwischen Ackerland und Grünland oder Wald auftritt, und die aufgrund unterschiedlicher Abtragung oder Aufschüttung in den Nutzungsarealen entsteht.

Kunstdünger

Siehe Mineraldünger, Naturdünger

Kunstegart

Alpenländische Form des Wechselgrünlandes mit künstlicher Feldfutteransaat. Auf eine acht- bis zehnjährige Grünlandnutzung folgt eine ackerbauliche Zwischennutzung, der zumeist ein dreifeldriges Fruchtfolgeglied (Kartoffeln - Sommergerste - Sommerroggen) zugrunde liegt.

(s. a. Egartwirtschaft, Feldgraswirtschaft, Naturegart)

Kunstwiesenbau

Traditionelle Form der Anlage von Wässerwiesen mit vollständiger Umgestaltung der Oberfläche, die als Hänge oder Rücken (sog. künstlicher Rückenbau) modelliert wurden. Die vollkommensten Kunstwiesen existierten in der Lombardei (ab dem 11. Jh.) und im Siegerland (Blütezeit im 19. Jh.). Weitere Beispiele finden sich in vielen Teilen Europas, z. B. um Suderburg (Lüneburger Heide), um Schleusingen und Königsberg (Preußen), in Flandern oder in Südengland. Aus der Grafschaft Dorset ist 1649 erstmals die spezifisch englische Innovation der bedwork water meadow dokumentiert.

Der älteste Hinweis auf die Existenz des Kunstwiesenbaus im Siegerland findet sich in der Hospitalordnung der Stadt Siegen aus dem Jahre 1534, die den Spitalmeister anweist, die von ihm verwalteten Wiesen zu bewässern. Der Wortteil ‚Kunst‘ im Begriff ‚Kunstwiesenbau‘ geht auf die künstliche Umgestaltung der Wiesenoberflächen zurück.

Die Entwicklung des überregional bedeutenden Siegerländer Kunstwiesenbaus steht in engem Zusammenhang mit der Eisenerzgewinnung und -verhüttung im Siegerland. Dazu waren große Mengen an Holzkohle und entsprechende Waldflächen nötig, wodurch die nutzbaren Wiesen- und Weideflächen stark eingeschränkt wurden.

Ein Ausgleich durch intensive Wiesennutzung musste geschaffen werden um den Viehbestand nicht stark verringern zu müssen und um die Ernährung der als Bergleute tätigen Nebenerwerbsbauern zu sichern. Die notwendige Futtermenge wurde durch Leistungssteigerung mittels künstlicher Bewässerung ermöglicht.

Die Eisenindustrie mit ihrem großen Bedarf an Pferde- und Ochsengespannen hatte selbst ein großes Interesse an der Erhöhung des Heuertrags der Wiesen.

Daher bildeten sich im Laufe der Zeit zwei sehr verschiedene Methoden heraus:

Der großflächige Kunstwiesenbau hatte einst neue Landschaften geschaffen, heute sind die Bewässerungsflächen aus dem Landschaftsbild der Tiefländer verschwunden. Intensive agroindustrielle Bodennutzung und Energiewirtschaft beherrschen die weiten Ebenen.

Weitere Informationen:

Kurzgewann

Gewann, dessen Parzellen im Mittel unter 200 - 250 m Länge aufweist.

Kurzstreifenflur

Flur mit überwiegenden Kurzstreifen, die sich in Mitteleuropa nach Müller-Wille (1962) bei einem mittleren Grenzwert von 333 m von Langstreifen absetzen lassen. Bei Kurzstreifen erfaßt das Streifensystem zudem nicht den Gesamtbereich der Flur bzw. eines Flurteils (z. B. Zelge).

Kurzumtriebsplantage (KUP)

Auch Schnellwuchsplantage, Kurzumtriebskultur, Niederwald mit Kurzumtrieb; Pflanzung mit schnellwachsenden und stockausschlagfähigen Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen, die in relativ kurzen Intervallen abgeerntet wird. Die EG-Verordnung 1120/2009 trägt den Nationalstaaten die Erstellung einer Liste zulässiger Gehölzarten auf. In Deutschland wurden Weiden, Pappeln, Robinien, Birken, Erlen, die Gemeine Esche sowie Stiel-, Trauben- und Roteiche zugelassen.

Die erzeugte Biomasse kann stofflich verwertet werden, beispielsweise in der Papier-, Zellstoff- und Holzwerkstoffindustrie, meist wird sie aber als Holzhackschnitzel zur Energiegewinnung genutzt. Man spricht deshalb auch von Energiewäldern.

Der plantagenmäßige Anbau erleichtert die mechanische Holzernte. Aus den verbleibenden Stöcken und Wurzeln kommt der Neuaustrieb für die nächste Ernte oder es erfolgt eine Neuanlage der Pflanzung.

Rechtlich gesehen sind Kurzumtriebsplantagen mit einer Umtriebszeit von höchstens 20 Jahren kein Wald, sondern behalten den Status von landwirtschaftlichen Flächen. Kurzumtriebsplantagen stellen eine moderne Form der historischen Niederwaldnutzung dar. Sie werden über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren mehrmals abgeerntet. Die Umtriebszeiten, das heißt, die Zeit zwischen der ersten Aussaat/Anpflanzung der Bäume und der Ernte des Endprodukts, liegen in einem weiten Rahmen von zwei bis 20 Jahren. Nach der Ernte treiben die Wurzelstöcke im nächsten Frühjahr wieder aus, man arbeitet nach dem Prinzip "einmal pflanzen - mehrmals nutzen".

Diese offiziell als Niederwald mit Kurzumtrieb (Nutzcode 841) bezeichneten Pflanzungen zählen zu den Dauerkulturen. Für die Anerkennung der Direktzahlungen sind die Arten der Liste 4 zulässig. KUP werden im Rahmen des sogenannten Greenings als ökologische Vorrangfläche anerkannt und ab 2015 mit dem Faktor 0,3 gewichtet. Daraus können Kurzumtriebsplantagen auf betrieblicher Ebene ggf. weitere wirtschaftliche Vorteile zugerechnet werden. Allerdings dürfen auf ökologischen Vorrangflächen mit „Niederwald mit Kurzumtrieb“ keine mineralischen Düngemittel und keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Weitere Informationen: